SY Ladiala

30.7.2018 Griechenland Italien Sizilien

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Griechenland – Italien: Strasse von Otranto, Apulien, Kalabrien, Sizilien direkt am Fusse des Aetna und zwischen Skylla und Charybdis bei Vollmond -konstellation mit starken Gezeitenstrom und Jahrhundert-Mondfinsternis durch die Strasse von Messina an Siziliens Nordküste

So liessen sich die letzten 3 Wochen gut zusammenfassen. Ergänzend: Wind null oder bei den langen Tagesstrecken (55-70sm) fast immer von vorne und dann gleich auch noch 15-27kn mit entsprechenden Wellen (Griechenland bis Sizilien von westsüdwest, durch die Strasse von Messina nordnordwest 20-25 konstant und in den Böen bis 27kn, Strom bis 5kn wegen Vollmond mit den Wellen, was das Wellenbild jedoch beruhigt hat; dem Strom konnten wir zeitlich gut ausweichen mithilfe akkurater Internet-Vorhersagen. Wir wurden auf diesen Etappen mehr als einmal durchgeschüttelt und Mara auf dem Weg nach Riposto vorne im Bug liegend bei Gang ins Wellental regelrecht in die Luft geworfen, sodass wir sie in die Achterkabine evakuieren mussten. Sie wurde davon dann auch etwas seekrank und hat die nächste Umgebung verunreinigt.

Aber der Reihe nach. Nach Korfu erreichten wir mitten im Nirgends zwischen Albanien, Griechenland und Italien die griech. Grenzinsel Orthoni/Orthonoi, sehr verschlafen, sehr bescheiden, der Charme des Verlassenen mit Aussenposten der Coastguard (die waren nett aber auch dort ca 1h aufgewendet ohne Fussmarsch um das Land zu verlassen). Irgendein Fussball-WM Halbfinal geschaut, am Strand zusammen gespielt und ca 2x2dl Metaxa serviert erhalten (nicht alles getrunken). Nach einer Nacht im Hafen weiter bei Windstille über den südlich-breiteren Teil der Strasse von Otranto nach S.Maria die Leuca. Gefischt: dabei hat sich beim Einziehen der Holz-Haspel diese in ihre Einzelteile zerlegt bei ca 7kn fahrt und mir ist alles aus den Händen geflogen und in der See versunken. Immer noch ohne Fang (seit dem ersten und letzten Mal Mitte Mai).
In Leuca eine extreme Hitze bei Windstille. Wir blieben dort 8 Tage weil wir noch Michèles Vater mit seiner Gattin zu Besuch erwarteten und langjährige, ursprünglich italienisch/spanische Bekannte aus Weiningen in S.Maria al Bagno nördlich von Gallipoli besuchen wollten. Wir haben noch etwas Schiff- und Familien-Unterhalt eingeschaltet, Strandleben direkt am Lungo Mare (aber es war wirklich extrem heiss), eine richtige Hochseefischerrute mit Hochseetrommel, Schleppleine, Relinghalterung am Heck und neue Köder gekauft inkl. Instruktion (alles auf Italienisch – ich mache Fortschritte mit den Händen und so). Das schaut jetzt richtig cool aus hinten am Heck so aufgesteckt…… Eine neue Runde ist eingeleitet (fast wie Hemingway, ich will aber einfach irgendeinen Fisch, nicht DEN Fisch). Habe sicher 1h im WWW nachgeschaut, wie man als Unkundiger ein 5 KG-Exemplar (es gäbe auch grössere) an Bord bringt (mit einem schlimmen Hacken, habe ich auch) und dann die richtigen Schnitte am Richtigen Ort vornimmt (eine unschön-blutige Sache) oder einfach draufschlägt (Kinderbaseball-Schläger haben wir nun auch….). Evt ist es ja sowieso besser und einfacher, wenn keiner anbeisst!?

Nach einem ausgiebigen, lustigen und kühlenden Badenachmittag im «Waterland» haben wir dann mit Mietauto unsere Freunde aus Weiningen in Santa Maria al Bagno besucht, welche ursprünglich aus Apulien bzw Spanien kommen und nun nach 45 Arbeitsjahren in der Schweiz den Sommer im Süden verbringen. Kinder und Enkel waren auch da und alle zusammen haben wir hervorragend gegessen, einen Abendspaziergang mit Gelato, Trampolino und Rockkonzert am Strand erlebt. Erst nachts um 0130h waren wir wieder auf dem Schiff.

Am nächsten Tag sind die Grosseltern angekommen mit, Nachschub, Ersatz und sonstiges Material sowie Überraschungen aus der Schweiz. Die Kinder und auch Michèle und ich, wir haben uns extrem auf die nun folgende Woche mit Grosspapi und Nica gefreut.

Von Leuca sind wir nach Gallipoli gegen den Wind mit Motor gefahren (15-20Kn, steile kurze Wellen, recht ruppig). Anschliessend haben wir die historisch wirklich interessante Burganlage und Altstadt besichtigt und ausgiebig in der Bar am Festungsrand dem Sonnenuntergang, dem Leben und uns selber zugeprostet. Am nächsten Morgen haben wir die 70sm nach Crotone in Angriff genommen und sind bei aufgehender Sonne gesegelt. Bei 60-100° Windwinkel und 12-16Kn Wind haben wir gute 6.5-8.5kn Fahrt gemacht und es sehr sehr genossen. Auch in Crotone etwas Sightseeing nach 70sm aber eher «angestrengt» für uns alle, deswegen bald schon Frutti di Mare am Lungo Mare und früh ins Bett weil nun seit Gallipoli immer Abfahrt zwischen 5h und 530h morgens.

Nach Crotone entlang der Stiefel-Sohle von Italien gegen Südwesten über Rocella ionica (1 Nacht) an die südlichste Destination, Riposto, nördlich von Catania auf Sizilien. Unterwegs haben uns wieder Delphine begleitet und sind immer wieder elegant aus dem Wasser gesprungen. Wir haben fliegende Fische gesehen und bei Gewitterböen auch fliegendes Wasser unmittelbar hinter uns mit Winddreher von 90° und plötzlicher Hitze in der Luft, ohne dass uns die ganz starken Böen erreicht hätten. Riposto liegt wirklich unmittelbar am Fusse des Aetna und jeden Morgen haben wir die Spitze bzw. den Gipfel oder die Wolken (oder den Rauch?) gesehen. Die Marina wird unübersehbar seit Jahren zu 1/3 nicht benutzt: schön abgetrennt liegen die zerfallenden Schwimmstege da oder ragen bizarr aus dem Wasser – ich fühlte mich an Albanien erinnert. Sonst sehr aufmerksam und professionell geführt, kompetente und hilfreiche Ormeggiatori (Anlege-Helfer, Hafenpersonal, Hafenmeister) zu einem Preis von 200Euro/Nacht. Wir wollten eigentlich ankern gehen aber die Wettervorhersagen am Aetna und in der Gegend südlich der Strasse von Messina sind schwierig und wir hatten 4 verschiedene Prognosen von wenig Wind bis zu max. 50kn ( ca Windstärke 10) angesagt ab morgens um 5h. Deswegen eben klaglos 200E/Nacht. Es ging dann auch los um 5h mit 7-8 Windstärken von uns gemessen direkt runter vom Aetna an dessen Fuss in guter Sichtdistanz Riposto liegt. Wir lagen ganz innen im Hafen, weiter draussen hat sich auch das eine oder andere Bimini verabschiedet. Nach 3h war der Spuk vorbei und das ganze Schiff bedeckt mit schwarzem Staub/Sand, vom Aetna’s Lava und Asche natürlich so unsere Vorstellung. Schiffputzen war angesagt. Gleichentags am Nachmittag dann Winddreher auf Nord und dann gings richtig los bis 50kn in den Böen. Die eleganten, wirklich grossen Segel und Motoryachten lagen längsseits am Megapier quer zum Wind und haben sich eindrücklich auf die Seite gelegt, sodass einzelne Crews die Matratzen der Kojen opfern mussten um die Bordwand zu schützen, welche durch die Krängung nicht mehr von den luftgefüllten , nach unten gedrückten Fender abgefedert wurde. Das ging so bis in den späten Abend. Wir lagen weiterhin optimal mit dem Bug in Windrichtung längsseits und haben uns mit allerlei Festmachern und Ruckdämpfern komfortabel festgezurrt (wir haben gelernt und unsere Lektion bzw. das neue Material mitgenommen aus Griechenland…..). Wir waren sehr froh, in dieser teuren Marina zu sein!

Tag 2 in Riposto: Michele, die Kids und die Grosseltern haben mit dem Mietauto und zu Fuss einen Ausflug nach Taormina, die Arena bzw. das Amphitheater von Taormina, die kühle Schlucht mit dem malerischen Flüsschen und zum letzten Parkplatz oben am Aetna gemacht. Ich habe mich um kleinere aber unangenehme Defekte bzw. deren Reparatur gekümmert und wollte einige Dinge am Schiff kontrollieren: u.a. Sicherung am Motoren-Hauptrelais und dabei gleich festgestellt, dass es steuerbord überhitzt und beim Wackeln an der Sicherung dann auch noch Rauch und Verbrennungsgestank bemerkt mit anschliessendem Kurzschlussalarm und Defekt des ganzen Relais: 1 Tag auf Techniker gewartet (vorher wollten sie kein neues Relais bestellen), dann Relais bestellt, 2 Tage auf Relais warten, 30min zum auswechseln = Tag 6 in Riposto, sodass wir erst am 28.Juli dann die 10-11h-Etappe von Riposto am ionischen Meer her in Angriff nehmen konnten quasi immer noch auf den Fährten Odysseus’ durch die Strömungen von Skylla und Charybdis an der Strasse zu Messina und gegen den Wind nach Milazzo im Tyrrhenischen Meer (s.o.).

Man könnte diesen Tag durch die Strasse von Messina in einem Satz abhaken oder aber ein ganzes Buch darüber schreiben. Die Jahrhundert-Mondfinsternis verzauberte uns am Vorabend und ich genoss das ganze Spektakel quasi vom Bett aus.

Morgens ging es bei Sonnenschein und 2-3 Beaufort Richtung Norden. Das Ganze wurde wie erwartet etwas ruppig, zuerst die Wellen die nicht hoch aber mühsam waren und gegen uns. Danach kam immer mehr Wind bis Beaufort 6. Unsere Diala störte das nicht gross, sie ist eine sehr Tapfere und stampfte sich mühelos hindurch. Wie berechnet und auch entsprechend unsere ETA in Messina geplant, hatten wir initial Strom bis 2-3knt gegen uns. Wir erreichten Messina genau so, dass wir mit wenig Strom gegen Norden durch diese berüchtigte Skylla-Charybdis Meeresenge hindurchschlüpfen konnten. Wir meldeten uns brav bei VTS (Vessel Traffic Service) Messina über Funk an, da es sich um eine Traffic Separation Zone handelte.

Skylla haben wir definitiv nicht angetroffen (waren dafür wohl auf der falschen Seite). Aber was wir sahen waren kleine Baby-Charybdis-Strudeli. Wirklich nichts Grosses dafür aber sehr spannend. Trifft doch irgendwo dort das Ionische auf das Tyrrhenische Meer. Und Meer ist nicht gleich Meer. Das eine hat einen höheren Salzgehalt, das andere ist wärmer und hat zu einer anderen Zeit Spring und Nipzeit. Und irgendwo um Messina findet diese Vermischung in allen Tiefenlagen statt.

Der Schiffsverkehr, vor allem durch die vielen Fähren von Kalabrien nach Sizilien bedingt, hielt uns auf Trab. Wir glaubten inmitten dieses Bootsgewusel doch einige mollige Segelschiffe mit hohen, breiten Masten ohne Segel ausmachen zu können. Sie entpuppten sich aber, und das habe ich zuvor noch nie gesehen, als Schwertfisch-Jagd-Boote. Eigentlich ein kleines feines Fischerboot, ergänzt mit einem hohen breiten Gitter- Masten, von wo der Captain oben sitzend im Ausguck steuert und nach den an der Wasseroberfläche schlafenden Schwertfischen Ausschau hält. Sie sitzen da oben auf dem Top bis zu dritt. Am Bug, und das sieht sehr sehr skurril aus, ist eine unendlich lange Brücke/Gangway wie ein Ausleger befestigt. Dort sitzt an der Spitze vorne über den Wasser der Harpunist und erjagt dann den Schwertfisch. Wir haben es aus nächster Nähe erlebt.

Am Capo Peloro, Siziliens Nordspitze, spülte esnuns kurz darauf aus Meerenge und wir fanden uns in einem neuen «Land» wieder. Das Tyrrhenische Meer. Flach, Flaute, Sonnenschein und eine grosse Genugtuung.

Weiter nach Westen reisend erreichten wir an diesem spannenden Tag endlich Milazzo für einen Nachtankerstopp um am darauffolgenden Tag nach weiteren 65nm erneut vor Anker liegend in Cefalu mit dem Dinghy anzulegen und mit Sicht in den Sonnenuntergang Frutti die Mare, Vino Bianco und Gelati zu geniessen.