SY Ladiala

Mit dieser Seite wollen wir Familie und Freunden einen Einblick in unsere Reise geben, welche am 2.April 2018 auf der Insel Murter in Kroatien angefangen hat.
Wir sind: Michèle, Mark und die Kinder, Maxim (12/2013) und Mara (9/2015)
La Diala, ein Katamaran Helia 44 von Fontaine-Pajot, Baujahr 2014, haben wir im Frühjahr 2017 erworben.
Auf der Seite „Position und Route“ ist ersichtlich, wo wir gerade sind und wenn ihr von der KARTE auf das Satelitenbild wechselt wird’s noch besser… oder sonst auch via Marine Traffic. Mit der App Marine Traffic- Ship Tracking kann man uns auch nachspüren
Für Nachrichten an uns darfst du gerne das Kontaktformular verwenden. Wir freuen uns über jede Rückmeldung aus der Heimat.

11. Januar 2020

Dezember 2019, Samichlaus Weihnachten und Neujahr in Antigua

Chlamimaus, so die Kinder, Samichlaus, so die Eltern, ist nicht gekommen. Er hat sich im Wald verletzt und das Bein gebrochen. Aber seine Pelikan-Freunde haben seinen Bericht und 2 Säckli vorbeigebracht und im Dinghi deponiert zur grossen Freunde von Mara und Maxim. Allerdings, in der hiesigen Feuchtigkeit kann man Spanisch-Nüssli nicht geniessen: weich, ohne Biss und geschmacklos, Baumnüsse geht. Madarinen eher nicht. «Schoggi scho», da schnell gegessen.
Mit Grosspapi und Nica haben wir eine schöne 10tägige Tour u.a. mit drei gesegelten Tagesetappen jeweils ca 35sm um Antigua herum mit einem Abstecher nach Barbuda gemacht. In Barbuda haben wir neben der Lagunentour mit Besuch des Fregatte-Vögel-Brutgebietes und Lobsterfang auch noch einen Inlandausflug gemacht. Georg, der Guide und Fischer, bescheidener Gentleman mit feinem Humor, hat uns mit dem flachen Fiberglasboot direkt bei LaDiala abgeholt, dann durch die neue Lücke in der Lagune (durch Hurricane Irma 2017 aufgerissen) direkt in die grosse Lagune geführt. Das war eine gute Wahl, denn am frühen Abend hatte es dermassen Schwell und damit gewaltige Brecher am Ufer, da wären wir nie mit dem Dinghi weggekommen. Wir haben wegen des Schwells auch in tieferes Wasser verlegt abends. George hat uns auf unsere Nachfrage stolz sein wieder-schwimmendes Fischerboot ( ca 17-18 lang) gezeigt, nachdem sein Schiff seit Hurricane Irma 10/2017 bis vor 6 Wochen ca 30m auf Land gestrandet gewesen war, wohin die Sturmfluten es gespült haben. George musst auf Barbuda warten, bis er das Geld zusammen hatte und bis ein genügend grosser Pneukran auf der Insel war, um das Schiff wieder flott zu kriegen eben vor 6 Wochen. Jetzt wartet er auf den Mechaniker um die Maschine zu reparieren. Er meinte, immerhin sei er nun seit 2 Wochen (sic!) nicht mehr im Zelt sondern habe nach Hurricane Irma im Oktober 2017 nun wieder ein kleines festes Dach und bald könne er mit seinem Schiff, welches er vor Jahren selber von Florida nach Barbuda geführt hat, auch wieder fischen gehen, da sei er zuversichtlich.
Green-Island, der östlichste Punkt von Antigua wie «immer» sehr schön (wir waren ja im März 2019 schon 3 Wochen auf Antigua), wenig Segelschiff-Betrieb selbst an Weihnachten aber viele Super- und Maxiyachten in der Bay (2-6 an der Zahl täglich mit Motorbooten, Jets, Foil-Boards etc. zur Vergnügung der Chartergästen und Eigner). Ich bin 1x Kiten gegangen, leider konnten wir das nicht länger/besser planen. Wir haben mit den Grosseltern in fast allen schönen Buchten von Antigua geankert; für die Grosseltern eine Woche zuvor einen Schatz tief!! vergraben, etwas schludrig eine Piratenschatzkarte gemacht und dann 1Woche später den Schatz nicht mehr gefunden, grossflächig im Sand gewühlt und praktisch semi-mechanisch umgegraben bis die Betreiber der Strandbar reklamiert haben.. Der Schatz ist also noch dort die Schatzkarte gibt es auch noch!
Es war recht warm bis heiss weil vom 27.12. bis am 3.1.die Tradewinds (= Passatwinde) ausblieben und wir mit Schwachwinden von Südost bis Nordwest alles hatten ausser eben von Osten/Nordosten, womit bei diesen lauen Lüftchen die Temperatur im Schiff anstieg und auch die Moskitos vom Ufer den Weg auf und ins Schiff fanden. Mara schaute aus als hätte sie die Masern im Frühstadium, danach kams Kratzen und die Krusten..
Wir haben einige Sachen ersetzt und optimiert. Das meiste hat bedeutend länger gedauert als geplant. Sogar banale Sachen wie von der Deck-Dusche den Duschschlauch wechseln hat anstatt 3 Min wie normalerweise zuhause hier 3,5h gedauert. So bescheuert ist das montiert. Gut; ich habe 90min im Internet gebraucht, bis ich rausgefunden habe, dass das
«Quick-connect»-Rohrverbindungssystem «Hep2O» heisst, um danach festzustellen, dass es ein Spezial-Werkzeug braucht um «Quick-Disconnect» zu machen, damit ich den Duschschlauch überhaupt demontieren kann. Dann musste ich dieses Spezial-Teil irgendwie annähernd selber basteln. Nach einigen Modifikationen gings dann mit erheblicher Roh-Kraft, sodass due Deck-Dusche nun wieder dicht ist und nicht mehr den Motorraum mit Frischwasser «füllt». Dann haben wir einen Wasser-Anschluss montiert, welcher das Land-Süsswasser in den Häfen/Marinas direkt mit Druck in unser Bord-Wassersystem bringt, sodass wir nicht mehr unser selbstgemachtes Trinkwasser aus unserem 700l-Tank anzapfen müssen im Hafen für Abwasch, Duschen etc. Das war viel Planung/Bestellung (via die Schweiz im Oktober) wegen der passenden Rohranschlüsse, Fittings, Schläuche (Zoll und metrisch, Gewinde, Aussen- und Innendurchmesse etc.) und ein «neues» viel clevereres
Quick-Connect-Plumbing-System von Whaler, das auch ohne Spezialwerkzeug rasch wieder auseinandergebaut ist ähnlich wie Gardena. Als ich dann stolz in der Marina die 220V-Waschmaschine mit dem «Landwasser» laufen liess, weil wir hier in Antigua 220V/50Hz haben und nicht wie in USA und westlicher Karibik 110V/60Hz, machte diese schlapp: Die Trommel drehte zwar normal aber die Pumpe schien laut ratternd defekt = Dreckwasser bleibt drin und Maschine lässt sich nicht mehr öffnen. Echt krass-übel, was wir für Dreck in den Kleidern mit uns rumtragen, dieses Wasch-«Wasser» hat toxisch-fäkal gerochen, als ich «kurz» den Entstopfungsablauf öffnete und nach ca. 1/2l Stinkwasser frei im Waschmaschinen-Schrank herum fliessend wieder zudrehte. Dann Maschine ausbauen (recht schwer so mit Wasser und Wäsche drin), raustragen auf Pier, Ablauf öffnen, Pumpe reinigen, wieder einbauen, nochmals testen (wegen Spezialanschlüsse und kurzen Schläuchen ging das Testen nur im Schrank drin). Immer noch mechanisch-ratterndes Defektgeräusch und das Wasser blieb in der Trommel liegen. Ausbauen, Wasser ablassen, Pumpe ausbauen, zerlegen, alles sauber und funktionierend, ein
220V-Leitungs-Gebastel und Pumpenkabel in die Steckdose reinhalten: sie läuft???!!! Hab dann nochmals meine Neuronen und Synapsen zu einer Extraleistung angeregt (1x Bier) und dann ist mir die Erinnerung an einen Segelfreund aus der Atlantic-Family-Group mit seinen umfassenden Erklärungen zum Strom zu Hilfe gekommen wegen 220V und 60Herz..! Gibts auch noch!! Dann den Dockmaster gefragt, wieviel Herz (Hz) hier der 220V Anschluss hat, er meinte 60 oder 30. Da wusste ich, dass er Ampère meinte und nicht Herz. Habe dann den DockmasterChef und andere gefragt und das WWW konsultiert und am Schluss war ich sicher, dass das mechanische Geräusch von der Elektromotor-Magnetpumpe kam, welche mit «normalen» 50Hz auch unter Last läuft ( Last = Schmutz-Wasser), aber bei 60Hz unter Last nur noch oszilliert (ohne Last gehts auch – habs ja probiert) und dann eben bei 60Hz rattert als würde sich sie Pumpe in ihre Einzelteile zerlegen. Langer Rede kurzer Sinn: mit unserem kleinen, mobilen 220V/50Hz Benzin-Generator lief die Waschmaschine dann wie immer.
Dann gabs noch einige andere Verzögerungen im normalen
Service-und-Unterhaltsalltag. Wenn wir wieder was erledigt haben, verschwitzt aber zufrieden und die Kids nicht gerade ultimativ fordernd schreien, schauen Michèle und ich uns an, high-five und ein Drink auf der Roof-top-bar von LaDiala dann waren und sind wir sehr glücklich. Neujahr war ruhig, nur wir 4. Die Kids sind um 21h eingeschlafen und nur unter unangenehmen Protest weckbar- weshalb wir da nicht insistiert haben; müde waren sie wohl vom nahen Pool und der Wasserschlacht mit Gleichaltrigen. Da haben wir uns zu, neuen Jahr tief in die Augen geschaut. Wir haben nicht mal mit Alkohol angestossen, nur die vielen Feuerwerke und unser Glück genossen.

Wir fischen immer noch und immer noch erfolglos, was Tuna betrifft. Mittlerweile haben wir regelmässig Barracudas mit ihren groben Zähnen am Haken: catch and release, wie die Sportfischer bei Marlin und Schwertfisch weil: der Barracuda ist als respektabler, torpedoförmiger Riffjäger praktisch am Ende der dortigen Nahrungskette und hat mit einer geringen aber relevanten Wahrscheinlichkeit das hitzestabile Algengift Ciguantera in human-toxischer Dosierung akkumuliert, sodass der Verzehr zu üblen, teils langanhaltenden Beschwerden des Verdauungstraktes und des Nerven-Systems führen kann. Das Fangen ist zwar weiterhin aufregend aber sobald wir die Barracuda-Kopfform im Wasser sehen, sind wir enttäuscht und versuchen ihn möglichst schonend an Bord zu nehmen, den Haken herauszudrehen und den Jäger wieder freizulassen. Wir haben einen speziellen Holz-Blei-Köder (speziell für Tuna empfohlen.!) mittlerweile mit erheblichen und tiefen Rillen und Rissen im Holz von bösen Fisch-Zähnen. Zweimal schon haben wir im Holz Zahnspitzen stecken sehen! Die Leine hat eine Reisskraft von 60kg. Der von uns konsultierte Zahnarzt, Dr.med.dent. Cony «Doc Henry» Henry, Hobby-Fischzahnarzt, meinte, dass dies Haifischzähne seien, aus Knorpel bestehend und nachwachsend, bzw. in mehreren Zahnreihen stehend und jeweils die vorderste Reihe ersetzend. Diese würden bei einem kräftigen Biss ins Holz steckenbleiben und abbrechen. Ehrfürchtig betrachten wir nun jeweils die Narben im Holz und stellen uns die dramatische Situation unter Wasser vor, wenn der Knorpelfisch auf den Holzköder stösst. Maxim hat ja bereits mehrfach vor Anker mit seiner Rute Baby-Haifische in der Grösse um 40 -50 cm gefangen.

Am 3. Januar 2020 haben wir Antigua nach einem 3stündigen
Ausklarierungsmarathon verlassen. Viele Segler mussten warten, anstehen; es ging nicht vorwärts, weil wir von einem Schiff mit 60 Personen an Bord im Büro der «Immigration» blockiert waren. Ein Pass wurde vermisst (im Büro oder auf dem Schiff?). Die haben sich irgendwie ins kleine 1-2 Officers-Büro für die Freizeit-Captains reingeschlichen also nicht alle 60 Personen nur der Agent und der Kapitän. Ich musste also in der vollen Nachmittagssonne 2h in der Reihe vor dem klimatisierten Office warten mit anderen Seglern. Dann wurde noch wie vergangenes Jahr für die Kids die Ausreisetaxe von je 30 US$ kassiert, weil Kinder auf Freizeitschiffe in Antigua als Passagiere gelten und nicht als Crew. Danach war in Antigua alles erledigt. In anderen Ländern, wie hier in St.Kitts, entrichtet der Captain keine Taxe, Kinder unter 12J auch nicht also bei uns zahlt nur die «Queen on board» .

Wir sind bei vielen Regenschauern mit Winden von 12 bis 28kn und einer Vielzahl von Segelwechsel gegen Westen gesegelt (280° Kurs über Grund ), um nach 55sm vor Nevis und St.Kitts unter der gelben Q-Flagge (Quarantäne, keine Landgang erlaubt für Crew und Passagiere) vor Anker zu gehen und um am Folgetag die Einreiseformalitäten zu erledigen.
Anschliessend kann die Q-Flagge eingezogen werden und Landgänge sind für die Mannschaft und die Passagiere erlaubt. Wir treffen in Nevis/St.Kitts eine US-Segler-Familie mit gleichaltrigen Kindern, welche wir auf den Bahamas kennengelernt haben. Sie haben auf den südlichen Bahamas übersommert (= Hurricane-Saison) und dann einen 1000sm-Schlag gegen Wind/Wellen nach Puerto Rico gemacht und kommen nun via Virgin Islands und St.Martin hierher nach Nevis/St.Kitts. Hier hat Sir Admiral Horatio Nelson notabene eine weisse Bewohnerin von Nevis geheiratet hat. Wir sehen auf
http://www.marine-traffic.com, dass unsere Freunde ca. 3h nach uns, vermutlich bereits im Dunkeln am vereinbarten Ankerplatz eintreffen sollten. Gespannt suchen wir mit dem Feldstecher bei Sonnenuntergang den Horizont an der vorgelagerten Landzunge ab, ob wir Masten/ und Segel auftauchen sehen und funken regelmässig auf VHF Channel 16: «Tropic Bird, Tropic Bird from LaDiala, LaDiala, do you read me?» Sie werden wohl erst antworten, wenn sie die Landabdeckung bzw. das Kap gerundet haben. Die Vorfreunde auf das spezielle Widersehen ist bei allen sehr gross. Wir werden wieder berichten

24. Dezember 2019

Newport/Rhode Island/USA – Zurich – Antigua ; Oktober bis Weihnachten 2019

Wir schreiben Freitag 13. Dezember. Falmouth Harbor – Antigua. Es regnet, praktisch den ganzen Tag. Ich finde es sehr gemütlich. Es passt zu Adventszeit – zumindest fast. Statt Stille Nacht Heilige Nacht wird jetzt durch DJ Michele Feliz Navidad im Reggae Stil gehört, ständg!!! Weihnachtszeit in der Karibik ist etwas skuriles, für mich zumindest: Kein Pulverschnee dafür pulverfeiner Sand. Keine klirrende Kälte dafür angenehme Karibikwärme. Keine besinnlichen Weihnachtslieder, dafür fröhliche Reggae-X-mas Songs in den wenigen Beach Bars. Die Karibik ist christlich geprägt und so machen auch alle mit bei Dekoration, Weihnachtsschmuck und Beleuchtung in Geschäften, Restaurant, an Hausfassaden und im Garten. – etwas kitschig vielleicht, aber mir gefällts.
An Weihnachten essen die Locals hier zumeist Turkey mit allem Drumunddran, laden Familie ein und geniessen das Zusammensein. Je nach Vorliebe geht man in diese oder jene Kirche; anglikanisch, lutheranisch, katholisch, Pfingstmission, Jehovas und andere. Jedes Dorf hat 2-5 Kirchen. Samiclaus am 6.12. gibts hier nicht. Ich glaube da sind wir Schweizer fast einzigartig. Aber uns auf LaDiala hatte er im Radar: er konnte leider nicht persönlich kommeer hatte das Bein gebrochen und lag im Spital.aber seine Pelikanfreunde aus Antigua brachten im Tiefflug für jeden das Samiclaussäckli vorbei und liessen sie lautlos ins Dinghi fallen. Grosses Hallo bei den Kindern. Die Spanischnüssli kannst du aber in der Karibik nicht essen, nach gefühlten 10 min sind sie weich und geschmachlos.

Wir haben Newport und somit auch unser US-Amerika-Abenteuer Ende Oktober verlassen, um für kurze Zeit in die Schweiz zu kommen, um Familie zu besuchen und einige private und berufliche Angelegenheiten zu regeln. Unsere LaDiala alleine zurückzulassen- an einer Boje im Hafenbecken von Newport den Nordatlantik-Herbststürmen trotzend, fiel uns schwer (ein Marina/Hafenplatz hätte dort mit 5000.- US$ zu Buche geschlagen- ja fünftausend für 4 Wochen.). Vor allem war es seltsam mulmig aus der Ferne sicher zu gehen, dass der Transport auf einem grossen Frachtschiff via einer Brokerfirma (ship on ship) nach Antigua/Karibik reibungslos über die Bühne ging. Das war für uns eine anspruchsvolle organisatorische Angelegenheit. Neben der reinen Transportorganisation mit dem Transportbroker (ca 30 Mails und 15 Telefongespräche) galt es mit Agenten die Zollformalitäten in den USA und in Antigua zu organisiere, in Newport einen delivery – Captain aufzutreiben und ihm unser Schiff für der Transport zum Verladeort anzuvertrauen, wobei wir den Captain nie gesehen haben, weil er grad mit einer Überführung beschäftigt war. Zudem musst noch der Reserve-Aussenbordmotor von Annapolis/Maryland 600km zu uns aufs Schiff transportiert und sicher verstaut werden (Ihr erinnert euch vielleicht: DAS Garantiedesaster). Der Motor war 1 Tag vor Verschiffung tatsächlich an Bord. Wir waren damals schon 3 Wochen in der Schweiz. Etc. etc… Umso grösser und emotionaler war dann auch das Wiedersehen im Hafen von St. John/Antigua anfangs Dezember. Letztlich konnten Mark als Skipper die Wasserung vom Frachtschiff mit 12-tägiger Verschiebung vom ursprünglichen Fracht-zeitplan direkt auf dem Frachtschiff miterleben: man musste Leuchtweste, Helm und geschlossene Schuhe tragen, alles voll Staub, Oel, Bitumen vom Schweröl-Verbrennen (Schiffsdiesel genannt) und am Schluss die Leiter an der Bordwand runterklettern auf Diala, welche noch an einem von den beiden Riesen-Schiffs-Ladekranen hing. Insgesamt wurden 15 Schiffen entladen, ein eindrückliches Spektakel. Dann in Wurfdistanz zwischen 4!!!
Kreuzfahrtschiffen hindurch zum Pier manöverieren, wo Michele und die Kids freudig gewartet haben inmitten von den gefühlten 15000 Gästen der 4 Monsterkreuzfahrtschiffe. Gepäck und Proviant haben wir dort verladen, beobachtet von all den Kreuzfahrern. St-John Harbour ist klein, keine Marina, keine Yachtpier, nur 1 commercial dock für Frachtgut und Container, dann das kleine Pier für die Tagestouristenschiffe gleich neben den 2 Fingerdocks für total 4 Cruise-Ships, welch dann auch vor Ort waren. Dort durften wir für 2Std festmachen, nachdem wir uns zu den Verantwortlichen durchgefragt hatten.

Während der 10tätigen Wartezeit in Antigua haben wir in einem AirBnB im Landesinnern gewohnt und mit Mietauto allerlei entdeckt. Die Kids haben während 5 Tagen nachmittags eine Krippe für 4-8Jährige besucht und es sehr genossen wir Eltern auch. Zudem wurden wir von der Landlady/Vermieterin und ihrer 30j Tochter herumgeführt und haben so auch einen kleinen Einblick ins Leben der lokalen Mittel- bis Oberschicht erhalten. Die Vermieterin betrieb neben dem AirBNB eine einfache Autovermietung, arbeitete in der Leitung (board) einer lokalen Bank und lieferte als Fischhändlerin persönlich Fische an diverse Restaurants und Hotels- wobei wir uns jeweils fragten, wie sie mit Eis/Kühlbox im Kombi bei der doch eher warmen Fahrzeuginnentemperatur die Fische auch tatsächlich frisch zu den Bestimmungsorten brachte.

LaDiala ist unser Zuhause. Egal wo sie ist, wir sind auch dort. Das Zuhause in der Schweiz aufzugeben, das war für mich sehr einfach. Alles Loszulassen, den Alltag, die Gewohnheiten, die Sicherheiten, den Luxus, die Bequemlichkeiten. In keinem Vergleich steht der Tausch. Man kann ihn nur annähernd beschreiben mit unglaublicher innerer Bereicherung und Erfüllung. Leben auf dem Segelschiff ist ankommen in der Gegenwart. Was gestern war, wie ich gewohnt hatte, in welch Möbel, Vehikel, Kleider und Beruf ich mich wälzte und definierte, wurde auf einmal egal und belanglos. Zu Beginn unserer Reise war ich besorgt ob unsere Diala denn immer und überall ein Ankerplätzlein finden würde. Aber schon nach wenigen Tagen habe ich beruhigt feststellen können, dass da immer Platz und Raum ist.
Ja die Welt wurde plötzlich zu einem Schauplatz. Man platziert sich mit seinem Schiff inmitten einer Schau und schaut ihr zu. Das chöne daran ist, dass man einfach nur zuschauen kann, keine Rolle oder Aufgabe übernehmen, sich nicht beweisen oder bewähren muss. Man ist einfach da. Der Tag wird kommen wo wir unsere LaDiala wieder umtauschen müssennein, traurig werde ich dann nicht sein (ein bisschen schon, oder wahrscheinlich sehr). Ich werde dankbar sein. Vorerst aber kommen nochmals gute 6 Monate Karibik.

Heute sind wir wieder bei der über-30m-Mast-Flotte angekommen Maxi- und Mega-Yachts, Segel- und Motoryachten von 30m bis ca.100m Länge. English/Falmouth Harbor sind wohl noch mehr dafür bekannt als Newport (Rhode Island). D.h. im Klartext Luxus-yachten jeglicher Art, mit oder ohne Helikopter drauf Eigentlich macht das alles keinen Sinn. Antigua ist bis auf diesen Fleck sehr karibisch-bunt, bescheiden und durchschnittlich. Okay, ein paar nette Resorts und paar Promis haben hier ihr Haus. Wahrscheinlich ist es die Vergangenheit um die Briten mit Admiral Horatio Nelson. Die Engländer haben im 18. Jahrhundert ihren grossen karibischen Marine-Stützpunkt hier in Englisch-Harbour aufgebaut, heute ist es UNESCO Weltkulturerbe und schön renoviert, Admiral Nelson Dockyard genannt und gilt als Nationalpark zusammen mit den umliegenden Hügelzügen und den forts and batteries (befestigte Geschützstellungen), welche die seeseitigen Zufahrten mit ihren Artillerie bestreichen konnten gegen die Überfälle v.a. der Franzosen von Guadeloupe aus dem Süden und St-Barth/St.Martin vom Nordwesten.

In ein paar Tagen kommen mein Vater und Anita zu Besuch. Wir freuen uns sehr, steht doch Maxims Geburtstag und das Christkind vor der Türwir werden gemeinsam erneut Barbuda besuchen und anschliessend an Antiguas Ostküste die traumhaften Strände um Green-Island und Non-such-Bay geniessen. Wir wünschen allen Zuhause eine schöne verschneite Weihnachtszeit und einen fröhlichen Übergang ins 2020.

12. November 2019

Alltag mit Kindern auf See

Wir werden häufig gefragt, wie das Leben für die Kinder sei auf dem Schiff – weniger häufig, wie das Leben für uns mit Kindern ist auf dem Schiff… Klar, am liebsten haben sie andere Kinder um sich herum oder auf den Nachbarbooten oder das gemeinsame Flotillensegeln: 2-5 Schiffe treffen sich gemeinsam an immer wieder neuen Ankerplätzen, Apero, Essen, Strandfeuer, Spielen, Video schauen etc. Für uns Eltern ist das auch toll aber ein Megabetrieb ohne Pause und auch immer verbunden mit konstanter Aufmerksamkeit, dass kein Unfall auf Schiff und im Wasser passiert. Im Hafen, wo die Kinder herumrennen ist das dann nicht ganz einfach.

Wir verbringen fast täglich Zeit mit «Kämpfen», Kitzeln, Knuddeln, Basteln, Muschelsuchen und Erklären (warum? wie geht das? wieso?) der vielen unbekannten Dingern auf dieser Welt mit Worten, Bildern oder am Liebsten You-Tube-Filmchen. Geschichten erzählen (aktuell der kleine Mann von Erich Kästner) und «Schiffs-Chindsgi» (Maxim zieht «Schuel» vor) auf Deutsch und English so gut es geht. Fast alle Filmchen, Lehrvideos, Hörbücher, Büchlein etc. sind auf Englisch, weswegen wir Eltern oft zusammen mit den Kindern die Sachen anschauen, hören, durchblättern und beim Verständnis helfen.

Es gibt eine Aera «mit Windeln» und «ohne Windeln» – «ohne» anfangs dafür mit mehr Wäsche waschen und Boden, Bodenbretter und «das drunter» reinigen.

Grossen Momente sind die Nachtfahrten- immer noch: die Kinder wollen bei uns einschlafen beim Steuerstand und den Wachführer in die Nacht begleiten – wenn die See ruhig ist. Wir tragen sie dann runter in ihre Kojen wenn sie tief schlafen. 2x ist Maxim dabei frühmorgens bei Dunkelheit im Bett aufgewacht, ist aufgestanden und zum Steuerstand hochgekommen und wir haben gemeinsam «Arm-in-Arm» den Sonnenaufgang, das beginnende Tageslicht und den Horizont beobachtet.

Maxim fischt, auch wenn die Geduld jeweils nur für 5-15min reicht, und er fängt. Zudem: er beobachtet die Fischer am Ufer und setzt dann um, was er sieht und will ganz bestimmt Dinge aus dem Fishing & Bait Shop damit er besser fischen kann.
Mara hat sehr konkrete Vorstellungen wie ihr Kleiderstil sein muss: «nicht ohne mein Röckli», oder am liebsten nur Unterhosen oder gar nichts und nie Socken. Als es kälter wurde konnten wir anfangs keinen Kompromiss finden (klingt einfach, war es aber nicht). Erst als sie in Unterhosen bei viel Wind und Wolken und 16° C Lufttemperatur auf dem Dach/Sun-Deck stand, bis sie kalt hatte und etwas anziehen wollte, verstand sie meine Bemühungen um Pullover/Jacke lange Hosen (nur Legins extra 3 gekauft und darüber Röckli). Seither geht sie am Morgen gelegentlich aufs Dach in Unterhosen oder Pyjama, um zu schauen wie warm/kalt es ist. Ansonsten zieht sie alles an was assoziiert werden kann mit Prinzessin, Mehrjungfrau, Cinderella und Snow-white – alles andere eher nicht; zu meiner Verzweiflung. Sie kann viel Zeit für Kleiderwechsel aufbringen und mit grosser Geduld Lego und Playmobil spielen wobei wir alle 2-3 Wochen die Spielsachen, Büechli ect. austauschen und dann ist alles wieder spannend.
Zeichnen und Malen hat einen grossen Stellenwert und dient ganz offensichtlich der Verarbeitung der vielen Eindrücke und von neuen Kinder-Erkenntnissen sowohl für ihre Vergangenheit als auch für die von ihnen wahrgenommene Zukunft – «wämmir dänn i dä Schwiiz sind, dänn» oder es werden Walfische, Raketen, Mondlandung, Häuser, Wolkenkratzer, «diä Frau» (Freiheitsstatue) etc gezeichnet und es folgen vielschichtige Erklärungen zu den Zeichnungen und Bildern auch von Mara.

Grossartige Momente sind seit neuestem die Balett-Tanzübungen von Mara (an jeder Stange, auch im Lift mit Spiegel) und ihre Versuche, mit allen Schuhen «auf Spitzen» zu tanzen. Michèle hat mit den Kids Zauberflöte und Schwanensee angeschaut und hat ein Balett-Büchlein Wir haben sogar eine Familienaufführung gemacht auf Turks&Caicos – darüber habe ich geschrieben und mein Part und meine Performance bis heute erfolgreich verdrängt.

Eine von Maxim’s Lieblingsbeschäftigung – wenn keine anderen Kids zum Spielen da sind: suchen, graben, finden und sammeln und damit spielen und basteln. Entsprechend liegen auch immer Fund-Gegenstände und Strandgut irgendwo auf dem Schiff und in der Kinderkoje herum und Maxim hat häufiger als uns lieb ist unübersehbare Schmutzränder unter den Fingernägeln.

Ein klassischer, etwas anstrengender Ankertag:
05h Tagwache für mich: Maxim weint, weil er ins Bett gepinkelt hat (in dieser Episode ca alle 10-14 Tage), inkl. Decke/Kissen/Nuschi. Alles entfernen, Bueb wird getröstet, geduscht, Ersatz-Pyjama und Nuschi. Er kommt zu uns ins Bett und sucht Nähe, was dem weiteren Schlaf nicht förderlich ist. Wir haben auf dem Schiff zwar Ersatzbettwäsche aber kein Ersatz-Duvet/Kissen.
830h mit Dinghy zur Laundry. Alles waschen und 3x Trockner = Total 19USD, alles in Quaters einzuwerfen = 76 Münzen, Geldwechseln ….. Das beschäftigt uns den ganzen Morgen. Zwischenprogramm für Michèle: jogging/work-out. Für mich: 3x Kaffee (habe bis 0130h zwei Filme geschaut, selber schuld…), kleines Knuddel-Programm, Kinder-Frühstück. Dabei leert Mara süssen Cranberry-Saft schön verteilt über die Sitzpolster zudem auch unter Polster, zwischen Sitzbretter und unter Sitzbretter zu den Dosen und anderen Vorräten. Frühstück rasch beendet, ich habe inadäquat und laut kommentiert, alle Sitzpolster flogen raus aus dem «Salon». Dann reinige und schruppe ich knapp 2h Sitzpolster, weil die weiss-creme-farben sind und durch die Kinderfüsse wirklich grau-dreckig werden und sowieso dringend gewaschen und geschruppt werden sollten. Bis jetzt haben wir erst ein einziges Putzmittel in Italien( im Juli 2018!) gefunden, welches den Dreck vernünftig löst. Nun ist das Putzmittel heute aufgebraucht. 2/3 der Polster sauber, 1/3 grau-weiss-dreckig.

Die Kinder haben mit wenigen Streitunterbrüchen ausdauernd, autonom und kreativ mit Lego gespielt. Michèle kommt vom Jogging mit der Bettwäsche zurück und geht dann in ihren Crew-freien Tag. Ich räume auf. Dann gehen wir auf dem Spielplatz mit Velo/Scooter. Tasche parat machen, Znüni, Notfall-Apotheke/Pflästerli, Sonnencreme auf Gesichter verteilen, alles verladen in Dinghi (wir sind vor Anker). Kurzes Geplänkel mit Mara wegen Sockenfarbe (zum ewigen Röckli auch auf der Rutschbahn etc. sage ich schon gar nichts mehr). Wir gehen ans Ufer, nehmen die frisch gewaschene, immer noch feuchte Bettdecke nochmals mit in die Laundry zum 2. Trockengang. Auf dem Spielplatz: die Kids sind alleine, wollen zuerst nicht so recht spielen und klettern auf mir rum (ich wollte eigentlich mein bescheidenes Stabilisierungs-Workout machen und bin etwas genervt). Dann endlich ein Mädchen, Mara gleich hin: do you wanna play with me? Klappt nicht so recht. Am Schluss will das Girl lieber mit Maxim spielen und Mara versinkt im emotionalen Elend. Ich ganz der Vater – mit den Tränen und Rotze an meinem frischen T-Shirt. Es ging dann doch mit den Girls, sodass ich mit Maxim Werfen und Fangen spiele und erste Frisbee versuche mache – war eigentlich recht cool ist. Übliche Verärgerung bei den Kids als wir (also ich) zurück aufs Schiff zum Mittagessen wollen. Am Ufer Pipi-Pause auf öffentlichem Männer-WC, was ja immer eine hygienische Herausforderung ist für kurzbeinige Sitzpinkler bzw. deren Eltern. Dann, im Dinghi stehend, vor dem Losbinden/Ablegen, greife ich zu den Schwimmwesten für die Kids als ich aus dem Augenwinkel gerade noch Mara auf das Dinghi springen sehe und sie mit einer Hand vor dem Sturz ins Wasser erwische – obwohl ich 5 Sek vorher gesagt habe: wart! Ich hol’ die Schwimmwesten. Kurzes, imperatives Geschrei von mir, dann weniger imperativ von Mara, dafür länger. Umkehren da Duvet in Laundry vergessen. Mittagessen, Abwaschen, kein Warmwasser, Generator auspacken und anwerfen, Benzin nachfüllen aus tief unten versorgtem Kanister. Telefon mit dem Suzuki-Service (ca zum 20. Mal in 6 Wochen) in Annapolis 650km von hier, Newport, entfernt: Immer noch keine Ersatzteile aus Europa; nerv!!! er soll US-Ersatzteile bestellen, auf gut Glück, die gehen sicher auch…. ich bezahl, F…k Garantie!, Er macht eine Offerte in 4 Tagen!! da er eine Auftragsbestätigung braucht von mir – ich kanns kaum fassen – nochmals 4 Tage!? – aber bleibe immer sehr freundlich sogar heute bei diesem nicht ganz einfachen Start in den Tag (s.o.). Dann besuchen wir den Hafenmeister und organisieren eine sturm-sichere Festmachboje (Kinder sind dann oft sehr hilfreich und lösen einen positiven, freundlichen Kommunikationsreflex aus beim Gegenüber – ausser Zoll/Immigration, die sind fast immer unfreundlich oder «neutral») weil wir hier gegen Mitte Oktober das Schiff 6 Wochen verlassen wollen und herumreisen werden im Oktober/November. Klappt problemlos und kostet 1320 $/Monat anstatt Hafenplatz für 5000 $/Mt – sehr nette Leute im Harbourmaster Office. Anschliessend Ice-cream und Maras frisch gewaschenes Kleidli ist richtig voll damit von oben bis unten inkl. Haare, Kinn, Hände bis Ellbogen. Geplant war, «die Waschstrasse» und den tollen Kids-Playroom vom Seaman Church Institute zu benutzen, welches jedoch seit knapp 20min schon geschlossen war, was grosse anhaltende Trauer mit heftigem Weinen bei Maxim auslöste. Beim Suchen nach einem Alternativprogramm im nahen Park treffen wir Michèle per Zufall. Glückliches von der Mauer springen mit Anlauf in unsere Arme – die Kids nicht Michèle – und dann gehen wir ins Vanderbuilt-Hotel in die Top-Roof-Bar im 5. Stock (es gibt in Newport keine Hochhäuser, nur 2-3 stöckige New-England Holzkonstruktionen) bei 18°C und Wind eher kühl dafür gute Drinks («Set Sails» und «Moscow Mule») und aufgestellte Kids. Schöne Aussicht und ehrliche, gemeinsame Erkenntnis, wie toll wir es wirklich haben als Familie hier und überhaupt. Zurück zu den Piers, mit Dinghi zu LaDiala. Ich gehe duschen mit Dinghi zurück im Newport Maritime Center (2min Dinghi-Ride) und bei der Rückkehr aufs Schiff werde ich bis auf die Unterhosen nass, weil es nun fest regnet. Dann gibt’s fein marinierte, «tender chicken breast – no antibiotics, no bones-» und die Kinder machen auf den frisch gereinigten Polstern mit dem Reis und der Beilage wieder ein Geschmier und Erbsli und Bohnen haben sie nicht gern! Dyson Hand-Staubsauger hilft da rasch (gegen Reis, nicht gegen Bohnen-Erbsli-Abneigung) trotzdem etwas Ärger bei den Eltern. Maxim will mit mir einschlafen, dann mit Mami, dann meint er, Zitat: «ich bruuche wükli einfach öpper zum Iischlafe» und bricht einmal mehr in herzergreifendes Weinen aus Diesmal nur für eine gefühlte Minute, dann bringt ihn Mara wieder zum Lachen und Spielen. Sie schauen Büechli an und es wird zunehmend ruhiger. Der Tag neigt sich dem Ende zu. Abwaschen, aufräumen, Plaudern und die Rotweinflasche ist auch schon wieder leer. Wir sind auch müde obwohl erst 2130h und ich schaue diesen Abend

25. September 2019

Photos Bahamas to NYC

24. September 2019

August-September 2019 Cape May, New York, Newport

Cape May Atlantic City- Lower Bay New York und dann Statue of Liberty sowie Hudson River und East River. Alles geankert in wunderschönen oder megaspannenden Locations.

Cape May: Coastguard-College und US-Nationalhymne sowie
Trompetenfanfarenstoss jeden Morgen um 0800h 100m von uns entfernt zudem grosser, permanenter Markt mit allem, was das Meer hergibt zum Essen. Im Rücken von uns immer die Ungewissheit, ob Hurricane Dorian nach Nord-Osten ziehend näher oder weiter entfernt von der Küste vorbeirauscht, sodass wir nicht von Wind oder Sturmflut betroffen sein werden. Die Yachten unserer Freunde südlich von Cape Hatteras (North Carolina) und unser Lieblingsort Beaufort mit Cape Lookout lagen genau im Durchzugsgebiet nur wenige Meilen vom Auge des Monsters entfernt. Bekannte in Beaufort haben Ihre Häuser verlassen. Aber niemand vermeldete Schäden auch nicht die befreundeten Yachties von Savannah und Charleston. MonReve lag in Beaufort/Oriental sicher im Trockendock trotz den Sturmfluten, welche auf Bahamas 5-6m gemessen haben, in Beaufort nur 60-100cm betrugen zusätzlich zur normalen Flut. Der Hurricane hatte an Kraft verloren und wurde als Klasse 1 eingestuft mit bis zu 160km/h Windgeschwindigkeit. Die Sturmflut ist der Anstieg des Meeresspiegels durch den Wind- und Wasserdruck – dann kommen noch die zerstörerischen Wellen und die Winde dazu und gelegentlich ein Tornado on top welcher «aber nur lokal» zerstört mit seiner Windkraft. Sorry kann man ja alles nachlesen im Internet etc.
Also, angekommen in NYC bei der Freiheitsstatue in der Upper Bay haben wir im Rücken der Dame ca. 100m entfernt ganz legal geankert und 2x dort übernachtet. Dazwischen waren wir 5d im Hudson River vor Manhattan an der Ankerkette direkt bei der 79.West- Street. Mit dem Dinghi etwas mühsam da 5min Fahrt mit bis 3kn Strom mal flussaufwärts, mal abwärts. Das hat teilweise ordentlich an der Kette gezerrt insbesondere auch weil unser Schiff (Katamarane im Speziellen) durch Wind gelegentlich in ganz andere Richtungen gedreht wird und es dann wegen Wind und Strömung ein erstaunliches Hin- und Herfahren im Bereich des Kettenradius gibt, was nicht gerade vertrauensfördernd ist und die Nachtruhe gelegentlich stört. Zudem ist es tagsüber ein mulmiges Gefühl in Downtown Manhattan zu sein und das Schiff steht im Hudsonriver bei 2-3kn quer in der Strömung. Die Wellen durch Wind oder die Grossen Schleppverbände sind je nach Wind/Strömung erheblich und schlagen von den Uferbefestigungen zurück. Da fragt man sich immer wieder: hält der Anker?
Nach 5d wollten wir etwas Ruhe und Sicherheit, da wir auch nicht wussten, wie stark die lokalen Winde werden beim Vorbeiziehen von Dorian draussen im Atlantik. Also verlegten wir zurück in die Lower Bay/Richmond in einer rundum abgeschlossene Marina (Great Kills..). Hurricane Sandy hat vor einigen Jahren die Marina bzw. NY heimgesucht: das Wasser ist wegen der Sturmflut höher als alle Dämme gestanden (+ 4m) und die Wellen kamen «fadegrad rein». Das heisst dann auch: alle Schwimmdocks sind oben am Ende über die Halt-Pfosten geflutet und abgetrieben worden zusammen mit den restlichen dara festgebundenen Schiffen.
Item: wir xxx sicher festgemacht an diesen Schwimmdocks in Great Kills und haben die Zug-Route verfolgt. Für uns ging es nur noch darum, wie stark Regen und Winde werden. 20-50kn war in diesem Stadium noch möglich. Das ist ok für uns auch wenn wir bei 25+kn nicht mehr im Hudson-River Ankern wollten. Am Schluss gabs 14h teils starker Regen und 20-max 25kn Wind und einen Stromausfall in der ganzen Marina, was aber Zufall war. Die Kinder haben die Zeit in der Marina mit Auslauf sehr genossen: Fischen auf dem Steg, Velofahren, Scooter/Trotinett, Spielplatz, Sandstrand. Dann zurück zur Freiheitsstatue und erneut bei schönstem Sonnenuntergang dort geankert und übernachtet mit Apero, Pizza aus dem Gasofen. Michi und Debbie haben uns begleitet. Beide leben und arbeiten seit kurzem in Brooklyn und Manhattan. Michi hat mit uns die Transat gemacht. Es ist erstaunlich erneut waren wir nur 2 Schiffe an diesem grandiosen Ankerplatz, welcher in der Nacht absolut ruhig und urban idyllisch war. Die ersten Touristen-Boote, Helikopter und Waterjets kommen morgens ca 8h.
Von der Statue gings dann durch den East-River (3kn Gezeiten-Strom in Spitzen bis 7kn) bis in die South-Bronx und dann zu den obergestopften Villen von Long Island in Port Washington/Manhasset-Bay. Unter all den Brücken hindurch, Brooklyn Bridge und alle anderen, vorbei am UNO-Hauptsitz und direkt in der Anflugschneise des LaGuardia-Airports und die tolle Skyline. In der Southbronx am New York Sunny Maritime College war ich als 23jähriger für einen zweiwöchiges Segeltörn bis nach Martas Vineyard und zurück. Das Befahren des East-River: Ein Erlebnis der Extraklasse. Wir haben sowohl im Hudson-River als auch vor der Liberty Statue Seile bzw. Schläuche und Stromkabel mit dem Anker hochgezogen.A ber solange das Zeugs bzw. der Anker noch hochkommt, kann man mit 2-3 Tricks oder zur Not mit vom Dinghi aus den Anker befreien nicht ganz einfach bei uns weil das Ankergeschirr nicht am Bug austritt sondern rückversetzt im Mittschiffs schlecht zugänglich unter dem Trapez-Netz liegt. Bei Strömung bzw. im Fluss eine Herausforderung aber es funktioniert und wir haben auch einem anderen Motorboot bei seiner «Befreiungsaktion» vom Dinghi aus geholfen das sind kleine Überraschungen im Tagesablauf. Eine andere: ich erwache von einem hochfrequenten lauten Geräusch, wie eine Fräse, morgens um 0630h. Noch einmal dieses Geräusch, sehr nahe, ich stehe auf: Maxim ist einen Metallkarabiner in die Toilette gefallen und er hat gespült weil die Schüssel tatsächlich voll war mit «biogenem Feststoff» und dem Karabiner. Nun muss man wissen, dass auf den Schiffen die elektrischen Toiletten einen Mazarator vor dem Pumpenrad montiert haben (Helvetisch = Häcksler). Dieser soll alles zu dünnflüssigem Brei zerkleinern, dann wird es in den Tank oder den Ablauf gepumpt auf dass es dann auch wieder aus dem Tages-Fäkalientank rausfliessen kann aufmerksam «Lesende» erinnern sich noch an die Aktionen, um den Auslass des Fäkalientankes zu entstopfen in der Ära VOR dem Mazerator. Nun ist also passiert, was ich nie tun wollte, aber heimlich immer befürchtete: ich musste die Schüssel mit dem Motor, dem Pumpenrad und dem Mazerator zerlegen. Das Manual war schon im Download-Ordner parat wir haben ja nicht immer WWW. Das geht recht einfach: 4 Schrauben lösen, ruckeln, dann rinnt alles Flüssige raus und der Motor sollte mit Mazerator/Mazeratorgehäuse und Pump-Impeller aus der Schüssel rausgezogen werden können. Können! Denn das Mazeratorgehäuse war so gut im Schüsselboden festgesetzt, dass es nur einen 5-6mm Spalt gab, dann sass Motor mit allem dran fest. Auch die Online-Beratung von Tim vom WC-Hersteller Jabsco war nicht hilfreich: WD40 Spray.. Durch diese 6mm kriegte ich den Karabiner raus und auch noch andere Dinge, welche dort nicht hingehören. Wir haben im Familien-Bord-Rat nochmals besprochen, dass es nur eine Art von Feststoff gibt, welcher im WC zu flüssiger Form verarbeitet werden kann- keine Spielsaschen, keine Haargummi etc.. Nun hätte ich eigentlich den nächsten Garantiefall am Halse: das elektrische WC einschicken? Alles sehr mühsam. Der andere Garantiefall ist der Reserve-Suzuki-Aussenbord-Motor mit verklemmtem Zylinderkopf-Ventil nach 5 Betriebsstunden. Der Motor ist seit 6 Wochen beim US-Händler, weil: ein Europäisches Modell = keine US-Seriennummer, keine Ersatzteile in den USA. Sonderfall; alles muss in Europa bestellt werden inkl. Kostengutsprache. Nun warten wir auf die Europaersatzteile seit knapp 4 Wochen! Der Motor ist noch in Annapolis/Chesapeake Bay bei Washington DC, wir in Newport, 650km entfernt. Nach der Passage des East-River sind wir nochmals nach Brooklyn für 3d in eine AirBnB- Wohnung. Das war wesentlich einfacher als auf dem Hudson River vor Anker. Toll auch wieder mal in einem Haus zu schlafen. Michi und Debbie haben einen Abend auf die Kids aufgepasst und wir haben japanisch diniert. New York war toll aber mit den Kindern auch anstrengend in einer solchen Stadt mit so vielen Menschen, den grossen Distanzen und dermassen viel Verkehr und Gedränge in der U-Bahn. Die Kinder waren meist mit den Scootern unterwegs, so konnten wir problemlos grössere Distanzen zu Fuss zurücklegen. Dann sind wir in die Hamptons gezogen, genauer im Long Island Sound auf der Nordseite von Longisland Richtung Osten (das erste Mal auf unserer Reise nach Osten!) gesegelt bis nach Montauk mit Zwischenstationen u.a. in Port Jefferson, auf Shelter Island und Greenport. Im Lake Montauk lagen wir vor Anker bei der Marina, welche 10Dollar pro Fuss Bootslänge für 1 Nacht verlangt – für uns = 440.-/Nacht und dann noch Strom extra; dafür Pool und Fitness. Wir blieben vor Anker gleich am lokalen Flugfeld, wo am WE ein reger Shuttlebetrieb herrschte für die Boots- und Hausbesitzer und Mieter in East -Long Island. Welche Prominente und Reiche ein Grundstück auf diese Insel besitzen kann man alles nachlesen; auch Max Frischs Roman, Montauk, in welchem der ältere Herr mit jüngerer Geliebten über sein interessantes Leben schwadroniert.
Long Islands Nordküste am Long Island Sound gelegen ist sehr schön, viele Buchten und ruhige Orte mit den erwähnten mondänen Villen mit Seeanstoss, für uns zum Ankern wundervoll. Port Washington, Shelter Island, Greenport, Montauk und Block Island waren Orte, welche wir zu Fuss, mit Uber oder mit Velo und Scooter erkundet haben.
Seit New York ist es merklich kühler geworden nachts und sobald es etwas bewölkt ist. Wir sind froh um die Diesel-Heizung auch um die Feuchtigkeit aus dem Boot raus zu kriegen.
Von Block Island sind wir bei Dunst und Nebel übergesetzt auf das Festland, Newport, Rhode Island. 30 Meter unmittelbar neben dem Schiff ist ein grosser Walfisch aufgetaucht, hat geblasen und langsam ist sein Rücken durch das Wasser geglitten bevor er lautlos wieder im nur 35m tiefen Wasser verschwunden ist. Wir haben das Spektakel noch 3x geniessen können allerdings nicht mehr so nahe am Schiff. Das war überraschend aufregend hätte ich nie gedacht.
Seit September 2018 in der Strasse von Gibraltar haben wir keinen Nebel mehr erlebt. Nun bimmelt und heult hornt es bei der Einfahrt nach Newport von den Seefahrts-Tonnen (Heul und Glockentonnen) und den
Leuchtfeuern/Leuchttürmen (Hornsignale) und es herrscht bei 14-16kn Wind trotz eingeschränkter Sicht ein sehr reger Segelbetrieb mit modernen und vielen älteren Yachten. Zudem gilt die Region hier als Sportfischer-Mekka und so sind auch extrem viele kleine bis sehr grosse Sportfischer-Yachten unterwegs, welche erhebliche Kreuzseen produzieren im engen Fahrwasser. Die Fische, welche hier gefangen werden sind wirklich teilweise unvorstellbar gross und werden dann mit Fotos dokumentiert.
Newport war ab 1930 während 50 Jahren das US-Zentrum des Americas Cup. 1930 wurde hier mit den J-Yachts und später mit den 12-er gesegelt bis Australien die Kanne gewann: 1983 Australia II beendete die 137jährige Dominanz der Amerikaner in Newport. Heute haben wir das Kielwasser von drei 12-er Yachten gekreuzt beim Einlaufen in das Hafenbecken.
Neben Palma de Mallorca, Las Palmas auf Gran Canaria, Le Marin auf Martinique und Annapolis in der Chesapeake Bay finden wir hier ein weiteres gigantisches Motorboot- und Segelzentrum mit vielen teils exklusiven Yachten (Oldtimer und Superyachten) vor Anker, an unzähligen Bojen und in den vielen teuren Marinas welche das grossen natürliche Hafenbecken säumen.

1. September 2019

Cape Hatteras, Chesapeake Bay bis Cape May, August 2019

Unser 1. August in Beaufort bleibt unvergesslich. Wir luden unsere neugewonnenen US Freunde auf LaDiala ein. Gemeinsam mit den Genfer Gaia gaben wir unsere Eidgenossenschaft zum besten; zweisprachig „Tritts im Morgenrot daher“, Älpler Maccaroni und Kinder Lampion Umzug ums Boot.

Die Zeit wurde reif für das berühmt berüchtigte Cape Hatteras. Zuvor wurden wir vom Cape Lookout, ein Tagesetmal von Beaufort entfernt, mit einer der schönsten Natursandgrasdünenleuchtturmbucht verwöhnt.

Bei Flaute konnten wir Cape Hatteras problemlos umrunden, der Golfstrom schenkte uns zum letzten Mal bis zu 2kt Fahrt.

Ein neues Faszinosum liegt vor uns; die Chesapeake Bay! Noch nie etwas davon gehört? Ich auch nicht. Wiki hilft weiter;

Chesapeake Bay ist die grösste Flussmündung in den USA.

Der Name Chesepiooc wurde von hier ansässigen Indianerstämme gegeben und heisst vermutlich „Grosser Fluss“ oder bezeichnet ein Dorf an der Mündung des Gewässers zur offenen See.

Die Bay ist voll von amerikanischer Gründer-Geschichte. 1607 errichteten englische Kolonisten im James River die Kolonie Jamestown, die die erste erfolgreiche Kolonie Englands in Nordamerika wurde. 1781 fand eine bedeutende Seeschlacht zwischen Briten und Franzosen während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges statt. Am Ende des Potomac Rivers liegt Washington. Baltimore und Annapolis bereichern die Geschichtsbücher ebenfalls.

Im Eozän vor 35 Millionen Jahren schlug am heutigen Eingang der Bucht ein Meteorit einen grossen Krater ein. Im Verlaufe entstanden ausgedehnte Marschlandschaften, Sümpfe, Wälder und Weidegebiete.

Die Marschlandschaften werden regelmässig von den Gezeiten überflutet. Diese eigenartige Riesenbucht bietet einen nährstoffreichen Schutz- und Lebensraum für verschiedenste Vögel, Zugvögel, Fische, Krebse, Austern und für uns Yachties….

Chesapeake Bay war anfangs 20. Jahrhundert auch die „natürliche Proteinfabrik der USA. Austern, Krabben und Venusmuscheln standen zuoberst. Durch Überfischen, Überdüngen durch die Landwirtschaft und Umweltverschmutzung im Zuge der Verstädterung, sind die Bestände stark zurückgegangen. Dennoch ist die Chesapeake Bay immer noch der grösste Krabbenfleisch Exporteur der Welt.

Literarisch hat sich hier unter anderem James A. Michener mit Chesapeake Bay verewigt.

Und was hinterlässt die Chesapeake Bay bei uns?

Mein grösstes Faszinosum waren eindeutig die Krabben! Kaum die Eingangs-Chesapeake-Tunnel-Bridge passiert, schon nahmen zahlreiche schwimmende oder wohl eher sich treibenlassende Krabben uns in die Klauen. Kein Gewässer hat uns dieses Spektakel zuvor je gezeigt. Sitzt man mutig an so einer schlammbrauntrüben Bay wird man auch da in die Klauen genommen. Ein kleiner frecher Crab hat mich doch wirklich in mein Bein gepincht – einer meiner grössten Schrecken.

Man kann sie auch essen. Habe im ersten Restaurant in Cape Charles ein ganzer Crab bestellt. Da kam er dann auch frittiert mitsamt Scheren, Beinen und Panzer. Und das sollte ich essen? Dieser harte Panzer, diese vielen Beine?

Igitt! Ich wurde aufgeklärt; es handelt sich hier um Soft-Shell-Crabs (Butterkrebs), die Deluxe Variante der Hard-Shell-Crabs. Auch da muss Wiki ganz schnell wieder her;

Erst kürzlich gehäutete Krebse nennt man Butterkrebse. Das neue Aussenskelett ist in dieser Phase noch sehr weich und elastisch. Das Abstreifen des alten Panzers dauert nur rund 15 Minuten. Kann das Ablegen der alten Haut nicht in dieser Zeit bewerkstelligt werden, stirbt der Krebs danach meist an Erschöpfung. Der Härtungsprozess der neuen Schutzschicht nimmt drei bis vier Tage in Anspruch. Und wie findet und fängt man sie in diesem kurzen vulnerablen Stadium? Man fischt sie kurz vor dem Abstreifen des alten Panzers, was viel einfacher ist, haltet sie in Salzwasser Tanks und wartet ihre Häutung ab. Schlau aber auch gemein.

Augen zu und rein beissen. Kein knacken, nichtsHhartes zwischen den Zähnen, es war schlicht delicious….

Langsam öffnete sich in mir die Bereitschaft und das Verlangen diesen Chesapeake mit seinem immensen flusslandschaftlich-historisch-geheimnisvollen Reichtum zu verschlingen…Und so stürze ich mich in das fast 1000-seitige Buch „Chesapeake Bay“ von Michener.

Annapolis – Washington – Cape May:

Grosspapi, Grosspapi, Nica, Nica, — Maxim und Mara rufen und springen und fressen uns fast. Eine schier unglaubliche Wiedersehensfreude bringt uns alle ganz durcheinander. Michèle und Mark stehen abwartend und vorfreudig neben uns vier. Herzliche Umarmungen und feuchte Augenwinkel sind ganz inbegriffen. Und unser pakistanischer Taxifahrer fährt verdutzt zurück zu seinem Standplatz in Baltimore, zum Amtrack-Bahnhof, in dem wir, von New York her, angekommen sind.

Keine zwanzig Meter entfernt dümpelt das Dinghy am Quai. Zu sechst mit viel Gepäck und „Gschenkli“ von Freunden, Bekannten und Verwandten gehts weiter …..und die gute LaDiala schaukelt auch hier im Hafen von Annapolis, gemächlich, fast majestätisch, so wie wir sie vor einem Jahr zwischen dem „Absatz“ und der „Fussspitze“ von Italien, in Riposto auf Sizilien, erlebt und verlassen haben.

Die vier Ms sind erst am Vortag von Norfolk am Atlantik durch die Chesapeake Bay in Marylands Hauptstadt (sprich Kleinstadt) angekommen. Um ehrlich zu sein, wir haben „vorher“ noch nie etwas von Annapolis gehört – von Indianapolis (Autorennen) schon. Bevor Washington Hauptstadt der USA wurde, war das von uns besuchte Capitol von Annapolis 1783 das erste historisch äusserst wichtige Zentrum, in dem der US-Congress tagte. Hier trat der frühere General George Washington vor dem Kongress freiwillig zurück, die wichtige Zäsur markierend, dass die Politik über dem Militär steht. Was West Point als Kaderschmiede für die US Army, ist die 1845 gegründete Naval Academy von Annapois für die NAVY: Ueber 4000 Studenten aus den ganzen USA vollführen mittags um zwölf den täglichen „Fahnentürgg“: smart all in white, zackig und trotzdem leger, kurzgeschoren die Männer, die Frauen mit Frisuren(ein Viertel), allemit Gebrüll….. und die NAVY-Band spielt „Stars and Stripes“; irgendwie trotz allem eindrücklich……

Nur eine Mietauto-stunde westlich liegt Washington mit all den Sehenswürdigkeiten: zwei Nächte mal wieder an Land für die 4Ms. Auf dem Capitol Hill machen wir eine spezielle auch schlaue Erfahrung: überall Parkverbote, Halteverbote, nichts zum Parkieren. Ein „Ein-heimischer“ verrät uns seinen Tip: ganz einfach: mit Bussenrisiko trotzdem parkieren. Die Bussen seien niedriger als entfernte Parkhäuser (in New York gesehen: halbe Stunde 8 Dollar; eine Stunde deren 30) — und es klappte – keine Busse eingefangen.

Eindrücklich, auch von innen, ist die Jefferson National Library; Michèle freut sich, endlich einmal das Weisse Haus zu sehen. Mark führt die Kinder in die Geheimnisse des Air and Space Museums ein; am meisten Vergnügen haben Mara und Maxim an der vielen möglichen und unmöglichen Tieren des Natur-Historischen Museums, vor allem in der Volière der Schmetterlinge. Die Smithonian-Museen: ein riesiges unerschöpfliches Museums-Konglomerat erster Güte. Während Mark und Michèle den riesigen Arlington Friedhof per Bus im Ueberblick besuchen, „hüten“ wir die kleinen Ms im Eingangspark und lassen sie mit ihren Trottinets trotz einer wachsamen, genauen Polizistin um die Bäume kurven: Mara ist „schwer“ am lernen; nach einer Woche könnte sie schon „freihändig“ fahren, wenn wir es ihr zeigen würden……

200 km vom Atlantik „entfernt“ bringt uns die LaDiala weiter die Chesapeake Bay hinauf „landeinwärts“. Nach der umtriebigen Zeit um Annapolis ankern wir in einer windstillen, wundersamen, von Wald eingefassten Bucht: keine Menschenseele, Michele paddelt mit Maxim und Mara ans Ufer, und bei lauer Abend-Dämmerung haben wir zu viert den „Sundowner-Apero“, und nachts schlafen wir bei 25 Grad auf dem Katamaran- Dach…..

Chesapeake City ist wahrlich die grösste „Stadt-Uebertreibung“. Kaum fünfzig malerische, teils verlassene, aber gut unterhaltene Holzhäuser aus dem 19. Jahrhundert gleichen einem Museumsstädtchen wie aus Wildwestfilmen. Es duckt sich still unter einer riesigen dreissig Meter hohen Strassenbrücke, die auch den nahen Hafen und den Chesapeake-Delaware Kanal überquert. Nicht den Suez-, den Panama- oder den Kanal von Korinth durchqueren die meisten Schiffe, sondern den CD C- sagen zumindest die Locals un Wikipedia…. Er verbindet die Millionenstädte Philadelphia und Baltimore. Schon 1822 bis 1829 gruben 3000 Arbeiter den ersten 25 Km langen Kanal mit vier Schleusen von Hand aus. Inmitten von allerlei Kähnen, auch Containerschiffen, ist unsere LaDiala das einzige Segelschiff…. Den zehn Meter tiefen und 130 Meter breiten heutigen, waldumfassten Kanal überqueren in beträchtlicher Höhe neun Brücken: eine modernste Autobahnbrücke mit Schrägseilen, eine Betonbrücke, drei Stahlwerkbrücken aus den Dreissigerjahren, zwei Hochspannungsleitungen, eine Gasleitung und ein uraltes Hebebauwerk aus Stahl für die inzwischen stillgelegte Bahnlinie…..Michèle lässt ihre Drohne nicht zum ersten Mal für phantastische Fotos steigen, aber das erste Mal ist ihr Standort zum steuern nicht fix; sie luft-fotografiert ab der beweglichen LaDiala die Brücken….

„ May I have a chair, please?“ fragt Maxim in bestem Englisch einen Kellner. Zusammen mit Mara spielen sie auf „Englisch“, auch Lieder auf Englisch; von uns lernen sie Ameise-ant und neblig-foggy. Beide haben grosse Entwicklungen hinter und vor sich; beide schwimmen schon „plus-minus“; beide haben total keine Angst vor Wasser; beide spielen mit ihren Prinzessinnen und Königinnen, mit Supermen und Piraten….und sie sind es auch selbst……und Maxim hat in seiner unermüdlichen WIESO? – Phase den “Gwunder-Generator“ fürs Leben schon in sich.

Die Delaware Bay weitet sich über 100 Kilometer weit aus bis zum Atlantik. Auf der backbordside, der linken, der New Jersey Seite, begleiten uns die Umrisse des Atomkraftwerks Salem. Die zwei Reaktoren produzieren 2300 MWatt, die Schweiz ab 2020 knapp 3000. Elektrizität ist neben Diesel und Wind die entscheidende Energiequelle auf der LaDiala. Für den wenigen produzierten Strom dreht sich das kleine Windrad „hinten oben links“ viel zu lärmig. Die effizienten Solarzellen „oben hinten“ würde Mark am liebsten „überall“ haben. „Strom“ kommt auch vom Generator und am einfachsten ab der Steckdose im nächsten Hafen….

…und Mark hat sich in den anderthalb Jahren auf Hoher See zu einem eigentlichen Elektroniker oder Informatiker ausgebildet; damit sind wir beim Herz der LaDiala: Computer, iPhones, Handies, GPS, Emails, Security, Verbindungen zu den Banken, den Versicherungen, zu Marks Praxis in Weiningen, zu den Kantons- und Arzt-„Behörden“, WhatsApp zu Eltern, Kollegen, Verwandten, Wetter Apps, REGA, Telefone, Netzwerke, UBER, Backups: und das ganze noch reparieren und und und — PROST. Michèle ist die Vorausplanerin der Routen, Passagen, Wetter, Besucher und sie bestimmt nach alter Seemansschule mit dem Sextanten die geografische Breite. Dauer wie früher üblich etwa eine Stunde, aber die Breite stimmt (sagt das GPS). Beide, Michèle und Mark, sind Kapitän und Kapitänin, Köchin und Koch, Vater und Mutter, mit Maxim und Mara, das TEAM 4M on LaDiala.

In Cape Bay ankernd, wieder zurück am rauhen aber warmen Atlantik bringt uns die abwechslungsreiche fünf-stündige Busfahrt zurück nach NYC. Mit den besten Wünschen zu gutem Wetter, Gesundheit, Glück und Zufriedenheit, danken wir Euch 4Ms für die super Zeit zusammen.

Pius/Grosspapi und Anita/Nica

3. August 2019

Mitte Juli bis anfangs August 2019, Nordcarolina

Nach St.Augustine sind wir nach South Carolina nördlich von Savannah, genauer nach Hilton Head/Skull Creek in eine mitten in der Natur gelegenen Marina gesegelt. Unterwegs haben wir ein heftiges Ausweichmanöver fahren müssen da wir beinahe ein Manatee, eine Seekuh, gerammt hätten. Diese kommen hier überall vor von Bahamas bis Georgia. Das Küstengewässer ist 2-10sm weit raus recht flach (5-30m Tiefe) sodass es bei auflandigen Wellen an der Küste rasch gefährlich wird. Hinzu kommt der mit 2-4kn nach Norden drückende Golfstrom und die teils kräftigen Gezeitenströme an den Landeinschnitten. Die ganze Küstenlinie ist durchzogen von innenliegenden Seen, Fluss- und Meeresarmen. Es ist eine gigantische, über 7 Staaten reichende, unendliche Wasserlandschaft mit 3-4 berüchtigten Landvorsprüngen, an welchen sich Wind, Wellen, Golfstrom, Gezeiten und Sandbänke um die Vorherrschaft streiten. Dort wird es schon bei 15Knoten Wind unangenehm und bei 20Kn gefährlich (Cape Canaveral, Cape Fear!!, Cape Look out, Cape Hatteras). Die Landschaft ist ein einziges Naturparadies, unterbrochen von Siedlungen und Industrie. Hier hat man den Eindruck: die Amerikaner sind ein Volk von ambitionierten Hobbyfischern (catch and release ist wichtiger als essen – man staune…..).

Das Wasser ist sehr trüb mit vielen Schwebstoffen. Sodass unsere neuen Filter der Entsalzungsanlage nach 1 Woche bereits wieder ausgetauscht werden mussten.

Wir haben alte Freunde aus der Karibik getroffen: 2 Familien auch mit 2 Katamarans unterwegs. Die Wiedersehensfreude war sehr gross. Das eine Schiff (Marlin) haben wir auf Bahamas noch getroffen, Gaia, aus Genf, haben wir jedoch seit St.Barth vor über 3 Monaten nicht mehr gesehen. Gemeinsam haben wir Charleston und Savannah, typische Südstaaten-Städte, besucht und uns mit der US-Geschichte des 19JH (Sklaverei, Unabhängigkeit, Sezession) und des 20JH (Flugzeugträger Yorktown) auseinandergesetzt. Michele und ich versuchen dann immer auch entsprechendes Filmmaterial (Spielfilm oder Dokus) herunterzuladen und so ein Thema auch von dieser Seite zu beleuchten. Dann wird uns jeweils bewusst, wie schlecht unsere Englischkenntnisse eigentlich sind.

Immer wieder kommt es zu «schmerzlichen» Abschieden – nach Lallona aus Roma, MonRève aus Luzern nun von der Marlin-Crew – ihre Reise geht zu Ende und sie werden anfangs September wieder nach Deutschland zurückkehren. Wir haben Marlin «erst» im November 2018 auf Gran Canaria kennengelernt, obschon Marlin auch von der Kroatischen Insel Murter nur 4 Wochen nach uns losgesegelt ist. Ab der Karibik/St.Lucia haben wir unzählige Tage zusammen mit anderen Schiffen (u.a. Gaia) verbracht und tolle Erlebnisse geteilt.

Von Skull-Creek sind wir weitere 2 Tage und Nächte zusammen mit Gaia vorbei am Cape Fear (kurzer Gewittersturm mit Böen bis 42kn) nach Beaufort, North Carolina, gesegelt um von da bei günstigen Verhältnissen in weiteren 2 Tagen das Cape Hatteras zu runden und nach Norfolk, Virginia bzw. in die Chesapeake Bay einzulaufen.

Mit Gaia aus Genève werden wir vermutlich gemeinsam bis nach New York weiterreisen. Die Kids auf Gaia sind gleich alt wie Mara und Maxim und sprechen fliessend Englisch/Französisch. Seit wir nun wieder zusammen reisen haben sich die Englisch-Kenntnisse von Mara und Maxim explosionsartig entwickelt. Wir sind „hier“ im idyllischen, ruhigen Beaufort und haben uns auch wegen Materialproblemen auf Gaia entschieden, 3-4 Wochen am Anker vor Ort zu bleiben und unter anderem einen Workshop zu besuchen: build your own Surf-Paddle-Board. Im Maritime Museum ist eine Bootswerft alter Schule angeschlossen, wo Anfänger wie wir in 6-8 Tagen aus Cedar-and- Mahagony mit Epoxy-Fiberglas-Verstärkung unter Anleitung ein Board bauen können. Etwas besseres gibt’s nicht! Michele und ich sind abwechslungsweise (zusammen mit Laurent von Gaia) im Workshop oder bei den Kindern.

Wir haben immer wieder freundlichen Kontakt zur lokalen Bevölkerung, werden eingeladen und herumgeführt, bzw. auf viele Dinge aufmerksam gemacht, die wir als Kurzlieger sonst nicht sehen würden. So haben wir ein Rodeo besucht, erleben die Zusammenkünfte der Yachtclubs (BBQ, bring your own meat/drink and something to share) und besuchen lokale Märkte. Vieles ist recht klar bis radikal «republican» und Trump-Homeland. Die Politik ist wie eine Religion, man spricht nur unter sich und die anderen werden nicht gemocht, runtergemacht und teilweise sogar gehasst in aller Öffentlichkeit. Eigentlich recht bedenklich und wenn ich das alles sehe, höre, diskutiere und mir meine Gedanken dazu mache, dann kann die Hoffnung auf mehr Dialog eigentlich nur bei der aktuellen Highschool-Generation liegen….

Wir haben auch «eine Demokraten»-Familie kennengelernt, klassisch, d.h. Akademiker aus dem Norden, welche hier als selbständiger Arzt/Forscherin an der Uni arbeiten. Auch diese Familie sehr herzlich, sofort Einladung, Kinder bei ihnen oder auf unseren Booten. Kürzlich waren 7 Kids von 4-12j auf Diala, haben mit 6 Ruten gefischt, sind herumgerannt und haben Chips verstreut. Dann haben sie Hurricane, Versinken und Retten gespielt. Dabei lernen unsere Segelkids viel von den «Locals», auch am Strand, Krebse-Fangen, Fischen, Sanddünen-Surfen, Muschelsuchen und natürlich die Sprache.

Fischen mit Rute & Netz ist bei Maxim ganz gross im Kurs. Er hat schon einen kleinen Haifisch und einen Rochen gefangen. Maxim hat seine beiden «ersten Milchzähne weg» und Mara ist nun endlich Velofahrerin und immer noch sehr begeistert von den weiblichen Disney- Figuren (Cinderella, Snow-White, Elsa, Mermaid, Princess).

Einkaufen bei Piggy Wiggly mit Velo und Anhänger in der Vollhitze mit hoher Luftfeuchtigkeit ist recht ungewöhnlich für mich und auch für die Locals – ich war immerhin 3x dort. Kleine Läden in der Ortschaft selber gibt’s hier nicht. Der umfangreiche Piggy Wiggly Market liegt deutlich ausserhalb und wird als «kleiner Supermarkt» bezeichnet. Walmart (= unendliche Auswahl) liegt dann schon 20 Autominuten entfernt. Die Distanzen und die Hitze sind eigentlich zu gross für Velos im Alltag.

Hier kommen wir zur Ruhe auch wenn die Tage mit all den Aktivitäten, Besuchen, Kinderwünschen, dem Workshop und dem üblichen Alltagskram auf einem Wohnsegelschiff

sehr ausgefüllt sind. Wir geniessen das ruhige Ankern im wechselnden Gezeitenstrom mit Blick auf das kleine Städtchen oder die Dünen-Auen-Deltalandschaft (beides nur 50m von uns entfernt) mit einer Population von frei lebenden «wilden» Pferden, welche auf diesen sandigen Inseln leben und im Sand nach Süsswasser graben und morgens sowie abends im Wasser der schlammigen Uferpartie stehen und die Spitzen der Gräser abweiden.

Wir werden hier in Beaufort den 1- August feiern, unsere Paddle-Boards fertigstellen, auf gutes Wetter mit wenig Südwind warten und uns dann im Golfstrom ans Cape Hatteras spülen lassen, um von dort nach Nordwesten in Chesapeake Bay zu gelangen.

Dann gibt’s noch einige Anekdoten: New Berne liegt nur wenige Miles entfernt von Beaufort. Als Swiss Guys werden wir im Boat House angesprochen von Wunderly, Honegger im breitesten Südstaaten-Akzent. Bis ich verstanden habe, wie die heissen und dass sie «eigentlich» aus der Schweiz kommen aber keine Ahnung haben wie « es dort so ist». Auch Deutsche haben die Diaspora in New Berne mit begründet und so stossen wir hier immer mal wieder auf Deutsch-Immigranten der 3. Generation (ü70…..).

Ein Motorboot kommt längsseits: Hi, I’m Willy, from the Boat House, aahh genau, der hat da auch herum gewerkelt. Nächsten Tag kommt Willy wieder längsseits mit seiner Frau und lädt uns alle von den beiden Katamaranen ein zum Abendessen (North Carolina Seafood and BBQ and Pool). Let’s talk about the details tomorrow at the boat house.

Boat House, workshop hours: die Musik ist US-Rock aus den 70ern evt 80ern.Damit habe ich mich als 16-22j beschäftigt und bin mit selbstgemixten Tapes als 21-Jähriger alleine mit meinem ersten Auto während 4 Monaten durch die USA gefahren (CCR, Santana, Jim Croce, Lynyrd Skynyrd, JJCale, RStones, Supertramp, Fleetwood Mac. J.Cash, Al Steward, Alan Parsons, etc. etc.). Ich bin nicht nur in die Holzarbeit sondern auch in den Sound und in die Erinnerungen abgedrifted. Metaphysische Momente zwischen manueller Arbeit, Musik und Erinnerungen bzw. Adolescentenfantasien.

Es gibt ein Grüppchen von älteren Herren, die rudern alle 2.3 Tage zu sechst mit Steuermann auf einem der neu hergestellten, museumwürdigen Ruderbooten auf dem Meeres-Flussarm herum direkt vor uns bzw. dem Städtchen. Sie machen oft Pause weil es in Wind und Strömung streng ist und lasse sich dann treiben. Der Clubname: Drinking Club with a Rowing Problem

Gaia und LaDiala wollten wissen, ob alles klar ist mit unseren Anker-Geschirren nach 2 Wochen an der Kette. Also haben wir unser Anker neu setzen wollen. Wir: mit einem fremden, ca. 40KG Anker in der Kette und als wir den losgeworden sind mussten wir mit der Trennscheibe die dazugehörende, muschelbesetze Ankerkette durchtrennen, welche sich 5x (!!!) um unsere Kette gewickelt hat oder umgekehrt. Weil: in den Gezeitenströmungen und mit Wind wechseln die Schiffe teils sehr stark die Positionen. Der Strom kommt von vorne, der Wind von hinten und die Kette geht zwischen den Rümpfen hindurch nach hinten. Und alles ändert sich sobald Gezeiten bzw. Wind sich verändern. Gaia: musste sich von einem Riesen-Anker befreien. Der war so schwer, dass die Anker-Winsch, die Kette mit dem Zusatz-Anker nicht mehr hochziehen konnte. Laurent, der Skipper, musste tauchen (30cm Sicht wegen «Sedimenten») und mit seiner Frau koordinieren, damit sie mit den Motoren die Kette im Gezeitenstrom und Wind entlasten konnte, derweil ihr Skipper/Mann tauchend bei nur 3m Tiefe im Dunkeln/in den Sedimenten fingernd, erfolgreich seine Ankerkette von diesem Riesen-Anker losgelöst hat. Bravo – das ist echt schwierig!!! Wir erinnern uns: Bahamas oder ganze Karibik = glasklares Wasser bzw. hier: neue Wasserfilter bereits nach 7d verstopft, vorher 6 Monate ok.

Oder: Dianne die 76j, quirlige Port Officer des Ocean Cruising Club hat wieder die Strippen gezogen: Babysitter, meet me at my condo (wir mit den beiden Dinghis hingerast) , dort Ashley, 15j und ihre Mutter (driving ‘cause Ashley is to young to drive= noch nicht 16j), Ashley passt auf unsere 4 Kids auf mithilfe von selbstgemacht Popcorns und DVDs und et cetera bzw. wollen wir gar nicht wissen. Und die Eltern gehen mit Dianne (= unsere Mutter-Alter) locker in ein angesagtes Steak-House und verkosten dann ah Drinks und 2 Flaschen Malbec noch verschiedene Bourbons um anschliessend mit den fast oder ganz schlafenden Kids durch die Nacht zu rasen zurück zu unseren Schiffen. Alle sind trocken ins Bett gekommen (nicht immer einfach mit dem Schlauchboot bei Wellen) und ebenfalls trocken um 7h von den trockenen (nun fast immer) Kindern wieder geweckt worden

4. Juli 2019

USA – Cape Canaveral Juni 2019

Good morning America how are you? Wir sind anfangs Juni nach einer ruhigen Nachtübersegelung im Golfstrom (+2kn) von unseren geliebten Bahamas in Cape Canaveral angekommen. Angekommen und zurück in der grossen zivilisierten Welt.

Es ist alles XXL hier. Das Land, die Autos (mein ehem. CH-Dodge Durango V8 geht hier neben RAM/Silverado/Sierra….völlig unter), die Strassen, der Konsum, die Gedanken, Visionen.

Cape Canaveral = Kennedy Space Center = Raketenstarts (50 Jahre Jubiläum am 21.7.19 erste Mondlandung)= abgefahren = abgehoben. Seit wir hier sind bin ich selber zu einem kleinen Astronauten geworden. Armageddon, Apollo 13, Space Cowboys, „the last man on the moon“, Deep Impact. Okay vielleicht eher ein Movie Astronaut. Egal. Als ich dann die echte Space Shuttle Atlantis (im Einsatz bis 2011) im Kennedy Space Center erblickte, da wars um mich geschehen. Das Weltall ruft….

Bislang beschränkte sich mein Horizont als Segelflugpilotin auf unsere Alpen, aber jetzt ist Schluss damit. Jetzt soll mein neuer Horizon das Weltall sein. Auf zu XXL. Es ist ansteckend.

Und es kommt noch besser. Am 25.6.2019 um 02:30am startete die Falcon Heavy von Space X in Cape Canaveral erfolgreich. Und wir waren live dabei! Absolut abgehoben. Es sei die stärkste Rakete aller Zeiten nach Saturn V. Sie hat so viel Schub wie etwa 18 Jumbo 747. Wurde konzipiert, dass sie eines Tages bemannt zum Mars fliegen kann.

Die Falcon Heavy wurde mit vielen Satelliten für NASA, NOAA, etc bestückt, wie auch mit 150 Urnen. Why not.

Wie geplant landeten die beiden seitlichen Booster erfolgreich wieder in Cape Canaveral. Eine Sensation. Der doppelte Überschallknall bei der Landung der beiden Booster war ohrenbetäubend. Der Zentrale Booster sollte auf der Drohnenplattform 700sm draussen im Atlantik landen. Leider verfehlte dieser das Ziel. Egal. Die Mission war erfolgreich.

So hatten auch wir noch andere wichtige Missionen auf unserem Programm. Disney World (of course) und Legoland. Donald Duck und Cinderella wurden reale Gestalten und Maxim und Mara durften sie persönlich kennen lernen. ¾ von uns haben sich in Disneyland amüsiert, ¼ war angespannt bis genervt- mehr dazu später.

Auch unsere LaDiala und ihre Ausrüstung bekamen die notwendige Aufmerksamkeit. Der Aussenbordmotor wurde einmal mehr repariert. Die Kühlung läuft wieder dafür haben sie die Schaltung nicht mehr sorgfältig zusammengesetzt und der Leerlauf „kratzt“ nun unangenehm hörbar am Rückwärtsgang. Der Reserve-Aussenborder“ hat die lange Standzeit nicht überstanden: der Vergaser/die Düse scheint verklebt weswegen der Motor natürlich nicht mehr läuft. Wir haben noch ein kleines Leck (Borddurchlass für Echolot) und eine undichte Decks-Lucke – hoffentlich nachhaltig – abgedichtet. Segel wurden repariert und mit UV-Schutz versehen und Polster sowie Cockpit-Bimini musste professionell genäht werden. Das alles brauchte Zeit, Mietauto, Entdeckungsfahrten etc. sodass wir Port Canaveral und die Umgebung geniessen konnten. Wir liessen LaDiala in Port Canaveral mit dem Kranen rausheben. Sie erhielt ein neues Antifouling, neue Saildrive-Anoden und eine Politur beider Rümpfe. Sie strahlt wieder wie neu. Wir haben 1 Woche bei gefühlten 45° im Schiff auf dem Trockenen übernachtet – nachts war nur unmerklich kühler. AirCon haben wir keine. Mit Leiterli auf’s Schiff und wieder runter. Toilette, Dusche und Waschbecken etc. konnten wir nicht benutzen. War also alles wie auf dem Campingplatz ausser dass wir abends ganz alleine waren im vollen Scheinwerferlicht der Werft an der Autobahn.

Auch wir strahlten. Es ging weiter 100sm nordwärts Richtung St. Augustine. Diese Stadt ist umspült und getränkt von Geschichte und Charme.

St. Augustine ist die älteste durchgehend besiedelte Stadt der USA, die von Europäern (Spaniern) gegründet wurde. Martin de Arguelles (geboren 1566) soll das erste Kind europäischer Herkunft sein, das auf dem Festland der heutigen USA geboren wurde.

Auch Sir Francis Drake (Freibeuter, Pirat und späterer Englischer Admiral) und mit ihm die Piraten wüteten hier. Vor und während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges herrschten die Engländer. Danach bis

1821 wieder die Spanier. In der Folge wurde Florida friedlich unter politischem Druck an die USA verkauft.

Das ehemalig Hotel Ponce de León (heute Flagler College), eines der luxuriösesten seiner Zeit, war das zweite Hotel weltweit das elektrisch versorgt wurde. Es wurde von Flaglers’s Freund Thomas Edison persönlich verkabelt. Da es mit Gleichstrom lief, kam es gelegentlich zu kleineren Explosionen. Die Gäste waren dermassen verunsichert, dass extra Personal eingestellt wurde, um die Schalter zu bedienen.

Vergessen darf an dieser Stelle auch nicht Johnny Weissmüller, sprich Tarzan. Der fünffache Olympiasieger trainierte im Pool des ehemaligen Hotel Alcazar. Im 19. Jahrhundert war dies der weltweit grösste Indoor-Swimmingpool.

Der 4. Juli und mit ihm der Independence Day, der Nationalfeiertag der Vereinigten Staaten naht. Wir sind gespannt, dieses Ereignis in St. Augustine miterleben zu dürfen. Für das Feuerwerk ist uns der Logenplatz an der Boje direkt vor der Brücke, der alten Festung und vor dem Städtchen gewiss.

Noch einige kleinkarierte „erwachsene“ Anmerkungen zum pädagogisch wertvollen Disneyland und den Erlebnisparks. Kinder würden das erlebte anders erzählen. Das Konzept ist bemerkenswert offensichtlich auf’s Geldverdienen ausgerichtet bei subjektiv gesehenem, relativ geringem Gegenwert. Tickets gibt’s rasch, per WWW oder am Schalter ohne Anzustehen, oft auch schon im Hotel, dafür sind sie dann etwas teurer, was dir niemand sagt, sodass alleine der Tagespass für unsere Familie deutlich über 500 USD lag – dafür war nichts inclusive. Sobald das bezahlt war gings dann nicht mehr so schnell; anstehen schon beim Parking (25USD/Day), dann 500m Zugfahrt um dann auf weiter Ebene ca 1km in der Sonne weiterzulaufen. Warten auf den Zug bzw. das Schiff bis zum Eingang. Dann warten am Eingang und zur Toilette ohne Wartezeit (bei den Jungs). Ab dann war alles mit Anstehen verbunden immer mindestens 20min selbst für den Starbuckscapuccino 25min. Jeder Rollercoaster 20-90min, Meet-and-Greet mit Foto (Donald Duck, Daisy, Cinderella, Pluto etc.) je mindestens 20-30min. Und die Leute machen das alle motiviert mit ohne Nümmerli etc. wie bei uns bei der Post und so. Alles super und alle zufrieden – having fun, good time etc. Meistens steht man in der Sonne oder es ist ca 60-70dB laut. Das Essen: eine Herausforderung – ich war froh, als ich ein Salatblatt erkannt habe. Im Legoland war’s besser. Weniger Menschen, ab und zu etwas zum Selbermachen (Rutschbahn oder Legosteine zusammenstecken) und deutlich weniger Wartezeiten. Coole Wasserski-Wakeboard-Motorboot-Show. Die hatten sogar bei jeder Bahn und jedem Ereignis eine Tafel, wo drauf stand was jetzt gerade pädagogisch abgeht beim Kind (welche Fähigkeiten gefördert werden)! Wir sind dann in einen 4d Film gegangen mit Brille und so (4d = 3d mit Wasser von der Decke) und da wurde von den Legofiguren in 3d geschrien, geschlagen, geschossen und herumgefuchtelt in einer nicht SUVA-konformen Lautstärke und evt. nicht ganz passend für alle Kinder. Mara hat dann von sich aus entschieden, die Brille abzulegen und sich eng an die Mami zu klammern. Wir haben uns Vorwürfe gemacht, dass wir das «kindergerechte Hinweisschild» nicht gefunden bzw. beachtet haben. Anschliessend bemerkten wir, dass diese Hinweisschilder eher marketing- denn kinder-pädagogisch-gerecht aufgestellt wurden.

Das Kennedy Space Center war dann wirklich gut. Alle übertriebenen Erwartungen erfüllt und Helden sowie alles andere auch zum Anfassen – anything goes, yes we can, American dream in Reinkultur und wirklich beeindruckend. Ausser vielleicht das Super-Size-French-Croissant: klein aber fein, frisch von gestern, gekühlt, schön weich in der Plastikbox. Aber gut – man kann’s auch provozieren. Also: Space Center war ein Erlebnis der Extraklasse zusammen mit dem Rocket-Launch!

8. Juni 2019

Die Bahamas, 4M+1, Mai 2019

Um es gleich vorweg zu nehmen: Hier schreibt nicht Michèle oder Mark sondern ein Gastschreiber, der mitreisen durfte. Die Seglersprache wird etwas darunter leiden, aber es entsteht die Gelegenheit für einen anderen Blick auf dieses Abenteuer und die coole Band!

Und ein bisschen verrückt sind sie auch noch. Wer würde schon einen Kumpel von früher für vier Wochen in seiner 65m2 Wohnung aufnehmen, nur weil dieser auf ein paar tolle Erlebnisse hofft und aus dem Alltag ausbrechen will?

Nun, die 4M haben es getan. Und genau das ist der Punkt. Andere reden davon, viele beneiden sie, aber die 4M sind seit über einem Jahr unterwegs mit ungebremster Reiselust.

Aktueller Ort: Die Bahamas, über 3000 Inseln, die sich vor der Küste Floridas im Flachwasser verteilen. Baha Mar, so wurde es von den spanischen Entdeckern genannt. Weite Gebiete sind nicht tiefer als fünf Meter, und zwischen den Inseln gibt es enge Passagen mit starker Strömung. All dies, Wetter und Gezeiten führen dazu, dass die Reiseroute genaue geplant werden muss. Die Inseln haben kaum eine Erhebung. Von der Hauptinsel sieht man durchs Fernglas zuerst nicht etwa einen Berg, sondern die Hotelbauten, die auf der abgewandten Seite stehen! Sandstrände mit Palmen wechseln sich ab mit unterspülten Felsen, dichtem Gehölz und pinienartigen Bäumen.

So einheitlich wie die Natur die Inseln erobert hat, so unterschiedlich haben wir die Siedlungen und die Bewohner erlebt. Man hat das Gefühl, dass sich jeweils Gleichgesinnte gefunden haben. In Hope Town vorwiegend Weisse, die zum Sportfischen und Segeln da sind, im Exuma National Park die naturbegeisterten Segler, die Ruhe und Entspannung suchen und finden, in Fox Town die schwarze Bevölkerung, die nach einer Woche Muscheln tauchen und Fischen sich am Samstagabend in der Bar betrinkt und tanzt und am Sonntagmorgen um sechs vom digitalen Glockenspiel der Kirche geweckt wird, und in Nassau die 60% der Bevölkerung, die auf einen besseren Job hoffen und neidisch zur Silhouette des Paradise-Hotel blicken. Und dann gibt es noch Captain Bird (94!) und sein Spanish Wells. Spontan fährt er uns auf seinem Golfcruiser über die Insel und zeigt stolz all die gepflegten Häuser und Vorgärten. Der Abfall wird am Strassenrand in Kübeln deponiert, jeden Abend abgeholt, endet aber trotzdem auf der Deponie am Ende der Insel, wo er später verbrannt wird- leider.

Aber die grossen Abenteuer warten unter der Meeresoberfläche auf uns. Drei davon müssen exemplarische herhalten, denn von allen zu berichten, würde vielleicht die Leser vorab aber den Schreiberling überfordern.

In die Top drei schaffen es natürlich die Haie. Bitte jetzt nicht in Panik verfallen und nur noch aufblitzende Zähne vor dem inneren Auge sehen, sondern das intelligente Kraftpaket bewundern. Es ist so intelligent, dass es vor dem Zubeißen abschätzen kann, dass der Mensch keine lohnenswerte Beute ist, weil er viel zu wenig Fleisch am Knochen hat. Gleich in den ersten Tagen auf Exuma sahen Mark und ich am Abend vom Schlauchboot aus eine Haiflosse am felsigen Ufer hin und her wandern. Kurze Zeit später wurde der Hai gewahr, dass ich im Wasser war, wollte wissen, was ihn da beim Jagen stört und zog mit langsamen Bewegungen an mir vorbei, fort zur nächsten Bucht. Meine erste Begegnung mit einem Hammerhai! In der nächsten Szene waren es etwa fünfzehn Ammenhai am Dock. Ein Sportfischer filetierte seine Fang, ein halbes Dutzend mächtige Mahi Mahi. Wer wollte, durfte das etwa einen Meter lange Fischgerippe am Schwanz halten, den Happen vor den Haien hin und her schwenken und Seilziehen spielen, bis der Kopf mit einem heftigen Ruck abgerissen wurde. Eine kleine Show für Touristen aber dennoch eindrücklich, wie nahe man so den Tieren kam, die zwischen Fischkopf und nackten Füssen unterscheiden konnten. Im Nationalpark besuchte uns am Ankerplatz täglich ein einzelnes Tier und schwamm geduldig in der Strömung hinter dem Schiff. Sogar Berührungen liess er zu. Am nächsten Tag entdeckten wir ihn an seinem Schlafplatz zwischen zwei grossen Korallenstöcken.

Nur einen Zahn aber nicht weniger faszinierend hat die Conch. Eine etwa Kokosnuss-große Muschel, die kaum natürliche Feinde kennt, und deshalb in grosser Zahl vorkommt, im Wasser und auf der Speisekarte. Ihre zwei Augen erinnern an Schnecken, und mit ihrer spitzen Kralle kann sie sich am Meeresgrund fortbewegen und den unvorsichtigen Schnorchler mit einem schmerzhaften Pickser in die Flucht schlagen, vorerst. Denn wir bleiben fasziniert von dem Geschöpf, schauen den Fischern zu, wie sie an geeigneter Stelle ein Loch in die Muschel hämmern, um das Tier aus dem Gehäuse zu stossen. Damit war auch gleich das Ziel gesetzt: Finde eine Muschel ohne Loch (und ohne Tier) um dann doch wieder an der Spitze eine Öffnung zu fräsen, damit sie als Karibik-Horn eine neue Aufgabe bekommt. Bis zu meiner Abreise konnten wir der Muschel leider nur ein klägliches Röcheln entlocken.

Nun wir es etwas emotional. Es geht um Seesterne und zwar nicht um die kleinen feingliedrigen sondern um richtige Riesen. Ihre Arme sind kürzer, der Körper massig, etwa eine Handbreit dick und das ganze Tier so gross wie eine Pizza. Der Fischer lebt von ihrem Verkauf. Er hat seinen Stand beim Pier, wo die grossen Kreuzfahrtschiffe anlegen und die Passagiere ein paar Stunden Zeit haben für Shopping und den Besuch der Paradise Island. Er erzählt von seiner Arbeit und lädt uns ein, am nächsten Tag mitzukommen zu den Seesternen. Es ist dann zwar am übernächsten Tag, aber der Fischer hält sein Wort und wir tuckern neben ihm her – bis uns die Hafenpolizei stoppt, weil wir offensichtlich etwas unklug an einer (Wasser-)Kreuzung nach Muscheln tauchen wollten. Die Seesterne wären noch weiter draussen, wo wir aber wegen der hohen Wellen nicht mehr hin wollen. Als Dank und weil das ja auch der Plan war, dürfen sich Maxim und Mara je einen Stern aussuchen. Einen Moment lang entschuldigen wir den Kauf damit, dass seine Tiere ja schon Tod sind, aber eine Grundsatzdiskussion kann damit nicht verhindert werden, an der sich sogar noch ein Passant am Pier beteiligt. Auf See muss man sich offensichtlich nicht rechtfertigen, warum man nicht Vegetarier oder Veganer ist, sondern welches Tier man aus dem Meer fischt.

Ich weiss, dass waren jetzt drei Geschöpfe, aber “einen hab’ ich noch”: Seit der Muppet Show kennt man “Schweine im Weltall”, seit den Bahamas kenne ich Schweine im Meer (nicht zu verwechseln mit Meerschweinchen). Diese Exemplare kommen tatsächlich schwimmend auf das Boot zu und betteln um Futter! Sie sind ähnlich aufdringlich wie Affen, weshalb es am Strand klare Verhaltenshinweise gibt: “Hände hoch” und zeigen, dass man nichts Essbares mehr hat. Und tatsächlich, die Pantomime funktioniert, schlaue Viecher.

Aber die 4M sind alle noch viiiel schlauer! Und grossartige Gastgeber! Sie geben einem das Gefühl totaler Sicherheit, auch wenn mal nicht mehr als 50cm Wasser unter dem Kiel ist. Alles ist voraussehend geplant und doppelt gesichert. Spontaneität kommt nicht zu kurz, und die anhaltende Freude über das Abenteuer durchströmt das ganze Schiff. Wenn dann Maxim seinen Plan zum Tag darlegt und Mara auf der rasanten Fahrt im Dingi ihre englischen Lieder singt, ist das Glück näher als zum greifen nah.

Mit grossem Dank für die wunderbare Zeit

Felix

15. Mai 2019

Photos Feb. bis April