SY Ladiala

Von Martinique über Dominica nach Guadeloupe Jan/Feb 2019

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Dominica wurde 2017 im September von Maria mit 200 Meilen/h Windgeschwindigkeit und 4-5 h Dauerregenflut heimgesucht. Weit über 50% aller Dächer wurden zerstört und weggefegt. Praktisch alle Brücken des Landes wurden weg- oder unterspült und sind unpassierbar geworden. Sämtliche Häuser in Strandnähe wurden von der Wellenflut getroffen. Der Regenwald, die Palmen-, Kaffee-, Bananen- und Vanilleplantagen wurden ausserordentlich geschädigt. Aktuell ist es für uns fast nicht mehr vor- und auch praktisch nicht feststellbar, was da alles passiert ist. Einzig das dichte Laubdach des Regenwaldes ist nicht mehr erkennbar und alles von Schlingpflanzen und Winden komplett bedeckt, sodass einige Pflanzen und Baumarten zu «ersticken» drohen. Was das für die ohnehin schon eher arme Bevölkerung in diesem vom Massen und Strand-Tourismus «verschonten» Land bedeutet, ist für uns vom Schiff aus und nach den drei Landausflügen nicht abzuschätzen. Vieles schaut zerfallen, unfertig, ungepflegt aus aber in diesem feuchten Regen-, Salzwasser- und Sonnenstrahlen-Klima zerfällt, verfault und verrostet alles wirklich innert kürzester Zeit und wird sofort überwuchert – auch im Wasser und am Strand. Insofern können wir nach 18Mtn das Ausmass der Zerstörung und das Inferno während des Hurricanes v.a. aufgrund der Schilderungen der Guides und der wenigen hier wohnenden Expats (u.a. einer Schweizerin von Ibach, Sz) nachvollziehen.

Ohne Mietauto bzw. Taxis/Bus-Ausflug ins Landesinnere erlebt man die Inseln gar nicht so richtig. Das Leben auf dem Meer und am Strand bzw. in den Marinas ist sehr selektiv und gibt kulturell wenig her. Die Herausforderung besteht für uns, einen sicheren Platz für das Schiff zu finden (sicher wegen Wind, Wellen, Anker-Ausreissen und Einbruch/Diebstahl), um dann irgendwie mit Taxis, Auto, ein wenig vom Festland zu sehen. Um 18‘30h ist es wirklich rabenschwarze Nacht und es ist schon vorgekommen, dass wir mit dem Dinghi herumgekurvt sind und unser Schiff gesucht haben, weil es schwierig ist, in der Dunkelheit die Schiffe voneinander zu unterscheiden, die da alle vor Anker liegen.

Es geht uns sehr gut, wir geniessen alles, v.a. auch, wenn’s mal locker ist weil: es ist eigentlich viel «strenger» als gedacht und das Schlafbedürfnis ist erstaunlich hoch, wenn man den ganzen Tag Wind und Sonne geniessen darf, wohl auch weil des nachts mehr als einmal Teile der Systeme abgecheckt werden (s.u.) Ein Skipper-Kollege, auch mit Familie unterwegs wie wir, Ex-CEO grossen Beratungsfirmen sagte mir vor einigen Wochen: ich habe mehr Stress als noch bei der Arbeit, ich kann mich auf nichts verlassen, muss alles selber machen und aufwändig organisieren und andauernd geht was kaputt. Ok er hat ein neues Schiff und eine Mängel- und Schadenliste, dass es die Kopfhaare einrollt…. Ein Defekt bedeutet gelegentlich 1-3 Tage Fahrt zu einer passenden Werft mit Kran oder Trockendock, dann 2-3 Wochen Reparatur bzw. Wartezeit auf Ersatzteile etc. Kürzlich stellte ich fest: meine To-Do-Liste war noch nie so klein und 1h später hat die Meerwasserentsalzungsanlage ihre Produktion ohne Rücksprache um 50% reduziert. Die Sucherei im Internet und die Mailerei ging wieder los – allerdings erst nachdem ich rund 90min benötigte, um eine verlässliche WIFI-Quelle anzuzapfen und mit Paypal zu bezahlen. Nach Mails und Fotoaustausch mit dem Hersteller stellte sich heraus, dass wegen falscher Legierung der Druckkolben massiv korrodiert war und der Filterdruck von 50bar deswegen nicht mehr aufrechterhalten werden konnte. Zuvor musste ich jedoch die ganze Steuereinheit ausbauen, Hochdruck-Schlauchverbindungen lösen und das Druckregelventil zerlegen, um an den Kolben heranzukommen. Das Problem war zwar bekannt aber der Hersteller wusste nicht, beim wem die falschen Kolbenlegierungen eingebaut wurden. Es dauerte dann 14 Tage bis die Ersatzteile eingetroffen waren und nochmals einen Tag mit telefonieren, koordinieren und abholen in Guadeloupe bis die Teile am Zoll vorbei geschleust waren und auf LaDiala zum Einbau bereit lagen. Nach 1h war alles eingebaut und der Wassermacher sprudelte wieder wie am ersten Tag- besser noch sogar, weil die Kolbenform optimiert wurde und damit der Druckaufbau noch besser gelang.

Ich werde öfters per Mail gefragt wie der Alltag so sei auch mit/wegen den Kindern, Das Geschilderte ist auch ein Teil vom Yachtie-Leben. Es gibt viel ‚in betweens‘ und die einsamen Sandstrände existieren definitiv eher in der abgelegenen Südsee und dann ist es toll, wenn alles funktioniert.

Der Segler ist ein Vollzeit-Beobachter: Meteo, Wellen, Strömung, Wassertiefe, Ankergrund, stabile Ankerposition, alle technischen und elektronischen Systeme, VHF-Funk abhören, Segel, Mast, Schoten, Fallen Schäkel, Taue und Rumpf innen und aussen (wegen Lecks und Algenwachstum bzw Leinen in der Schraube) und ein Allzeit-Reparierer und Organisierer. Crew/Family haben auch noch ihre spontanen und überraschenden Schwankungen, Defekte, Lecks, was alles sehr abwechslungsreich, spannend und gelegentlich – wie sonstwo auch – mühsam macht. Interessant sind beispielsweise die Bodenbretter, unter welchen wir diverse Sachen verstauen können – von Werkzeugen, Ersatzteilen, Lebensmittel bis zu Schuhen und Kleidern. Wenn dann mal was auf den Boden fällt und ausläuft inkl. Kinder, dann fliesst alles der Schwerkraft nach unter diese Bodenbretter, verteilt sich, wie das Flüssigkeiten so an sich haben und sammelt sich am Ende irgendwo in der Bilge oder in Kartonpackungen, Plastikschachteln ohne Deckel und sonstigen saugfähigen Materialen. Zum «Beobachten» einige Beispiele aus Guadeloupe:

Nach einem der seltenen Marina-Aufenthalte mussten wir ein nicht ganz konventionelles Ablegemanöver fahren und dabei auch noch eine Festmach-Boje zwischen den Rümpfen vom Heck zum Bug durchziehen lassen bei 20kn Wind leicht seitlich. Alles schon gemacht, eigentlich Routine aber wir haben NICHT beachtet (beobachtet), dass unten an der Boje ein dickes 3m-Tau frei im Wasser schwebte, welches dann rasch von unserer Schraube aufgewickelt wurde, den Motor abwürgte und wir bei den besagten 20kn Wind an diesem Tau hängten. Wir haben ein wenig versucht daran zu ziehen und es tauchend abzuwickeln aber da war nix zu machen – viel zu viel Winddruck. Schon nach gefühlten 7minuten kam ein Taucharbeitsboot mit 3 Männer, davon einer schon im Vollanzug und springt rein. Kurzer Check, sie nehmen uns an eine Schleppleine, ziehen gegen den Wind um das Bojen-Seil zu entlasten und nach weiteren knapp 10min waren wir frei. «Bonne Route», kostet nichts und ein nettes Winken war alles. Normalerweise legt man dafür 150-300Euro hin und wartet 1-3h. Als wir uns mit 2 Flaschen Wein mitten im Hafen bedankten, habe sie sich sichtlich gefreut. Wir uns auch.

Wir segeln so vor uns hin von Illes des Saints nach Pointe-à-Pitre (Guadeloupe) als uns plötzlich ein initial unkonventioneller aber glasklar verständlicher VHF-PANPAN-Notruf aus den Tag-Träumereien reist. Die Stimme war sehr klar, sodass das Signal im Umkreis von einigen Seemeilen gesendet werden musste. Ein Katamaran Nomen-est-omen: «NoPlan-JustOptions» hat knapp 400m von der Legerwall-Küste (= auflandiger Wind von 18-25kn Stärkte und 1,5-2m Wellen) beide Ruderblätter verloren und bittet die französische Coastguard um Hilfe. Nun ist der Verlust der Ruderblätter beim Katamaran zwar auch nicht grad gut aber mit den beiden Maschinen kann man sich ähnlich einem Raupenfahrzeug ohne Segeln unter Maschinenfahrt recht gut auf Kurs halten, wenn die Motoren nicht überhitzen bzw. schlapp machen und nicht Sturmwinde herrschen. Die Küstenwache wollte nicht so recht helfen (die hatten in 7sm Entfernung in Point-a-Pitre sicher 5 oder 6 Boote am Steg von klein bis recht gross…..) und hat einfach den PANPAN-Notruf mit der leistungsfähigeren Küstenfunktstation ausgelöst und alle Boote in der Nähe um Hilfe angerufen. Wir waren nur 2.4sm entfernt und haben uns dann eingeklinkt, sind hingefahren und haben die Schleppleinen zu allfälligen Übergabe bereitgelegt aber natürlich nicht gebraucht. NoPlan-JustOptions hat auf eigenem Kiel und lediglich mit standby bzw. unserer moralischen Hilfe in den schützenden Hafen gefunden. Interessant aus seefahrtsrechtlicher Sicht wäre die Situation geworden, wenn wir unsere Leine zum Schleppen übergeben hätten. Da wäre grundsätzlich eine fette Entschädigung zur Debatte gestanden. Irgendwie witzig hat sich der Funkverkehr angehört:
NoPlans-JustOptions NoPlans-JustOptions this is LaDialaLaDiala, we are right 1.2nm behind you, catching up with 8kn, do you notice leakage or water in the engine compartment? over

LaDialaLadiala this ist NoPlans-JustOptions NoPlans-JustOptions: we don’t know, our bilge pumps don’t work, over.

Soviel zu NoPlans-Just Options.

Maxim ist ein sehr aufmerksamer Beobachter und findet allerhand am Boden, am Strand, im Sand und auch beim Schnorchel-Tauchen. Kürzlich auf der Toilette hat er auch was entdeckt und schreit was von «Würmli». Um es kurz zu machen: die ganze Familie macht nun eine Wurmkur gegen die Oxyuren, alles wird 60-90Grad gewaschen, was auf dem vor Anker liegenden Schiff v.a. mit der Bettwäsche und Molton ein Unterfangen der logistischen Extraklasse ist (Waschsalon suchen an Land, alles dann böen-sicher aufhängen (hier grad seit 3d 20-30Kn Fallböen) und das über mehrere Tage bis dann wirklich alle Wurmeier erledigt sein sollten. Das Organisieren der Medikamente und der Desinfektionsmittel war in unserem Falle als Ärzte mit CH-Berufsausweis (ohne geht gar nichts!) erstaunlich einfach und konnte nach rund 3h erledigt werden. Kommt also in den Besten Familien vor der Oxyur bzw. die Enterobiasis.

Alltag im Sinne von Routine gibts fast nicht aber dafür alles immer bei Sonne, heftig-kurzen Regenschauer (die auch ins Schiff regnen wenn’s irgendwo einen Spalt geöffnet ist), Wärme, Strand, Strandbar und Reggae, zwischendurch Fisch am Hacken und Schnorchelparadies und immer wunderbare Sonnenuntergänge. Der übliche Kinder- und Haushaltskram gibts auch noch aber der lässt sich unter prächtiger Sonne erledigen – dauert einfach alles fast doppelt so lange. Der Tag hat irgendwie auch hier immer nur 24h.

Die Zeit, die wir mit den Kindern verbringen dürfen ist – wie «zu Hause» auch – nicht immer nur wunderbar aber es ist grandios, ihnen so nahe zu sein, jeden Fortschritt zu begleiten und daran teilzunehmen. Auch wenn der ganze Technik-Schnickschnack am Schiff mühsam sein kann, so ist es doch eine rechte und interessante Herausforderung, alles zu verstehen und wenn’s geht auch selber zur reparieren oder zumindest zu wissen, wie bzw. wer das Problem beheben kann und dabei zuzuschauen und zu lernen.

Nun sind wir also seit knapp 10d auf Guadeloupe, und haben auch hier Landausflüge gemacht mit dem Highlight einer Treckingtour zu einem Wasserfall mit Badebecken. Dabei mussten wir 11x den Fluss (Bach) mithilfe von gespannten Seilen überqueren und alles im Regenwald bei nicht zu knapp Schlamm. Maxim hat die je 40min hin und zurück selber bewältig und Mara immerhin den Hinweg auf ihren kleinen Füssen und den kurzen Beinen. Der Dreck war die Extrazugabe. Der Dinghy-Motor hat seine Kühlung wieder eingestellt und wir haben einen leichten 5PS Motor gekauft, welcher als Reserve dient und v.a. ohne Lift-Konstruktion montiert/demontiert werden kann ( der 15ps Motor ist knapp 50kg schwer). Die Reparatur gestaltet sich auch in Antigua, unserer nächsten Destination, offensichtlich, nicht ganz einfach: es sei ein europäisches Modell, da würde es auf dem US-Mark keine Ersatzteile geben, wir sollten sie selber in Europa bestellen. Wir werden sehen. Noch liegen wir vor Illes des Pigeon, einem Naturreservat an der Westküste von Guadeloupe «welt»berühmt ( so die Franzosen) aus den Tauchfilmen von Cousteau und ein grossartiges Schnorchel- und Tauchparadies: es hat so viele Menschen hier tagsüber, dass die wirklich sehr zahlreichen Fische sich daran gewohnt haben und praktisch in Armlänge an uns vorbeischwimmen. Ich war mit einem anderen CH-Segler auf einem Tauchgang mit dem Dinghy und unserer eigenen Ausrüstung und wir entdeckten mit den Kindern schnorchelnd die Unterwasserwelt.