SY Ladiala

Mit dieser Seite wollen wir Familie und Freunden einen Einblick in unsere Reise geben, welche am 2.April 2018 auf der Insel Murter in Kroatien angefangen hat.
Wir sind: Michèle, Mark und die Kinder, Maxim (12/2013) und Mara (9/2015)
La Diala, ein Katamaran Helia 44 von Fontaine-Pajot, Baujahr 2014, haben wir im Frühjahr 2017 erworben.
Auf der Seite „Position und Route“ ist ersichtlich, wo wir gerade sind und wenn ihr von der KARTE auf das Satelitenbild wechselt wird’s noch besser… oder sonst auch via Marine Traffic. Mit der App Marine Traffic- Ship Tracking kann man uns auch nachspüren
Für Nachrichten an uns darfst du gerne das Kontaktformular verwenden. Wir freuen uns über jede Rückmeldung aus der Heimat.

10. November 2018

10.11.2018 Las Palmas Gran Canaria

Vom Süden der Insel sind wir mit Yael, Loan und Leila über 5 Tage der Westseite entlang ankernd, fischend und in pittoresken Hafen von LaNieve liegend nach Las Palmas gesegelt

Die letzten 2 Wochen in Las Palmas waren wie ein Dauerfeuerwerk. Ich war sehr gespannt auf den Moment wo wir in den riesengrossen Hafen von LasPalmas einbogen. Denn die Marina im Hafen von Las Palmas ist während der Vorbereitungszeit der ARC Teilnehmer im Ausnahmezustand (Total knapp 300 Schiffe gestaffelt auf 3 verschiedenen Routen).

Zu wissen dass hier ganz viele Gleichgesinnte sein werden, mit denen man gemeinsam Via Kap Verden nach St. Lucia/Karibik segelt, das verbindet einfach.

Das Einlaufen und Ankommen am Familiensteg (ca 20 Segelschiffe) fühlte sich an, wie wenn man in das irdische Leben zurückkehrt und die ganze Familie und Freunde wiedertrifft…

Die unterschiedlichsten Nationen, Familien, grosse und kleine Kinder, Segelschiffe an demselben Steg, mit demselben Ziel und Traum. In so einem wunderbaren Get-togther-setting vergisst man im Nu den ganzen Vorbereitungsaufwand, das vermeintliche Aufgeben von Sicherheit und eines Zuhause.

Die Türen öffnen sich und ein unwiderstehlicher Wind voll Freiheit, Abenteuer und Sehnsucht nach genau diesem Leben füllt die Segel und lässt uns davonsegeln.

Unsere zusätzlichen Crewmitglieder Floris uns Markus sind vor ein paar Tagen eingetroffen. Die Bootseinweisung, Safetycheck, Man (Frau) über Bord Manöver, Seminare, Helikoptershow, Rettungsinseltest im Pool, Sextantencheck, Kommunikations-Optimierung (Sateliten Telefon/Mailing), Schiffskontrolle, jeden Abend eine andere Party (aktuell ca 120 Boote) und dem monströsen Lebensmitteleinkauf für 30 Tage haben unsere letzte Woche «in Europa» komplett ausgefüllt.

Morgen, Sonntag, 11.11.2018 um 12:45 LT ist es soweit. Der erste Schlag zu den Kap Verden beginnt. In ca 6-7 Tagen sollten wir da sein.

14. Oktober 2018

Marbella nach Gran Canaria

Marbella hat uns sehr gut gefallen. Im Fischerhafen mit kleiner, einfacher Marina haben wir für eine Woche die Leinene festgemacht trotz des fürchterlichen Fäkal-Fisch-Geruches beim Einlaufen – übler als Cagliari, dafür nur für ca. 4 Stunden. Marbella, bekannt aus den 50-80 Jahre des letzten Jahrhunderts und dann wieder in den 90er wegen Betrügereien durch illustre Madrider Fussballfunktionäre ist eine Strandstadt mit älteren Dauertouristen und jüngeren Wochentouristen. Daneben gibt es eine Medizinal-Industrie im Bereich Orthopädie, Ästhetische Chirurgie und Fruchtbarkeits-Behandlung. Alle Kliniken liegen an der Strandpromenade oder direkt dahinter. Ich habe in unmittelbarer Nähe unserer Marina sieben Kliniken gezählt. Entsprechend gibt es eine tolle 20km lange, breite Strandpromenaden für Velo, Rollator, Elektrorollstuhl und Zwillings-/Mehrlingskinderwagen. Unmittelbar neben unserer Marina haben wir auch tolle Sandstrände, Strandbars, Einkaufsmöglichkeiten gefunden. (Lebensmittel und Fischereibedarf…. Ich hab ja noch eine Rechnung offen mit den Fischen).
Mara’s 3. Geburtstag haben wir auch da gefeiert mit Geschenken, Kuchen, Kerzen, Kinderparty mit Besuch vom Nachbarschiff mit 3 bretonischen Jungs (18Mt bis 7J, unaussprechliche bretonische Namen wie der Vater) mit ihren jungen Eltern und am frühen Abend noch Kinderspielpark mit Trampolin und den klassischen luftgefüllten Burgen, Plastikball-Becken etc. Das war alles wirklich toll und am Ende der Woche auch erholsam.
Dann kam uns Leo aus der CH besuchen – treuer, langjähriger Freund, Geniesser, Koch, Gitarrist und wetterfester Seebär ohne Segelerfahrung. Mit ihm sind wir los nach Gibraltar mit Ziel Kanarisches Archipel. Schon auf den 35sm von Marbella nach Gibraltar war was los: massenhaft Delfine um LaDiala, 1 Bonito an der Schleppangel (feines Sashimi am Abend), extrem dichter Nebel während 6h vor Gibraltar (AIS und Radar waren sehr hilfreich). Pan Pan Pan Funkruf; keep sharp look out nach einem Gummiboot mit Weissnichtwievielenleuteanbord! Das musste ein Flüchtlingsboot sein… wir haben es zum Glück nicht gesehen! Einlaufen in die Bucht um den Affenfels mit Blick auf die Moschee, Tanken vom Billigdiesel in Gibraltar und dann Festmachen in günstiger Marina wieder auf Spanischem Hoheitsgebiet (Alcaideza). Am Abend haben Leo und ich einen Männerabend in Gibraltar von Michele geschenkt erhalten. Wir sind mit dem Fahrrad losgezogen, vorbei am grossen Openairkonzert (Rag’n Bone Man war auch da!!!) direkt an der Flugpiste von Gibraltar-Airport, welche wir ordnungsgemäss mit dem Bordvelo gequert haben. Bei Starts und Landungen wird die ganze Zufahrt von und nach Gibraltar gesperrt, da die Flugpiste quer über die schmale Landzunge führt und die einzige Strasse über die Piste führt. Am nächsten Tag haben wir eine Velotour durch Gibraltar mit Taxitour auf den Affenfels gemacht und abends im Hafenviertel diverse Tapas gegessen. Schön und eindrücklich mit aufgeregten Kids.

Dann der grosse Augenblick die Meerenge von Gibraltar und Hades von Nord nach Süd und von Ost nach West durchqueren: Auslaufen im Dunkeln morgens um 7’00h, Windstill, leichte Strömung 1-1,5kn gegen Westen, direktes queren der Meerenge von Gibraltar Richtung Ceuta bzw. Süden, da vor Tariffa (knapp 7-10sm westlich von uns) Winde in der Düse bis 35kn angesagt waren. Einige bis ÜBER 300m lange Schiffe um uns herum, anfangs noch Nebel, dann bei klarer Sicht und mit einigen Ausweichmanöver unter Maschine sind wir nach 3h auf der Marokkanischen Seite der bedeutenden Meerenge nach Westen gefahren unter Motor bis vor Tanger, wo der Wind aufgefrischt und zwischendurch 34kn (gemessen nicht geschätzt) erreicht hat. Mit der Genua alleine haben wir je nach Wellen zwischen 6 und 9kn Fahrt gemacht und sind westlich von Tanger abgefallen auf Kurs Südwest der marokkanischen Küste entlang gegen Mohammedia in den Sonnenuntergang und die Nacht hinein. Dabei haben wir nochmals einen Bonito («falscher weisser Tuna») gefangen und zur Hälfte roh und zur anderen Hälfte kurz in Sesam angebraten verköstigt. Der Wind hat dann deutlich nachgelassen, sodass wir zwischendrin mit leichter Motorunterstützung und Code0 zwischen 6 und 7.5kn gemacht und so am Folgetag gegen Mittag den Handelshafen von Mohammedia erreicht haben. Nach Besuch an Bord von der Police National mit dem nur halb aufgeblasenen Schlauchboot einigem Hin-und Her und dank einer Vorreservation konnten wir nach 6h einlaufen beim Yachtklub längsseits gehen. Wir wurden herzlich willkommen geheissen inkl. Pool- und Restaurantbenutzung members-only. Ausflug nach Casablanca, Abendessen mit einer spontanen Zufalls- Bekanntschaft (belgische Marokkanerin auf Urlaub in ihrer Heimatstadt, sie hat alles für uns organisiert inkl. Taxis-Führer für Casablanca). Die Behörden haben uns freundlich und ohne grosses Aufheben 2x an Bord besucht für die Formalitäten und sich um unsere Sicherheit gekümmert.
Leo war bei allen Unternehmungen immer mit grosser Begeisterung bereichernd und auch unterstützend dabei und hat uns jeden Tag mit Gitarrenkonzerten inkl. Mani Matter Songs für Kids und Eltern beglückt.

Nach 2 Nächten in Mohammedia folgte die die 430sm lange Überfahrt zur Insel La Graciosa des Kanaren-Archipels. Die ersten 24h waren etwas Motor-lastig. Anschliessend ging’s mit Code0 (immer ohne Gross-Segeln) bei 10-23kn Wind von 150-180Grad gemächlich mit 4-8kn Fahrt gegen Südwesten bis nach La Graciosa. Michele hat auf ihrer Ruderwache eine Wal-Fluke gesichtet.Leo hatte tatsächlich 2 Seevögel an der Leine: einer hat den Schleppköder gefasst und ihn praktisch erst nach einen Totalabsturz ins Wasser losgelassen nachdem er immer näher kam beim Aufrollen der Leine und wie ein Lenk-Drachen hinter dem Boot von backbord nach steuerbord fliegend hin- und hergeschleppt wurde. Der zweite Vogel kam irgendwie mit einer Schwinge in die Leine und wir mussten ihn ca 150m weit durchs Wasser ans Boot heranziehen, um ihn zu zweit zu fassen, festzuhalten damit Michèle dann den Flügel von der Leine befreien konnte, worauf der Vogel sich wieder in die Lüfte schwang und das Weite suchte. Maxim war erleichtert aber auch konsterniert, dass jetzt der Fang wieder weg war und wir keinen Vogel essen konnten.

Nach etwas mehr als 3 Tagen und Nächten haben wir am Nachmittag auf La Graciosa im lokalen Fischerhafen der Insel die Leinen festgemacht. La Graciosa ist vulkanisch, ohne Bäume und ohne Büsche sehr karg aber prall-leuchtend in den Farben und sehr relaxed seitens der Stimmung und der lokalen Bevölkerung, praktisch unbesiedelt ausser dem Hafendörfchen. Zudem ist Graciosa ein Teil eines grossen Naturschutz-Reservates und hat praktisch nur Tages, Tauch- und Segeltouristen sowie einige Übernachtungsmöglichkeiten. Wir blieben 6 Tage auf Graciosa. Es war extrem schön: Die Landausflüge mit Jeep, zu Fuss, joggend oder mit dem Velo und das Besteigen der alten Vulkane, der Sandstrand mit Strandbar im grosszügigen, teils natürlichen Hafenbecken, die Ruhe, der Sternenhimmel.
Leo hat uns dann nach 10 ereignisreichen Tagen am 3.10. verlassen, nachdem er mit uns allen noch meinen Geburtstag gefeiert hatte. Wir sind dann am 6.10. in einem gemächlichen Tagestörn die 35sm bis zur Marina Rubicon in den Süden von Lanzarote an der Playa Blanca gesegelt (wieder mit Motorunterstützung da wenig Wind). Hier liegen wir nun wieder inmitten des Tourismus. Wir haben durch absoluten Zufall Freunde mit ihren Kindern aus der CH getroffen, welche hier 1 Wo Ferien verbringen. Die Begeisterung von Maxim und Mara ist gross, weil sie das Herumtoben mit anderen Kindern schon vermissen. Es gibt ein Pool in der Marina, was für die Schwimm-Fortschritte von Mara und Maxim ganz wichtig ist. Beide haben einen Neoprenanzug. So können sie ohne auszukühlen 2-3h im Wasser verbringen auch wenn es etwas windet und haben auch ohne Schwimmhilfen noch Auftrieb. Wir haben wieder ein Auto gemietet und die grossartige Vulkanlandschaft erkundet, sind auf «Kamelen» geritten (genügsame Dromedare waren hier die historischen Last- und Zugtiere in der entbehrungsreichen Landwirtschaft früherer Tage, so die Informationen des kleinen Dromendar Museums auch entworfen wie so vieles als Erdhaus unter der Lava von Caesar Manrique) , das Piratenmuseum auf einer imposanten Burg besucht und weitere Bauten von Caesar Manrique, dem berühmten Kunstmalters und Architekten, Inselsohn und Vater des «authentischen Tourismus-Architektur», besichtigt. Für eine kleine Weindegustation hat die Zeit auch noch gereicht. Bemerkenswert ist die Art der Rebenkultur in diesem kargen vulkanischen Boden: Die Rebstöcke werden einzeln, bodennah, mit Abständen, in recht grosse Vertiefungen/Krater im schwarzen, vulkanischen Sand/Steinboden eingesetzte und am Rand der Kuhlen wird als Windschutz mit Lavasteinen ein 40cm hohes hufeneisenförmiges oder rechteckiges Mäuerchen gebaut für jeden einzelnen Rebstock. Das ergibt dann ein äusserst sehenswerter Anblick: gelbgrüne Farbtupfer in schwarzem Sand jeweils umgeben von einem schwarzen, steinernen Halbrund. Das Ganze schmiegt sich entlang der Topografie und zeichnet so ein absolut ungewohntes Landschaftsbild. Der vulkanische Malvasia Weisswein ist für mich eher trocken-profan ohne rechtes Bouquet in der Nase und praktisch ohne Abgang und wird als seco, semi-dulce und dulce sowie als Moscato-Variante angeboten. Einen roten Tropfen gibt’s auch noch inkl. süsse Version, der noch auf meine persönliche Verköstigung wartet. Nach 1 Woche an der Playa Blanca im Süden von Lanzarote sind wir am 12.10. losgezogen an die Ostküste von Fuerteventura ganz am Südzipfel dieser Insel. Nach einem 35sm Tagesschlag ist der Anker an der Küste vor einer kleinen Ortschaft gefallen. Wir lagen geschützt vor dem vorherrschenden Nordostwind an der nach Süden und Osten offenen Küste. Maxim hat seinen ersten Fisch gefangen (mit gekochtem Schinken als Köder und ich 3 weitere). Alle waren klein (20cm) und wir haben sie wieder freigelassen. Dann haben wir bei 6m Tiefe und klarem Wasser Rochen unter LaDiala gesehen und mehrfach ist eine Meerschildkröte ums Schiff gekreist und hat unsere Badeleiter begutachtet.
Michèle hat sich zur Navigatorin alter Schulte weitergebildet und bestimmt seit Gibraltar auf See täglich die Mittagsbreite mit dem Sextanten auf 2 Bogenminuten entsprechend 2nm genau (1Bogenminute=1Seemeile; «mit dem Mittagsbesteck die Sonne schiessen») und bei Dämmerung und guter Laune bestimmt sie die Position mittels Mond- und Planetenposition (Saturn und Mars) ebenfalls auf 2sm Genauigkeit verglichen mit der GPS-Position. Zumindest ich bin beeindruckt.
Odysseus und die Antike mit ihrer Mythologie haben wir verlassen. Wir sind eigentlich im Finis Mundi, über Finis Terrae, über Cap Finisterre (Frankreich/Spanien) hinaus. Konsultiert man die Karten vor der grossen Seefahrer- und Entdeckungszeit so gab’s nichts wo wir jetzt sind. Im rudimentär dargestellten Afrika der damaligen Zeit wurden die Horror- und Fabelwesen dieser Zeit angesiedelt und Jerusalem war umbilicus mundi (christliche Mönche waren die Gelehrten, Astronomen und Geografen dieser Zeit). Später wurden die Navigatoren und Astronomen öfters im frühen Alter blind weil das viele Sonnenschauen für die Linse des Auges schädlich ist und sie grauer Star entwickelten (u.a. auch Photokeratitis, Makuladegeneration oder Tumoren als Folge der UV-Belastung der Auge). Deswegen sind wir auch recht streng mit den Kids und Sonnenschutz für Auge und Haut sind täglich obligatorisch! Das Klima ist mild, sonnig, heiss im Windschatten, generell eher windig und für uns nachts deutlich kühler und angenehmer als die letzten 4 Monate seit Juni in Griechenland.

Heute, 14.10. haben wir die 12h Überfahrt von Fuerteventura nach Gran-Canarias Südküste gemacht. 78nm bei gutem Wind und 7-10.4kn Fahrt unter Segel. Nun liegen wir vor Anker und werden morgen in die Marina Pasito Blanco verlegen für sicher 1 Woche. Dort werden die beiden Grossmütter und Michèles Schwester mit ihren 2 Teenager und uns die kommenden 2 Wochen besuchen. Diala wird stationär sein in der Marina Pasito Blanco und dann werden wir evt noch einige Tage Richtung Las Palmas de Gran Canaria segelnd unterwegs sein. In Las Palmas finden dann die finalen Vorbereitungen für den Transatlantik-Route statt. Die ganze Unterhalts- Reinigungs- und Planungsarbeit sowie Material-, Ersatzteil- und Lebensmitteleinkäufe und die Einführung und der eintreffenden Crewmitglieder gilt es zu bewältigen.

13. September 2018

Die Balearen

Balearen=Baliarides=ballein=schleudern…..offensichtlich waren in der Antike die Steinschleuderer von Mallorca und Menorca gefürchtete Kämpfer. Sie hatten eine enorme Treffsicherheit. Wir haben uns gleich selbst eine Steinschleuder gebastelt, eigentlich für Maxim….

Die Balearen sind eine vielfältige Mischung von Bevölkerung, Kulturen und Sprachen. Menorca hat uns zu allererst empfangen. Wir sind in den zweitgrössten Naturhafen der Welt (nach Pearl Harbor, Hawaii), Port de Maó, gesteuert. Sehr eindrücklich wie die Natur solch unglaublich geschützte Buchten entstehen lässt. 3 Tage haben wir diese imposante Hauptstadt von Menorca genossen.

Bekannt ist Menorca unter den Seglern vor allem für die landschaftlich schönsten Ankerbuchten der ganzen Balearen. Häufig sind diese Cala’s eng, die Einfahrt felsig und enden dann in traumhaft feinsandigem Strand. Sie sind schlicht atemberaubend.

Da die Hauptsaison noch nicht ganz vorbei war, musste man sich dann leider in so eine schöne Cala hineinzwängen und sich ein Plätzchen irgendwie erkämpfen. Neben Yachten sind auch die Ausflugsboote, Motorboote, Pedalos, Kajak, SUP usw unterwegs. Wenn es dann aber Abend wird – dann gehört einem die Bucht fast alleine. Cala Macarella wurde zu meiner Lieblingsbucht. Der Morgen war das beste; die Sonne geht auf, ich erwache durch das Meckern der wilden Ziegen, stehe auf, bestaune den Moment, springe in das warme glasklare Meer und lasse mich an den schönsten Sandstrand treiben. Er gehört mir ganz alleine.

Auch auf Mallorca besuchten wir weitere traumhafte Buchten. Man ist einfach privilegiert, wenn man vom Meer herkommt. Die unzugänglichsten Buchten eröffnen sich einem problemlos.

Ein wenig aufgeregt war ich schon, als ich auf der Überfahrt nach Calo Pellicer, den Tamaya Sextanten (mit Exzentrizitätsfehler=0) auspackte und meine erste Mittagsbreite bestimmte. Es ist zwar die einfachste Bestimmung, aber dennoch, man kann viele Rechen/Messfehler machen. Die Differenz zwischen GPS und meiner Sextanten-Berechnung betrug weniger als eine Seemeile! Da war ich sehr stolz auf mich.

In der Ankerbucht Calo Pellicer, etwas westlich von Palma, ist meine Mutter an Bord gekommen. Eine grosse Freude für alle.

Unser nächstes Ziel war die Marina S’Arenal. Quasi im Ballermann Revier…Seit aber die mallorquinische Regierung das Eimersaufen verboten hat, geht es hier deutlich gesitteter zu und her.

Ohne die Besichtigung der Hauptstadt Palma wollten wir Mallorca aber nicht verlassen. Zudem standen da auch wieder mal Arbeiten an unserem Schiff an (Montage Umlenkrollen, Deckstopper für Parasailor, neues Grossfall und neue Grossfall Masttop-Fixation, Einzug und Montage 2. Genackertopfall, Aussenborderhalterung damit der 48kg 15PS AB während der langen Überfahrten nicht am Dinghi hängt und in die Wellen schlägt mit dem Schaft).In Palma haben wir auch noch Markus, ein Transat-Crewmitglied und ebenfalls Helia44-Besitze getroffen. Lionel, der Götti von Maxim, ist eingetroffen für 5 Tage und hat uns nach Ibiza begleitet.

Am 7.9.18 haben wir Mallorca verlassen und nach gut 10 stündiger Überfahrt Ibiza – die Partyinsel erreicht. Wir segelten der einsamen wenig verbauten Westküste entlang und liessen unseren Anker kurz vor Sant Antoni, in der Cala Salada, nieder. Bevor wir unseren Ankerdrink nehmen konnten, kurvten auch schon kreischend die ersten Partyboote, Superspeedboats, DavidGuettasound und Jetskis umher….

Wir sind dann mit dem Bus noch nach Ibiza-Stadt zur Touristentour und haben neues Schuhwerk für Mara gekauft.

Die Balearen verabschieden wir nun nach gut 3 Wochen. Fazit; einfach schön, schräg, entspannt, freundlich, pacific.

Wir nehmen eine lange Etappe unter den Kiel: Ibiza- Malaga war ursprünglich geplant. Unterwegs beim telefonischen Vorankündigen(Pseudoreservieren am Tag vor der Ankunft mussten wir mangels freien Gästeplätzen in den Marinas umdisponieren auf Ibiza – Marbella was schliesslich etwas mehr als 350sm am Stück bedeutet – zu bewältigen bei 6kn Fahrt in ungefährt 2Tagen und 6h. Unterwegs war wieder Fischen angesagt: ein bis nach 2h schon, 5min einholen bis der Gelbflossentuna (ca 70-90cm) 5m entfernt am Heck war, ein letztes Aufbäumen mit Sprung aus dem Wasser und weg war er…. Dann 1h später ein deutliches Surren: die Bremse der 18kg-Reiskraft-Leine war fast inexistent und die Trommel der Spule raste, die Rute bog sich, die Halterung verbog sich (sic!) ich konnte mangels Coolnes die Bremskraft nicht erhöhen (falsch hantiert) griff noch in die Leine (2x Schnitt in beiden Zeigfingern und nach 60sek -90 Sekunden war die Spule leer und die 300m lange Leine riss mit einem Knall ab. Das war ein Grosser! Irgendwie war ich froh und enttäuscht v.a. weil der kleinere , der gelbe Tuna, wäre von der Grösse perfekt für uns gewesen. Fortsetzung folgt! Zuerst muss ich nun dem Fischergarn nachrennen und die Rolle wieder füllen – diesmal mit zusätzlichen 300m Reserve. Es gibt ja mehrere grosse Fische. Ansonsten wenig Wind, meist Segeln unter Motor = mehr Höhe am Wind und weniger Verbrauch. Marbella liegt noch vor uns. Morgen Freitag 14.9. sollten wir da eintreffen.

Die Strasse von Gibraltar – ein spannender Abschnitt kommt auf uns zu. Nachdem wir auf Sardinien die gefürchteten Laistrygonen-Riesen, die Odysseus Schiffe versenkt hatten, glücklicherweise nicht angetroffen haben, sind wir nun gespannt was das Antike Ende der Welt, das König- oder Totenreich des Hades, oder einfach Gibraltar.

31. August 2018

Sizilien, Ustica, Sardiniens Südosten (Capo Carbonara) und Cagliari, San Pietro mit Carloforte bis Me norca, Espania

Von Cefalu sind wir 55sm nach Ustica gefahren, – meist unter Motor um dann von diesem einsamen Eiland am kommenden Tag die 165sm nach Sardinien Cap Carbonara/Villasimius ganz im Südosten in Angriff zu nehmen. Wir haben mit den Kindern bei wenig Wind unter Segel und leichtem Maschinenantrieb einen wunderschönen Sonnenuntergang erlebt, dann nach schwärzester Eindunkelung um ca. 23h einen leuchtenden Mondaufgang mit orangem Vollmond. Maxim ist morgens um ca 5’45h auf die Steuerbank geklettert ohne von uns geweckt zu werden, weil er den Sonnenaufgang erleben wollte. Wie schön! Und ist dann wieder schlafen gegangen. Natürlich haben wir die Schleppangel ausgeworfen: Grosse Aufregung, die Rute zuckte deutlich lebhaft und wir dachten an einen eher kleineren Fisch so um die 60-70cm. Ganz nervös holten wir die Leine ein, alles lag bereit um den Fang an Bord zu holen etc. Der 5KG-Fisch stellte sich dann als 1m langes Plastik-Tuch dar, dass sich in den 4 Ködern verfangen hatte. Michèles Lachen war ansteckend. Am 2. Tag erreichten wir die wenig geschützten Buchten von Capo Carbonara. Wir konnten uns mit einem Grosseinkauf wieder mit Lebensmittel eindecken. Wenn man vor Anker liegt, also nicht in einer Marina/in einem Hafen mit Steganlage, wird’s logistisch etwas aufwändiger. Wettercheck, mit Dinghi, Velo, Anhänger und zu viert an den Strand. Bei Wellen im hüfthohen Wasser alles trocken an den Strand ausladen – beobachtet von vielen badenden Touristen. Dann geht der eine mit Velo/Anhänger auf die Erkundungstour und sucht einen Supermarket «irgendwo». Das kann bis zu 1h dauern. Dann Einkauf (2h), zurück (30min), Einladen, 2x Fahren mit Dinghi, Kinder und wir evt etwas müde und nicht mehr ganz locker. Velo/Anhänger ausladen (evt bei tanzendem Dinghi wegen der höheren Wellen weil der Wind in der Bucht aufgefrischt hat) und dann ein Bier möglicherweise warm da gerade gekauft. Nun wird alles unter die Polster, Sitz- und Bodenbretter eingeräumt und schon bald wissen wir nicht mehr so genau, wo was ist und was wir noch an Vorräten haben. Dann wird alles wieder ausgeräumt und durchsortiert. Manchmal gehen wir auch einfach so mit den Velos ans Ufer. Das ist auch in etwa ähnlich weil’s dann 4 Velos sind oder 2-3 und der Anhänger. Die Marinas mit Steg, Anlegen und Strom sind schon praktischer aber eben bis zu 210Euro/Nacht wogegen das Ankern umsonst ist und wir direkt vom Boot ins Wasser springen können und am Heck praktisch Duschen ohne das im Boot drin alles feucht ist. Dafür trifft man beim Ankern normalerweise keine anderen Segler (zu weit von Boot zu Boot), jeder ist für sich. In den Marinas kommt man schnell ins Gespräch und trifft immer wieder mal ganz herzliche und sympathische Yachties. Es ist oft auch hilfreich weil wir Tipps kriegen oder was dazulernen über Reviere und Überfahrten (längere Strecken zwischen 2 Inseln oder Destinationen). Es gibt auch die Plauderer, welche allerlei üble Geschichten auf Lager haben und diese sofort an den Mann bringen müssen. Kinder gibt’s fast keine in den Marinas. Da wurden wir vorgewarnt. Erst auf den Kanaren und dann in der Karibik solle es dann öfters Familien geben, die auch so wie wir unterwegs sind.

Also Capo Carbonare: Ein Naturreservat mit Nahrungs- und Brutgebiet von Flamingos. Wir verbrachten je nach Wind/Vorhersage insgesamt 8Tage vor Anker entweder in der West- oder Ost-Bucht oder sind der Ostküste für einen Tagestörn noch gegen Norden entlang navigiert. Wasser klar, azur-bis grünblau, Strände sauber und feinster fast weisser Sand (überall auch auf dem Schiff) Wasser 26-27°, Luft 35°. Der nahe Touristenort Villasimius brachte viele Touristen an den Strand. Besuch von der Schwester von Michèle für 6 Tage. Gotti von Mara, grosse Freude allerseits. Wir sind dann zusammen nach Cagliari gesegelt (4.5h) und haben dort in der Marina del Sole im gigantischen Industriehafenbecken festgemacht. Eine üble Brühe, das Wasser und je nach Wind gibt es am Fest-land ein fürchterlicher Geruch (nicht jedoch bei uns am Kopf des Schwimmsteges). Im Hafenwasser massenhaft Fische, die nachts einen rechten Krach gemacht haben: Herum-Springen aus dem Wasser, mit lautem Platschen wieder «landen» und ans Boot schlagen im Sinne einer «Kollision" wenn diese grossen Schwärme um’s Boot herumschiessen auf der Jagd sind oder selber gejagt werden. Noch besser: Delphinfamilie im Hafen bis ca 10m neben LaDiala auf jagt und das Wasser aufschäumend und die Fischschwärme springend sodass es richtige Wellen gibt. Michele wollte mit dem Hafenwasser nicht mal unsere Toiletten spülen, andere sind baden und tauchen gegangen und hunderte haben da gefischt und auch welche rausgezogen (Orata, Branzino…..). Wegen Mistral zwischen Menorca und Sardinien sind wir letztlich 10 Tage in dieser Marina in Cagliari geblieben. Stadt angeschaut, Strandausflüge, Auto gemietet, 1x auswärts an der wilden Südwestküste übernachtet, eindrückliche Tropfsteinhöhle bestaunt und viel viel Bildschirmpräsenz zum Thema IT/WWW Wetter/Satelliten-Kommunikation/Datendownload als Vorbereitung für Off-shore Weather-Forecast, Weather-Routing und Departure-planing (vieles auch bei uns auf Englisch). Das ist echt eine Überraschung für mich, die Zeit, welche vor dem PC zu verbringen ist wegen Planung, Mailings, Neuanschaffungen, Ersatzteilen, Marina = Liegeplatzreservationen (Mallorca zBsp: 3 Wo im Voraus kriegst du mit Katamaran kein Liegeplatz auf telef. oder schriftliche Anfrage – wir fahren also einfach mal hin….) und Wettervorhersage sowie Karten- und Softwareupdates. Andererseits sind die Informationen aus dem Netzt wirklich einfach sehr genau und immer auf dem neuesten Stand und auch die Wettervorhersagen treffen fast immer zu. Wobei: hier gilt es aus 4-6 verschiedenen Vorhersagen (welche auf 2-4 Wettermodellen basieren) die richtigen Schlüsse zu ziehen. Wir sind beispielsweise auch schon daran, die Aufenthaltsbestimmungen in den diversen Ländern in der Karibik und den USA abzuklären und welche Regelungen für CH-Yachten (Non-EU-Ships) gelten.

Als uns dann die Wetter- Meer- und Windgötter einigermassen gut gestimmt waren, sind wir von Cagliari 60sm gegen Westen um die exponierten Südwestkaps von Sardinien und der vorgelagerten Inseln herum gefahren bis nach Carloforte auf S.Pietro ganz im Südwesten, ein von ligurischen Fischern im 18JH gegründetes Städtchen auf dieser kleinen Insel. Wind von 90Grad aber so schwach, dass wir Segel und Motor benutzt haben. Die letzten 3h waren dann wieder sehr ruppig wegen kurzen, steilen Gewitterwellen genau wieder mal auf den Bug. Alles war voller Gischt, Salzkrusten und seifig an Deck. 1 Tag Zwischenstopp in Carloforte, Ausklarieren Ciao Italia! und dann 21.August um 0410h UTC+2 (=LT 0610h) sind wir los gegen Menorca Kurs 280°, 194sm, Wind von 20-40° (= N-NNW) 4-9kn und abnehmenden Seegang auch ca von 30° vom Mistral 0.6-1m Wellen, Frequenz 4s, abnehmend auf 0.4 gemäss Vorhersage. Anfänglich war’s ein rechtes Geschaukel aber immerhin ohne «Schläge», d.h. der Wellenzyklus war lange genug, dass Diala die Wellen-Kämme und Täler fahren konnte ohne hinein zu krachen wie das zuvor fast immer der Fall war. Mir wurd’s trotzdem ein wenig mulmig als ich in den Koje mich um die Kinder kümmern wollte (Anziehen, WC, Kopf immer nach unten….) und ich hab mich als Skipper (Comandante, wie die Italiener sagen) dann um die Navigation gekümmert: streng 280° gegen Westen mit dem Autopiloten und Ausschau halten. Michèle ist resistenter gegen Seekrankheit aber auch sie musste die kleinen Arbeiten unten in den Rümpfen unterbrechen. Nach 8h wurde es dann ruhiger wie vorhergesagt aber der Wind blieb meist bei 30-40° sodass wir nur zwischendurch die Genua setzten und so unter Maschine noch 1.5Kn zulegen konnten. Reines Segeln war aber auch auf dieser Überfahrt nicht angesagt…. In 2 Tagen ist schon wieder Mistral bis um 45Kn angesagt und dann gibt’s einfach recht hohe Wellen (bei 45kn sind Wellen bis 3.9m prognostiziert gemäss den Modellen). Deswegen nehmen viele Segler für diese Überfahrt zwischen Sardinien und Ballearen auch Flauten in Kauf – so auch wir.

Einfahrt nach Mahon auf Menorca in Sicht, 4G-Empfang, im Internet noch auf See die Telefonnummern der Marina/Liegeplatzanbieter suchen und dann telefonisch abklappern, wo es für ins am gleichen Tag OHEN Reservation noch einen Liegeplatz gibt. . Auf Rückruf warten, Hafenbehörde anrufen, wegen einklarieren etc. und dann einlaufen in die langgezogene fjordartige Bucht von Mahon, ein grossartiges Erlebnis! Auf VHF-Channel 9 die Marina anfunken. Elegantes Anlegemanöver direkt am Stadtquai fast alleine um dann 6h später eingeklemmt zwischen Superjachten uns etwas unwohl zu fühlen weil auch sehr viel Betrieb plötzlich in den Abendstunden da das gaze lange Quai natürlich von Restaurants und Bars gesäumt ist…… Müde von der Ueberfahrt von Sardinien her wird auch diese Nacht eher kurz bzw. unruhig. Immerhin gab’s Helado y dos Mojitos zum Einschlafen und das gleicht vor dem Schiff am Quai