SY Ladiala

Atlantikberquerung

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Heute ist der 19.12.2018, Marigot Bay, St. Lucia, Karibik. Am 11.11.2018 verliessen wir Gran Canaria und tauchten ab in eine völlig neue Welt – Blue Planet.

Das Ablegen mit der Atlantik Crew (Floris und Markus (Michael stieg in Mindelo zu uns)), mit der vollgetankten und mit Lebensmittel für einen Monat gefüllten LaDiala und unseren Kids war sehr aufregend.

Es wurde nicht einfach wild drauflosgesegelt, sondern es gab eine richtige Startlinie vor LasPalmas mit Vorstartsignal. Ca 70 unterschiedlichste Boote (zB.Katamaran Sunreef 74, Trimaran Neil 65, Oyster 62, Bavaria 38,….aus verschiedensten Nationen bereiteten sich auf dieses Abenteuer gemeinsam vor. Die Mulitihulls starteten 15min vor den Monohulls.

Alle hissten ihre besten Stücke hoch, hier ein Spinnaker, da ein Gennaker, dort ein Parasailor hier ein Butterfly….. die Auswahl und die Farbenpracht der Segel liessen das Meer wunderbar verfärben.

Das Feld der Multi- und Monohulls vermischte sich sehr schnell und schon bald war GranCanaria weit ab und die Nacht nahm uns alle ein. Die vielen Positionslichter der Boote rund um uns gab ein gutes Gefühl nicht alleine in diesem unendlich grossen Blau zu versinken.

Unsere Crew hat mich am darauffolgenden Tag mit einem riesigen Geburtstags-Schoggikuchen und Champagner im silbernen Kühlkelch verwöhnt. Und das irgendwo auf dem Meer.

Der Wind blies konstant zwischen 10-20kt von NE treu bis nach Mindelo. Allerdings die letzten 2 der 7 Tage mit Motorunterstützung (wir wollten die Willkommensparty nicht verpassen). Gesegelt wurde mit Code 0 alleine oder mit Genua oder Parasailor alleine. Das Gross blieb immer unten. Unser Speed war im Durchschnitt bei ca 6kt plus und die Distanz von knapp 900sm meisterten wir in genau einer Woche. Die „Nähe“ zu Afrika (zu Festland) war für mich ein wichtiger „Anker“, obschon ich da nirgends zwischenstoppen wollte.

Dank dem AIS (Automatic Identification System) zeigte uns der Plotter immer die nahegelegensten Boote an. Das war schön, denn man kannte ja ein Grossteil. Auf der Tracking Seite des World Cruising Clubs ARC konnte man sehr akkurat die Positionen der Schiffe von Zuhause aus verfolgen. Das gab den Anschein, dass alle dicht beieinander und in Sichtweite sind. Das war aber bei weitem nie der Fall. Wir sahen unterwegs maximal 4 Boote. Die meiste Zeit waren wir ganz alleine.

Unsere Diala lief sehr zuverlässig. Und wir entdeckten alle den Parasailor. Eine wunderbare Erfindung. Eine Art Spinnaker mit Loch. Die dort entströmende Luft füllt einen flugschirmartigen Flügel, der sowohl oberhalb als auch unterhalb umströmt wird. Oberhalb des Flügels entsteht ein Unterdruck, der ihn und das Segel selbst nach oben zieht. So entsteht eine Bug-Entlastung, die eine höhere Geschwindigkeit bewirkt. Der Erfinder kombinierte seine zwei Passionen Segeln und Gleitschirmfliegen. Und das fühlt sich auch so an. Das Boot wird mit einer Leichtigkeit über die Wellen getragen – als wäre man ein fliegender Fisch. Anderseits scheint man mit dem Meer zu verschmelzen…. Das tönt vielleicht ein bisschen abgehoben – aber so ist es nun mal.

Das Bordleben pendelte sich gut ein. Wir waren sehr froh Markus und Floris bei uns zu haben. Die 3 Stunden-Schicht hatte sich als die beste gezeigt. So kam jeder zu ausreichend Schlaf.

Das persönliche Wohlbefinden ist das draussen auf dem Blue Planet extrem wichtig. So konnten wir alle täglich ausgiebiges Duschen geniessen (unser Wassermacher macht 220l/h). Und auch ein feines Nachtessen fehlte nie (Thai-Curry, Zürigschnetzletes, Pizza, Couscous, Safranrisotto, Hamburger und eine unglaublich gute Cremeschnitte aus der Packung (Dank sei Floris)).

Am 17.11.2018 entdeckten wir mittags Land. Santo Antao und Sao Vicente – die Kap Verden. Champagner Nr 2 wurde entkorkt. Abends beim Eindunkeln wurde die Ziellinie überquert und das ARC Teams wies uns sicher unseren Liegeplatz in Mindelo zu. Die Freude war riesig. Die Erleichterung auch. Die anderen Boote wiederzusehen einmalig.

Die Kap Verden – das erste grosse exotische Land nach Europa. Unser drittes verstärkendes Crewmitglied Michael stieg wie geplant auf den Kap Verden zu uns.

Leider blieben uns da nur 4 Tage, da die ARC die Weiterfahrt sehr straff organisierte. Dank aber ihrer guten Organisation konnten wir eine sehr ausführliche und eindrückliche Tagestour zur Nachbarinsel Santo Antao unternehmen. Auch die kleine Insel Sao Vicente wurde mit dem Bus erkundet. Die Menschen sind sehr aufgeschlossen, lustig und stolz auf ihr kleines Land.

Die letzten Einkäufe mit frischem Gemüse und Früchten wurden auf dem lokalen Markt getätigt. Am 21.12.2018 mittags gab es erneut eine Startlinie und Vorstartsignale. Irgendwie absurd da zumindest ich ganz und gar kein Gedanke an Rally&Race verspürte. Ging es doch darum das Unmögliche, sprich einen Atlantik zu überqueren, zu bewältigen. Immerhin gute 2000sm!

Die ersten 24h war es windstill. Wir motorten eine Weile, dann überliessen wir das Schiff dem ruhigen Ozean und dem überwältigendem Sternenhimmel.

Blue Planet 2. Eine wunderbare 3 teilige Filmdokumentation über das Reich der Meere begleitete uns wären der ganzen Ueberfahrt. Wie gerne hätte ich während der Reise unser Unterwasser bis zum Meeresboden hin mitgescannt und gefilmt. Was für Fische, Wale, Delphine und Unbekanntes wohl alles da war? Ein Grindwal, mehrere Delphine, tausende Fliegende Fische (einer flog doch tatsächlich durch die offene Luke ins WC! ein anderer Mark um 0300h an den Kopf während der Wache-grosser Schreck) und zwei Mahi Mahi (über 1m lang, gefischt und gegessen) haben wir zu Gesicht bekommen. Der Rest blieb uns verborgen.

Das viele Blau und nur Blau, das unglaublich viele Wasser, diese riesen Menge an Meer rundum einem war irgendwie unheimlich. Abhauen geht da nicht mehr. Sprichwörtlich sitzt man dann im gleichen Boot. Zum Glück haben wir uns alle gut verstanden. War es doch ein soziales Experiment. Später haben wir unterschiedlichste zwischenmenschliche Geschichten von anderen Booten erfahren. Nicht nur wir haben uns Sorge getragen, sondern auch unserer Diala wurde gut geschaut. Wir hatten Winde zwischen 15-25kt, gegen die Karibik hin auch zunehmende Squalls bis 34kn. Tagsüber häufig Parasailor, nachts wurde konsequent reduziert auf Code 0 oder Genua. Damit segelten wir nicht am Limit, dafür zerriss uns auch kein Material. Viele andere Boote zerschleissten die Segel, einer den Grossbaum, und bei einem kam der Mast bis zur Hälfte runter. Einer hatte Walberührung mit Ruderschaden, und ein Boot machte Wasser. Aber alle kamen ohne physischen (…) Personenschaden an.

Jeder Tag war irgendwie ähnlich, nur die Sonne ging immer später unter und der Tagesanbruch kam später. Das Mandat der Zeit riss ich gleich zu Beginn an mich. Ein bisschen Göttin spielen und die Bordzeit bestimmen, das gefiel mir. 3 Stunden Differenz waren es von Kap Verden zu St. Lucia. Ist so gesehen wenig.

Das Leben mit der nackten Natur tat uns allen gut. Es wurden viele Bücher verschlungen, es wurde gechillt, geschlafen, gelacht und ausgetauscht. Einmal den ganzen online Kram hinter sich zu lassen, entschleunigte alle. Mit Markus wurde die Passion der Astronavigation weitergetragen. Wir bestimmten Mond-, Sonne- und Venus-Standlinien sowie Mittagsfix. Der Polaris versteckte sich immer zur Dämmerung. Die Rechnerei mitsamt Plotting sheet verlangte immer eine Stunde oder mehr….Wenn das Resultat dann stimmte (tat es meistens (+/- 1-2nm), dann fühlte sich das sehr sehr gut an.

Endlich! Champagner Nr. 3. Die ersten 1000sm hatten wir geschafft. In 7 Tagen. Das war ein tolles Gefühl. Jetzt waren alle irgendwie erleichtert. Im Logbuch entstanden mehrere neue Rubriken; Tagesetmal, 24h-Durchschnittsgeschwindigkeit (einmal lag sie über 7 kt), Distanz zum Ziel und die von Floris eingeführte Captain Ross Meilen. Das sind die Schwank-bzw. Umwegsmeilen. Captain Ross war eine schillernde, v.a. betrunkene Figur die wir auf den Kap Verden kennenlernten und die ebenfalls das ARC mitsegelte. Als richtiger Captain eines Segelschiffes….

Unsere zwei kleinen Piraten Mara und Maxim freuten sich sehr mit Michael täglich raufen rammeln und augekitzelt zu werden. Die Kleinen waren nicht anders als Zuhause. Lachen, schimpfen streiten, malen, basteln, verstecken…

Irgendwann kam Champagner Nr.4. Der genaue Grund weiss niemand so recht. Aber das Ziel war schon sehr sehr nah. Endlich sahen wir wieder mal ein ARC Boot. Wir funkten und stellten fest dass beide Boote gerade Pizza zum Znacht hatten. Das war lustig.

Eines Nachmittags, ich war am Steuer und vernahm plötzlich ein ppppppffffffffffff. Wal? Endlich ein grosser Wal? Nein. Fehlalarm. Es war die Schwimmweste von Crew xy. Dummerweise war der manuelle Auslösegriff im Trampolin-Netz am Bug hängen geblieben. Halbsoschlimm, nur den DSC-MOB/AIS Alarm ,den wir in alle Schwimmwesten integriert hatten, wurde auch ausgelöst und musste über Funk CH16 gecancelt werden. Zufälligerweise war da ein Frachter der darauf auch gleich reagierte und mich anfunkte um mehr zu erfahren. Die Situation wurde erklärt und man kreuzte sich und die Nacht verschlang den Rest.

Irgendwann ging es nur noch 100sm, Champagner Nr. 5. Wir waren alle ein bisschen traurig. Wussten wir doch alle dass ein ganz spezielles Abenteuer bald zu Ende ging.

Nach 14 Tagen sahen wir morgens Land! Zuerst Martinique, dann St. Lucia. Champagner Nr. 6. Da kamen mir die Tränen. Das war sehr emotional. Immerhin wussten wir wo wir sind und was uns erwartet, nicht so wie Kolumbus…

St. Lucia, Rodney Bay kam immer näher und die Aufregung wurde immer grösser.