SY Ladiala

Mit dieser Seite wollen wir Familie und Freunden einen Einblick in unsere Reise geben, welche am 2.April 2018 auf der Insel Murter in Kroatien angefangen hat.
Wir sind: Michèle, Mark und die Kinder, Maxim (12/2013) und Mara (9/2015)
La Diala, ein Katamaran Helia 44 von Fontaine-Pajot, Baujahr 2014, haben wir im Frühjahr 2017 erworben.
Auf der Seite „Position und Route“ ist ersichtlich, wo wir gerade sind und wenn ihr von der KARTE auf das Satelitenbild wechselt wird’s noch besser… oder sonst auch via Marine Traffic. Mit der App Marine Traffic- Ship Tracking kann man uns auch nachspüren
Für Nachrichten an uns darfst du gerne das Kontaktformular verwenden. Wir freuen uns über jede Rückmeldung aus der Heimat.

25. September 2019

Photos Bahamas to NYC

24. September 2019

August-September 2019 Cape May, New York, Newport

Cape May Atlantic City- Lower Bay New York und dann Statue of Liberty sowie Hudson River und East River. Alles geankert in wunderschönen oder megaspannenden Locations.

Cape May: Coastguard-College und US-Nationalhymne sowie
Trompetenfanfarenstoss jeden Morgen um 0800h 100m von uns entfernt zudem grosser, permanenter Markt mit allem, was das Meer hergibt zum Essen. Im Rücken von uns immer die Ungewissheit, ob Hurricane Dorian nach Nord-Osten ziehend näher oder weiter entfernt von der Küste vorbeirauscht, sodass wir nicht von Wind oder Sturmflut betroffen sein werden. Die Yachten unserer Freunde südlich von Cape Hatteras (North Carolina) und unser Lieblingsort Beaufort mit Cape Lookout lagen genau im Durchzugsgebiet nur wenige Meilen vom Auge des Monsters entfernt. Bekannte in Beaufort haben Ihre Häuser verlassen. Aber niemand vermeldete Schäden auch nicht die befreundeten Yachties von Savannah und Charleston. MonReve lag in Beaufort/Oriental sicher im Trockendock trotz den Sturmfluten, welche auf Bahamas 5-6m gemessen haben, in Beaufort nur 60-100cm betrugen zusätzlich zur normalen Flut. Der Hurricane hatte an Kraft verloren und wurde als Klasse 1 eingestuft mit bis zu 160km/h Windgeschwindigkeit. Die Sturmflut ist der Anstieg des Meeresspiegels durch den Wind- und Wasserdruck – dann kommen noch die zerstörerischen Wellen und die Winde dazu und gelegentlich ein Tornado on top welcher «aber nur lokal» zerstört mit seiner Windkraft. Sorry kann man ja alles nachlesen im Internet etc.
Also, angekommen in NYC bei der Freiheitsstatue in der Upper Bay haben wir im Rücken der Dame ca. 100m entfernt ganz legal geankert und 2x dort übernachtet. Dazwischen waren wir 5d im Hudson River vor Manhattan an der Ankerkette direkt bei der 79.West- Street. Mit dem Dinghi etwas mühsam da 5min Fahrt mit bis 3kn Strom mal flussaufwärts, mal abwärts. Das hat teilweise ordentlich an der Kette gezerrt insbesondere auch weil unser Schiff (Katamarane im Speziellen) durch Wind gelegentlich in ganz andere Richtungen gedreht wird und es dann wegen Wind und Strömung ein erstaunliches Hin- und Herfahren im Bereich des Kettenradius gibt, was nicht gerade vertrauensfördernd ist und die Nachtruhe gelegentlich stört. Zudem ist es tagsüber ein mulmiges Gefühl in Downtown Manhattan zu sein und das Schiff steht im Hudsonriver bei 2-3kn quer in der Strömung. Die Wellen durch Wind oder die Grossen Schleppverbände sind je nach Wind/Strömung erheblich und schlagen von den Uferbefestigungen zurück. Da fragt man sich immer wieder: hält der Anker?
Nach 5d wollten wir etwas Ruhe und Sicherheit, da wir auch nicht wussten, wie stark die lokalen Winde werden beim Vorbeiziehen von Dorian draussen im Atlantik. Also verlegten wir zurück in die Lower Bay/Richmond in einer rundum abgeschlossene Marina (Great Kills..). Hurricane Sandy hat vor einigen Jahren die Marina bzw. NY heimgesucht: das Wasser ist wegen der Sturmflut höher als alle Dämme gestanden (+ 4m) und die Wellen kamen «fadegrad rein». Das heisst dann auch: alle Schwimmdocks sind oben am Ende über die Halt-Pfosten geflutet und abgetrieben worden zusammen mit den restlichen dara festgebundenen Schiffen.
Item: wir xxx sicher festgemacht an diesen Schwimmdocks in Great Kills und haben die Zug-Route verfolgt. Für uns ging es nur noch darum, wie stark Regen und Winde werden. 20-50kn war in diesem Stadium noch möglich. Das ist ok für uns auch wenn wir bei 25+kn nicht mehr im Hudson-River Ankern wollten. Am Schluss gabs 14h teils starker Regen und 20-max 25kn Wind und einen Stromausfall in der ganzen Marina, was aber Zufall war. Die Kinder haben die Zeit in der Marina mit Auslauf sehr genossen: Fischen auf dem Steg, Velofahren, Scooter/Trotinett, Spielplatz, Sandstrand. Dann zurück zur Freiheitsstatue und erneut bei schönstem Sonnenuntergang dort geankert und übernachtet mit Apero, Pizza aus dem Gasofen. Michi und Debbie haben uns begleitet. Beide leben und arbeiten seit kurzem in Brooklyn und Manhattan. Michi hat mit uns die Transat gemacht. Es ist erstaunlich erneut waren wir nur 2 Schiffe an diesem grandiosen Ankerplatz, welcher in der Nacht absolut ruhig und urban idyllisch war. Die ersten Touristen-Boote, Helikopter und Waterjets kommen morgens ca 8h.
Von der Statue gings dann durch den East-River (3kn Gezeiten-Strom in Spitzen bis 7kn) bis in die South-Bronx und dann zu den obergestopften Villen von Long Island in Port Washington/Manhasset-Bay. Unter all den Brücken hindurch, Brooklyn Bridge und alle anderen, vorbei am UNO-Hauptsitz und direkt in der Anflugschneise des LaGuardia-Airports und die tolle Skyline. In der Southbronx am New York Sunny Maritime College war ich als 23jähriger für einen zweiwöchiges Segeltörn bis nach Martas Vineyard und zurück. Das Befahren des East-River: Ein Erlebnis der Extraklasse. Wir haben sowohl im Hudson-River als auch vor der Liberty Statue Seile bzw. Schläuche und Stromkabel mit dem Anker hochgezogen.A ber solange das Zeugs bzw. der Anker noch hochkommt, kann man mit 2-3 Tricks oder zur Not mit vom Dinghi aus den Anker befreien nicht ganz einfach bei uns weil das Ankergeschirr nicht am Bug austritt sondern rückversetzt im Mittschiffs schlecht zugänglich unter dem Trapez-Netz liegt. Bei Strömung bzw. im Fluss eine Herausforderung aber es funktioniert und wir haben auch einem anderen Motorboot bei seiner «Befreiungsaktion» vom Dinghi aus geholfen das sind kleine Überraschungen im Tagesablauf. Eine andere: ich erwache von einem hochfrequenten lauten Geräusch, wie eine Fräse, morgens um 0630h. Noch einmal dieses Geräusch, sehr nahe, ich stehe auf: Maxim ist einen Metallkarabiner in die Toilette gefallen und er hat gespült weil die Schüssel tatsächlich voll war mit «biogenem Feststoff» und dem Karabiner. Nun muss man wissen, dass auf den Schiffen die elektrischen Toiletten einen Mazarator vor dem Pumpenrad montiert haben (Helvetisch = Häcksler). Dieser soll alles zu dünnflüssigem Brei zerkleinern, dann wird es in den Tank oder den Ablauf gepumpt auf dass es dann auch wieder aus dem Tages-Fäkalientank rausfliessen kann aufmerksam «Lesende» erinnern sich noch an die Aktionen, um den Auslass des Fäkalientankes zu entstopfen in der Ära VOR dem Mazerator. Nun ist also passiert, was ich nie tun wollte, aber heimlich immer befürchtete: ich musste die Schüssel mit dem Motor, dem Pumpenrad und dem Mazerator zerlegen. Das Manual war schon im Download-Ordner parat wir haben ja nicht immer WWW. Das geht recht einfach: 4 Schrauben lösen, ruckeln, dann rinnt alles Flüssige raus und der Motor sollte mit Mazerator/Mazeratorgehäuse und Pump-Impeller aus der Schüssel rausgezogen werden können. Können! Denn das Mazeratorgehäuse war so gut im Schüsselboden festgesetzt, dass es nur einen 5-6mm Spalt gab, dann sass Motor mit allem dran fest. Auch die Online-Beratung von Tim vom WC-Hersteller Jabsco war nicht hilfreich: WD40 Spray.. Durch diese 6mm kriegte ich den Karabiner raus und auch noch andere Dinge, welche dort nicht hingehören. Wir haben im Familien-Bord-Rat nochmals besprochen, dass es nur eine Art von Feststoff gibt, welcher im WC zu flüssiger Form verarbeitet werden kann- keine Spielsaschen, keine Haargummi etc.. Nun hätte ich eigentlich den nächsten Garantiefall am Halse: das elektrische WC einschicken? Alles sehr mühsam. Der andere Garantiefall ist der Reserve-Suzuki-Aussenbord-Motor mit verklemmtem Zylinderkopf-Ventil nach 5 Betriebsstunden. Der Motor ist seit 6 Wochen beim US-Händler, weil: ein Europäisches Modell = keine US-Seriennummer, keine Ersatzteile in den USA. Sonderfall; alles muss in Europa bestellt werden inkl. Kostengutsprache. Nun warten wir auf die Europaersatzteile seit knapp 4 Wochen! Der Motor ist noch in Annapolis/Chesapeake Bay bei Washington DC, wir in Newport, 650km entfernt. Nach der Passage des East-River sind wir nochmals nach Brooklyn für 3d in eine AirBnB- Wohnung. Das war wesentlich einfacher als auf dem Hudson River vor Anker. Toll auch wieder mal in einem Haus zu schlafen. Michi und Debbie haben einen Abend auf die Kids aufgepasst und wir haben japanisch diniert. New York war toll aber mit den Kindern auch anstrengend in einer solchen Stadt mit so vielen Menschen, den grossen Distanzen und dermassen viel Verkehr und Gedränge in der U-Bahn. Die Kinder waren meist mit den Scootern unterwegs, so konnten wir problemlos grössere Distanzen zu Fuss zurücklegen. Dann sind wir in die Hamptons gezogen, genauer im Long Island Sound auf der Nordseite von Longisland Richtung Osten (das erste Mal auf unserer Reise nach Osten!) gesegelt bis nach Montauk mit Zwischenstationen u.a. in Port Jefferson, auf Shelter Island und Greenport. Im Lake Montauk lagen wir vor Anker bei der Marina, welche 10Dollar pro Fuss Bootslänge für 1 Nacht verlangt – für uns = 440.-/Nacht und dann noch Strom extra; dafür Pool und Fitness. Wir blieben vor Anker gleich am lokalen Flugfeld, wo am WE ein reger Shuttlebetrieb herrschte für die Boots- und Hausbesitzer und Mieter in East -Long Island. Welche Prominente und Reiche ein Grundstück auf diese Insel besitzen kann man alles nachlesen; auch Max Frischs Roman, Montauk, in welchem der ältere Herr mit jüngerer Geliebten über sein interessantes Leben schwadroniert.
Long Islands Nordküste am Long Island Sound gelegen ist sehr schön, viele Buchten und ruhige Orte mit den erwähnten mondänen Villen mit Seeanstoss, für uns zum Ankern wundervoll. Port Washington, Shelter Island, Greenport, Montauk und Block Island waren Orte, welche wir zu Fuss, mit Uber oder mit Velo und Scooter erkundet haben.
Seit New York ist es merklich kühler geworden nachts und sobald es etwas bewölkt ist. Wir sind froh um die Diesel-Heizung auch um die Feuchtigkeit aus dem Boot raus zu kriegen.
Von Block Island sind wir bei Dunst und Nebel übergesetzt auf das Festland, Newport, Rhode Island. 30 Meter unmittelbar neben dem Schiff ist ein grosser Walfisch aufgetaucht, hat geblasen und langsam ist sein Rücken durch das Wasser geglitten bevor er lautlos wieder im nur 35m tiefen Wasser verschwunden ist. Wir haben das Spektakel noch 3x geniessen können allerdings nicht mehr so nahe am Schiff. Das war überraschend aufregend hätte ich nie gedacht.
Seit September 2018 in der Strasse von Gibraltar haben wir keinen Nebel mehr erlebt. Nun bimmelt und heult hornt es bei der Einfahrt nach Newport von den Seefahrts-Tonnen (Heul und Glockentonnen) und den
Leuchtfeuern/Leuchttürmen (Hornsignale) und es herrscht bei 14-16kn Wind trotz eingeschränkter Sicht ein sehr reger Segelbetrieb mit modernen und vielen älteren Yachten. Zudem gilt die Region hier als Sportfischer-Mekka und so sind auch extrem viele kleine bis sehr grosse Sportfischer-Yachten unterwegs, welche erhebliche Kreuzseen produzieren im engen Fahrwasser. Die Fische, welche hier gefangen werden sind wirklich teilweise unvorstellbar gross und werden dann mit Fotos dokumentiert.
Newport war ab 1930 während 50 Jahren das US-Zentrum des Americas Cup. 1930 wurde hier mit den J-Yachts und später mit den 12-er gesegelt bis Australien die Kanne gewann: 1983 Australia II beendete die 137jährige Dominanz der Amerikaner in Newport. Heute haben wir das Kielwasser von drei 12-er Yachten gekreuzt beim Einlaufen in das Hafenbecken.
Neben Palma de Mallorca, Las Palmas auf Gran Canaria, Le Marin auf Martinique und Annapolis in der Chesapeake Bay finden wir hier ein weiteres gigantisches Motorboot- und Segelzentrum mit vielen teils exklusiven Yachten (Oldtimer und Superyachten) vor Anker, an unzähligen Bojen und in den vielen teuren Marinas welche das grossen natürliche Hafenbecken säumen.

1. September 2019

Cape Hatteras, Chesapeake Bay bis Cape May, August 2019

Unser 1. August in Beaufort bleibt unvergesslich. Wir luden unsere neugewonnenen US Freunde auf LaDiala ein. Gemeinsam mit den Genfer Gaia gaben wir unsere Eidgenossenschaft zum besten; zweisprachig „Tritts im Morgenrot daher“, Älpler Maccaroni und Kinder Lampion Umzug ums Boot.

Die Zeit wurde reif für das berühmt berüchtigte Cape Hatteras. Zuvor wurden wir vom Cape Lookout, ein Tagesetmal von Beaufort entfernt, mit einer der schönsten Natursandgrasdünenleuchtturmbucht verwöhnt.

Bei Flaute konnten wir Cape Hatteras problemlos umrunden, der Golfstrom schenkte uns zum letzten Mal bis zu 2kt Fahrt.

Ein neues Faszinosum liegt vor uns; die Chesapeake Bay! Noch nie etwas davon gehört? Ich auch nicht. Wiki hilft weiter;

Chesapeake Bay ist die grösste Flussmündung in den USA.

Der Name Chesepiooc wurde von hier ansässigen Indianerstämme gegeben und heisst vermutlich „Grosser Fluss“ oder bezeichnet ein Dorf an der Mündung des Gewässers zur offenen See.

Die Bay ist voll von amerikanischer Gründer-Geschichte. 1607 errichteten englische Kolonisten im James River die Kolonie Jamestown, die die erste erfolgreiche Kolonie Englands in Nordamerika wurde. 1781 fand eine bedeutende Seeschlacht zwischen Briten und Franzosen während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges statt. Am Ende des Potomac Rivers liegt Washington. Baltimore und Annapolis bereichern die Geschichtsbücher ebenfalls.

Im Eozän vor 35 Millionen Jahren schlug am heutigen Eingang der Bucht ein Meteorit einen grossen Krater ein. Im Verlaufe entstanden ausgedehnte Marschlandschaften, Sümpfe, Wälder und Weidegebiete.

Die Marschlandschaften werden regelmässig von den Gezeiten überflutet. Diese eigenartige Riesenbucht bietet einen nährstoffreichen Schutz- und Lebensraum für verschiedenste Vögel, Zugvögel, Fische, Krebse, Austern und für uns Yachties….

Chesapeake Bay war anfangs 20. Jahrhundert auch die „natürliche Proteinfabrik der USA. Austern, Krabben und Venusmuscheln standen zuoberst. Durch Überfischen, Überdüngen durch die Landwirtschaft und Umweltverschmutzung im Zuge der Verstädterung, sind die Bestände stark zurückgegangen. Dennoch ist die Chesapeake Bay immer noch der grösste Krabbenfleisch Exporteur der Welt.

Literarisch hat sich hier unter anderem James A. Michener mit Chesapeake Bay verewigt.

Und was hinterlässt die Chesapeake Bay bei uns?

Mein grösstes Faszinosum waren eindeutig die Krabben! Kaum die Eingangs-Chesapeake-Tunnel-Bridge passiert, schon nahmen zahlreiche schwimmende oder wohl eher sich treibenlassende Krabben uns in die Klauen. Kein Gewässer hat uns dieses Spektakel zuvor je gezeigt. Sitzt man mutig an so einer schlammbrauntrüben Bay wird man auch da in die Klauen genommen. Ein kleiner frecher Crab hat mich doch wirklich in mein Bein gepincht – einer meiner grössten Schrecken.

Man kann sie auch essen. Habe im ersten Restaurant in Cape Charles ein ganzer Crab bestellt. Da kam er dann auch frittiert mitsamt Scheren, Beinen und Panzer. Und das sollte ich essen? Dieser harte Panzer, diese vielen Beine?

Igitt! Ich wurde aufgeklärt; es handelt sich hier um Soft-Shell-Crabs (Butterkrebs), die Deluxe Variante der Hard-Shell-Crabs. Auch da muss Wiki ganz schnell wieder her;

Erst kürzlich gehäutete Krebse nennt man Butterkrebse. Das neue Aussenskelett ist in dieser Phase noch sehr weich und elastisch. Das Abstreifen des alten Panzers dauert nur rund 15 Minuten. Kann das Ablegen der alten Haut nicht in dieser Zeit bewerkstelligt werden, stirbt der Krebs danach meist an Erschöpfung. Der Härtungsprozess der neuen Schutzschicht nimmt drei bis vier Tage in Anspruch. Und wie findet und fängt man sie in diesem kurzen vulnerablen Stadium? Man fischt sie kurz vor dem Abstreifen des alten Panzers, was viel einfacher ist, haltet sie in Salzwasser Tanks und wartet ihre Häutung ab. Schlau aber auch gemein.

Augen zu und rein beissen. Kein knacken, nichtsHhartes zwischen den Zähnen, es war schlicht delicious….

Langsam öffnete sich in mir die Bereitschaft und das Verlangen diesen Chesapeake mit seinem immensen flusslandschaftlich-historisch-geheimnisvollen Reichtum zu verschlingen…Und so stürze ich mich in das fast 1000-seitige Buch „Chesapeake Bay“ von Michener.

Annapolis – Washington – Cape May:

Grosspapi, Grosspapi, Nica, Nica, — Maxim und Mara rufen und springen und fressen uns fast. Eine schier unglaubliche Wiedersehensfreude bringt uns alle ganz durcheinander. Michèle und Mark stehen abwartend und vorfreudig neben uns vier. Herzliche Umarmungen und feuchte Augenwinkel sind ganz inbegriffen. Und unser pakistanischer Taxifahrer fährt verdutzt zurück zu seinem Standplatz in Baltimore, zum Amtrack-Bahnhof, in dem wir, von New York her, angekommen sind.

Keine zwanzig Meter entfernt dümpelt das Dinghy am Quai. Zu sechst mit viel Gepäck und „Gschenkli“ von Freunden, Bekannten und Verwandten gehts weiter …..und die gute LaDiala schaukelt auch hier im Hafen von Annapolis, gemächlich, fast majestätisch, so wie wir sie vor einem Jahr zwischen dem „Absatz“ und der „Fussspitze“ von Italien, in Riposto auf Sizilien, erlebt und verlassen haben.

Die vier Ms sind erst am Vortag von Norfolk am Atlantik durch die Chesapeake Bay in Marylands Hauptstadt (sprich Kleinstadt) angekommen. Um ehrlich zu sein, wir haben „vorher“ noch nie etwas von Annapolis gehört – von Indianapolis (Autorennen) schon. Bevor Washington Hauptstadt der USA wurde, war das von uns besuchte Capitol von Annapolis 1783 das erste historisch äusserst wichtige Zentrum, in dem der US-Congress tagte. Hier trat der frühere General George Washington vor dem Kongress freiwillig zurück, die wichtige Zäsur markierend, dass die Politik über dem Militär steht. Was West Point als Kaderschmiede für die US Army, ist die 1845 gegründete Naval Academy von Annapois für die NAVY: Ueber 4000 Studenten aus den ganzen USA vollführen mittags um zwölf den täglichen „Fahnentürgg“: smart all in white, zackig und trotzdem leger, kurzgeschoren die Männer, die Frauen mit Frisuren(ein Viertel), allemit Gebrüll….. und die NAVY-Band spielt „Stars and Stripes“; irgendwie trotz allem eindrücklich……

Nur eine Mietauto-stunde westlich liegt Washington mit all den Sehenswürdigkeiten: zwei Nächte mal wieder an Land für die 4Ms. Auf dem Capitol Hill machen wir eine spezielle auch schlaue Erfahrung: überall Parkverbote, Halteverbote, nichts zum Parkieren. Ein „Ein-heimischer“ verrät uns seinen Tip: ganz einfach: mit Bussenrisiko trotzdem parkieren. Die Bussen seien niedriger als entfernte Parkhäuser (in New York gesehen: halbe Stunde 8 Dollar; eine Stunde deren 30) — und es klappte – keine Busse eingefangen.

Eindrücklich, auch von innen, ist die Jefferson National Library; Michèle freut sich, endlich einmal das Weisse Haus zu sehen. Mark führt die Kinder in die Geheimnisse des Air and Space Museums ein; am meisten Vergnügen haben Mara und Maxim an der vielen möglichen und unmöglichen Tieren des Natur-Historischen Museums, vor allem in der Volière der Schmetterlinge. Die Smithonian-Museen: ein riesiges unerschöpfliches Museums-Konglomerat erster Güte. Während Mark und Michèle den riesigen Arlington Friedhof per Bus im Ueberblick besuchen, „hüten“ wir die kleinen Ms im Eingangspark und lassen sie mit ihren Trottinets trotz einer wachsamen, genauen Polizistin um die Bäume kurven: Mara ist „schwer“ am lernen; nach einer Woche könnte sie schon „freihändig“ fahren, wenn wir es ihr zeigen würden……

200 km vom Atlantik „entfernt“ bringt uns die LaDiala weiter die Chesapeake Bay hinauf „landeinwärts“. Nach der umtriebigen Zeit um Annapolis ankern wir in einer windstillen, wundersamen, von Wald eingefassten Bucht: keine Menschenseele, Michele paddelt mit Maxim und Mara ans Ufer, und bei lauer Abend-Dämmerung haben wir zu viert den „Sundowner-Apero“, und nachts schlafen wir bei 25 Grad auf dem Katamaran- Dach…..

Chesapeake City ist wahrlich die grösste „Stadt-Uebertreibung“. Kaum fünfzig malerische, teils verlassene, aber gut unterhaltene Holzhäuser aus dem 19. Jahrhundert gleichen einem Museumsstädtchen wie aus Wildwestfilmen. Es duckt sich still unter einer riesigen dreissig Meter hohen Strassenbrücke, die auch den nahen Hafen und den Chesapeake-Delaware Kanal überquert. Nicht den Suez-, den Panama- oder den Kanal von Korinth durchqueren die meisten Schiffe, sondern den CD C- sagen zumindest die Locals un Wikipedia…. Er verbindet die Millionenstädte Philadelphia und Baltimore. Schon 1822 bis 1829 gruben 3000 Arbeiter den ersten 25 Km langen Kanal mit vier Schleusen von Hand aus. Inmitten von allerlei Kähnen, auch Containerschiffen, ist unsere LaDiala das einzige Segelschiff…. Den zehn Meter tiefen und 130 Meter breiten heutigen, waldumfassten Kanal überqueren in beträchtlicher Höhe neun Brücken: eine modernste Autobahnbrücke mit Schrägseilen, eine Betonbrücke, drei Stahlwerkbrücken aus den Dreissigerjahren, zwei Hochspannungsleitungen, eine Gasleitung und ein uraltes Hebebauwerk aus Stahl für die inzwischen stillgelegte Bahnlinie…..Michèle lässt ihre Drohne nicht zum ersten Mal für phantastische Fotos steigen, aber das erste Mal ist ihr Standort zum steuern nicht fix; sie luft-fotografiert ab der beweglichen LaDiala die Brücken….

„ May I have a chair, please?“ fragt Maxim in bestem Englisch einen Kellner. Zusammen mit Mara spielen sie auf „Englisch“, auch Lieder auf Englisch; von uns lernen sie Ameise-ant und neblig-foggy. Beide haben grosse Entwicklungen hinter und vor sich; beide schwimmen schon „plus-minus“; beide haben total keine Angst vor Wasser; beide spielen mit ihren Prinzessinnen und Königinnen, mit Supermen und Piraten….und sie sind es auch selbst……und Maxim hat in seiner unermüdlichen WIESO? – Phase den “Gwunder-Generator“ fürs Leben schon in sich.

Die Delaware Bay weitet sich über 100 Kilometer weit aus bis zum Atlantik. Auf der backbordside, der linken, der New Jersey Seite, begleiten uns die Umrisse des Atomkraftwerks Salem. Die zwei Reaktoren produzieren 2300 MWatt, die Schweiz ab 2020 knapp 3000. Elektrizität ist neben Diesel und Wind die entscheidende Energiequelle auf der LaDiala. Für den wenigen produzierten Strom dreht sich das kleine Windrad „hinten oben links“ viel zu lärmig. Die effizienten Solarzellen „oben hinten“ würde Mark am liebsten „überall“ haben. „Strom“ kommt auch vom Generator und am einfachsten ab der Steckdose im nächsten Hafen….

…und Mark hat sich in den anderthalb Jahren auf Hoher See zu einem eigentlichen Elektroniker oder Informatiker ausgebildet; damit sind wir beim Herz der LaDiala: Computer, iPhones, Handies, GPS, Emails, Security, Verbindungen zu den Banken, den Versicherungen, zu Marks Praxis in Weiningen, zu den Kantons- und Arzt-„Behörden“, WhatsApp zu Eltern, Kollegen, Verwandten, Wetter Apps, REGA, Telefone, Netzwerke, UBER, Backups: und das ganze noch reparieren und und und — PROST. Michèle ist die Vorausplanerin der Routen, Passagen, Wetter, Besucher und sie bestimmt nach alter Seemansschule mit dem Sextanten die geografische Breite. Dauer wie früher üblich etwa eine Stunde, aber die Breite stimmt (sagt das GPS). Beide, Michèle und Mark, sind Kapitän und Kapitänin, Köchin und Koch, Vater und Mutter, mit Maxim und Mara, das TEAM 4M on LaDiala.

In Cape Bay ankernd, wieder zurück am rauhen aber warmen Atlantik bringt uns die abwechslungsreiche fünf-stündige Busfahrt zurück nach NYC. Mit den besten Wünschen zu gutem Wetter, Gesundheit, Glück und Zufriedenheit, danken wir Euch 4Ms für die super Zeit zusammen.

Pius/Grosspapi und Anita/Nica

3. August 2019

Mitte Juli bis anfangs August 2019, Nordcarolina

Nach St.Augustine sind wir nach South Carolina nördlich von Savannah, genauer nach Hilton Head/Skull Creek in eine mitten in der Natur gelegenen Marina gesegelt. Unterwegs haben wir ein heftiges Ausweichmanöver fahren müssen da wir beinahe ein Manatee, eine Seekuh, gerammt hätten. Diese kommen hier überall vor von Bahamas bis Georgia. Das Küstengewässer ist 2-10sm weit raus recht flach (5-30m Tiefe) sodass es bei auflandigen Wellen an der Küste rasch gefährlich wird. Hinzu kommt der mit 2-4kn nach Norden drückende Golfstrom und die teils kräftigen Gezeitenströme an den Landeinschnitten. Die ganze Küstenlinie ist durchzogen von innenliegenden Seen, Fluss- und Meeresarmen. Es ist eine gigantische, über 7 Staaten reichende, unendliche Wasserlandschaft mit 3-4 berüchtigten Landvorsprüngen, an welchen sich Wind, Wellen, Golfstrom, Gezeiten und Sandbänke um die Vorherrschaft streiten. Dort wird es schon bei 15Knoten Wind unangenehm und bei 20Kn gefährlich (Cape Canaveral, Cape Fear!!, Cape Look out, Cape Hatteras). Die Landschaft ist ein einziges Naturparadies, unterbrochen von Siedlungen und Industrie. Hier hat man den Eindruck: die Amerikaner sind ein Volk von ambitionierten Hobbyfischern (catch and release ist wichtiger als essen – man staune…..).

Das Wasser ist sehr trüb mit vielen Schwebstoffen. Sodass unsere neuen Filter der Entsalzungsanlage nach 1 Woche bereits wieder ausgetauscht werden mussten.

Wir haben alte Freunde aus der Karibik getroffen: 2 Familien auch mit 2 Katamarans unterwegs. Die Wiedersehensfreude war sehr gross. Das eine Schiff (Marlin) haben wir auf Bahamas noch getroffen, Gaia, aus Genf, haben wir jedoch seit St.Barth vor über 3 Monaten nicht mehr gesehen. Gemeinsam haben wir Charleston und Savannah, typische Südstaaten-Städte, besucht und uns mit der US-Geschichte des 19JH (Sklaverei, Unabhängigkeit, Sezession) und des 20JH (Flugzeugträger Yorktown) auseinandergesetzt. Michele und ich versuchen dann immer auch entsprechendes Filmmaterial (Spielfilm oder Dokus) herunterzuladen und so ein Thema auch von dieser Seite zu beleuchten. Dann wird uns jeweils bewusst, wie schlecht unsere Englischkenntnisse eigentlich sind.

Immer wieder kommt es zu «schmerzlichen» Abschieden – nach Lallona aus Roma, MonRève aus Luzern nun von der Marlin-Crew – ihre Reise geht zu Ende und sie werden anfangs September wieder nach Deutschland zurückkehren. Wir haben Marlin «erst» im November 2018 auf Gran Canaria kennengelernt, obschon Marlin auch von der Kroatischen Insel Murter nur 4 Wochen nach uns losgesegelt ist. Ab der Karibik/St.Lucia haben wir unzählige Tage zusammen mit anderen Schiffen (u.a. Gaia) verbracht und tolle Erlebnisse geteilt.

Von Skull-Creek sind wir weitere 2 Tage und Nächte zusammen mit Gaia vorbei am Cape Fear (kurzer Gewittersturm mit Böen bis 42kn) nach Beaufort, North Carolina, gesegelt um von da bei günstigen Verhältnissen in weiteren 2 Tagen das Cape Hatteras zu runden und nach Norfolk, Virginia bzw. in die Chesapeake Bay einzulaufen.

Mit Gaia aus Genève werden wir vermutlich gemeinsam bis nach New York weiterreisen. Die Kids auf Gaia sind gleich alt wie Mara und Maxim und sprechen fliessend Englisch/Französisch. Seit wir nun wieder zusammen reisen haben sich die Englisch-Kenntnisse von Mara und Maxim explosionsartig entwickelt. Wir sind „hier“ im idyllischen, ruhigen Beaufort und haben uns auch wegen Materialproblemen auf Gaia entschieden, 3-4 Wochen am Anker vor Ort zu bleiben und unter anderem einen Workshop zu besuchen: build your own Surf-Paddle-Board. Im Maritime Museum ist eine Bootswerft alter Schule angeschlossen, wo Anfänger wie wir in 6-8 Tagen aus Cedar-and- Mahagony mit Epoxy-Fiberglas-Verstärkung unter Anleitung ein Board bauen können. Etwas besseres gibt’s nicht! Michele und ich sind abwechslungsweise (zusammen mit Laurent von Gaia) im Workshop oder bei den Kindern.

Wir haben immer wieder freundlichen Kontakt zur lokalen Bevölkerung, werden eingeladen und herumgeführt, bzw. auf viele Dinge aufmerksam gemacht, die wir als Kurzlieger sonst nicht sehen würden. So haben wir ein Rodeo besucht, erleben die Zusammenkünfte der Yachtclubs (BBQ, bring your own meat/drink and something to share) und besuchen lokale Märkte. Vieles ist recht klar bis radikal «republican» und Trump-Homeland. Die Politik ist wie eine Religion, man spricht nur unter sich und die anderen werden nicht gemocht, runtergemacht und teilweise sogar gehasst in aller Öffentlichkeit. Eigentlich recht bedenklich und wenn ich das alles sehe, höre, diskutiere und mir meine Gedanken dazu mache, dann kann die Hoffnung auf mehr Dialog eigentlich nur bei der aktuellen Highschool-Generation liegen….

Wir haben auch «eine Demokraten»-Familie kennengelernt, klassisch, d.h. Akademiker aus dem Norden, welche hier als selbständiger Arzt/Forscherin an der Uni arbeiten. Auch diese Familie sehr herzlich, sofort Einladung, Kinder bei ihnen oder auf unseren Booten. Kürzlich waren 7 Kids von 4-12j auf Diala, haben mit 6 Ruten gefischt, sind herumgerannt und haben Chips verstreut. Dann haben sie Hurricane, Versinken und Retten gespielt. Dabei lernen unsere Segelkids viel von den «Locals», auch am Strand, Krebse-Fangen, Fischen, Sanddünen-Surfen, Muschelsuchen und natürlich die Sprache.

Fischen mit Rute & Netz ist bei Maxim ganz gross im Kurs. Er hat schon einen kleinen Haifisch und einen Rochen gefangen. Maxim hat seine beiden «ersten Milchzähne weg» und Mara ist nun endlich Velofahrerin und immer noch sehr begeistert von den weiblichen Disney- Figuren (Cinderella, Snow-White, Elsa, Mermaid, Princess).

Einkaufen bei Piggy Wiggly mit Velo und Anhänger in der Vollhitze mit hoher Luftfeuchtigkeit ist recht ungewöhnlich für mich und auch für die Locals – ich war immerhin 3x dort. Kleine Läden in der Ortschaft selber gibt’s hier nicht. Der umfangreiche Piggy Wiggly Market liegt deutlich ausserhalb und wird als «kleiner Supermarkt» bezeichnet. Walmart (= unendliche Auswahl) liegt dann schon 20 Autominuten entfernt. Die Distanzen und die Hitze sind eigentlich zu gross für Velos im Alltag.

Hier kommen wir zur Ruhe auch wenn die Tage mit all den Aktivitäten, Besuchen, Kinderwünschen, dem Workshop und dem üblichen Alltagskram auf einem Wohnsegelschiff

sehr ausgefüllt sind. Wir geniessen das ruhige Ankern im wechselnden Gezeitenstrom mit Blick auf das kleine Städtchen oder die Dünen-Auen-Deltalandschaft (beides nur 50m von uns entfernt) mit einer Population von frei lebenden «wilden» Pferden, welche auf diesen sandigen Inseln leben und im Sand nach Süsswasser graben und morgens sowie abends im Wasser der schlammigen Uferpartie stehen und die Spitzen der Gräser abweiden.

Wir werden hier in Beaufort den 1- August feiern, unsere Paddle-Boards fertigstellen, auf gutes Wetter mit wenig Südwind warten und uns dann im Golfstrom ans Cape Hatteras spülen lassen, um von dort nach Nordwesten in Chesapeake Bay zu gelangen.

Dann gibt’s noch einige Anekdoten: New Berne liegt nur wenige Miles entfernt von Beaufort. Als Swiss Guys werden wir im Boat House angesprochen von Wunderly, Honegger im breitesten Südstaaten-Akzent. Bis ich verstanden habe, wie die heissen und dass sie «eigentlich» aus der Schweiz kommen aber keine Ahnung haben wie « es dort so ist». Auch Deutsche haben die Diaspora in New Berne mit begründet und so stossen wir hier immer mal wieder auf Deutsch-Immigranten der 3. Generation (ü70…..).

Ein Motorboot kommt längsseits: Hi, I’m Willy, from the Boat House, aahh genau, der hat da auch herum gewerkelt. Nächsten Tag kommt Willy wieder längsseits mit seiner Frau und lädt uns alle von den beiden Katamaranen ein zum Abendessen (North Carolina Seafood and BBQ and Pool). Let’s talk about the details tomorrow at the boat house.

Boat House, workshop hours: die Musik ist US-Rock aus den 70ern evt 80ern.Damit habe ich mich als 16-22j beschäftigt und bin mit selbstgemixten Tapes als 21-Jähriger alleine mit meinem ersten Auto während 4 Monaten durch die USA gefahren (CCR, Santana, Jim Croce, Lynyrd Skynyrd, JJCale, RStones, Supertramp, Fleetwood Mac. J.Cash, Al Steward, Alan Parsons, etc. etc.). Ich bin nicht nur in die Holzarbeit sondern auch in den Sound und in die Erinnerungen abgedrifted. Metaphysische Momente zwischen manueller Arbeit, Musik und Erinnerungen bzw. Adolescentenfantasien.

Es gibt ein Grüppchen von älteren Herren, die rudern alle 2.3 Tage zu sechst mit Steuermann auf einem der neu hergestellten, museumwürdigen Ruderbooten auf dem Meeres-Flussarm herum direkt vor uns bzw. dem Städtchen. Sie machen oft Pause weil es in Wind und Strömung streng ist und lasse sich dann treiben. Der Clubname: Drinking Club with a Rowing Problem

Gaia und LaDiala wollten wissen, ob alles klar ist mit unseren Anker-Geschirren nach 2 Wochen an der Kette. Also haben wir unser Anker neu setzen wollen. Wir: mit einem fremden, ca. 40KG Anker in der Kette und als wir den losgeworden sind mussten wir mit der Trennscheibe die dazugehörende, muschelbesetze Ankerkette durchtrennen, welche sich 5x (!!!) um unsere Kette gewickelt hat oder umgekehrt. Weil: in den Gezeitenströmungen und mit Wind wechseln die Schiffe teils sehr stark die Positionen. Der Strom kommt von vorne, der Wind von hinten und die Kette geht zwischen den Rümpfen hindurch nach hinten. Und alles ändert sich sobald Gezeiten bzw. Wind sich verändern. Gaia: musste sich von einem Riesen-Anker befreien. Der war so schwer, dass die Anker-Winsch, die Kette mit dem Zusatz-Anker nicht mehr hochziehen konnte. Laurent, der Skipper, musste tauchen (30cm Sicht wegen «Sedimenten») und mit seiner Frau koordinieren, damit sie mit den Motoren die Kette im Gezeitenstrom und Wind entlasten konnte, derweil ihr Skipper/Mann tauchend bei nur 3m Tiefe im Dunkeln/in den Sedimenten fingernd, erfolgreich seine Ankerkette von diesem Riesen-Anker losgelöst hat. Bravo – das ist echt schwierig!!! Wir erinnern uns: Bahamas oder ganze Karibik = glasklares Wasser bzw. hier: neue Wasserfilter bereits nach 7d verstopft, vorher 6 Monate ok.

Oder: Dianne die 76j, quirlige Port Officer des Ocean Cruising Club hat wieder die Strippen gezogen: Babysitter, meet me at my condo (wir mit den beiden Dinghis hingerast) , dort Ashley, 15j und ihre Mutter (driving ‘cause Ashley is to young to drive= noch nicht 16j), Ashley passt auf unsere 4 Kids auf mithilfe von selbstgemacht Popcorns und DVDs und et cetera bzw. wollen wir gar nicht wissen. Und die Eltern gehen mit Dianne (= unsere Mutter-Alter) locker in ein angesagtes Steak-House und verkosten dann ah Drinks und 2 Flaschen Malbec noch verschiedene Bourbons um anschliessend mit den fast oder ganz schlafenden Kids durch die Nacht zu rasen zurück zu unseren Schiffen. Alle sind trocken ins Bett gekommen (nicht immer einfach mit dem Schlauchboot bei Wellen) und ebenfalls trocken um 7h von den trockenen (nun fast immer) Kindern wieder geweckt worden

4. Juli 2019

USA – Cape Canaveral Juni 2019

Good morning America how are you? Wir sind anfangs Juni nach einer ruhigen Nachtübersegelung im Golfstrom (+2kn) von unseren geliebten Bahamas in Cape Canaveral angekommen. Angekommen und zurück in der grossen zivilisierten Welt.

Es ist alles XXL hier. Das Land, die Autos (mein ehem. CH-Dodge Durango V8 geht hier neben RAM/Silverado/Sierra….völlig unter), die Strassen, der Konsum, die Gedanken, Visionen.

Cape Canaveral = Kennedy Space Center = Raketenstarts (50 Jahre Jubiläum am 21.7.19 erste Mondlandung)= abgefahren = abgehoben. Seit wir hier sind bin ich selber zu einem kleinen Astronauten geworden. Armageddon, Apollo 13, Space Cowboys, „the last man on the moon“, Deep Impact. Okay vielleicht eher ein Movie Astronaut. Egal. Als ich dann die echte Space Shuttle Atlantis (im Einsatz bis 2011) im Kennedy Space Center erblickte, da wars um mich geschehen. Das Weltall ruft….

Bislang beschränkte sich mein Horizont als Segelflugpilotin auf unsere Alpen, aber jetzt ist Schluss damit. Jetzt soll mein neuer Horizon das Weltall sein. Auf zu XXL. Es ist ansteckend.

Und es kommt noch besser. Am 25.6.2019 um 02:30am startete die Falcon Heavy von Space X in Cape Canaveral erfolgreich. Und wir waren live dabei! Absolut abgehoben. Es sei die stärkste Rakete aller Zeiten nach Saturn V. Sie hat so viel Schub wie etwa 18 Jumbo 747. Wurde konzipiert, dass sie eines Tages bemannt zum Mars fliegen kann.

Die Falcon Heavy wurde mit vielen Satelliten für NASA, NOAA, etc bestückt, wie auch mit 150 Urnen. Why not.

Wie geplant landeten die beiden seitlichen Booster erfolgreich wieder in Cape Canaveral. Eine Sensation. Der doppelte Überschallknall bei der Landung der beiden Booster war ohrenbetäubend. Der Zentrale Booster sollte auf der Drohnenplattform 700sm draussen im Atlantik landen. Leider verfehlte dieser das Ziel. Egal. Die Mission war erfolgreich.

So hatten auch wir noch andere wichtige Missionen auf unserem Programm. Disney World (of course) und Legoland. Donald Duck und Cinderella wurden reale Gestalten und Maxim und Mara durften sie persönlich kennen lernen. ¾ von uns haben sich in Disneyland amüsiert, ¼ war angespannt bis genervt- mehr dazu später.

Auch unsere LaDiala und ihre Ausrüstung bekamen die notwendige Aufmerksamkeit. Der Aussenbordmotor wurde einmal mehr repariert. Die Kühlung läuft wieder dafür haben sie die Schaltung nicht mehr sorgfältig zusammengesetzt und der Leerlauf „kratzt“ nun unangenehm hörbar am Rückwärtsgang. Der Reserve-Aussenborder“ hat die lange Standzeit nicht überstanden: der Vergaser/die Düse scheint verklebt weswegen der Motor natürlich nicht mehr läuft. Wir haben noch ein kleines Leck (Borddurchlass für Echolot) und eine undichte Decks-Lucke – hoffentlich nachhaltig – abgedichtet. Segel wurden repariert und mit UV-Schutz versehen und Polster sowie Cockpit-Bimini musste professionell genäht werden. Das alles brauchte Zeit, Mietauto, Entdeckungsfahrten etc. sodass wir Port Canaveral und die Umgebung geniessen konnten. Wir liessen LaDiala in Port Canaveral mit dem Kranen rausheben. Sie erhielt ein neues Antifouling, neue Saildrive-Anoden und eine Politur beider Rümpfe. Sie strahlt wieder wie neu. Wir haben 1 Woche bei gefühlten 45° im Schiff auf dem Trockenen übernachtet – nachts war nur unmerklich kühler. AirCon haben wir keine. Mit Leiterli auf’s Schiff und wieder runter. Toilette, Dusche und Waschbecken etc. konnten wir nicht benutzen. War also alles wie auf dem Campingplatz ausser dass wir abends ganz alleine waren im vollen Scheinwerferlicht der Werft an der Autobahn.

Auch wir strahlten. Es ging weiter 100sm nordwärts Richtung St. Augustine. Diese Stadt ist umspült und getränkt von Geschichte und Charme.

St. Augustine ist die älteste durchgehend besiedelte Stadt der USA, die von Europäern (Spaniern) gegründet wurde. Martin de Arguelles (geboren 1566) soll das erste Kind europäischer Herkunft sein, das auf dem Festland der heutigen USA geboren wurde.

Auch Sir Francis Drake (Freibeuter, Pirat und späterer Englischer Admiral) und mit ihm die Piraten wüteten hier. Vor und während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges herrschten die Engländer. Danach bis

1821 wieder die Spanier. In der Folge wurde Florida friedlich unter politischem Druck an die USA verkauft.

Das ehemalig Hotel Ponce de León (heute Flagler College), eines der luxuriösesten seiner Zeit, war das zweite Hotel weltweit das elektrisch versorgt wurde. Es wurde von Flaglers’s Freund Thomas Edison persönlich verkabelt. Da es mit Gleichstrom lief, kam es gelegentlich zu kleineren Explosionen. Die Gäste waren dermassen verunsichert, dass extra Personal eingestellt wurde, um die Schalter zu bedienen.

Vergessen darf an dieser Stelle auch nicht Johnny Weissmüller, sprich Tarzan. Der fünffache Olympiasieger trainierte im Pool des ehemaligen Hotel Alcazar. Im 19. Jahrhundert war dies der weltweit grösste Indoor-Swimmingpool.

Der 4. Juli und mit ihm der Independence Day, der Nationalfeiertag der Vereinigten Staaten naht. Wir sind gespannt, dieses Ereignis in St. Augustine miterleben zu dürfen. Für das Feuerwerk ist uns der Logenplatz an der Boje direkt vor der Brücke, der alten Festung und vor dem Städtchen gewiss.

Noch einige kleinkarierte „erwachsene“ Anmerkungen zum pädagogisch wertvollen Disneyland und den Erlebnisparks. Kinder würden das erlebte anders erzählen. Das Konzept ist bemerkenswert offensichtlich auf’s Geldverdienen ausgerichtet bei subjektiv gesehenem, relativ geringem Gegenwert. Tickets gibt’s rasch, per WWW oder am Schalter ohne Anzustehen, oft auch schon im Hotel, dafür sind sie dann etwas teurer, was dir niemand sagt, sodass alleine der Tagespass für unsere Familie deutlich über 500 USD lag – dafür war nichts inclusive. Sobald das bezahlt war gings dann nicht mehr so schnell; anstehen schon beim Parking (25USD/Day), dann 500m Zugfahrt um dann auf weiter Ebene ca 1km in der Sonne weiterzulaufen. Warten auf den Zug bzw. das Schiff bis zum Eingang. Dann warten am Eingang und zur Toilette ohne Wartezeit (bei den Jungs). Ab dann war alles mit Anstehen verbunden immer mindestens 20min selbst für den Starbuckscapuccino 25min. Jeder Rollercoaster 20-90min, Meet-and-Greet mit Foto (Donald Duck, Daisy, Cinderella, Pluto etc.) je mindestens 20-30min. Und die Leute machen das alle motiviert mit ohne Nümmerli etc. wie bei uns bei der Post und so. Alles super und alle zufrieden – having fun, good time etc. Meistens steht man in der Sonne oder es ist ca 60-70dB laut. Das Essen: eine Herausforderung – ich war froh, als ich ein Salatblatt erkannt habe. Im Legoland war’s besser. Weniger Menschen, ab und zu etwas zum Selbermachen (Rutschbahn oder Legosteine zusammenstecken) und deutlich weniger Wartezeiten. Coole Wasserski-Wakeboard-Motorboot-Show. Die hatten sogar bei jeder Bahn und jedem Ereignis eine Tafel, wo drauf stand was jetzt gerade pädagogisch abgeht beim Kind (welche Fähigkeiten gefördert werden)! Wir sind dann in einen 4d Film gegangen mit Brille und so (4d = 3d mit Wasser von der Decke) und da wurde von den Legofiguren in 3d geschrien, geschlagen, geschossen und herumgefuchtelt in einer nicht SUVA-konformen Lautstärke und evt. nicht ganz passend für alle Kinder. Mara hat dann von sich aus entschieden, die Brille abzulegen und sich eng an die Mami zu klammern. Wir haben uns Vorwürfe gemacht, dass wir das «kindergerechte Hinweisschild» nicht gefunden bzw. beachtet haben. Anschliessend bemerkten wir, dass diese Hinweisschilder eher marketing- denn kinder-pädagogisch-gerecht aufgestellt wurden.

Das Kennedy Space Center war dann wirklich gut. Alle übertriebenen Erwartungen erfüllt und Helden sowie alles andere auch zum Anfassen – anything goes, yes we can, American dream in Reinkultur und wirklich beeindruckend. Ausser vielleicht das Super-Size-French-Croissant: klein aber fein, frisch von gestern, gekühlt, schön weich in der Plastikbox. Aber gut – man kann’s auch provozieren. Also: Space Center war ein Erlebnis der Extraklasse zusammen mit dem Rocket-Launch!

8. Juni 2019

Die Bahamas, 4M+1, Mai 2019

Um es gleich vorweg zu nehmen: Hier schreibt nicht Michèle oder Mark sondern ein Gastschreiber, der mitreisen durfte. Die Seglersprache wird etwas darunter leiden, aber es entsteht die Gelegenheit für einen anderen Blick auf dieses Abenteuer und die coole Band!

Und ein bisschen verrückt sind sie auch noch. Wer würde schon einen Kumpel von früher für vier Wochen in seiner 65m2 Wohnung aufnehmen, nur weil dieser auf ein paar tolle Erlebnisse hofft und aus dem Alltag ausbrechen will?

Nun, die 4M haben es getan. Und genau das ist der Punkt. Andere reden davon, viele beneiden sie, aber die 4M sind seit über einem Jahr unterwegs mit ungebremster Reiselust.

Aktueller Ort: Die Bahamas, über 3000 Inseln, die sich vor der Küste Floridas im Flachwasser verteilen. Baha Mar, so wurde es von den spanischen Entdeckern genannt. Weite Gebiete sind nicht tiefer als fünf Meter, und zwischen den Inseln gibt es enge Passagen mit starker Strömung. All dies, Wetter und Gezeiten führen dazu, dass die Reiseroute genaue geplant werden muss. Die Inseln haben kaum eine Erhebung. Von der Hauptinsel sieht man durchs Fernglas zuerst nicht etwa einen Berg, sondern die Hotelbauten, die auf der abgewandten Seite stehen! Sandstrände mit Palmen wechseln sich ab mit unterspülten Felsen, dichtem Gehölz und pinienartigen Bäumen.

So einheitlich wie die Natur die Inseln erobert hat, so unterschiedlich haben wir die Siedlungen und die Bewohner erlebt. Man hat das Gefühl, dass sich jeweils Gleichgesinnte gefunden haben. In Hope Town vorwiegend Weisse, die zum Sportfischen und Segeln da sind, im Exuma National Park die naturbegeisterten Segler, die Ruhe und Entspannung suchen und finden, in Fox Town die schwarze Bevölkerung, die nach einer Woche Muscheln tauchen und Fischen sich am Samstagabend in der Bar betrinkt und tanzt und am Sonntagmorgen um sechs vom digitalen Glockenspiel der Kirche geweckt wird, und in Nassau die 60% der Bevölkerung, die auf einen besseren Job hoffen und neidisch zur Silhouette des Paradise-Hotel blicken. Und dann gibt es noch Captain Bird (94!) und sein Spanish Wells. Spontan fährt er uns auf seinem Golfcruiser über die Insel und zeigt stolz all die gepflegten Häuser und Vorgärten. Der Abfall wird am Strassenrand in Kübeln deponiert, jeden Abend abgeholt, endet aber trotzdem auf der Deponie am Ende der Insel, wo er später verbrannt wird- leider.

Aber die grossen Abenteuer warten unter der Meeresoberfläche auf uns. Drei davon müssen exemplarische herhalten, denn von allen zu berichten, würde vielleicht die Leser vorab aber den Schreiberling überfordern.

In die Top drei schaffen es natürlich die Haie. Bitte jetzt nicht in Panik verfallen und nur noch aufblitzende Zähne vor dem inneren Auge sehen, sondern das intelligente Kraftpaket bewundern. Es ist so intelligent, dass es vor dem Zubeißen abschätzen kann, dass der Mensch keine lohnenswerte Beute ist, weil er viel zu wenig Fleisch am Knochen hat. Gleich in den ersten Tagen auf Exuma sahen Mark und ich am Abend vom Schlauchboot aus eine Haiflosse am felsigen Ufer hin und her wandern. Kurze Zeit später wurde der Hai gewahr, dass ich im Wasser war, wollte wissen, was ihn da beim Jagen stört und zog mit langsamen Bewegungen an mir vorbei, fort zur nächsten Bucht. Meine erste Begegnung mit einem Hammerhai! In der nächsten Szene waren es etwa fünfzehn Ammenhai am Dock. Ein Sportfischer filetierte seine Fang, ein halbes Dutzend mächtige Mahi Mahi. Wer wollte, durfte das etwa einen Meter lange Fischgerippe am Schwanz halten, den Happen vor den Haien hin und her schwenken und Seilziehen spielen, bis der Kopf mit einem heftigen Ruck abgerissen wurde. Eine kleine Show für Touristen aber dennoch eindrücklich, wie nahe man so den Tieren kam, die zwischen Fischkopf und nackten Füssen unterscheiden konnten. Im Nationalpark besuchte uns am Ankerplatz täglich ein einzelnes Tier und schwamm geduldig in der Strömung hinter dem Schiff. Sogar Berührungen liess er zu. Am nächsten Tag entdeckten wir ihn an seinem Schlafplatz zwischen zwei grossen Korallenstöcken.

Nur einen Zahn aber nicht weniger faszinierend hat die Conch. Eine etwa Kokosnuss-große Muschel, die kaum natürliche Feinde kennt, und deshalb in grosser Zahl vorkommt, im Wasser und auf der Speisekarte. Ihre zwei Augen erinnern an Schnecken, und mit ihrer spitzen Kralle kann sie sich am Meeresgrund fortbewegen und den unvorsichtigen Schnorchler mit einem schmerzhaften Pickser in die Flucht schlagen, vorerst. Denn wir bleiben fasziniert von dem Geschöpf, schauen den Fischern zu, wie sie an geeigneter Stelle ein Loch in die Muschel hämmern, um das Tier aus dem Gehäuse zu stossen. Damit war auch gleich das Ziel gesetzt: Finde eine Muschel ohne Loch (und ohne Tier) um dann doch wieder an der Spitze eine Öffnung zu fräsen, damit sie als Karibik-Horn eine neue Aufgabe bekommt. Bis zu meiner Abreise konnten wir der Muschel leider nur ein klägliches Röcheln entlocken.

Nun wir es etwas emotional. Es geht um Seesterne und zwar nicht um die kleinen feingliedrigen sondern um richtige Riesen. Ihre Arme sind kürzer, der Körper massig, etwa eine Handbreit dick und das ganze Tier so gross wie eine Pizza. Der Fischer lebt von ihrem Verkauf. Er hat seinen Stand beim Pier, wo die grossen Kreuzfahrtschiffe anlegen und die Passagiere ein paar Stunden Zeit haben für Shopping und den Besuch der Paradise Island. Er erzählt von seiner Arbeit und lädt uns ein, am nächsten Tag mitzukommen zu den Seesternen. Es ist dann zwar am übernächsten Tag, aber der Fischer hält sein Wort und wir tuckern neben ihm her – bis uns die Hafenpolizei stoppt, weil wir offensichtlich etwas unklug an einer (Wasser-)Kreuzung nach Muscheln tauchen wollten. Die Seesterne wären noch weiter draussen, wo wir aber wegen der hohen Wellen nicht mehr hin wollen. Als Dank und weil das ja auch der Plan war, dürfen sich Maxim und Mara je einen Stern aussuchen. Einen Moment lang entschuldigen wir den Kauf damit, dass seine Tiere ja schon Tod sind, aber eine Grundsatzdiskussion kann damit nicht verhindert werden, an der sich sogar noch ein Passant am Pier beteiligt. Auf See muss man sich offensichtlich nicht rechtfertigen, warum man nicht Vegetarier oder Veganer ist, sondern welches Tier man aus dem Meer fischt.

Ich weiss, dass waren jetzt drei Geschöpfe, aber “einen hab’ ich noch”: Seit der Muppet Show kennt man “Schweine im Weltall”, seit den Bahamas kenne ich Schweine im Meer (nicht zu verwechseln mit Meerschweinchen). Diese Exemplare kommen tatsächlich schwimmend auf das Boot zu und betteln um Futter! Sie sind ähnlich aufdringlich wie Affen, weshalb es am Strand klare Verhaltenshinweise gibt: “Hände hoch” und zeigen, dass man nichts Essbares mehr hat. Und tatsächlich, die Pantomime funktioniert, schlaue Viecher.

Aber die 4M sind alle noch viiiel schlauer! Und grossartige Gastgeber! Sie geben einem das Gefühl totaler Sicherheit, auch wenn mal nicht mehr als 50cm Wasser unter dem Kiel ist. Alles ist voraussehend geplant und doppelt gesichert. Spontaneität kommt nicht zu kurz, und die anhaltende Freude über das Abenteuer durchströmt das ganze Schiff. Wenn dann Maxim seinen Plan zum Tag darlegt und Mara auf der rasanten Fahrt im Dingi ihre englischen Lieder singt, ist das Glück näher als zum greifen nah.

Mit grossem Dank für die wunderbare Zeit

Felix

15. Mai 2019

Photos Feb. bis April

8. Mai 2019

April Karibik nord-westlich

St. Barth, St. Martin/Sint Marteen, BVI/USVI, Dominikanische Republik, Turks&Caicos

In 6 verschiedenen Nationen in 4 Wochen. Das waren Frankreich (St.Barth und St. Martin), Holland (Sint Marteen) Britisch Virgin Island (BVI), Amerika (USVI), Dominikanische Republik und Turks&Caicos.

Auch beim Segeln wiederholen sich die Ereignisse und der Alltag. Ich halte diese vielen Eindrücke in Stichworten fest und lasse die Bilder sprechen.

St. Barth; französisch, eurasisch besiedelt, winzige Insel, karg, mondäner Ort der weissen Reichen, Jonny Holiday soll hier begraben sein, Regatta der Superluxussegelyachten, teuer

Wale in ca 100m Distanz von unserem Boot, gewaltig pflügen die Leiber durch die See.

St. Martin; französisch, auch karg, teilt die kleine Insel mit Holland, schwer von Hurrikan Irma&Maria getroffen, trauriger Schiffsfriedhof in Marigot Bay

Sint Marteen; holländisch, die wenigsten sprechen holländisch, auch viele Schiffswracks im grossen, natürlichen Lagunen-Hafen

Britisch Virgin Islands (BVI); wunderschönes Inselarchipel, einsame Buchten, Strände und Inseln leider auch Hurrikan-zerstört, praktisch die ganze Vegetation abgestorben, eine zuvor grüne nun braune Hügellandschaft, welche sich jetzt – 18 Monate später – langsam erholt, wodurch es einige grüne Flecken gibt. Ähnlich schaut es im Riff/Korallenbereich aus. Die Golfanlage ist „immergrün“….., Linksverkehr, sie fahren aber alle mit Autos für Rechtsverkehr (US-Import-Cars)

USVI; Besuch mit der Schnell-Fähre (27Kn) der Insel St. Thomas, auch Hurrikan-Narben, aber alles aufgeräumt, endloses !!! duty free shopping (vor allem Schmuck und Uhren – streng in indisch-stämmiger Hand), 2-4 Kreuzfahrtschiffe mit bis 8000 Personen (incl. Crew)/Boot und das teilweise täglich, McDonalds (nicht wir) und viele Pick-up

Nachtsegeln über 2 Nächte mit dem schönsten Sternenhimmel, nächtlicher Vogelbesuch zum Rasten, der uns erschreckt und das Deck markiert hat.

Dominikanische Republik; paradiesische üppige Palmen- und Waldvegetation, absolut spanisch-karibisch, sehr freundliche Menschen, Aufenthalt in fast leerer, erstaunlich günstiger Luxusmarina in Bahia de Samana mit 2x Infinitiypool ( nun weiss ich auch was das ist (Mark)) , 2x Bar, 2x Restaurant, Gym, Spa, Kids Klub, Reitausflug zu El Limon Wasserfälle, Autoausflug für Besichtigung, Lebensmittel- und Zigarreneinkauf

1x Nachtsegeln mit Vollmond

Turks&Caicos; noch nie von dieser Inselgruppe gehört! Es gibt sie. Ursprünglich britisch, viele US Touristen, viele Villen, Streusiedlung, steuerfrei für Firmen und Privatpersonen. Finanzindustrie, erneutes Kitesurfing in tiefblauemtürkistürkis Wasser, nur bauchnabeltief kilometerweit, Besuch meiner Mutter und ihrem Mann, Geburtstag feiern, erste Nurse-sharks, neuer Tuna-Köder (mit denen – den Tunfischen – haben wir noch eine Rechnung offen)

2x Nachtsegeln mit Destination Bahamas, Ankunft 30.4.2019

Ein Einschub noch zur Bevölkerung der grossen und kleinen Karibik-Inseln: praktisch alle Menschen sind afrikanischen Ursprunges als Folge des gigantischen, quasi-industriellen Sklaventransportes der Portugiesen,Spanier, Engländer, Franzosen und Holländer beginnend im 16. bis anfangs 19.Jahrhundert ausgehend von der Westafrikanischen Küste mit Hilfe der dort ansässigen Händler, welche den Sklavennachschub aus dem Inneren des Kontinentes besorgten. Auf dem Rückweg brachten die Sklaventransporter Ware aus den neuen Länder nach Europa zurück und segelten dann wieder an die Westküste von Afrika um den „Kreis bzw. das Dreieck zu schliessen. Gemäss Sklavenmuseum in Martinique wurden um 11Mio Schwarzafrikaner deportiert alleine auf die Karibikinseln. Man geht davon aus, dass 2Mio die Seereise nicht überlebt haben. Es gibt jedoch vergleichsweise wenig klare Quellen zu den Zahlen… Die ursprüngliche indigenen Einwohner (meines Wissens um 600’000 Menschen) wurden innert 50-80 Jahren fast vollständig versklavt v.a. in der frühen Entdeckerzeit der Spanier und Portugiesen und sind in diesem Zeitraum an eingeschleppten Krankheiten und den „neuen Lebensumständen“ fast zu 100% zugrunde gegangen und „ersetzt worden“ durch die angeblich widerstandsfähigeren Schwarzafrikaner. Heute kann man sich kaum vorstellen. Auch die Inseln und ihre Flora lassen häufig nicht mehr erahnen, dass überall Plantagen, Bergbau (Edelmetalle) und Salzgewinnung im vorindustriellen Stile mit Menschenware betrieben wurde.

22. März 2019

Antigua & Barbuda März 2019

Antigua & Barbuda März 2019

Vier Highlights haben unseren Aufenthalt in Antigua und Barbuda unvergesslich werden lassen; Kitesurfing, Reunion mit unserer crazy ARC family Gruppe (Atlantik-Ueberquerer Familien), Besichtigung der italienischen Superluxusyacht Ohana und das surreale Barbuda.

Nonsuchbay, eine Wunderschönehinterdemriffgeschütztegrossbucht im Osten von Antigua mit der am Riff gelegenen Insel Green Island mit ihren flachen Sandstränden und den türkisfarbenen Buchten. Es ist der Spot zum Kitesurfen. Wir träumten schon lange davon diesen Sport einmal ausprobieren zu dürfen. Es ist perfekt. Die Kiteschule „40knots“ hat uns jeweils direkt von unserem Boot abgeholt. Ausgerüstet mit Schwimmweste, Helm, Kite und Brett sowie Dingi gings los. Zuerst der kleine Uebungsschirm an Land, dann der Grosse und dann ab ins Wasser aber noch ohne Brett. Das war lustig. Je nach Kontrolle oder eben Nicht-Kontrolle zog es einem fast ganz aus dem Wasser. Am zweiten Tag man glaubt s fast nicht, standen Mark und ich schon auf dem Brett und flitzten über s Meer. Ein herrliches Gefühl. Aber wehe man lässt den Schirm auch nur kurz aus den Augen, eine harte Landung kann s dann schnell geben.

Das schöne an dieser Sportart ist wohl die Vereinigung von Wind und Wasser, etwa so wie unser Parasailor auf der Atlantiküberquerung. Es geht vor allem um Balance und Technik. Weder Kraft noch grosse Fitness sind nötig. Und unsere Snowboard-Skills kommen uns sehr gelegen – wir müssen uns nicht um das Ding an unseren Füssen kümmern, das geht von alleine und gleitet meist so übers Wasser wie wir uns das vorstellen. Nicht wie Windsurfen. Da kam ich nie auf einen grünen Zweig, nur auf viele offene Wunden an meinen Händen…

Wir werden nun unsere zukünftige Segelroute ein bisschen den Kitesurfehotspots anpassen und weitere Lektionen nehmen.

Nach unserer Atlantiküberquerung hat sich eine WhatsApp Gruppe gebildet; die „ARC crazy family“. Eine Gruppe von ca 10 Yachten mit Kindern von 3-12Jahren. Über WhatsApp werden jeweils die aktuellsten Tips von Grenada bis Barbuda mitgeteilt. Je nach Boot/Spielsachen/Kids/Route wurde/wird miteinander gesegelt und geankert. Falls auf dem Marine Traffic-App Boote wie MonReve, Marlin, Lallona, Tortola, Gaia immer wieder in unserer Nähe gesichtet werden: es hat sich mit ihnen ein Clan gebildet. Die Tage gemeinsam vor Green Island in der Nonsuch Bay bleiben unvergesslich. Man stell sich seine Traumbucht vor. Unbewohnt, feinster Sand, viele schöne Muscheln, Palmen, grün-blaues Wasser und wir. Unsere Yachten füllten gleich die Bucht aus. Die Kids bastelten mit SUP, Kanu, Luftmatratze, Paddel und Seile Brücken zwischen den Booten. Das Spiel war dann möglichst trocken von einem Boot auf das andere zu kommen… Abends wurde zum Strand geschwommen, geschnorchelt oder gepaddelt. Ein Feuer im Sand, gleich neben dem Meer. Schlangenbrot, Würste, Entrecote, Gemüse, Marshmellow…ein Schlemmeressen.

Wir Erwachsenen und Eltern sehnten uns nach Kino. Die Kinder natürlich auch. So wurde auf einem Katamaran die Verfilmung von Freddie Mercury bei Champagner und Kuchen gezeigt. Auf einem anderen Katamaran die Mignons mit Sirup und Kuchen. Wie gut das tat.

Ein lustiger Event war dann auch das Drohnenfotoshoting. Wir schrieben mit unseren Körpern Antigua an den Strand.

Der gemeinsame Schnorchelausflug zum Riff war obligat- alle mit ihren Dinghies und dann: viele bunte Schnorchelspitzen und einige Kinderschwimmwesten schaukelten im Wasser.

Da fehlte uns nur noch eines; ein Ausflug auf eine Supersegelluxusyacht. Antigua ist in der Seglerszene bekannt für den geschichtsträchtigen English Harbour und für ihre alljährlichen Segelregatten. Es treffen sich die wohl schönsten und teuersten Yachten der Erde an diesem Fleck. Speziell erschien uns, dass gleich neben diesen Yachten der karibische Alltag stattfand. Nicht wie Monaco, St. Tropez oder Tivat, wo rundherum alles mit Schickimickiszene und den Flag-Stores zugepflastert ist.

So war es denn auch vor Green Island Die Crew der wunderschönen italienischen Luxusyacht „Ohana“ gesellte sich abends zu uns (oder wir zu ihnen…) an unsere crazy family beach. Wohlgemerkt der Yacht-Besitzer selbst war noch nicht eingeflogen. Dank unserer italienischen Lallona family wurde die Brücke schnell geschlagen und es konnte ein Besuch auf der Yacht am nächsten Tag eingefädelt werden!

Der Captain/Commandante, unglaublich bescheiden, sympathisch und professionell empfing tatsächlich unsere Dingi Karawane mit 10 Erwachsenen und 8 Kindern auf „seinem“ Schiff. Die Ohana; 50m lang, 10m breit 5,6m Tiefgang, Masthöhe 60m, 350 Tonnen schwer, Motorleistung 1000PS, 800l Frischwasserproduktion/h, 240l Dieselverbrauch/d nur für Generator, Gennaker knapp 1400m2….“Ohana“ was auf Maori Familie heisst, wurde in New Zealand gebaut für rund 30Millionen Euro. Wird verchartert für 180’000USD/Woche, hat piekfeine Suiten für 10 Gäste. Das Interior bestückt nur mit den besten Materialien wie Massivholz, Kristallglastreppe, Marmortisch,…..Sie wirkt einfach schlicht schön. Satte 2 Stunden wurde uns wirklich alles gezeigt und erklärt, jede Frage ausführlich beantwortet.

Das Beste an diesem Besuch war – ich freute mich so sehr wieder auf unsere LaDiala – im Vergleich klein fein mein. Und was ich auch gelernt habe, mit dem elengantesten, grössten Schiff kommst du nicht in die schönsten entlegensten Buchten rein. Der Tiefgang ist schlicht zu gross….

Barbuda, die zu Antigua gehörende, nördlich gelegene Insel ist surreal, die satten Farben des Meeres und des Himmels von einer anderen Welt, einzelne Strandabschnitte wegen des Muschelsandes rosa gefärbt. Das Naturparadies mit seinen riesigen Lagunen, den Fregatten- Vögeln, den feinsten, ins Unendliche reichenden Sandstränden, der Reichtum an Muscheln – man wird süchtig danach. Wir konnten mit den anderen Familien an einer Bootstour durch die flache Lagune, das Dorf und die Brutstätte der Fregatten-Vögeln teilnehmen. Nur schon der Besuch des lokalen «Supermarktes» zeigte die sehr bescheidenen Lebensumstände der Bewohner Barbudas. Bei der Fregatten-Kolonie: Unbeschreiblich das Gewirr in Luft und auf den flachen grösstenteils von 2017-er Hurricane zerstörten Mangroven – welche nun nach 18Mtn langsam nachwachsen. Elegant segelten oder schwebten die Vögel nur wenige Meter über unsere Köpfe und wir konnten uns mit dem Boot und dem kundigen Führer bis auf wenige Meter herantasten, zuletzt staunend inmitten dieser Flugshow – der Geruch war nebensächlich. Diese doch recht grossen, gelenkigen Akrobaten der Lüfte ernähren sich ausschliesslich von fliegenden Fischen, welche sie in der Luft und nicht im Wasser erjagen! Anschliessend gabs direkt in der riesen Lagune vor unseren Augen aus dem Käfig (Reusse) gefangene Lobster – für jedes Schiff 2-3 Stück.. Das war ein rechtes Gezappel und Gezucke auf dem Boden des flachen Fiberglass-Bootes und dennoch ein Höhepunkt v.a. für die Kinder. Wir sind nun (neben selbstgefangenen Fischen) auch routiniert im Zubereiten von Lobster, welche wir NICHT lebend ins kochende Wasser geben.

Der Lebensrhythmus der Insulaner ist ein anderer. Hurricane suchen die Inseln immer wieder heim. Auch wir sehen hier wie schon geschildert in Dominica die bizarren Rückstände eines solchen Wirbelsturmes von 2017. Ein Riesencontainer wurde zig hundert Meter weit durch die Luft gewirbelt und inmitten der Lagune abgesetzt und rostet nun im flache Wasser liegend vor sich hin. Häuser ohne Dächer, Fischerboote meterweit an Land gespült. Erste Hilfe wurde von UNO, Japan und Amerika geleistet, aber die Leute sind immer noch sehr arm, Häuser immer noch ohne Dächer– Antigua ist die wohlhabendere Insel, der Tourismus ist dort. Barbuda will seine Landreserven nicht verkaufen. Das Land gehört der Gemeinschaft. Die 2 Resorts der Luxusklasse sind im Wiederaufbau begriffen. Unser Führer meinte: wir leben hier, der Hurricane kommt immer mal wieder, wir gehen in die Höhlen oder in die grossen Stein/Betonhäuser, der Sturm kommt, manchmal 2x (wenn das Auge über die Insel geht, wie 2017) und dann kommen wir raus, schauen, lächeln (so sagt er es!) und helfen uns gegenseitig bei Aufräumen und beim Wiederaufbau.

Wir verlassen nun Antigua & Barbuda. St. Barth (Frankreich), St. Martin (Frankreich und Holland), Brittish Vergin Islands (BVI) und US-Virgin Islands (USVI) werden die nächsten Destinationen sein.

23. Februar 2019

Von Martinique über Dominica nach Guadeloupe Jan/Feb 2019

Dominica wurde 2017 im September von Maria mit 200 Meilen/h Windgeschwindigkeit und 4-5 h Dauerregenflut heimgesucht. Weit über 50% aller Dächer wurden zerstört und weggefegt. Praktisch alle Brücken des Landes wurden weg- oder unterspült und sind unpassierbar geworden. Sämtliche Häuser in Strandnähe wurden von der Wellenflut getroffen. Der Regenwald, die Palmen-, Kaffee-, Bananen- und Vanilleplantagen wurden ausserordentlich geschädigt. Aktuell ist es für uns fast nicht mehr vor- und auch praktisch nicht feststellbar, was da alles passiert ist. Einzig das dichte Laubdach des Regenwaldes ist nicht mehr erkennbar und alles von Schlingpflanzen und Winden komplett bedeckt, sodass einige Pflanzen und Baumarten zu «ersticken» drohen. Was das für die ohnehin schon eher arme Bevölkerung in diesem vom Massen und Strand-Tourismus «verschonten» Land bedeutet, ist für uns vom Schiff aus und nach den drei Landausflügen nicht abzuschätzen. Vieles schaut zerfallen, unfertig, ungepflegt aus aber in diesem feuchten Regen-, Salzwasser- und Sonnenstrahlen-Klima zerfällt, verfault und verrostet alles wirklich innert kürzester Zeit und wird sofort überwuchert – auch im Wasser und am Strand. Insofern können wir nach 18Mtn das Ausmass der Zerstörung und das Inferno während des Hurricanes v.a. aufgrund der Schilderungen der Guides und der wenigen hier wohnenden Expats (u.a. einer Schweizerin von Ibach, Sz) nachvollziehen.

Ohne Mietauto bzw. Taxis/Bus-Ausflug ins Landesinnere erlebt man die Inseln gar nicht so richtig. Das Leben auf dem Meer und am Strand bzw. in den Marinas ist sehr selektiv und gibt kulturell wenig her. Die Herausforderung besteht für uns, einen sicheren Platz für das Schiff zu finden (sicher wegen Wind, Wellen, Anker-Ausreissen und Einbruch/Diebstahl), um dann irgendwie mit Taxis, Auto, ein wenig vom Festland zu sehen. Um 18‘30h ist es wirklich rabenschwarze Nacht und es ist schon vorgekommen, dass wir mit dem Dinghi herumgekurvt sind und unser Schiff gesucht haben, weil es schwierig ist, in der Dunkelheit die Schiffe voneinander zu unterscheiden, die da alle vor Anker liegen.

Es geht uns sehr gut, wir geniessen alles, v.a. auch, wenn’s mal locker ist weil: es ist eigentlich viel «strenger» als gedacht und das Schlafbedürfnis ist erstaunlich hoch, wenn man den ganzen Tag Wind und Sonne geniessen darf, wohl auch weil des nachts mehr als einmal Teile der Systeme abgecheckt werden (s.u.) Ein Skipper-Kollege, auch mit Familie unterwegs wie wir, Ex-CEO grossen Beratungsfirmen sagte mir vor einigen Wochen: ich habe mehr Stress als noch bei der Arbeit, ich kann mich auf nichts verlassen, muss alles selber machen und aufwändig organisieren und andauernd geht was kaputt. Ok er hat ein neues Schiff und eine Mängel- und Schadenliste, dass es die Kopfhaare einrollt…. Ein Defekt bedeutet gelegentlich 1-3 Tage Fahrt zu einer passenden Werft mit Kran oder Trockendock, dann 2-3 Wochen Reparatur bzw. Wartezeit auf Ersatzteile etc. Kürzlich stellte ich fest: meine To-Do-Liste war noch nie so klein und 1h später hat die Meerwasserentsalzungsanlage ihre Produktion ohne Rücksprache um 50% reduziert. Die Sucherei im Internet und die Mailerei ging wieder los – allerdings erst nachdem ich rund 90min benötigte, um eine verlässliche WIFI-Quelle anzuzapfen und mit Paypal zu bezahlen. Nach Mails und Fotoaustausch mit dem Hersteller stellte sich heraus, dass wegen falscher Legierung der Druckkolben massiv korrodiert war und der Filterdruck von 50bar deswegen nicht mehr aufrechterhalten werden konnte. Zuvor musste ich jedoch die ganze Steuereinheit ausbauen, Hochdruck-Schlauchverbindungen lösen und das Druckregelventil zerlegen, um an den Kolben heranzukommen. Das Problem war zwar bekannt aber der Hersteller wusste nicht, beim wem die falschen Kolbenlegierungen eingebaut wurden. Es dauerte dann 14 Tage bis die Ersatzteile eingetroffen waren und nochmals einen Tag mit telefonieren, koordinieren und abholen in Guadeloupe bis die Teile am Zoll vorbei geschleust waren und auf LaDiala zum Einbau bereit lagen. Nach 1h war alles eingebaut und der Wassermacher sprudelte wieder wie am ersten Tag- besser noch sogar, weil die Kolbenform optimiert wurde und damit der Druckaufbau noch besser gelang.

Ich werde öfters per Mail gefragt wie der Alltag so sei auch mit/wegen den Kindern, Das Geschilderte ist auch ein Teil vom Yachtie-Leben. Es gibt viel ‚in betweens‘ und die einsamen Sandstrände existieren definitiv eher in der abgelegenen Südsee und dann ist es toll, wenn alles funktioniert.

Der Segler ist ein Vollzeit-Beobachter: Meteo, Wellen, Strömung, Wassertiefe, Ankergrund, stabile Ankerposition, alle technischen und elektronischen Systeme, VHF-Funk abhören, Segel, Mast, Schoten, Fallen Schäkel, Taue und Rumpf innen und aussen (wegen Lecks und Algenwachstum bzw Leinen in der Schraube) und ein Allzeit-Reparierer und Organisierer. Crew/Family haben auch noch ihre spontanen und überraschenden Schwankungen, Defekte, Lecks, was alles sehr abwechslungsreich, spannend und gelegentlich – wie sonstwo auch – mühsam macht. Interessant sind beispielsweise die Bodenbretter, unter welchen wir diverse Sachen verstauen können – von Werkzeugen, Ersatzteilen, Lebensmittel bis zu Schuhen und Kleidern. Wenn dann mal was auf den Boden fällt und ausläuft inkl. Kinder, dann fliesst alles der Schwerkraft nach unter diese Bodenbretter, verteilt sich, wie das Flüssigkeiten so an sich haben und sammelt sich am Ende irgendwo in der Bilge oder in Kartonpackungen, Plastikschachteln ohne Deckel und sonstigen saugfähigen Materialen. Zum «Beobachten» einige Beispiele aus Guadeloupe:

Nach einem der seltenen Marina-Aufenthalte mussten wir ein nicht ganz konventionelles Ablegemanöver fahren und dabei auch noch eine Festmach-Boje zwischen den Rümpfen vom Heck zum Bug durchziehen lassen bei 20kn Wind leicht seitlich. Alles schon gemacht, eigentlich Routine aber wir haben NICHT beachtet (beobachtet), dass unten an der Boje ein dickes 3m-Tau frei im Wasser schwebte, welches dann rasch von unserer Schraube aufgewickelt wurde, den Motor abwürgte und wir bei den besagten 20kn Wind an diesem Tau hängten. Wir haben ein wenig versucht daran zu ziehen und es tauchend abzuwickeln aber da war nix zu machen – viel zu viel Winddruck. Schon nach gefühlten 7minuten kam ein Taucharbeitsboot mit 3 Männer, davon einer schon im Vollanzug und springt rein. Kurzer Check, sie nehmen uns an eine Schleppleine, ziehen gegen den Wind um das Bojen-Seil zu entlasten und nach weiteren knapp 10min waren wir frei. «Bonne Route», kostet nichts und ein nettes Winken war alles. Normalerweise legt man dafür 150-300Euro hin und wartet 1-3h. Als wir uns mit 2 Flaschen Wein mitten im Hafen bedankten, habe sie sich sichtlich gefreut. Wir uns auch.

Wir segeln so vor uns hin von Illes des Saints nach Pointe-à-Pitre (Guadeloupe) als uns plötzlich ein initial unkonventioneller aber glasklar verständlicher VHF-PANPAN-Notruf aus den Tag-Träumereien reist. Die Stimme war sehr klar, sodass das Signal im Umkreis von einigen Seemeilen gesendet werden musste. Ein Katamaran Nomen-est-omen: «NoPlan-JustOptions» hat knapp 400m von der Legerwall-Küste (= auflandiger Wind von 18-25kn Stärkte und 1,5-2m Wellen) beide Ruderblätter verloren und bittet die französische Coastguard um Hilfe. Nun ist der Verlust der Ruderblätter beim Katamaran zwar auch nicht grad gut aber mit den beiden Maschinen kann man sich ähnlich einem Raupenfahrzeug ohne Segeln unter Maschinenfahrt recht gut auf Kurs halten, wenn die Motoren nicht überhitzen bzw. schlapp machen und nicht Sturmwinde herrschen. Die Küstenwache wollte nicht so recht helfen (die hatten in 7sm Entfernung in Point-a-Pitre sicher 5 oder 6 Boote am Steg von klein bis recht gross…..) und hat einfach den PANPAN-Notruf mit der leistungsfähigeren Küstenfunktstation ausgelöst und alle Boote in der Nähe um Hilfe angerufen. Wir waren nur 2.4sm entfernt und haben uns dann eingeklinkt, sind hingefahren und haben die Schleppleinen zu allfälligen Übergabe bereitgelegt aber natürlich nicht gebraucht. NoPlan-JustOptions hat auf eigenem Kiel und lediglich mit standby bzw. unserer moralischen Hilfe in den schützenden Hafen gefunden. Interessant aus seefahrtsrechtlicher Sicht wäre die Situation geworden, wenn wir unsere Leine zum Schleppen übergeben hätten. Da wäre grundsätzlich eine fette Entschädigung zur Debatte gestanden. Irgendwie witzig hat sich der Funkverkehr angehört:
NoPlans-JustOptions NoPlans-JustOptions this is LaDialaLaDiala, we are right 1.2nm behind you, catching up with 8kn, do you notice leakage or water in the engine compartment? over

LaDialaLadiala this ist NoPlans-JustOptions NoPlans-JustOptions: we don’t know, our bilge pumps don’t work, over.

Soviel zu NoPlans-Just Options.

Maxim ist ein sehr aufmerksamer Beobachter und findet allerhand am Boden, am Strand, im Sand und auch beim Schnorchel-Tauchen. Kürzlich auf der Toilette hat er auch was entdeckt und schreit was von «Würmli». Um es kurz zu machen: die ganze Familie macht nun eine Wurmkur gegen die Oxyuren, alles wird 60-90Grad gewaschen, was auf dem vor Anker liegenden Schiff v.a. mit der Bettwäsche und Molton ein Unterfangen der logistischen Extraklasse ist (Waschsalon suchen an Land, alles dann böen-sicher aufhängen (hier grad seit 3d 20-30Kn Fallböen) und das über mehrere Tage bis dann wirklich alle Wurmeier erledigt sein sollten. Das Organisieren der Medikamente und der Desinfektionsmittel war in unserem Falle als Ärzte mit CH-Berufsausweis (ohne geht gar nichts!) erstaunlich einfach und konnte nach rund 3h erledigt werden. Kommt also in den Besten Familien vor der Oxyur bzw. die Enterobiasis.

Alltag im Sinne von Routine gibts fast nicht aber dafür alles immer bei Sonne, heftig-kurzen Regenschauer (die auch ins Schiff regnen wenn’s irgendwo einen Spalt geöffnet ist), Wärme, Strand, Strandbar und Reggae, zwischendurch Fisch am Hacken und Schnorchelparadies und immer wunderbare Sonnenuntergänge. Der übliche Kinder- und Haushaltskram gibts auch noch aber der lässt sich unter prächtiger Sonne erledigen – dauert einfach alles fast doppelt so lange. Der Tag hat irgendwie auch hier immer nur 24h.

Die Zeit, die wir mit den Kindern verbringen dürfen ist – wie «zu Hause» auch – nicht immer nur wunderbar aber es ist grandios, ihnen so nahe zu sein, jeden Fortschritt zu begleiten und daran teilzunehmen. Auch wenn der ganze Technik-Schnickschnack am Schiff mühsam sein kann, so ist es doch eine rechte und interessante Herausforderung, alles zu verstehen und wenn’s geht auch selber zur reparieren oder zumindest zu wissen, wie bzw. wer das Problem beheben kann und dabei zuzuschauen und zu lernen.

Nun sind wir also seit knapp 10d auf Guadeloupe, und haben auch hier Landausflüge gemacht mit dem Highlight einer Treckingtour zu einem Wasserfall mit Badebecken. Dabei mussten wir 11x den Fluss (Bach) mithilfe von gespannten Seilen überqueren und alles im Regenwald bei nicht zu knapp Schlamm. Maxim hat die je 40min hin und zurück selber bewältig und Mara immerhin den Hinweg auf ihren kleinen Füssen und den kurzen Beinen. Der Dreck war die Extrazugabe. Der Dinghy-Motor hat seine Kühlung wieder eingestellt und wir haben einen leichten 5PS Motor gekauft, welcher als Reserve dient und v.a. ohne Lift-Konstruktion montiert/demontiert werden kann ( der 15ps Motor ist knapp 50kg schwer). Die Reparatur gestaltet sich auch in Antigua, unserer nächsten Destination, offensichtlich, nicht ganz einfach: es sei ein europäisches Modell, da würde es auf dem US-Mark keine Ersatzteile geben, wir sollten sie selber in Europa bestellen. Wir werden sehen. Noch liegen wir vor Illes des Pigeon, einem Naturreservat an der Westküste von Guadeloupe «welt»berühmt ( so die Franzosen) aus den Tauchfilmen von Cousteau und ein grossartiges Schnorchel- und Tauchparadies: es hat so viele Menschen hier tagsüber, dass die wirklich sehr zahlreichen Fische sich daran gewohnt haben und praktisch in Armlänge an uns vorbeischwimmen. Ich war mit einem anderen CH-Segler auf einem Tauchgang mit dem Dinghy und unserer eigenen Ausrüstung und wir entdeckten mit den Kindern schnorchelnd die Unterwasserwelt.