SY Ladiala

Marbella nach Gran Canaria

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Marbella hat uns sehr gut gefallen. Im Fischerhafen mit kleiner, einfacher Marina haben wir für eine Woche die Leinene festgemacht trotz des fürchterlichen Fäkal-Fisch-Geruches beim Einlaufen – übler als Cagliari, dafür nur für ca. 4 Stunden. Marbella, bekannt aus den 50-80 Jahre des letzten Jahrhunderts und dann wieder in den 90er wegen Betrügereien durch illustre Madrider Fussballfunktionäre ist eine Strandstadt mit älteren Dauertouristen und jüngeren Wochentouristen. Daneben gibt es eine Medizinal-Industrie im Bereich Orthopädie, Ästhetische Chirurgie und Fruchtbarkeits-Behandlung. Alle Kliniken liegen an der Strandpromenade oder direkt dahinter. Ich habe in unmittelbarer Nähe unserer Marina sieben Kliniken gezählt. Entsprechend gibt es eine tolle 20km lange, breite Strandpromenaden für Velo, Rollator, Elektrorollstuhl und Zwillings-/Mehrlingskinderwagen. Unmittelbar neben unserer Marina haben wir auch tolle Sandstrände, Strandbars, Einkaufsmöglichkeiten gefunden. (Lebensmittel und Fischereibedarf…. Ich hab ja noch eine Rechnung offen mit den Fischen).
Mara’s 3. Geburtstag haben wir auch da gefeiert mit Geschenken, Kuchen, Kerzen, Kinderparty mit Besuch vom Nachbarschiff mit 3 bretonischen Jungs (18Mt bis 7J, unaussprechliche bretonische Namen wie der Vater) mit ihren jungen Eltern und am frühen Abend noch Kinderspielpark mit Trampolin und den klassischen luftgefüllten Burgen, Plastikball-Becken etc. Das war alles wirklich toll und am Ende der Woche auch erholsam.
Dann kam uns Leo aus der CH besuchen – treuer, langjähriger Freund, Geniesser, Koch, Gitarrist und wetterfester Seebär ohne Segelerfahrung. Mit ihm sind wir los nach Gibraltar mit Ziel Kanarisches Archipel. Schon auf den 35sm von Marbella nach Gibraltar war was los: massenhaft Delfine um LaDiala, 1 Bonito an der Schleppangel (feines Sashimi am Abend), extrem dichter Nebel während 6h vor Gibraltar (AIS und Radar waren sehr hilfreich). Pan Pan Pan Funkruf; keep sharp look out nach einem Gummiboot mit Weissnichtwievielenleuteanbord! Das musste ein Flüchtlingsboot sein… wir haben es zum Glück nicht gesehen! Einlaufen in die Bucht um den Affenfels mit Blick auf die Moschee, Tanken vom Billigdiesel in Gibraltar und dann Festmachen in günstiger Marina wieder auf Spanischem Hoheitsgebiet (Alcaideza). Am Abend haben Leo und ich einen Männerabend in Gibraltar von Michele geschenkt erhalten. Wir sind mit dem Fahrrad losgezogen, vorbei am grossen Openairkonzert (Rag’n Bone Man war auch da!!!) direkt an der Flugpiste von Gibraltar-Airport, welche wir ordnungsgemäss mit dem Bordvelo gequert haben. Bei Starts und Landungen wird die ganze Zufahrt von und nach Gibraltar gesperrt, da die Flugpiste quer über die schmale Landzunge führt und die einzige Strasse über die Piste führt. Am nächsten Tag haben wir eine Velotour durch Gibraltar mit Taxitour auf den Affenfels gemacht und abends im Hafenviertel diverse Tapas gegessen. Schön und eindrücklich mit aufgeregten Kids.

Dann der grosse Augenblick die Meerenge von Gibraltar und Hades von Nord nach Süd und von Ost nach West durchqueren: Auslaufen im Dunkeln morgens um 7’00h, Windstill, leichte Strömung 1-1,5kn gegen Westen, direktes queren der Meerenge von Gibraltar Richtung Ceuta bzw. Süden, da vor Tariffa (knapp 7-10sm westlich von uns) Winde in der Düse bis 35kn angesagt waren. Einige bis ÜBER 300m lange Schiffe um uns herum, anfangs noch Nebel, dann bei klarer Sicht und mit einigen Ausweichmanöver unter Maschine sind wir nach 3h auf der Marokkanischen Seite der bedeutenden Meerenge nach Westen gefahren unter Motor bis vor Tanger, wo der Wind aufgefrischt und zwischendurch 34kn (gemessen nicht geschätzt) erreicht hat. Mit der Genua alleine haben wir je nach Wellen zwischen 6 und 9kn Fahrt gemacht und sind westlich von Tanger abgefallen auf Kurs Südwest der marokkanischen Küste entlang gegen Mohammedia in den Sonnenuntergang und die Nacht hinein. Dabei haben wir nochmals einen Bonito («falscher weisser Tuna») gefangen und zur Hälfte roh und zur anderen Hälfte kurz in Sesam angebraten verköstigt. Der Wind hat dann deutlich nachgelassen, sodass wir zwischendrin mit leichter Motorunterstützung und Code0 zwischen 6 und 7.5kn gemacht und so am Folgetag gegen Mittag den Handelshafen von Mohammedia erreicht haben. Nach Besuch an Bord von der Police National mit dem nur halb aufgeblasenen Schlauchboot einigem Hin-und Her und dank einer Vorreservation konnten wir nach 6h einlaufen beim Yachtklub längsseits gehen. Wir wurden herzlich willkommen geheissen inkl. Pool- und Restaurantbenutzung members-only. Ausflug nach Casablanca, Abendessen mit einer spontanen Zufalls- Bekanntschaft (belgische Marokkanerin auf Urlaub in ihrer Heimatstadt, sie hat alles für uns organisiert inkl. Taxis-Führer für Casablanca). Die Behörden haben uns freundlich und ohne grosses Aufheben 2x an Bord besucht für die Formalitäten und sich um unsere Sicherheit gekümmert.
Leo war bei allen Unternehmungen immer mit grosser Begeisterung bereichernd und auch unterstützend dabei und hat uns jeden Tag mit Gitarrenkonzerten inkl. Mani Matter Songs für Kids und Eltern beglückt.

Nach 2 Nächten in Mohammedia folgte die die 430sm lange Überfahrt zur Insel La Graciosa des Kanaren-Archipels. Die ersten 24h waren etwas Motor-lastig. Anschliessend ging’s mit Code0 (immer ohne Gross-Segeln) bei 10-23kn Wind von 150-180Grad gemächlich mit 4-8kn Fahrt gegen Südwesten bis nach La Graciosa. Michele hat auf ihrer Ruderwache eine Wal-Fluke gesichtet.Leo hatte tatsächlich 2 Seevögel an der Leine: einer hat den Schleppköder gefasst und ihn praktisch erst nach einen Totalabsturz ins Wasser losgelassen nachdem er immer näher kam beim Aufrollen der Leine und wie ein Lenk-Drachen hinter dem Boot von backbord nach steuerbord fliegend hin- und hergeschleppt wurde. Der zweite Vogel kam irgendwie mit einer Schwinge in die Leine und wir mussten ihn ca 150m weit durchs Wasser ans Boot heranziehen, um ihn zu zweit zu fassen, festzuhalten damit Michèle dann den Flügel von der Leine befreien konnte, worauf der Vogel sich wieder in die Lüfte schwang und das Weite suchte. Maxim war erleichtert aber auch konsterniert, dass jetzt der Fang wieder weg war und wir keinen Vogel essen konnten.

Nach etwas mehr als 3 Tagen und Nächten haben wir am Nachmittag auf La Graciosa im lokalen Fischerhafen der Insel die Leinen festgemacht. La Graciosa ist vulkanisch, ohne Bäume und ohne Büsche sehr karg aber prall-leuchtend in den Farben und sehr relaxed seitens der Stimmung und der lokalen Bevölkerung, praktisch unbesiedelt ausser dem Hafendörfchen. Zudem ist Graciosa ein Teil eines grossen Naturschutz-Reservates und hat praktisch nur Tages, Tauch- und Segeltouristen sowie einige Übernachtungsmöglichkeiten. Wir blieben 6 Tage auf Graciosa. Es war extrem schön: Die Landausflüge mit Jeep, zu Fuss, joggend oder mit dem Velo und das Besteigen der alten Vulkane, der Sandstrand mit Strandbar im grosszügigen, teils natürlichen Hafenbecken, die Ruhe, der Sternenhimmel.
Leo hat uns dann nach 10 ereignisreichen Tagen am 3.10. verlassen, nachdem er mit uns allen noch meinen Geburtstag gefeiert hatte. Wir sind dann am 6.10. in einem gemächlichen Tagestörn die 35sm bis zur Marina Rubicon in den Süden von Lanzarote an der Playa Blanca gesegelt (wieder mit Motorunterstützung da wenig Wind). Hier liegen wir nun wieder inmitten des Tourismus. Wir haben durch absoluten Zufall Freunde mit ihren Kindern aus der CH getroffen, welche hier 1 Wo Ferien verbringen. Die Begeisterung von Maxim und Mara ist gross, weil sie das Herumtoben mit anderen Kindern schon vermissen. Es gibt ein Pool in der Marina, was für die Schwimm-Fortschritte von Mara und Maxim ganz wichtig ist. Beide haben einen Neoprenanzug. So können sie ohne auszukühlen 2-3h im Wasser verbringen auch wenn es etwas windet und haben auch ohne Schwimmhilfen noch Auftrieb. Wir haben wieder ein Auto gemietet und die grossartige Vulkanlandschaft erkundet, sind auf «Kamelen» geritten (genügsame Dromedare waren hier die historischen Last- und Zugtiere in der entbehrungsreichen Landwirtschaft früherer Tage, so die Informationen des kleinen Dromendar Museums auch entworfen wie so vieles als Erdhaus unter der Lava von Caesar Manrique) , das Piratenmuseum auf einer imposanten Burg besucht und weitere Bauten von Caesar Manrique, dem berühmten Kunstmalters und Architekten, Inselsohn und Vater des «authentischen Tourismus-Architektur», besichtigt. Für eine kleine Weindegustation hat die Zeit auch noch gereicht. Bemerkenswert ist die Art der Rebenkultur in diesem kargen vulkanischen Boden: Die Rebstöcke werden einzeln, bodennah, mit Abständen, in recht grosse Vertiefungen/Krater im schwarzen, vulkanischen Sand/Steinboden eingesetzte und am Rand der Kuhlen wird als Windschutz mit Lavasteinen ein 40cm hohes hufeneisenförmiges oder rechteckiges Mäuerchen gebaut für jeden einzelnen Rebstock. Das ergibt dann ein äusserst sehenswerter Anblick: gelbgrüne Farbtupfer in schwarzem Sand jeweils umgeben von einem schwarzen, steinernen Halbrund. Das Ganze schmiegt sich entlang der Topografie und zeichnet so ein absolut ungewohntes Landschaftsbild. Der vulkanische Malvasia Weisswein ist für mich eher trocken-profan ohne rechtes Bouquet in der Nase und praktisch ohne Abgang und wird als seco, semi-dulce und dulce sowie als Moscato-Variante angeboten. Einen roten Tropfen gibt’s auch noch inkl. süsse Version, der noch auf meine persönliche Verköstigung wartet. Nach 1 Woche an der Playa Blanca im Süden von Lanzarote sind wir am 12.10. losgezogen an die Ostküste von Fuerteventura ganz am Südzipfel dieser Insel. Nach einem 35sm Tagesschlag ist der Anker an der Küste vor einer kleinen Ortschaft gefallen. Wir lagen geschützt vor dem vorherrschenden Nordostwind an der nach Süden und Osten offenen Küste. Maxim hat seinen ersten Fisch gefangen (mit gekochtem Schinken als Köder und ich 3 weitere). Alle waren klein (20cm) und wir haben sie wieder freigelassen. Dann haben wir bei 6m Tiefe und klarem Wasser Rochen unter LaDiala gesehen und mehrfach ist eine Meerschildkröte ums Schiff gekreist und hat unsere Badeleiter begutachtet.
Michèle hat sich zur Navigatorin alter Schulte weitergebildet und bestimmt seit Gibraltar auf See täglich die Mittagsbreite mit dem Sextanten auf 2 Bogenminuten entsprechend 2nm genau (1Bogenminute=1Seemeile; «mit dem Mittagsbesteck die Sonne schiessen») und bei Dämmerung und guter Laune bestimmt sie die Position mittels Mond- und Planetenposition (Saturn und Mars) ebenfalls auf 2sm Genauigkeit verglichen mit der GPS-Position. Zumindest ich bin beeindruckt.
Odysseus und die Antike mit ihrer Mythologie haben wir verlassen. Wir sind eigentlich im Finis Mundi, über Finis Terrae, über Cap Finisterre (Frankreich/Spanien) hinaus. Konsultiert man die Karten vor der grossen Seefahrer- und Entdeckungszeit so gab’s nichts wo wir jetzt sind. Im rudimentär dargestellten Afrika der damaligen Zeit wurden die Horror- und Fabelwesen dieser Zeit angesiedelt und Jerusalem war umbilicus mundi (christliche Mönche waren die Gelehrten, Astronomen und Geografen dieser Zeit). Später wurden die Navigatoren und Astronomen öfters im frühen Alter blind weil das viele Sonnenschauen für die Linse des Auges schädlich ist und sie grauer Star entwickelten (u.a. auch Photokeratitis, Makuladegeneration oder Tumoren als Folge der UV-Belastung der Auge). Deswegen sind wir auch recht streng mit den Kids und Sonnenschutz für Auge und Haut sind täglich obligatorisch! Das Klima ist mild, sonnig, heiss im Windschatten, generell eher windig und für uns nachts deutlich kühler und angenehmer als die letzten 4 Monate seit Juni in Griechenland.

Heute, 14.10. haben wir die 12h Überfahrt von Fuerteventura nach Gran-Canarias Südküste gemacht. 78nm bei gutem Wind und 7-10.4kn Fahrt unter Segel. Nun liegen wir vor Anker und werden morgen in die Marina Pasito Blanco verlegen für sicher 1 Woche. Dort werden die beiden Grossmütter und Michèles Schwester mit ihren 2 Teenager und uns die kommenden 2 Wochen besuchen. Diala wird stationär sein in der Marina Pasito Blanco und dann werden wir evt noch einige Tage Richtung Las Palmas de Gran Canaria segelnd unterwegs sein. In Las Palmas finden dann die finalen Vorbereitungen für den Transatlantik-Route statt. Die ganze Unterhalts- Reinigungs- und Planungsarbeit sowie Material-, Ersatzteil- und Lebensmitteleinkäufe und die Einführung und der eintreffenden Crewmitglieder gilt es zu bewältigen.