SY Ladiala

Mit dieser Seite wollen wir Familie und Freunden einen Einblick in unsere Reise geben, welche am 2.April 2018 auf der Insel Murter in Kroatien angefangen hat.
Wir sind: Michèle, Mark und die Kinder, Maxim (12/2013) und Mara (9/2015)
La Diala, ein Katamaran Helia 44 von Fontaine-Pajot, Baujahr 2014, haben wir im Frühjahr 2017 erworben.
Auf der Seite „Position und Route“ ist ersichtlich, wo wir gerade sind und wenn ihr von der KARTE auf das Satelitenbild wechselt wird’s noch besser… oder sonst auch via Marine Traffic. Mit der App Marine Traffic- Ship Tracking kann man uns auch nachspüren
Für Nachrichten an uns darfst du gerne das Kontaktformular verwenden. Wir freuen uns über jede Rückmeldung aus der Heimat.

6. Juni 2020

Marina Palmas del Mar, Humacao/Puerto Rico ; ab Ende April 2020

Feliz Pascua! Espero que te la passes bien. Como estas? Okay, Thema Nr 1 ist Covid-19. Seit 4 Wochen „lock down“ in Puerto Rico. Bis zum 03.05.2020 weiterhin „lock down“. Mittlerweile ist Masken und Handschuhe tragen Pflicht sobald man das Haus verlässt. Die Zahlen steigen hier weiterhin an, mal mehr, mal weniger. Wir sind noch knapp unter 1000 positiv Getesteten und knapp 50 Toten, der Peak wird anfangs Mai erwartet. Inland Flüge (dh nach Amerika) sind weiterhin offen.

Wir halten alle Regeln ein. Wir sind hier Ausländer. Nicht, dass wir es zu spüren bekommen, zum Glück nicht, aber wir wollen hier auf keinen Fall dem Gesundheitswesen und dem Staat zur Last fallen.

Unser Alltag sieht in etwa so aus: jeder Tag ist gleich wie der andere. Die Welt zieht nicht mehr an uns vorbei. Das ist sehr neu. Waren wir doch stetig unterwegs, kein Tag war wie der andere in den letzten 2 Jahren. Es tönt paradox, aber plötzlich wird einem das Familienleben ein wenig zu eng…

Was mich jetzt eigentlich am meisten interessiert; wie geht es unseren Lesern und Leserinnen? Jetzt sitzen wir ja alle irgendwie im selben Boot. Was bewegt Euch? Die Einschränkung von Freiraum? Freunde und Familie? Reisen? Existentielles? Auswärts gehen? Ungewissheit?

Wir haben uns kürzlich den Film Contagion (2011) mit Matt Damon, Kate Winslet, Laurence Fishburne, Gwyneth Paltrow, Jude Law, etc reingezogen. Erschreckend spannend und ähnlich….

In wenigen Monaten ist unsere Heimreise geplant. Auch das wird ein grösseres Abenteuer werden: werden wir LaDiala verkaufen können, wird es einen Flug geben? Wird jemand uns abholen? Werden wir unsere Familie und Freunde in die Arme nehmen dürfen? Werden wir in eine staatliche Zwangsquarantäneeinrichtung gesteckt? Werden wir Euch alle nur noch mit Masken begegnen?

Ab 3.Mai war Joggen und Velofahren nach 2 Wochen Total-Verbot und „heischicke“ wieder erlaubt. Weiterhin Ausgangssperre ab 19h. Es gibt immer wieder lustige Erlebnisse auch in der eher einsamen Marina-Anlage. Wir als Kleinfamilie haben uns immer um 5h zum Apero auf die Terrasse des geschlossenen Restaurants in die herumstehenden Sofas gesetzt und Chips gegessen, etwas getrunken und in das Meer und den Wind geschaut. Zunehmend haben sich 2-3 andere segelnde Ehepaare zu uns gesetzt und der Sundowner wurde zur fixen Institution in diesen sonst eher einsamen Zeiten. Es sind dies segelnde frühpensioniert Festland-Amerikaner, welche Puerto Rico für die US-nahe Infrastruktur, die tiefen Steuern und das karibische Flair schätzen.

Alle erzählen von ihren Segelabenteuer oder von ihrem sonstigen Leben, der Familie und wir lernen viel über die US-republikanische Sicht der Mittel- und Oberschicht.

Was passierte sonst noch in den letzten 6 Wochen Hafenleben:

  • Maxim 1x genäht am Kinn (in Wand hinein gestolpert), und 2xKlammern am Hinterkopf nach Sturz aus der extra tief aufgehängten Hängematte (dafür extra hoch geschaukelt…).
  • Wir machen fast täglich Veloausflüge – auch Mara fährt nun mit.
  • Masken aus der CH sind per Kurier eingetroffen (mit Exportbewilligung vom SECO weil DHL das so wollte, dann Belehrung vom SECO an DHL: keine Exportbewilligung bei Lieferung an Privatpersonen – aber der Aufwand für den Sender blieb erheblich).
  • Wohnungsbesichtigung per WhatsApp/Skype/Facetime; wir haben eine sehr kinder- und elternfreundliche Wohnung in Höngg gefunden. Alles was wichtig ist, ist in Gehdistanz; Küche/Badezimmer von ca. 1982, <Time for style> kommt später, meinte eine Freundin trocken.
  • Netflix Serien geschaut: gefangen am Bildschirm 4x 40min/Tag macht auch 3h+ Screentime und morgendliche Müdigkeit.
  • Die Kids sind weiterhin immer zwischen 6-7h morgens wach
  • Maxim beginnt mit Pfeilbogen und Pfeil zu üben – das gibt viel Erklärungsbedarf und neue Sicherheitsmassnahmen an Bord.
  • Mara will sich selber eincremen – immer, kein Verhandlungsspielraum, erhebliche Beratungsresistenz.
  • WC-Tank über Inspektionslucke gereinigt (not nice!),
  • Tauchen/Schnorcheln im Hafenwasser, um am Schiff Seewasser-Einlässe, Propeller und Ruderblätter zu reinigen, die Hand war wirklich kaum zu sehen vor dem Gesicht und anschliessend war ich von oben bis unten voll von Krill/mini-Shrimps.
  • Manatee im Hafenbecken gesehen (= Seekühe, mostly herbivorous marine mammals)

Wir haben weitere Freunde gefunden: unter anderem ein Weltumsegler-Ehepaar mit Haus, Pool, Hund, 4 Chickens, sehr grossem Herz, wundervoll direkter Sprache und Englischem Humor. Sie haben uns grosszügig ihr Pool zur Verfügung gestellt. Wir waren über 4 Wochen fast täglich dort und die Kids haben neben Spielen im Pool mit diesen Ersatz-Grosseltern auch viel English gesprochen, Hund und Hühner gefüttert, gemalt, gespielt und sich irgendwo spielend im grossen Haus verloren. Gleichzeitig mit dem Verkauf, Umzug/Auszug und Reinigung von LaDiala konnten wir in diesem klimatisierten Haus 8 Tage als House-Sitter leben, während der Abwesenheit des Ehepaares. Sie stellen uns Ihren Golfcar zur Verfügung, wir können bis zu unserer Abreise ihren Zweitwagen benutzen als hätten wir ihn gekauft und dürfen uns dort wirklich zuhause fühlen in 2 Gästezimmern mit separaten Badezimmern. Ein unglaublich herzliche Grosszügigkeit und Gastfreundschaft, welche uns wirklich sehr geholfen und alles erleichtert hat bei der Verabschiedung und Ablieferung von LaDiala.

Der Verkauf von LaDiala an eine in Puerto Rico lebende US-Familie war sehr glückhaft innerhalb 3 Wochen erledigt aber auch sehr aufwändig und nervenaufreibend mit 3x Rückzug der Käufer sogar nach Vertragsunterschrift und 10% Anzahlung (was nicht gerade wenig war). Aber wir blieben immer freundlich, haben die Türen offengelassen, sodass alles doch noch zu aller Zufriedenheit zu einem Abschluss gekommen ist.

Es ist zu früh, Bilanz zu ziehen aber: Wohl nirgends ist die sogenannte Freiheit so einfach und mit wenig Risiken und Restriktionen zu finden wie beim Leben auf dem eigenen Kiel. Und Ja! wir haben in vielen Belangen definitiv Glück gehabt und wirklich sehr viel großartiges erlebt und unsere Freiheit sehr genossen. Es passierten keine relevanten Unfälle ausser Stürze mit Velo, Stich einer Meeresschnecke, 20sec. langes Kneifen mit der Schere einer GROSSEN Hermit-Crab in Maxims Zeigfinger mit ebenso langem Schreien von Maxim, 2x Maxim genäht– auch die restlichen Bobos und Krankheiten waren für uns gut behandelbar. Mein Knie ist zwar deutlich schlechter geworden aber das war absehbar.
Auch LaDiala hat uns keine langfristigen Scherereien verursacht – die Erfahrungen und Geschichten von Freunden mit ihren Schiffen haben uns sehr dankbar und demütig gemacht. Aber auch unsere Segel-Philosophie (less is more, keep it simple, stand-alone, redundancy, defensive sailing) hat sich sehr-sehr gut bewährt und uns vor viel Ärger verschont – da bin ich mir recht sicher. Nur was man nicht hat, geht nicht kaputt! Wir haben wahrscheinlich mit viel Glück für uns als Familie und auch individuell das Optimum aus diesen 27 Monaten „rausholen“ können und dürfen. Corona war zum Ende hin etwas mühsam aber hat uns andere Erfahrungen und Erlebnisse gebracht hier in Puerto Rico und nun werden wir noch einige Tage die hügelige Regenwald-Landschaft im Landesinnern erkunden und dann 2 Wochen an den Stränden der Hauptstadt San Juan unsere Fähigkeiten im Kite-Surfen und e-foilen zu verbessern versuchen während die Kids auf die Surfboards stehen bis dann unser Flug hoffentlich und endlich zurück in die Schweiz geht mit 6-8 Koffern, Handgepäck und Erinnerungen via New York und Amsterdam. Wir werden Ende Juni in Zürich eintreffen und dann am 2. Juli unsere neue Wohnung beziehen und unsere „eingestellten Sachen“ vom Zügelunternehmen übernehmen können. Dann beginnt wieder ein anderes Leben für alle von uns – Schul-, Berufs – und Gesellschaftsleben.

Damit endet unsere Berichterstattung und wir danken den Leserinnen und Lesern und verdanken auch die wohlgesinnten Kommentare – die anderen haben uns nicht erreicht.

Wir werden nun mindestens 2 Bücher herausgeben (Eigenverlag), jedem und jeder ein handsigniertes, kommentiertes Exemplar aufnötigen und bei jeder fehlenden Gelegenheit von all den Gefahren und Höchstleistungen berichten. Wir werden auf Facebook, Twitter und wahrscheinlich Tinder präsent sein und das Land mit einer Welle von Audio-Video-Vorträgen überziehen und für Coaching-Seminare und sonstige Fragen ungefragt zur Verfügung stehen. Wer noch nicht genug hat, kann auf der neuen Webseite (www.wiseildseworld.zeha) mitverfolgen, wie erfolgreich unsere Kinder nun ihr eigenes Leben meistern immer begleitet von unseren tollen und stolzen Kommentaren.

11. April 2020

Photos September 19 Rhode Island – March 20 Puerto Rico

31. März 2020

Corona-2; 31.März in Puerto Rico, Marina Palmas del Mar

Vorneweg: es geht uns gut. Alle gesund und guter Dinge, auch wenn die mentale Belastung sich verändert hat. Weg vom Wetter/Klima, Route, Navigation, Untiefen, Ankerwache hin zur aktuellen Situation kurz und mittelfristig hier in Puerto Rico und die Planung der weiteren Reise und unserer Rückkehr in die CH.

Die aktuelle Situation hier: weiterhin seit 15.März der totale lock down mit nun verschärfter Ausgangssperre 19-05h, massiv eingeschränktem Individualverkehr (grade/ungrade Nummern und Sonntag autofrei). Alles nicht Notwendige geschlossen. Autovermietung geschlossen. Häfen und Marinas und teilweise auch Flugverkehr total unterbunden. Niemand darf mehr per Schiff einreisen. Notfälle dürfen 3 Häfen anlaufen, dass Land aber wieder verlassen – sagt man. 3 Fälle sind uns schon bekannt, wo das durchgezogen wurde. Wir sind weiterhin sicher in der abgeschiedenen und bewachten Marina mitten in einer parkähnlichen Riesensiedlung und einer grosszügigen Golfanlage. Viele Teiche und Seen mit artenreicher Vielfalt an Wassertieren und Vögeln. Es gibt einen fast einzigartigen Sumpf-Urwald mit einem verschlungenen Hochweg durch diese feucht-wabbernde Pflanzenwelt. Die Strände sind menschenleer, voller stinkender Algen aber wunderschön mit einer erstaunlichen Palmenvielfalt, rauh (Ostseite ist Wetterseite), von Felsen durchsetzt und ursprünglich. Ein kleiner Shop mit dem Nötigsten (Milch, Eier, Wasser, Reis, Hygiene aber keine Früchte) ist in 15min Gehdistanz. Wir erreichen fast alles per Velo – 3 hatten wir dabei und Maxim hat ein neues für 130.- vom Walmart erhalten noch am Tag vor der Ausgangssperre/Lock-down, weil wir das ja erwartet haben.

Stand 31.3. 200 Fälle auf 3Mio Einwohner bei bis anhin sehr tiefer Test-Rate was sich nun ändern soll, weil die Schnelltest erhältlich seien. Zuvor wurden die Tests angeblich nach Florida geflogen zur Auswertung und es dauerte 6d bis zum Resultat.

Wir haben ein Visum bis 1.8. welches noch verlängert werden könnte und unsere Cruising-Permit für LaDiala ist gültig bis Ende 2/2021. An eine Weiterreise ist nicht mehr zu denken. Alle Länder haben die Grenzen geschlossen und es hat sich exakt bewahrheitet was wir vermutet haben in unserem letzten Beitrag: Planung unmöglich, Cruiser sind nirgends willkommen. Unsere Reise wird hier enden. Wir haben soeben das Schiff auf 2 Portalen zum Verkauf ausgeschrieben und die Planung für Versicherung (Hurricane-Einschluss), Broker, Hurricane-sicherer Trockenplatz, Verkaufs-Gutachten, Bootsräumung und allenfalls „Waren-Umzug“ sind am Laufen oder schon in die Wege geleitet bzw. erledigt. Ebenso die letztmals erwähnten Unterhaltsarbeiten. Die vergangenen 2 Wochen waren deswegen recht streng und auch emotional etwas belastend, da wir diese Grundsatzentscheide treffen mussten. Eine Rückkehr in die CH ist unter den gegebenen Umständen nicht sinnvoll. Wir sind hier Virus-sicherer und haben mehr Bewegungsfreiheit. In der CH könnten wir nicht wie gewohnt arbeiten (Kurzarbeit in der Praxis und Michele ist ohne Anstellung) oder nur reduziert, haben kein Zuhause, kein Auto bzw. keine Mobilität. Die Vorstellung sich unter diesen Umständen „neu einzurichten inkl. Wohnungssuche/Besichtigung und Zügeln ohne festes Zuhause bzw. in der Ferienwohnung der Eltern in Savognin“ macht es einfacher, in Puerto Rico zu bleiben und uns von der unerschütterlichen Lebens- und Entdeckungsfreunde der Kinder anstecken zu lassen. Wir leben auch nach 2 Jahren immer noch gerne so nahe zusammen – auch wenn es zwischendrin eine Herausforderung ist. Da dachte ich zynisch dran, dass nun viele Familien „im gleichen Boot“ sitzen, 24h auf wenigen Quadratmeter und sich aushalten lernen – hoffentlich. In diesem Zusammenhang müssen wir einmal mehr feststellen, dass wir Glück haben. Bei uns hat sich grundsätzlich wenig geändert. Dieses Leben kennen wir seit 2 Jahren, es ist selber gewählt, wir haben darauf hingearbeitet und es bedroht uns nicht finanziell-existenziell. Wir sind an einem schönen, warmen Ort und können noch 3-4 Monate durchhalten solange wir gesund bleiben. Die grossen Unsicherheiten mit bedrohlichem Aspekt sind die rasch wechselnden, politischen Entscheidungen, welche uns betreffen können und die medizinisch-gesundheitliche Situation hier, welche aber ehrlicherweise seit 2 Jahren immer schon vorhanden war, auch wenn nun der Pandemie-Aspekt hinzukommt und das Risiko für 50+j bereits deutlich höher ist.

Der Plan: hier ausharren und positiv bzw. negativ bleiben. Verkauf durchziehen oder Schiff ab Juli an einen Broker übergeben, es auf den hurricane-sicheren (???) Trockenplatz stellen und in die CH zurückkehren und uns um Wohnung, Beruf und Einschulung (Kindergarten und 1.Klasse) kümmern. Im bestem Falle haben wir im Juni wieder offene Häfen innerhalb US-Territorium und wir können nochmals die Umliegenden Inseln im US-Gewässer anlaufen und das Schiff evt auch steuerfrei auf den Brit-Virgin Islands verkaufen (2-3 kürzere Tagesetappen von hier gegen Wind/Wellen nach Osten). Wenn sich die Situation in der CH beruhigt und der Alltag einkehrt, dann ist eine früher Rückkehr auch möglich als Option. Notfallszenarien mal ausgelassen.

Die Fotos für den Schiffsverkauf waren eine Geschichte für sich: alles Ausräumen, putzen, Fotos machen. Teilweise Entsorgen vom ausgeräumten Grümpel unter Kinderprotest, einräumen, Fotos aufbereiten und hochladen. Dann realisierten wir mit Hilfe des Webmasters, dass diese Fotos teilweise unbrauchbar waren und neue, bessere hermüssen. 3d später alles nochmals, weniger Entsorgen, weniger Wehklagen dafür von meiner Seite her deutlich weniger entspannt weil nun die Fotos aufwändiger wurden weil Sonnenstrahlen abgedeckt werden mussten, damit die Raumhelligkeit einigermassen homogen blieb, bearbeiten am PC etc. Wir haben Zeit aber auch hier und zu diesen Zeiten fehlt die Lust für solche Wiederholungen. Alles an der Sonne bei wenig Wind und Regen zwar aber es wurde sehr arg heiss – nicht nur der frisch geölte Teakdeckboden.

Noch ein kleines Abenteuer zum Abschluss. Wir haben seit Dezember neu einen Frischwasser-Landanschluss, der es uns erlaubt, das Trinkwasser vom Wassermacher im Tank nicht für Dusche, Abwasch und Waschmaschine aufzubrauchen wenn wir ich einer Marina mit Wasseranschluss sind. Sehr praktisch aber es bedeutet auch unklarer Dauerdruck im System und wenn was undicht wird, dann läuft nicht nur max 700l aus dem Tank aus sondern wie zuhause einfach so lange bis man es merkt. Nun gibt es auf einem Schiff echt IMMMER ein Gebastel (Elektroninik Niederspannung/Gleichstrom und Wechselstrom 220V oder 110V aber auch Druckwasser-System) mit diversen Schläuchen von unterschiedlichem Material, Qualität, professionelle und unprofessionell Montage, vielen vielen Schlauchbriden und überall geht es um Winkel und Krümmungen. Dabei ist beim Landanschluss nie so ganz klar, was für Wasser (Umkehrosmose oder Chloriert) in der Karibik oder der USA ins Schiff kommt und wie der Druck im System auf dem Boot ist durch den Druck des Landwassers. Wir stellen den Anschluss nachts und wenn wir nicht auf dem Schiff sind recht konsequent ab in ängstlicher Voraussicht.

Nachdem ich abgewaschen hatte, bemerkte Michèle ca 30min später, dass kein Wasserdruck mehr vorhanden ist. Pumpe an Bord war ausgeschaltet und Landanschluss offen. Kurz: ein Schlauch, altersschwach nach 23Monaten geplatzt und der linke Rumpf mit Wasser drin. Wir waren schnell! Landanschluss abgedreht, Tank-Hauptventil zu, mit Elektropumpe ausgepumpt und getrocknet.. Keine Schäden an Holzeinbau und Elektronik. provisorisch quer durch Rumpf über Bodenbretter Schlauch verlegt, sodass wir wieder Druck im System haben. Neuer, passender Schlauch kommt evt. noch per Kurier oder nicht. Das wissen wir nicht so recht.

Und letzter Nachtrag von Michèle soeben 31.3.1. 11h vom Joggen zurückgekehrt: FBI* mit Autot hat sie gestoppt, Scheibe runter: go home please, no more jogging, walking, biking. Stay at home! Bis auf weiteres alles verboten….?! Das macht’s jetzt nicht einfacher. Nix mehr mit ornithologischen Erkenntnissen am Teich und Velo-Kinderprogramm?

Wir gehen dem nach und berichten gelegentlich wieder.

*das war ein Scherzchen von Michèle (hihihi, Mark hats mir echt abgenommen) – es war irgendwer, und es ist unklar, ob das jetzt stimmt oder nicht.

18. März 2020

Corona-1 – 17.März in Puerto Rico, Marina Palmas del Mar,

Es geht uns sehr gut, fieber- und hustenfrei. Wir sind hier in einer Marina nahe Humacao auf Puerto Rico, USA, gestrandet. Weiterreisen ist für uns schwierig weil wir unter diesen Umständen nicht in die Dom Rep wollen (von hier ca. 3 Tage) und auf die Bahamas sind es 2 einzelne Tagesetappen im Süden von PR, dann 55h-Etappe bis auf eine unbewohnte Insel der Turks/Caicos und nochmals etwas über 24h bis Mayaguana/Bahamas (Port of Entry). Also knapp 1 Wo ab Entscheid zum Ablegen und da können sich die Einreisebestimmungen derart stark ändern, dass wir im dümmsten Falle nach 5-6d segeln ohne rechte Pause (das wäre dann doch sehr streng für Michèle und mich zusammen mit den Kids) nicht in die Bahamas einreisen können, weil sie die Grenzen dicht gemacht haben…. Und dann kämen wir evt auch nicht mehr in den USA unter so wie jetzt. Deswegen haben wir uns entschieden hier in der Marina The Yacht Club Palmas del Mar auszuharren. Es ist praktisch hier: wenig Schiffe, fast keine Leute, nettes Personal, Pool für uns alleine (evt ab morgen geschlossen), WC/Dusche, Landstrom, Chlor-Landwasser und WIFI. Palmas del Mar ist ein weitläufiges Siedlungsgebiet, abgeschlossen mit Security, zusätzlich noch gesperrter Zugang zur Marina. Kleiner Shop in 15min Fussdistanz. Golfplatz, Strand, Palmen, Jogging und Velostrecken alles innerhalb dieses Riesen Palmas del Mar-Geländes. Automieten wäre (zZ. zumindest) auch noch möglich. Wir haben bis vor 2d noch eine 4-Tätige Inseltour gemacht mit 2x AirBnB auf dem Lande (Regenwald-Wanderung El Yunque und Observatorium von Arecibo = James Bond Golden-Eye und Jodie Foster in Contact, eigentlich ein Radio-Teleskop für Forschung im Bereich: radio astronomy, atmospheric science, and radar astronomy, Durchmesser der Schüssel 305m, zweit grösstes nach DAWODANG, CHINA mit 500m) und 1x Hotel in San Juan (3.-älteste 1521 europäisch gegründete Siedlung in Karibik/Mittelamerika) mitten in der schönen Altstadt mit beeindruckenden Festungen durch die Spanier. Da war noch gar nichts zur spüren von Sorge. Erst am Sonntag nach unserem Grosseinkauf im Walmart (alles erhältlich inkl. WC-Papier…..) gab’s am Abend dann via Cellphone den gouvernemental alert curfew 9pm to 5am und nun heulen abends um 20h immer unsere 4 I-Phones mit dem Ausgangssperre Alarm (ein praktisches Warn-System überall in den USA soviel ich weiss bei Hurricane Tsunami, Erdbeben, Tornado und regional bei Kindsentführung).

Nun gibt’s auch hier einen shut-down, dessen Ausmass uns aber nicht so klar ist (wir lesen wenig lokalen Medien zZ.; ist ja gemäss Mr.Trump alles Fake) und dass uns abgesehen vom Weiterreisen aktuell wenig einschränkt. Wir haben angefangen einen Tagesplan zu machen, so dass ein einigermassen geregelter Tagesablauf stattfindet, an dem sich alle orientieren können. Aktuell gibt’s noch recht viel Unterhaltsarbeiten zu erledigen an Schiff und Ausrüstung inkl. Velos/Anhänger: zBsp: Teakdeck waschen und manuell schleifen mit Stahlwolle dann ölen (3-4d). Deck/Aufbau polieren (?? 2-4d). Gel-Coat-Schäden ausbessern (? 1-2d), Oelwechsel (1/2d), entrosten, Schiffsverkauf vorbereiten (Fotos, Ausrüstungslisten etc), profanes putzen und dann der bekannte aufwändige Alltag inkl. Kinder-«Bildung» und Bespassung. Kein Platz für Langeweile. Zudem wäre Gitarren spielen und Spanisch lernen für Anfänger noch ganz hoch im Kurs bei Michele und mir. Soviel also die aktuelle Situation bei uns. Wir verfolgen die Situation auch in der Schweiz aufmerksam.

Ab heute Mittwoch  18.März dürfen die öffentlichen Strände nicht mehr aufgesucht werden, alle Pools (auch in der Marina) geschlossen. Nachts komplette Ausgangssperre und tagsüber nur 1 Person im Auto für Tanken, Einkauf, Bank, Medikamente. Wird an Strassen-Sperren kontrolliert

Bleibt gesund und geniesst das WC-Papier. Wir melden uns wieder.

17. März 2020

Was wir so erlebt haben im Januar Februar und März 2020 (von Nevis/St.Kitts nach Puerto Rico)

  • 4 Wochen mit Kinder-Crew von SY Tropic Bird von Nevis/StKitts über St.Barthelmy nach St.Martin, dann chillen in Anguilla
  • St.Martin: Genua Furler/Roll-Trommel gewechselt, war an Lager. Geruchshemmende WC-Schlauch gekauft und Verstopfungsproblem erledigt (WC nicht wir…) vom «Dreher» und Händler manuell gedrehte Zigarillos gekauft mit Tabak aus der Dom-Rep. Inselrundfahrt mit Traffic jam auf St-Martin. Sandgestrahlt am Strand bei der Startbahn nach dem 4 strahligen Air-France-Jet. Pain au Chocolat Baguette und akzeptabler Capuccino, Grosseinkauf
  • 1 Wo Anguilla mit extrem relaxtem Segler-Strand-Bar-Leben (im Sinne von chillig= u30,  relaxed = ü50,  lime out = karibisch für abhängen;  iry = jamaikanisch für Everything is iry, mon;  despacito = Puerto Rico für easy-langsam)
  • 1 Wo Brit. Virgin Islands mit Kinder-Crew von SY Tortola
  • Problemlose Einreise in die USA auf US-Virgin Island mit unserem 180 Tage Visum,
    3 Wochen auf den US-VI davon 12d mit Primarschul-Kumpel Dominic, Insel-Nationalpark St.Thomas mit mega-schönen Buchten und Sandstränden viele Turtles, Dominic macht Wing Tsun auf Deck und dem SUP und landet u.a. in den Felsen, wir haben lautloses e-foiling gelernt nach 90min Lektion und dann nochmals e-foiling-boards gemietet und wirklich lautlos mit 12-24kn stehend übers Wasser geflitzt.
  • Culebra, Culebrita, Vieques = Spanische VI gehören zu den USA, Culebrita in wunderschöner, abgelegenen Bucht mit Rockpools, Sandstrand, benachbarter Treasure- und Trash-Beach, Trash gesammelt, viele viele Einsiedlerkrebse mit lautem Krabbeln, Knacken Rascheln bei Dämmerung im Unterholz; am WE ab 9h morgens > 80 Powerboats mit entsprechender musikalilscher Begleitung kommen rüber von Puerto Rico, kein Zugang zum Strand zwischen den Booten, Grill-Schwaden und Musik up in the air.
  • Vieques: einsamste Buchten, teils Mangroven, teils Sandstrand, ehemaliger Marine Stützpunkt der USA, Schiessplatz zu Lande und See, Munition verkappt, Naturpark und kleine Ortschaft alles sehr hispano-karibisch
  • Culebra: im wirklich vollgestopften Minimarket Dominosteine in Holzschachtel für die Kinder und mich gekauft und dabei  kurzer Austausch mit dem fast zahnlosen hispanischen Kassier er und ich im Zweitsprachen-Englisch: woher kommt ihr?- Schweiz –  ah Switzerland, ich gehe, im Sommer nach Island- oh interessant, nice – dann geh ich vielleicht auch noch nach Schweden – ok auch schön (kurzes besserwisserisches Zögern von mir) aber Schweden und Switzerland sind nicht dasselbe – ah nicht, ok – ja und andere Sprache – oh wirklich? – ja, aber Island ist definitiv eine Reise wert, schöner Tag noch – hasta…also die Dominosteine: Kindheitserinnerungen eben, wir spielen viel Uno mit diversen Zusatzregeln, Gacker-Gacker-Spiel (irgendwas mit Eier legen ausbrühten und klauen) und neu auch Domino.
  • Ankunft Puerto Rico und Bekanntschaft mit Virus SARS-CoV2 oder 2019nCoV bzw. COVID-19-Erkrankung

7. Februar 2020

The best ship is friendship – Begegnungen

Wenn man auf grosser Reise durch die weite Welt unterwegs ist, sind es vor allem die Begegnungen mit anderen Menschen, welche die Reise so wertvoll machen. Deswegen möchte ich einige von diesen festhalten.

Das grosse Wiedersehen: SY Tropic Bird (siehe letzter Eintrag)

Ein grosses Highlight und vor allem ein Wiedersehen nach 8 Monaten! Tropic Bird (52feet Janneau, 2003) ist das Zuhause von Brooke, Tyler, Caleb (6 Jahre), und Lauren (3 Jahre), eine Familie aus Oregon/USA, welche wir im Mai 2019 in den Bahamas getroffen haben und gemeinsam eine Woche am gleichen Ort in den Exumas bei George Town vor Anker gelegen haben.

Anschliessend haben sie während der Hurricane-Season (= Sommer) ihre TropicBird für 5 Monate in den südlichen Bahamas zurück gelassen um nach Hause zu fliegen, zu arbeiten und um Familie zu treffen. Im November ist Tyler mit 3 Seglern von Bahamas nach Puerto Rico gegen Wind und Wellen gesegelt. Brooke flog mit ihren Kindern nach Puerto Rico, um auf Tyler in einem Airbnb zu warten. Sie segelten als Familie mit Kurs weiter Richtung östliche Karibik = Lesser Antilles. Und so haben wir es geschafft uns in St. Kitts wiederzusehen. Sie sind um das bergige Kap gesegelt und wir haben beim Eindunkeln per VHF ersten Kontakt gehabt. Unbeschreiblich schön der Moment des Wiedersehens für uns alle. Fast einen Monat haben wir gemeinsam St. Kitts & Nevis entdeckt. Gemeinsam Schlechtwetterperiode mit nie aufhörenden Böen und Starkregen vor Anker abgewettert. Die Fall-Böen von den Hügeln gingen in der „geschützten“ Bucht bei Flachem Wasser hoch bis auf 52 Knoten. Einige Dinghies haben hinter den Yachten im Wind fliegend geflattert wie Tücher und sind mit dem Motor-Kopf unter Wasser verkehrt „gelandet“ (Salzwasser im Vergaser oder Brennraum/Kolben). Unser 25Kg Lewmar-Anker ist etwas knapp dimensioniert für den Winddruck, welchem wir als hochbordiger Katamaran ausgesetzt sind. So mussten wir bei diesen heftigen Winden täglich um-ankern, da der Anker langsam zwischen 5 und 30m durch den eher lockeren Sandgrund gepflügt hat. Entsprechend waren die Nächte wegen Windgeräuschen und innerer Unruhe des Wachhabenden (Michele oder Mark) weniger entspannt.

Wir haben mit TropicBird und fast ohne andere Touristen auf Nevis die schönsten Strandparties mit Bar, Band, BBQ und loderndem Feuer gefeiert, gemeinsames Speerfischen und Stingrayschnorcheln an den felsigen Buchten genossen und Croissant et pain au chocolat in St. Barth verschlungen. Die 4 Kinder verbündeten sich immer mehr zu einer wilden Piratenbande und gemeinsam wurden Fische mit den Fingern auseinandergenommen, gruusigi Wörter (auf englisch) geschwatzt und fast ohne Unterbruch dummes Zeug angestellt. TropicBird-Crew wird uns fehlen.

Catherine&Dan (Canada)

Ein junges Paar, welches neben uns in Antigua (Jolly Harbour) ankerte. Ihr Surfboard löste sich vom Segelschiff und Mark hatte es beobachtet und sie darauf aufmerksam gemacht. Wir haben sie auf einen Drink eingeladen. Ihr Schiff White Pearl (1980) 46fuss, hatten sie an der US Westküste gekauft und über Landweg an einen Fluss-See in Kanada transportieren lassen, um es in den letzten 10Jahren zu refitten. Ausser in den ganz kalten Wintermonaten haben sie auf ihrem Schiff gelebt, gespart und gearbeitet als, Designer, Krankenschwester, Übersetzer für Netflix (englisch-französisch) und anderes. Jetzt sind sie da. Überglücklich, dass ihnen die erste grosse Passage von Chesapeake über Bermuda in die Karibik gelungen ist. Zwischendurch wollen sie arbeiten. Catherine wird bald in Turks&Caicos als Krankenschwester für ein paar Monate arbeiten können. Dh sie werden bald dorthin segeln, um danach wieder zurück in die östliche Karibik zu kommen.

Cari&Lala&Abigail&Nia (Antigua)

Das war einer der schönsten karibischen Begegnungen. Bevor unsere LaDiala in Antigua eingetroffen war, wohnten wir in einem Airbnb bei Cari und ihrer Mutter. Schon bald stellte sie uns ihre Freundinnen Abigail (mit Tochter Nia 8 Jahre) und Lala vor. Cari und Abigail sind hier aufgewachsen, Lala aus Haiti nach Antigua ausgewandert. Sie sind zwischen 28-55Jahre alt. Neugierig und interessiert wollten sie alle auf unser Schiff kommen auch als Nichtschwimmer. Den Apero haben sie gleich selber mitgenommen und so hatten wir einen lustigen karibisch-exotischen beinahe Frauenabend. In Socca, dem karibischen Tanz wurden wir eingeführt. Und wir wurden das erste Mal in unserem Leben als exotisch bezeichnet. “Dabei sind doch sie exotisch“….. Irgendwie wollen sie alle einen weissen Mann….sprich nach Europa auswandern.

Ein paar Tage später wurden wir vom Schiffs-Steg abgeholt und zu Lala’s Villa chauffiert. Sie haben uns mit einem lokalen Nachtessen verwöhnt. Die Gastfreundschaft, Neugier und Aufgeschlossenheit haben mich sehr beeindruckt.

Eine New Yorker Familie

Eine ursprünglich asiatische Familie aus New York in Begleitung der Grossmutter haben wir in einem sehr coolen Beach Restaurant mit Lounge Bar in Antigua getroffen. Die Begegnung war kurz aber einfach sehr schön. Der Max (7 Jahre) hatte mit unserem Maxim so gleich eine lustige Zeit. Als würden sie sich schon ewig kennen. Es wurden Sandschlösser und Burgen gebaut, endlos ins flache warme Meer gerannt. in die brechenden Wellen getaucht, unersättlich gelacht, gerammelt und wieder von vorne begonnen.

Wir Eltern kamen eigentlich gar nicht so sehr in Kontakt miteinander aber gemeinsam hatten wir grosse Freude unsere Kinder so glücklich spielen zu sehen.

George Jefferson (Barbuda)

Mit vollem Herzen Fischer und Tour-Guide in der x-ten Generation. Ist mit seiner Insel Barbuda aufs tiefste verbunden und lässt uns daran teilhaben. Der Ausflug mit ihm zu der Sancturary der Fregatt- Vögel bleibt unvergesslich. Sogar so sehr, dass ich nun irgendwie verstehen kann, warum es Ornithologen gibt.

Werner, Schweizer Segler

Werner, ein pensionierter Schweizer Segler kam eines Tages mit seinem Trottinett zu uns an den Steg: „Immer schön das Schweizerdeutsch in der Ferne zu hören. Ich freue mich jeweils sehr eine Schweizer Flagge an Segelschiffen zu sehen.“ Werner ist mit seiner Frau vor einem Jahr über den Atlantik gesegelt. Nun ist er in Antigua seit längerem blockiert, weil sein Autopilot nicht richtig funktioniert. Er wartet auf Ersatzteile.

Die Schwedisch-amerikanischen Berufs-Blogger-Segler mit 4 Monate altem Baby

Auf einer fast 30jährige Amel-Segeljacht mit moderner Satelliten-Station zur Allzeitkommunikation segelnd bloggen und filmen sie ihre Reise seit Jahren und leben angeblich so von diesen für uns unklaren Einkünften. Erstaunlich und bewundernswert für uns aber auch hier wird klar: ohne IT läuft nichts…..

Jonathan & Sarah (England)

Jonathan, Captain der einer privaten 80m Superluxusmotoryacht, hat Feierabend und geniesst den Abend mit seiner Frau Sarah an der Strand-Bar in St. Kitts. Auch wir sind dort und so kommt man über die Kinder ins Gespräch. Die 4 Kids ( TropicBird & LaDiala) haben am Vorabend das Crewfest der Superyacht an der Bar aufgemischt. Sie sind beide sehr sympathisch, herzlich und offen. Eigentlich kommt man nie ins Gespräch mit der Welt der Superyachties, d.h. mit den Besitzern. Die bleiben definitiv unter sich. Aber mit Crew-Members gelegentlich schon. So war es für uns höchst spannend, Alltagsgeschichten einer Luxusyacht vom Captain persönlich zu hören;

Der Besitzer, ein amerikanischer Billionär kündet jeweils max 1 Woche im Voraus sein Kommen mit seinem Privatjet an. Die 22 Angestellten bereiten alles vor. Unter anderem wird das Delikatessen-Essen für Owner und Gäste (2-20 an der Zahl) express aus Frankreich eingeflogen. Das Schiff ist innen, aussen und unten auf Dauerhochglanz. Häufig hat der Besitzer oder seine erwachsenen Kinder den Wunsch auf ein schickes Lokal auf irgendeiner Insel, mit der Bitte zu Fuss am Strand erreichbar, nicht zu steil und nicht zu langer Weg (max 10min Marschzeit). So macht sich die Crew auf diesen unmöglichen Ort zu finden und abzumarschieren…. Die Besitzer kommen immer mit Bodyguard und Leibarzt eingeflogen. Wenn Kinder dabei sind, gibt’s auch einen Kinderarzt an Bord. Der Owner kennt mittlerweile den Namen des Captain, ein persönlicher Austausch ist nie mehr als 5min lang. Alle Anliegen des Captain werden normalerweise über eine zwischengeschaltetes Office angegangen. Mehr als 2-3m Seegang kann ein Problem werden. Weil: das fragile Mobiliar wie Bilder, Gläser, Skulpturen, etc müssen geschont und verschont werden. Das Schiff wird alle 3 Jahre neu gestrichen, sieht schöner und glänzender aus als eine Politur. Erst kürzlich musste das Schiff um 7m nach hinten verlängert werden. Der Indoorpool und das ausklappbare sea level deck mussten rein. Erstaunlicherweise fährt und liegt sie so besser denn je im Wasser. Pro Stunde Marschfahrt werden 630l Diesel verbraucht (unser Dieseltank hat ein totales Füllungsvermögen von 450l). Sarah darf als einzige Angehörige der Crew ihren Mann 1/Jahr für 2 Wochen besuchen und dort Ferien machen. Sprich in seiner Kabine. Salon, Lounge, Pool dürfen selbstverständlich nicht benutzt werden…

….je länger ich Jonathan zuhöre umso absurder wird mir diese Welt. Er lebt ca 6Mte auf dem Schiff und 6 zuhause. Dort, in England, hat er 6 Motorbikes und geht mit seiner Triumph Daytona 675 regelmässig auf den race track.

SY Tortola: Meret, Dan, Marvin (4) und Vincent (6)

Eine tolle Berner Familie, getroffen in Las Palmas auf Gran Canaria, in den Grenadinen, in Guadeloupe, auf Antigua alles 2018 und 2019. Nun nach 10 Monaten haben wir ein tolles Wiedersehen in Bitter End auf den Britisch Virgin Islands gefeiert und lassen uns von ihnen die hidden treasures der BVIs zeigen. Sie segelten und wohnten hier mit Unterbrüchen das ganze 2019. Vincent ging hier zeitweise zur Schule. Für die Kinder ist das ein ganz grosser Ereignis weil sie sich so gut verstehen, alle mit Lego spielen und die Erwachsenen vergessen werden….. Wir Eltern geniessen es auch.

Fairerweise müssen auch die Begegnungen der Kinder mit ihrer eigenen Welt dokumentiert werden. Eine der interessantesten Begegnungen Maxims war sicherlich neben der Kinder-Crew von TropicBird und Tortola diejenige mit den kleinen Eidechsen. Erstaunlicherweise ist er so flink, dass er Eidechsen mit den Händen jagt und fängt. Triumphierend und über sich selbst erstaunt wird das kleine ängstliche Geschöpf in seinen Pranken präsentiert. Wie eine Katze fing er an Ausschau nach Mäusen respektiv Lizard zu halten. Es wurden weitere geschnappt. Auch ohne unsere Aufsicht. Dem zarten Wesen wurden Schwanz und Beine ausgerissen…Warum bloss? Es wurde erklärt und geschimpft und besprochen.

Mara’s zur Zeit wichtigste Begegnung liegt mutmasslich in der Fiktion. Sagen wir Elsa und let it go = Disneyland und „frozen“. Die Phantasie ist Realität und ihr treuer Freund. Manchmal ist es Olaf, Mermaid oder eine kleine Turtle. Wobei letztere durchaus real neben uns lebt. Selbstverständlich teilt sie ihre Welt enthusiastisch mit uns.

Zuletzt hatte ich meine ganz persönliche Begegnung mit LaDiala. Besser gesagt mit meinem Shit und dem Shit der ganzen Familie;

Noch schnell aufs WC um dann freudig ins Meer zum schnorcheln und speerfischen. „Schnell spülen“. Die elektrische WC-Pumpe lief, aber mein Shit spülte sich nicht aus der Schüssel. So ein Shit. Irgendwann musste es ja mal kommen. Natürlich wurde nichts mehr mit meinem Geschnorchel, dafür machte ich mich heldenhaft verantwortlich für diesen Zwischenfall. Es war ja mein Shit…. Auf zur Ursachensuche! Im Prinzip ganz einfach. Alle Teile untersuchen die da involviert sind; WC Schüssel, Häxler, Häxler-Pumpe, 3m Schlauch, Holding Tank (50l), 50cm Schlauch bis zum Auslassventil. Natürlich ist das alles schön versorgt hinter/unter Abdeckungen, Wänden und Böden.

Zuerst aber musste der Shit in der Schüssel mit einer Handpumpe abgepumpt werden. Grusig aber einfach. Step two, Häxlermaschine untersuchen. Eklig, aber einfach aufschraub- und inspizierbar: KEIN Fremdkörper im Häxler. Eigentlich eine schlechte Nachricht. Denn das Problem lag somit weiter hinten. Hinten heisst mühsamer, dreckiger und stinkig. Noch interessiert? Aber jetzt wird’s erst richtig spannend und eindrücklich. Im Hinterkopf habe ich es geahnt. Herzinfarkt! Oder eben Shiturinsedimentinfarkt. Zu, das ganze Schlauchsystem von WC Schüssel bis Holding Tank zu. Kalk-Urin-Ablagerung über 2 Jahre mit unserer Familienkacke. Man stell sich das vor, 3m Schlauch mit einem Innendurchmesser von 4cm kompakt durchgehend zubetoniert.

Der Vorgang der mühsamen Schlauchevakuation und Neuinstallierung wird hier erspart. Der Gewichtsvergleich von neu zu altem Schlauch, mindestens 4kg! Ich hätte nie gedacht, dass mich mein Shit so beeindrucken könnte…..

11. Januar 2020

Dezember 2019, Samichlaus Weihnachten und Neujahr in Antigua

Chlamimaus, so die Kinder, Samichlaus, so die Eltern, ist nicht gekommen. Er hat sich im Wald verletzt und das Bein gebrochen. Aber seine Pelikan-Freunde haben seinen Bericht und 2 Säckli vorbeigebracht und im Dinghi deponiert zur grossen Freunde von Mara und Maxim. Allerdings, in der hiesigen Feuchtigkeit kann man Spanisch-Nüssli nicht geniessen: weich, ohne Biss und geschmacklos, Baumnüsse geht. Madarinen eher nicht. «Schoggi scho», da schnell gegessen.
Mit Grosspapi und Nica haben wir eine schöne 10tägige Tour u.a. mit drei gesegelten Tagesetappen jeweils ca 35sm um Antigua herum mit einem Abstecher nach Barbuda gemacht. In Barbuda haben wir neben der Lagunentour mit Besuch des Fregatte-Vögel-Brutgebietes und Lobsterfang auch noch einen Inlandausflug gemacht. Georg, der Guide und Fischer, bescheidener Gentleman mit feinem Humor, hat uns mit dem flachen Fiberglasboot direkt bei LaDiala abgeholt, dann durch die neue Lücke in der Lagune (durch Hurricane Irma 2017 aufgerissen) direkt in die grosse Lagune geführt. Das war eine gute Wahl, denn am frühen Abend hatte es dermassen Schwell und damit gewaltige Brecher am Ufer, da wären wir nie mit dem Dinghi weggekommen. Wir haben wegen des Schwells auch in tieferes Wasser verlegt abends. George hat uns auf unsere Nachfrage stolz sein wieder-schwimmendes Fischerboot ( ca 17-18 lang) gezeigt, nachdem sein Schiff seit Hurricane Irma 10/2017 bis vor 6 Wochen ca 30m auf Land gestrandet gewesen war, wohin die Sturmfluten es gespült haben. George musst auf Barbuda warten, bis er das Geld zusammen hatte und bis ein genügend grosser Pneukran auf der Insel war, um das Schiff wieder flott zu kriegen eben vor 6 Wochen. Jetzt wartet er auf den Mechaniker um die Maschine zu reparieren. Er meinte, immerhin sei er nun seit 2 Wochen (sic!) nicht mehr im Zelt sondern habe nach Hurricane Irma im Oktober 2017 nun wieder ein kleines festes Dach und bald könne er mit seinem Schiff, welches er vor Jahren selber von Florida nach Barbuda geführt hat, auch wieder fischen gehen, da sei er zuversichtlich.
Green-Island, der östlichste Punkt von Antigua wie «immer» sehr schön (wir waren ja im März 2019 schon 3 Wochen auf Antigua), wenig Segelschiff-Betrieb selbst an Weihnachten aber viele Super- und Maxiyachten in der Bay (2-6 an der Zahl täglich mit Motorbooten, Jets, Foil-Boards etc. zur Vergnügung der Chartergästen und Eigner). Ich bin 1x Kiten gegangen, leider konnten wir das nicht länger/besser planen. Wir haben mit den Grosseltern in fast allen schönen Buchten von Antigua geankert; für die Grosseltern eine Woche zuvor einen Schatz tief!! vergraben, etwas schludrig eine Piratenschatzkarte gemacht und dann 1Woche später den Schatz nicht mehr gefunden, grossflächig im Sand gewühlt und praktisch semi-mechanisch umgegraben bis die Betreiber der Strandbar reklamiert haben.. Der Schatz ist also noch dort die Schatzkarte gibt es auch noch!
Es war recht warm bis heiss weil vom 27.12. bis am 3.1.die Tradewinds (= Passatwinde) ausblieben und wir mit Schwachwinden von Südost bis Nordwest alles hatten ausser eben von Osten/Nordosten, womit bei diesen lauen Lüftchen die Temperatur im Schiff anstieg und auch die Moskitos vom Ufer den Weg auf und ins Schiff fanden. Mara schaute aus als hätte sie die Masern im Frühstadium, danach kams Kratzen und die Krusten..
Wir haben einige Sachen ersetzt und optimiert. Das meiste hat bedeutend länger gedauert als geplant. Sogar banale Sachen wie von der Deck-Dusche den Duschschlauch wechseln hat anstatt 3 Min wie normalerweise zuhause hier 3,5h gedauert. So bescheuert ist das montiert. Gut; ich habe 90min im Internet gebraucht, bis ich rausgefunden habe, dass das
«Quick-connect»-Rohrverbindungssystem «Hep2O» heisst, um danach festzustellen, dass es ein Spezial-Werkzeug braucht um «Quick-Disconnect» zu machen, damit ich den Duschschlauch überhaupt demontieren kann. Dann musste ich dieses Spezial-Teil irgendwie annähernd selber basteln. Nach einigen Modifikationen gings dann mit erheblicher Roh-Kraft, sodass due Deck-Dusche nun wieder dicht ist und nicht mehr den Motorraum mit Frischwasser «füllt». Dann haben wir einen Wasser-Anschluss montiert, welcher das Land-Süsswasser in den Häfen/Marinas direkt mit Druck in unser Bord-Wassersystem bringt, sodass wir nicht mehr unser selbstgemachtes Trinkwasser aus unserem 700l-Tank anzapfen müssen im Hafen für Abwasch, Duschen etc. Das war viel Planung/Bestellung (via die Schweiz im Oktober) wegen der passenden Rohranschlüsse, Fittings, Schläuche (Zoll und metrisch, Gewinde, Aussen- und Innendurchmesse etc.) und ein «neues» viel clevereres
Quick-Connect-Plumbing-System von Whaler, das auch ohne Spezialwerkzeug rasch wieder auseinandergebaut ist ähnlich wie Gardena. Als ich dann stolz in der Marina die 220V-Waschmaschine mit dem «Landwasser» laufen liess, weil wir hier in Antigua 220V/50Hz haben und nicht wie in USA und westlicher Karibik 110V/60Hz, machte diese schlapp: Die Trommel drehte zwar normal aber die Pumpe schien laut ratternd defekt = Dreckwasser bleibt drin und Maschine lässt sich nicht mehr öffnen. Echt krass-übel, was wir für Dreck in den Kleidern mit uns rumtragen, dieses Wasch-«Wasser» hat toxisch-fäkal gerochen, als ich «kurz» den Entstopfungsablauf öffnete und nach ca. 1/2l Stinkwasser frei im Waschmaschinen-Schrank herum fliessend wieder zudrehte. Dann Maschine ausbauen (recht schwer so mit Wasser und Wäsche drin), raustragen auf Pier, Ablauf öffnen, Pumpe reinigen, wieder einbauen, nochmals testen (wegen Spezialanschlüsse und kurzen Schläuchen ging das Testen nur im Schrank drin). Immer noch mechanisch-ratterndes Defektgeräusch und das Wasser blieb in der Trommel liegen. Ausbauen, Wasser ablassen, Pumpe ausbauen, zerlegen, alles sauber und funktionierend, ein
220V-Leitungs-Gebastel und Pumpenkabel in die Steckdose reinhalten: sie läuft???!!! Hab dann nochmals meine Neuronen und Synapsen zu einer Extraleistung angeregt (1x Bier) und dann ist mir die Erinnerung an einen Segelfreund aus der Atlantic-Family-Group mit seinen umfassenden Erklärungen zum Strom zu Hilfe gekommen wegen 220V und 60Herz..! Gibts auch noch!! Dann den Dockmaster gefragt, wieviel Herz (Hz) hier der 220V Anschluss hat, er meinte 60 oder 30. Da wusste ich, dass er Ampère meinte und nicht Herz. Habe dann den DockmasterChef und andere gefragt und das WWW konsultiert und am Schluss war ich sicher, dass das mechanische Geräusch von der Elektromotor-Magnetpumpe kam, welche mit «normalen» 50Hz auch unter Last läuft ( Last = Schmutz-Wasser), aber bei 60Hz unter Last nur noch oszilliert (ohne Last gehts auch – habs ja probiert) und dann eben bei 60Hz rattert als würde sich sie Pumpe in ihre Einzelteile zerlegen. Langer Rede kurzer Sinn: mit unserem kleinen, mobilen 220V/50Hz Benzin-Generator lief die Waschmaschine dann wie immer.
Dann gabs noch einige andere Verzögerungen im normalen
Service-und-Unterhaltsalltag. Wenn wir wieder was erledigt haben, verschwitzt aber zufrieden und die Kids nicht gerade ultimativ fordernd schreien, schauen Michèle und ich uns an, high-five und ein Drink auf der Roof-top-bar von LaDiala dann waren und sind wir sehr glücklich. Neujahr war ruhig, nur wir 4. Die Kids sind um 21h eingeschlafen und nur unter unangenehmen Protest weckbar- weshalb wir da nicht insistiert haben; müde waren sie wohl vom nahen Pool und der Wasserschlacht mit Gleichaltrigen. Da haben wir uns zu, neuen Jahr tief in die Augen geschaut. Wir haben nicht mal mit Alkohol angestossen, nur die vielen Feuerwerke und unser Glück genossen.

Wir fischen immer noch und immer noch erfolglos, was Tuna betrifft. Mittlerweile haben wir regelmässig Barracudas mit ihren groben Zähnen am Haken: catch and release, wie die Sportfischer bei Marlin und Schwertfisch weil: der Barracuda ist als respektabler, torpedoförmiger Riffjäger praktisch am Ende der dortigen Nahrungskette und hat mit einer geringen aber relevanten Wahrscheinlichkeit das hitzestabile Algengift Ciguantera in human-toxischer Dosierung akkumuliert, sodass der Verzehr zu üblen, teils langanhaltenden Beschwerden des Verdauungstraktes und des Nerven-Systems führen kann. Das Fangen ist zwar weiterhin aufregend aber sobald wir die Barracuda-Kopfform im Wasser sehen, sind wir enttäuscht und versuchen ihn möglichst schonend an Bord zu nehmen, den Haken herauszudrehen und den Jäger wieder freizulassen. Wir haben einen speziellen Holz-Blei-Köder (speziell für Tuna empfohlen.!) mittlerweile mit erheblichen und tiefen Rillen und Rissen im Holz von bösen Fisch-Zähnen. Zweimal schon haben wir im Holz Zahnspitzen stecken sehen! Die Leine hat eine Reisskraft von 60kg. Der von uns konsultierte Zahnarzt, Dr.med.dent. Cony «Doc Henry» Henry, Hobby-Fischzahnarzt, meinte, dass dies Haifischzähne seien, aus Knorpel bestehend und nachwachsend, bzw. in mehreren Zahnreihen stehend und jeweils die vorderste Reihe ersetzend. Diese würden bei einem kräftigen Biss ins Holz steckenbleiben und abbrechen. Ehrfürchtig betrachten wir nun jeweils die Narben im Holz und stellen uns die dramatische Situation unter Wasser vor, wenn der Knorpelfisch auf den Holzköder stösst. Maxim hat ja bereits mehrfach vor Anker mit seiner Rute Baby-Haifische in der Grösse um 40 -50 cm gefangen.

Am 3. Januar 2020 haben wir Antigua nach einem 3stündigen
Ausklarierungsmarathon verlassen. Viele Segler mussten warten, anstehen; es ging nicht vorwärts, weil wir von einem Schiff mit 60 Personen an Bord im Büro der «Immigration» blockiert waren. Ein Pass wurde vermisst (im Büro oder auf dem Schiff?). Die haben sich irgendwie ins kleine 1-2 Officers-Büro für die Freizeit-Captains reingeschlichen also nicht alle 60 Personen nur der Agent und der Kapitän. Ich musste also in der vollen Nachmittagssonne 2h in der Reihe vor dem klimatisierten Office warten mit anderen Seglern. Dann wurde noch wie vergangenes Jahr für die Kids die Ausreisetaxe von je 30 US$ kassiert, weil Kinder auf Freizeitschiffe in Antigua als Passagiere gelten und nicht als Crew. Danach war in Antigua alles erledigt. In anderen Ländern, wie hier in St.Kitts, entrichtet der Captain keine Taxe, Kinder unter 12J auch nicht also bei uns zahlt nur die «Queen on board» .

Wir sind bei vielen Regenschauern mit Winden von 12 bis 28kn und einer Vielzahl von Segelwechsel gegen Westen gesegelt (280° Kurs über Grund ), um nach 55sm vor Nevis und St.Kitts unter der gelben Q-Flagge (Quarantäne, keine Landgang erlaubt für Crew und Passagiere) vor Anker zu gehen und um am Folgetag die Einreiseformalitäten zu erledigen.
Anschliessend kann die Q-Flagge eingezogen werden und Landgänge sind für die Mannschaft und die Passagiere erlaubt. Wir treffen in Nevis/St.Kitts eine US-Segler-Familie mit gleichaltrigen Kindern, welche wir auf den Bahamas kennengelernt haben. Sie haben auf den südlichen Bahamas übersommert (= Hurricane-Saison) und dann einen 1000sm-Schlag gegen Wind/Wellen nach Puerto Rico gemacht und kommen nun via Virgin Islands und St.Martin hierher nach Nevis/St.Kitts. Hier hat Sir Admiral Horatio Nelson notabene eine weisse Bewohnerin von Nevis geheiratet hat. Wir sehen auf
http://www.marine-traffic.com, dass unsere Freunde ca. 3h nach uns, vermutlich bereits im Dunkeln am vereinbarten Ankerplatz eintreffen sollten. Gespannt suchen wir mit dem Feldstecher bei Sonnenuntergang den Horizont an der vorgelagerten Landzunge ab, ob wir Masten/ und Segel auftauchen sehen und funken regelmässig auf VHF Channel 16: «Tropic Bird, Tropic Bird from LaDiala, LaDiala, do you read me?» Sie werden wohl erst antworten, wenn sie die Landabdeckung bzw. das Kap gerundet haben. Die Vorfreunde auf das spezielle Widersehen ist bei allen sehr gross. Wir werden wieder berichten

24. Dezember 2019

Newport/Rhode Island/USA – Zurich – Antigua ; Oktober bis Weihnachten 2019

Wir schreiben Freitag 13. Dezember. Falmouth Harbor – Antigua. Es regnet, praktisch den ganzen Tag. Ich finde es sehr gemütlich. Es passt zu Adventszeit – zumindest fast. Statt Stille Nacht Heilige Nacht wird jetzt durch DJ Michele Feliz Navidad im Reggae Stil gehört, ständg!!! Weihnachtszeit in der Karibik ist etwas skuriles, für mich zumindest: Kein Pulverschnee dafür pulverfeiner Sand. Keine klirrende Kälte dafür angenehme Karibikwärme. Keine besinnlichen Weihnachtslieder, dafür fröhliche Reggae-X-mas Songs in den wenigen Beach Bars. Die Karibik ist christlich geprägt und so machen auch alle mit bei Dekoration, Weihnachtsschmuck und Beleuchtung in Geschäften, Restaurant, an Hausfassaden und im Garten. – etwas kitschig vielleicht, aber mir gefällts.
An Weihnachten essen die Locals hier zumeist Turkey mit allem Drumunddran, laden Familie ein und geniessen das Zusammensein. Je nach Vorliebe geht man in diese oder jene Kirche; anglikanisch, lutheranisch, katholisch, Pfingstmission, Jehovas und andere. Jedes Dorf hat 2-5 Kirchen. Samiclaus am 6.12. gibts hier nicht. Ich glaube da sind wir Schweizer fast einzigartig. Aber uns auf LaDiala hatte er im Radar: er konnte leider nicht persönlich kommeer hatte das Bein gebrochen und lag im Spital.aber seine Pelikanfreunde aus Antigua brachten im Tiefflug für jeden das Samiclaussäckli vorbei und liessen sie lautlos ins Dinghi fallen. Grosses Hallo bei den Kindern. Die Spanischnüssli kannst du aber in der Karibik nicht essen, nach gefühlten 10 min sind sie weich und geschmachlos.

Wir haben Newport und somit auch unser US-Amerika-Abenteuer Ende Oktober verlassen, um für kurze Zeit in die Schweiz zu kommen, um Familie zu besuchen und einige private und berufliche Angelegenheiten zu regeln. Unsere LaDiala alleine zurückzulassen- an einer Boje im Hafenbecken von Newport den Nordatlantik-Herbststürmen trotzend, fiel uns schwer (ein Marina/Hafenplatz hätte dort mit 5000.- US$ zu Buche geschlagen- ja fünftausend für 4 Wochen.). Vor allem war es seltsam mulmig aus der Ferne sicher zu gehen, dass der Transport auf einem grossen Frachtschiff via einer Brokerfirma (ship on ship) nach Antigua/Karibik reibungslos über die Bühne ging. Das war für uns eine anspruchsvolle organisatorische Angelegenheit. Neben der reinen Transportorganisation mit dem Transportbroker (ca 30 Mails und 15 Telefongespräche) galt es mit Agenten die Zollformalitäten in den USA und in Antigua zu organisiere, in Newport einen delivery – Captain aufzutreiben und ihm unser Schiff für der Transport zum Verladeort anzuvertrauen, wobei wir den Captain nie gesehen haben, weil er grad mit einer Überführung beschäftigt war. Zudem musst noch der Reserve-Aussenbordmotor von Annapolis/Maryland 600km zu uns aufs Schiff transportiert und sicher verstaut werden (Ihr erinnert euch vielleicht: DAS Garantiedesaster). Der Motor war 1 Tag vor Verschiffung tatsächlich an Bord. Wir waren damals schon 3 Wochen in der Schweiz. Etc. etc… Umso grösser und emotionaler war dann auch das Wiedersehen im Hafen von St. John/Antigua anfangs Dezember. Letztlich konnten Mark als Skipper die Wasserung vom Frachtschiff mit 12-tägiger Verschiebung vom ursprünglichen Fracht-zeitplan direkt auf dem Frachtschiff miterleben: man musste Leuchtweste, Helm und geschlossene Schuhe tragen, alles voll Staub, Oel, Bitumen vom Schweröl-Verbrennen (Schiffsdiesel genannt) und am Schluss die Leiter an der Bordwand runterklettern auf Diala, welche noch an einem von den beiden Riesen-Schiffs-Ladekranen hing. Insgesamt wurden 15 Schiffen entladen, ein eindrückliches Spektakel. Dann in Wurfdistanz zwischen 4!!!
Kreuzfahrtschiffen hindurch zum Pier manöverieren, wo Michele und die Kids freudig gewartet haben inmitten von den gefühlten 15000 Gästen der 4 Monsterkreuzfahrtschiffe. Gepäck und Proviant haben wir dort verladen, beobachtet von all den Kreuzfahrern. St-John Harbour ist klein, keine Marina, keine Yachtpier, nur 1 commercial dock für Frachtgut und Container, dann das kleine Pier für die Tagestouristenschiffe gleich neben den 2 Fingerdocks für total 4 Cruise-Ships, welch dann auch vor Ort waren. Dort durften wir für 2Std festmachen, nachdem wir uns zu den Verantwortlichen durchgefragt hatten.

Während der 10tätigen Wartezeit in Antigua haben wir in einem AirBnB im Landesinnern gewohnt und mit Mietauto allerlei entdeckt. Die Kids haben während 5 Tagen nachmittags eine Krippe für 4-8Jährige besucht und es sehr genossen wir Eltern auch. Zudem wurden wir von der Landlady/Vermieterin und ihrer 30j Tochter herumgeführt und haben so auch einen kleinen Einblick ins Leben der lokalen Mittel- bis Oberschicht erhalten. Die Vermieterin betrieb neben dem AirBNB eine einfache Autovermietung, arbeitete in der Leitung (board) einer lokalen Bank und lieferte als Fischhändlerin persönlich Fische an diverse Restaurants und Hotels- wobei wir uns jeweils fragten, wie sie mit Eis/Kühlbox im Kombi bei der doch eher warmen Fahrzeuginnentemperatur die Fische auch tatsächlich frisch zu den Bestimmungsorten brachte.

LaDiala ist unser Zuhause. Egal wo sie ist, wir sind auch dort. Das Zuhause in der Schweiz aufzugeben, das war für mich sehr einfach. Alles Loszulassen, den Alltag, die Gewohnheiten, die Sicherheiten, den Luxus, die Bequemlichkeiten. In keinem Vergleich steht der Tausch. Man kann ihn nur annähernd beschreiben mit unglaublicher innerer Bereicherung und Erfüllung. Leben auf dem Segelschiff ist ankommen in der Gegenwart. Was gestern war, wie ich gewohnt hatte, in welch Möbel, Vehikel, Kleider und Beruf ich mich wälzte und definierte, wurde auf einmal egal und belanglos. Zu Beginn unserer Reise war ich besorgt ob unsere Diala denn immer und überall ein Ankerplätzlein finden würde. Aber schon nach wenigen Tagen habe ich beruhigt feststellen können, dass da immer Platz und Raum ist.
Ja die Welt wurde plötzlich zu einem Schauplatz. Man platziert sich mit seinem Schiff inmitten einer Schau und schaut ihr zu. Das chöne daran ist, dass man einfach nur zuschauen kann, keine Rolle oder Aufgabe übernehmen, sich nicht beweisen oder bewähren muss. Man ist einfach da. Der Tag wird kommen wo wir unsere LaDiala wieder umtauschen müssennein, traurig werde ich dann nicht sein (ein bisschen schon, oder wahrscheinlich sehr). Ich werde dankbar sein. Vorerst aber kommen nochmals gute 6 Monate Karibik.

Heute sind wir wieder bei der über-30m-Mast-Flotte angekommen Maxi- und Mega-Yachts, Segel- und Motoryachten von 30m bis ca.100m Länge. English/Falmouth Harbor sind wohl noch mehr dafür bekannt als Newport (Rhode Island). D.h. im Klartext Luxus-yachten jeglicher Art, mit oder ohne Helikopter drauf Eigentlich macht das alles keinen Sinn. Antigua ist bis auf diesen Fleck sehr karibisch-bunt, bescheiden und durchschnittlich. Okay, ein paar nette Resorts und paar Promis haben hier ihr Haus. Wahrscheinlich ist es die Vergangenheit um die Briten mit Admiral Horatio Nelson. Die Engländer haben im 18. Jahrhundert ihren grossen karibischen Marine-Stützpunkt hier in Englisch-Harbour aufgebaut, heute ist es UNESCO Weltkulturerbe und schön renoviert, Admiral Nelson Dockyard genannt und gilt als Nationalpark zusammen mit den umliegenden Hügelzügen und den forts and batteries (befestigte Geschützstellungen), welche die seeseitigen Zufahrten mit ihren Artillerie bestreichen konnten gegen die Überfälle v.a. der Franzosen von Guadeloupe aus dem Süden und St-Barth/St.Martin vom Nordwesten.

In ein paar Tagen kommen mein Vater und Anita zu Besuch. Wir freuen uns sehr, steht doch Maxims Geburtstag und das Christkind vor der Türwir werden gemeinsam erneut Barbuda besuchen und anschliessend an Antiguas Ostküste die traumhaften Strände um Green-Island und Non-such-Bay geniessen. Wir wünschen allen Zuhause eine schöne verschneite Weihnachtszeit und einen fröhlichen Übergang ins 2020.

12. November 2019

Alltag mit Kindern auf See

Wir werden häufig gefragt, wie das Leben für die Kinder sei auf dem Schiff – weniger häufig, wie das Leben für uns mit Kindern ist auf dem Schiff… Klar, am liebsten haben sie andere Kinder um sich herum oder auf den Nachbarbooten oder das gemeinsame Flotillensegeln: 2-5 Schiffe treffen sich gemeinsam an immer wieder neuen Ankerplätzen, Apero, Essen, Strandfeuer, Spielen, Video schauen etc. Für uns Eltern ist das auch toll aber ein Megabetrieb ohne Pause und auch immer verbunden mit konstanter Aufmerksamkeit, dass kein Unfall auf Schiff und im Wasser passiert. Im Hafen, wo die Kinder herumrennen ist das dann nicht ganz einfach.

Wir verbringen fast täglich Zeit mit «Kämpfen», Kitzeln, Knuddeln, Basteln, Muschelsuchen und Erklären (warum? wie geht das? wieso?) der vielen unbekannten Dingern auf dieser Welt mit Worten, Bildern oder am Liebsten You-Tube-Filmchen. Geschichten erzählen (aktuell der kleine Mann von Erich Kästner) und «Schiffs-Chindsgi» (Maxim zieht «Schuel» vor) auf Deutsch und English so gut es geht. Fast alle Filmchen, Lehrvideos, Hörbücher, Büchlein etc. sind auf Englisch, weswegen wir Eltern oft zusammen mit den Kindern die Sachen anschauen, hören, durchblättern und beim Verständnis helfen.

Es gibt eine Aera «mit Windeln» und «ohne Windeln» – «ohne» anfangs dafür mit mehr Wäsche waschen und Boden, Bodenbretter und «das drunter» reinigen.

Grossen Momente sind die Nachtfahrten- immer noch: die Kinder wollen bei uns einschlafen beim Steuerstand und den Wachführer in die Nacht begleiten – wenn die See ruhig ist. Wir tragen sie dann runter in ihre Kojen wenn sie tief schlafen. 2x ist Maxim dabei frühmorgens bei Dunkelheit im Bett aufgewacht, ist aufgestanden und zum Steuerstand hochgekommen und wir haben gemeinsam «Arm-in-Arm» den Sonnenaufgang, das beginnende Tageslicht und den Horizont beobachtet.

Maxim fischt, auch wenn die Geduld jeweils nur für 5-15min reicht, und er fängt. Zudem: er beobachtet die Fischer am Ufer und setzt dann um, was er sieht und will ganz bestimmt Dinge aus dem Fishing & Bait Shop damit er besser fischen kann.
Mara hat sehr konkrete Vorstellungen wie ihr Kleiderstil sein muss: «nicht ohne mein Röckli», oder am liebsten nur Unterhosen oder gar nichts und nie Socken. Als es kälter wurde konnten wir anfangs keinen Kompromiss finden (klingt einfach, war es aber nicht). Erst als sie in Unterhosen bei viel Wind und Wolken und 16° C Lufttemperatur auf dem Dach/Sun-Deck stand, bis sie kalt hatte und etwas anziehen wollte, verstand sie meine Bemühungen um Pullover/Jacke lange Hosen (nur Legins extra 3 gekauft und darüber Röckli). Seither geht sie am Morgen gelegentlich aufs Dach in Unterhosen oder Pyjama, um zu schauen wie warm/kalt es ist. Ansonsten zieht sie alles an was assoziiert werden kann mit Prinzessin, Mehrjungfrau, Cinderella und Snow-white – alles andere eher nicht; zu meiner Verzweiflung. Sie kann viel Zeit für Kleiderwechsel aufbringen und mit grosser Geduld Lego und Playmobil spielen wobei wir alle 2-3 Wochen die Spielsachen, Büechli ect. austauschen und dann ist alles wieder spannend.
Zeichnen und Malen hat einen grossen Stellenwert und dient ganz offensichtlich der Verarbeitung der vielen Eindrücke und von neuen Kinder-Erkenntnissen sowohl für ihre Vergangenheit als auch für die von ihnen wahrgenommene Zukunft – «wämmir dänn i dä Schwiiz sind, dänn» oder es werden Walfische, Raketen, Mondlandung, Häuser, Wolkenkratzer, «diä Frau» (Freiheitsstatue) etc gezeichnet und es folgen vielschichtige Erklärungen zu den Zeichnungen und Bildern auch von Mara.

Grossartige Momente sind seit neuestem die Balett-Tanzübungen von Mara (an jeder Stange, auch im Lift mit Spiegel) und ihre Versuche, mit allen Schuhen «auf Spitzen» zu tanzen. Michèle hat mit den Kids Zauberflöte und Schwanensee angeschaut und hat ein Balett-Büchlein Wir haben sogar eine Familienaufführung gemacht auf Turks&Caicos – darüber habe ich geschrieben und mein Part und meine Performance bis heute erfolgreich verdrängt.

Eine von Maxim’s Lieblingsbeschäftigung – wenn keine anderen Kids zum Spielen da sind: suchen, graben, finden und sammeln und damit spielen und basteln. Entsprechend liegen auch immer Fund-Gegenstände und Strandgut irgendwo auf dem Schiff und in der Kinderkoje herum und Maxim hat häufiger als uns lieb ist unübersehbare Schmutzränder unter den Fingernägeln.

Ein klassischer, etwas anstrengender Ankertag:
05h Tagwache für mich: Maxim weint, weil er ins Bett gepinkelt hat (in dieser Episode ca alle 10-14 Tage), inkl. Decke/Kissen/Nuschi. Alles entfernen, Bueb wird getröstet, geduscht, Ersatz-Pyjama und Nuschi. Er kommt zu uns ins Bett und sucht Nähe, was dem weiteren Schlaf nicht förderlich ist. Wir haben auf dem Schiff zwar Ersatzbettwäsche aber kein Ersatz-Duvet/Kissen.
830h mit Dinghy zur Laundry. Alles waschen und 3x Trockner = Total 19USD, alles in Quaters einzuwerfen = 76 Münzen, Geldwechseln ….. Das beschäftigt uns den ganzen Morgen. Zwischenprogramm für Michèle: jogging/work-out. Für mich: 3x Kaffee (habe bis 0130h zwei Filme geschaut, selber schuld…), kleines Knuddel-Programm, Kinder-Frühstück. Dabei leert Mara süssen Cranberry-Saft schön verteilt über die Sitzpolster zudem auch unter Polster, zwischen Sitzbretter und unter Sitzbretter zu den Dosen und anderen Vorräten. Frühstück rasch beendet, ich habe inadäquat und laut kommentiert, alle Sitzpolster flogen raus aus dem «Salon». Dann reinige und schruppe ich knapp 2h Sitzpolster, weil die weiss-creme-farben sind und durch die Kinderfüsse wirklich grau-dreckig werden und sowieso dringend gewaschen und geschruppt werden sollten. Bis jetzt haben wir erst ein einziges Putzmittel in Italien( im Juli 2018!) gefunden, welches den Dreck vernünftig löst. Nun ist das Putzmittel heute aufgebraucht. 2/3 der Polster sauber, 1/3 grau-weiss-dreckig.

Die Kinder haben mit wenigen Streitunterbrüchen ausdauernd, autonom und kreativ mit Lego gespielt. Michèle kommt vom Jogging mit der Bettwäsche zurück und geht dann in ihren Crew-freien Tag. Ich räume auf. Dann gehen wir auf dem Spielplatz mit Velo/Scooter. Tasche parat machen, Znüni, Notfall-Apotheke/Pflästerli, Sonnencreme auf Gesichter verteilen, alles verladen in Dinghi (wir sind vor Anker). Kurzes Geplänkel mit Mara wegen Sockenfarbe (zum ewigen Röckli auch auf der Rutschbahn etc. sage ich schon gar nichts mehr). Wir gehen ans Ufer, nehmen die frisch gewaschene, immer noch feuchte Bettdecke nochmals mit in die Laundry zum 2. Trockengang. Auf dem Spielplatz: die Kids sind alleine, wollen zuerst nicht so recht spielen und klettern auf mir rum (ich wollte eigentlich mein bescheidenes Stabilisierungs-Workout machen und bin etwas genervt). Dann endlich ein Mädchen, Mara gleich hin: do you wanna play with me? Klappt nicht so recht. Am Schluss will das Girl lieber mit Maxim spielen und Mara versinkt im emotionalen Elend. Ich ganz der Vater – mit den Tränen und Rotze an meinem frischen T-Shirt. Es ging dann doch mit den Girls, sodass ich mit Maxim Werfen und Fangen spiele und erste Frisbee versuche mache – war eigentlich recht cool ist. Übliche Verärgerung bei den Kids als wir (also ich) zurück aufs Schiff zum Mittagessen wollen. Am Ufer Pipi-Pause auf öffentlichem Männer-WC, was ja immer eine hygienische Herausforderung ist für kurzbeinige Sitzpinkler bzw. deren Eltern. Dann, im Dinghi stehend, vor dem Losbinden/Ablegen, greife ich zu den Schwimmwesten für die Kids als ich aus dem Augenwinkel gerade noch Mara auf das Dinghi springen sehe und sie mit einer Hand vor dem Sturz ins Wasser erwische – obwohl ich 5 Sek vorher gesagt habe: wart! Ich hol’ die Schwimmwesten. Kurzes, imperatives Geschrei von mir, dann weniger imperativ von Mara, dafür länger. Umkehren da Duvet in Laundry vergessen. Mittagessen, Abwaschen, kein Warmwasser, Generator auspacken und anwerfen, Benzin nachfüllen aus tief unten versorgtem Kanister. Telefon mit dem Suzuki-Service (ca zum 20. Mal in 6 Wochen) in Annapolis 650km von hier, Newport, entfernt: Immer noch keine Ersatzteile aus Europa; nerv!!! er soll US-Ersatzteile bestellen, auf gut Glück, die gehen sicher auch…. ich bezahl, F…k Garantie!, Er macht eine Offerte in 4 Tagen!! da er eine Auftragsbestätigung braucht von mir – ich kanns kaum fassen – nochmals 4 Tage!? – aber bleibe immer sehr freundlich sogar heute bei diesem nicht ganz einfachen Start in den Tag (s.o.). Dann besuchen wir den Hafenmeister und organisieren eine sturm-sichere Festmachboje (Kinder sind dann oft sehr hilfreich und lösen einen positiven, freundlichen Kommunikationsreflex aus beim Gegenüber – ausser Zoll/Immigration, die sind fast immer unfreundlich oder «neutral») weil wir hier gegen Mitte Oktober das Schiff 6 Wochen verlassen wollen und herumreisen werden im Oktober/November. Klappt problemlos und kostet 1320 $/Monat anstatt Hafenplatz für 5000 $/Mt – sehr nette Leute im Harbourmaster Office. Anschliessend Ice-cream und Maras frisch gewaschenes Kleidli ist richtig voll damit von oben bis unten inkl. Haare, Kinn, Hände bis Ellbogen. Geplant war, «die Waschstrasse» und den tollen Kids-Playroom vom Seaman Church Institute zu benutzen, welches jedoch seit knapp 20min schon geschlossen war, was grosse anhaltende Trauer mit heftigem Weinen bei Maxim auslöste. Beim Suchen nach einem Alternativprogramm im nahen Park treffen wir Michèle per Zufall. Glückliches von der Mauer springen mit Anlauf in unsere Arme – die Kids nicht Michèle – und dann gehen wir ins Vanderbuilt-Hotel in die Top-Roof-Bar im 5. Stock (es gibt in Newport keine Hochhäuser, nur 2-3 stöckige New-England Holzkonstruktionen) bei 18°C und Wind eher kühl dafür gute Drinks («Set Sails» und «Moscow Mule») und aufgestellte Kids. Schöne Aussicht und ehrliche, gemeinsame Erkenntnis, wie toll wir es wirklich haben als Familie hier und überhaupt. Zurück zu den Piers, mit Dinghi zu LaDiala. Ich gehe duschen mit Dinghi zurück im Newport Maritime Center (2min Dinghi-Ride) und bei der Rückkehr aufs Schiff werde ich bis auf die Unterhosen nass, weil es nun fest regnet. Dann gibt’s fein marinierte, «tender chicken breast – no antibiotics, no bones-» und die Kinder machen auf den frisch gereinigten Polstern mit dem Reis und der Beilage wieder ein Geschmier und Erbsli und Bohnen haben sie nicht gern! Dyson Hand-Staubsauger hilft da rasch (gegen Reis, nicht gegen Bohnen-Erbsli-Abneigung) trotzdem etwas Ärger bei den Eltern. Maxim will mit mir einschlafen, dann mit Mami, dann meint er, Zitat: «ich bruuche wükli einfach öpper zum Iischlafe» und bricht einmal mehr in herzergreifendes Weinen aus Diesmal nur für eine gefühlte Minute, dann bringt ihn Mara wieder zum Lachen und Spielen. Sie schauen Büechli an und es wird zunehmend ruhiger. Der Tag neigt sich dem Ende zu. Abwaschen, aufräumen, Plaudern und die Rotweinflasche ist auch schon wieder leer. Wir sind auch müde obwohl erst 2130h und ich schaue diesen Abend keinen Film mehr….

25. September 2019

Photos Bahamas to NYC