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Grenadinen

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Grenadinen

Wir verbrachten also die Festtage in der Reiseprospekt-Inselwelt der Grenadinen: Strände, Strandbars, einige wenige Resorts und sehr-sehr viele Charter-Segelboote und auch sehr viele Privatyachten – zunehmend ab Neujahr. Zwischen den vor Anker liegenden Yachten kurvten die sogen. Boatboys mit ihren Aussebordmotoren-Dinghis herum und bo(o)ten ihre Dienste an: Fische, Lobster, Gemüse, Früchte, Brot. In der Nähe von den grösseren Ortschaften (Dörfer mit Behörden, Anlegestellen, Tankstellen, Einkaufsmöglichkeiten und Strassen) wurden auch Taxisfahrten zu Wasser und zu Lande, Wäscheservice, Diesel, Wasser, Eis feilgeboten. Auch Tauchcentren und Kite-Surfing gibt’s an allen passenden Spots. So verbringt dann der «Segler» Stunden, Tage, Wochen mit Schnorcheln, Tauchen, Kiten, Rump-Punch/Sundownertrinken, Essen, Lobster. Ribs & Chicken-Beach-BBQ etc. V.a. die vielen Wasserschildkröten zwischen den ankernden Schiffen sind bemerkenswert.

Es gibt in den Ankerbuchten immer wieder mal einen spannenden Zwischenfall zu beobachten: am Strand wird ein Dinghi von den Wellen losgerissen und abgetrieben, mit Wasser gefüllt (von den brechenden Wellen) oder gar umgedreht (mit und ohne Crew drin, meist nachts weil dann alle vom Rum etwas «mutiger» sind), ein Seil oder eine Fischerleine kommt in die Schraube, die Yacht treibt ab weil der Anker nicht hält, die Crew schreit sich an weil auch beim 5- Ankermanöver der Anker nicht am Grund fasst oder der Neuankömmling des Nachbarn Anker-Kette fasst oder in dessen Schiff hineintreibt. Auch den Riss einer neuen Ankerkette habe ich live beobachtet und beim Suchen und Bergen des Ankergeschirr mitgeholfen.
Wir haben sowohl das Dinghi 20cm mit Wasser gefüllt als auch nachts um 23h aufwachend wegen lärmenden Anchor-Watch-Alarm-App bei lediglich 15kn Wind verwirrt festgestellt, dass wir nicht mehr wussten, wo wir sind, bzw. dass unser Schiff weggetrieben ist mit ca 2kn Treibfahrt zwischen 6 anderen eng ankernden Schiffen hindurch ohne Kollision und ohne auf ein nahes Riff zu treiben. Bis der Motor gestartet war und wir uns in absolut schwarzer Nacht orientieren konnten vergingen einige wenige aber unangenehme Minuten. Das Hochfahren des Kartenplotters bzw. von Navionics auf dem I-Pad dauert dann auch immer erstaunlich lange. Nachbemerkung: wir haben dummerweise an der abfallenden Halde auf 3m geankert mit 14-15m Kette und sind mit 1800RPM (2 Motoren) eingedampft und der Anker hat gehalten. Aber nach 6h bei kleinsten 15Kn Lüftchen hat es dann gereicht: der Anker ist an der abfallenden Halde abgeglitten, der Grund war auf 17m und wir sind bei frei-hängendem Anker flott davongetrieben….
Wir haben Fische gekauft, wieder eine 1m grosse Goldmakrele (MahiMahi) gefangen und einen Lobster selber mit der Speargun erjagt, zubereitet und verspeist. Maxim taucht mit Brille/Schnorchel begeistert herum, nun auch an den strandnahem Korallentürmen und kleinen Riffen. Wir waren fast immer mit anderen Familien unterwegs, welche mit in unserer 70-Boot-Gruppe (ARC, Atlantik Rally for Cruisers) die Atlantiküberquerung gemacht haben. Es gibt eine What’s up Gruppe und so kommunizieren die Familien ihre Routen und Aufenthaltsorte. Zudem kriegen wir so immer sehr aktuelle und extrem hilfreiche Tipps zu vielen Belangen des Reisens (Ein-Ausklarieren, Einkaufsmöglichkeiten, Preise, wichtige Telefonnummern und Kontaktpersonen, Landgänge, Ankergrund, Strömung, Wassertiefe, Schnorchelmöglichkeiten, Strandbars, und vieles mehr)

Den defekten Aussenbordmotor haben wir tatsächlich wieder repariert erhalten nachdem wir von den Grenadinen zurückgekehrt waren auf St.Lucia in die Marigot Bay. Beim Plaudern mit dem Mechaniker wurden wir quasi aus erster Hand informiert, dass der Zucker für den mit stolz präsentierten lokalen St-Lucia Rum doch tatsächlich 2x/Jahr in Form von Melasse mittels Tankschiff aus Russland angeliefert werde (sic! auch auf ungläubige Nachfrage). Wenn das stimmt dann wird das kaum Melasse aus Zuckerrohr (Sugar cane) sein sondern eher aus Zuckerrüben……

Die Ueberfahrt von St.Vincent nach St.Lucia war ruppig, geprägt von steifen Winden um 22kn bis 34kn in Regenböen (sogenannte Squalls) bei einem Windeinfallswinkel von 70-90° (True) und 45-60 (App) mit entsprechenden kürzeren Windwellen aufgesetzt auf die längere Atlantikdünung. Wir konnten den Kurs am Wind halten mussten aber immer wieder reffen. Es regnete fast dauerhaft und teilweise extrem heftig. Der Lazybag zerriss an mehreren Stellen wegen Fehler in der Leinenführung der Reffleinen und es zeigte sich definitiv, dass die von Fontaine-Pajot installierten 14mm Taue ALLE zu dick sind und zu wenig gut durch die Rollen/Blöcke und Deckstopper gleiten). Weswegen diese 14mm Leinen nun hier in Martinique gegen Dynema-Leinen von 12mm Durchmesser ausgetauscht werden. Das haben wir auch beim 14mm Grossfall und beim 14mm Gross-Schot schon gemacht (so wie alle anderen Helia-Besitzer, die wir kennen……). Da kommen dann an die 200m Leine zusammen.

Wir sind nun also im Süden von Martinique angekommen: St. Anne und Le Marin, heissen die Ortschaften in der riesigen Bucht, welche gut geschützt ist und wo hunderte, wenn nicht gar tausend Segelyachten vor Anker liegen!!! Unbeschreiblich. Nicht mehr so die ruhige Palmen-Sandstrand-Bucht aber Segelschiffe ohne Ende. Gute Infrastruktur. Creolisches Lebensgefühl aber deutlich frankophil-europäisch. Praktisch alle Fachleute sind «Eurasier», also weiss bzw. «Franzosen». Auch die Baguette und das Croissant bzw. die Brioche gibt’s nun wieder in bekannter Qualität – gleich am Dinghi-Dock in St.Anne. Und in der riesig-grossen Marina von Le Marin findet der Segler alle Fachleute und diverse Shops. Wir werden hier 2-3 Wochen bleiben, die Insel bereisen, Reparaturen und Optimierungen am Schiff durchführen und die Nani (Grossmutter) kommt uns für 2 Wochen zu grosser Freude aller besuchen. Heute Sonntag waren wir in der Messe und mussten gleich noch mitten während des Gottesdienstes in der übervollen Kirche eine kollabierte und bewusstlose alte Dame betreuen bis zum Eintreffen der Pompiers und auf Französisch per Telefon mit der Ärztin parlieren bis dann endlich die Pompiers bzw. die Ambulanz losgeschickt wurde. Englisch ist auch hier nicht extrem angesagt – ähnlich wie im Französischen – es ist sehr frankophon-frankophil, so wie es sich gehört für die Länder der Grande Nation.

Wie geht’s weiter: einige Reparaturen, Einkauf von Lebensmittel und «Haushaltwaren», Einkauf von Schiffsunterhalt-Waren. Entdecken des Insel-Inneren Martinique mit Mietauto zusammen mit Nani. Wir planen ca 3-4 Wochen auf Martinique zu verbringen, meist im Westen an der geschützten Küste und im Landesinneren. Dann segeln wie weiter nach Dominica ( nicht zu verwechseln mit Dom. Rep.) und Guadeloupe.