SY Ladiala

Martinique Januar 2019

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Unsere LaDiala schaukelt gemütlich vor Fort-de-France, der Hauptstadt von Martinique, Frankreich.

Seit 2 Wochen geniessen wir Baguettes, Croissants und europäische Zivilisation. Eine handvoll Seemeilen liegen zwischen St. Lucia und Martinique, aber der Unterschied könnte grösser nicht sein. Obwohl historisch gesehen vor allem Frankreich und England diese Inseln (kleine Antillen) immer wieder „abtauschten“ und vieles ähnlich ist, gibt es Unterschiede. Beispielsweise: St. Lucia hat Linksverkehr, Martinique Rechtsverkehr. St. Lucia Eastern Caribbean Dollar (oder USD) Martinique Euro. St. Lucia Reagge Martinique irgendeinfranzösischeschansongeheul….ich war schon ein bisschen traurig darüber. Aber dann drangen die Seelen der Einheimischen durch und bekannte Alltagslieder und Popsongs wurden reggaeifiziert. Das tönt lustig. Maritinique ist Frankreich light. Es weht die französische Flagge beim Ministerium und es gibt pompöse Bauten für die Administration. Viele europäische Franzosen sind hier übergesiedelt und geniessen das kreolisch angehauchte Leben. Ich kann das gut verstehen. Hätten wir Suisse-Polynesie oder sowas, ich wäre dort.

St. Anne, ein kleines nettes Dörfli ganz im Süden von Martinique war unser erster Ankerort auf Martinique. Man könnte sagen Ankercity. So ein riesiges Ankerfeld mit zig Yachten drin hab ich noch nie erlebt. Man hätte fast schon Strassen und Nummern verteilen können. Es lebte sich aber sehr gut da. Das Dinghi-Dock war gross und man fühlte sich willkommen in St.Anne. es gab kleine Lebensmittelläden, eine Bäckerei, einen lokalen Markt und ab und zu je nach Fang einen Fischmarkt. Die Kirche mit Holzdachkonstruktion war komplett voll am Sonntag. Es wurde im Seitenschiff sogar draussen Stühle aufgestellt auf beiden Seiten. Der Gottesdienst war dann aber sehr kontinental-französisch geprägt mit einem Priester der vom Dialekt her in Afrika anzusiedeln war – wie in der Schweiz gelegentlich.

Freudig erwarteten wir den Besuch meiner Mutter Brigitta. Sie wollte sich vor Ort überzeugen, ob wir den Atlantik überquert haben….Maxim und Mara wichen nicht mehr von ihrer Seite – die Freude war so gross.

Wir genossen einen zweitägigen Ausflug ins Landesinnere. Der Botanische Garten in Balata war wie auf St. Lucia und St. Vincent ein Highlight. In der Auberge de la Montagne Pelée ( feucht nebliges Klima auf einem windexponierten Sattel, zwischen West und Ost auf ca. 600müM gelegen) fanden wir ein Stück Bergfrieden zum Übernachten. Wir genossen es alle, weit weg vom Meer zu sein, im tiefen Grün zu versinken und den Bergen bzw. den vulkanischen Erhebungen nah zu sein. Der vulkanische Mt.Pelée explodierte vor ca. 150J mit unvorstellbarer Gewalt in einer seitlichen Explosion wobei die ganze Kuppe seitlich weggerissen wurde. Die Druckwelle und die infernale Hitze haben ein ganzes Tal inklusive das Dorf St-Pierre vollständig ausgelöscht und buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht. Auf den Fotos im nahen Museum sah alles aus wie von Walzen planiert. Es gab ein (1!) Überlebender im ganzes Tal: ein Gefangener wurde aus dem tief gelegenen, schwer ummauerten Verliess nach 3 oder 4 Tagen mit ausgedehnten Verbrennungen ausgegraben, hat überlebt und wurde in der Folge dann bis in die USA als Sensation herumgereicht. Eine fair-trade Bananenplantage-Besichtigung und natürlich die Rum-Destillerie Clement durften nicht fehlen.

Auch bei uns wurde die Zeit reif so ein trendiges SUP zu kaufen…wir lieben es. In den Sonnenuntergang zu paddeln hat schon was.

Die Zeit wurde aber auch reif Mark eine Pause von Schiff & Crew zu gönnen. Wir luden ihn kurzerhand für drei Tage in einem Strandhotel ab. Das tat uns allen gut und Mark konnte nebenbei in Ruhe diversen Bürokram zum Jahresende auch für die CH erledigen bei halbwegs stabilen WiFi.

Von St.Anne nach Anse d’Arlet (2 Stunden Fahrt) genossen wir endlich wieder mal unseren Parasailor. Zwischen Roche du Diamant und Festland hindurch zurauschen war toll. Wir verliebten uns alle in die kleine Bucht von Anse d’Arlet. Beim Ankerplatz suchen verwechselte ich eine auftauchende Schildkröte mit einer Fischer-Boje. Pelikane begrüssten uns im Tiefflug und die Unterwasserschnorchelwelt war wie schwimmen und tauchen im Aquarium. Fische aller Art und sogar Squids und Wasserschlangen warteten auf uns. Geschweige denn die vielen Schildkröten. Die grasten in Seelenruhe am Meeresgrund und streckten ab und zu ihr kleines Köpfli über Wasser.

Darauf folgte nach einem weiteren kurzen Schlag die Bucht von Fort-de-France, die Hauptstadt der Insel, wo wir gleich beim Stadtquai und Stadtpark den Anker setzten. Nani verliess uns für den langen Heimflug. Wir haben auch wieder andere Freunde aus der CH bzw. Schweden mit ihren Yachten getroffen, welche wir in Griechenland bzw. auf den Kanaren kennengelernt haben.

Wieder einmal so nahe an einer pulsierenden Stadt zu sein, das gefällt mir. Man könnte meinen dass wir hier gar nicht mehr weg wollen…Wir warten nun auf Ersatz/Neuteile für Wassermacher/Code-0-Furler/automatisches Häcksler-WC (Motor mit «Macerator» gegen das mühsame, regelmässige Verstopfen des Ablaufrohres der Holdingtanks, wir ersparen euch technische und sonstige Details dazu) und fahren heute 28.1.mit Motor gegen Wind, Strom und Wellen zurück in die Bucht von LeMarin und St.Anne zu den Chandleries and Shipsyards. Dort treffen wir wieder Familien, welche wir seit der Atlantiküberquerung kennen und feiern einen weiteren Kindergeburtstag.

Wenn alles rund läuft, dürften wir in einer Woche auf Dominica sein. Eines der Hurrikan Opferinseln von 2017.