SY Ladiala

USA – Cape Canaveral Juni 2019

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Good morning America how are you? Wir sind anfangs Juni nach einer ruhigen Nachtübersegelung im Golfstrom (+2kn) von unseren geliebten Bahamas in Cape Canaveral angekommen. Angekommen und zurück in der grossen zivilisierten Welt.

Es ist alles XXL hier. Das Land, die Autos (mein ehem. CH-Dodge Durango V8 geht hier neben RAM/Silverado/Sierra….völlig unter), die Strassen, der Konsum, die Gedanken, Visionen.

Cape Canaveral = Kennedy Space Center = Raketenstarts (50 Jahre Jubiläum am 21.7.19 erste Mondlandung)= abgefahren = abgehoben. Seit wir hier sind bin ich selber zu einem kleinen Astronauten geworden. Armageddon, Apollo 13, Space Cowboys, „the last man on the moon“, Deep Impact. Okay vielleicht eher ein Movie Astronaut. Egal. Als ich dann die echte Space Shuttle Atlantis (im Einsatz bis 2011) im Kennedy Space Center erblickte, da wars um mich geschehen. Das Weltall ruft….

Bislang beschränkte sich mein Horizont als Segelflugpilotin auf unsere Alpen, aber jetzt ist Schluss damit. Jetzt soll mein neuer Horizon das Weltall sein. Auf zu XXL. Es ist ansteckend.

Und es kommt noch besser. Am 25.6.2019 um 02:30am startete die Falcon Heavy von Space X in Cape Canaveral erfolgreich. Und wir waren live dabei! Absolut abgehoben. Es sei die stärkste Rakete aller Zeiten nach Saturn V. Sie hat so viel Schub wie etwa 18 Jumbo 747. Wurde konzipiert, dass sie eines Tages bemannt zum Mars fliegen kann.

Die Falcon Heavy wurde mit vielen Satelliten für NASA, NOAA, etc bestückt, wie auch mit 150 Urnen. Why not.

Wie geplant landeten die beiden seitlichen Booster erfolgreich wieder in Cape Canaveral. Eine Sensation. Der doppelte Überschallknall bei der Landung der beiden Booster war ohrenbetäubend. Der Zentrale Booster sollte auf der Drohnenplattform 700sm draussen im Atlantik landen. Leider verfehlte dieser das Ziel. Egal. Die Mission war erfolgreich.

So hatten auch wir noch andere wichtige Missionen auf unserem Programm. Disney World (of course) und Legoland. Donald Duck und Cinderella wurden reale Gestalten und Maxim und Mara durften sie persönlich kennen lernen. ¾ von uns haben sich in Disneyland amüsiert, ¼ war angespannt bis genervt- mehr dazu später.

Auch unsere LaDiala und ihre Ausrüstung bekamen die notwendige Aufmerksamkeit. Der Aussenbordmotor wurde einmal mehr repariert. Die Kühlung läuft wieder dafür haben sie die Schaltung nicht mehr sorgfältig zusammengesetzt und der Leerlauf „kratzt“ nun unangenehm hörbar am Rückwärtsgang. Der Reserve-Aussenborder“ hat die lange Standzeit nicht überstanden: der Vergaser/die Düse scheint verklebt weswegen der Motor natürlich nicht mehr läuft. Wir haben noch ein kleines Leck (Borddurchlass für Echolot) und eine undichte Decks-Lucke – hoffentlich nachhaltig – abgedichtet. Segel wurden repariert und mit UV-Schutz versehen und Polster sowie Cockpit-Bimini musste professionell genäht werden. Das alles brauchte Zeit, Mietauto, Entdeckungsfahrten etc. sodass wir Port Canaveral und die Umgebung geniessen konnten. Wir liessen LaDiala in Port Canaveral mit dem Kranen rausheben. Sie erhielt ein neues Antifouling, neue Saildrive-Anoden und eine Politur beider Rümpfe. Sie strahlt wieder wie neu. Wir haben 1 Woche bei gefühlten 45° im Schiff auf dem Trockenen übernachtet – nachts war nur unmerklich kühler. AirCon haben wir keine. Mit Leiterli auf’s Schiff und wieder runter. Toilette, Dusche und Waschbecken etc. konnten wir nicht benutzen. War also alles wie auf dem Campingplatz ausser dass wir abends ganz alleine waren im vollen Scheinwerferlicht der Werft an der Autobahn.

Auch wir strahlten. Es ging weiter 100sm nordwärts Richtung St. Augustine. Diese Stadt ist umspült und getränkt von Geschichte und Charme.

St. Augustine ist die älteste durchgehend besiedelte Stadt der USA, die von Europäern (Spaniern) gegründet wurde. Martin de Arguelles (geboren 1566) soll das erste Kind europäischer Herkunft sein, das auf dem Festland der heutigen USA geboren wurde.

Auch Sir Francis Drake (Freibeuter, Pirat und späterer Englischer Admiral) und mit ihm die Piraten wüteten hier. Vor und während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges herrschten die Engländer. Danach bis

1821 wieder die Spanier. In der Folge wurde Florida friedlich unter politischem Druck an die USA verkauft.

Das ehemalig Hotel Ponce de León (heute Flagler College), eines der luxuriösesten seiner Zeit, war das zweite Hotel weltweit das elektrisch versorgt wurde. Es wurde von Flaglers’s Freund Thomas Edison persönlich verkabelt. Da es mit Gleichstrom lief, kam es gelegentlich zu kleineren Explosionen. Die Gäste waren dermassen verunsichert, dass extra Personal eingestellt wurde, um die Schalter zu bedienen.

Vergessen darf an dieser Stelle auch nicht Johnny Weissmüller, sprich Tarzan. Der fünffache Olympiasieger trainierte im Pool des ehemaligen Hotel Alcazar. Im 19. Jahrhundert war dies der weltweit grösste Indoor-Swimmingpool.

Der 4. Juli und mit ihm der Independence Day, der Nationalfeiertag der Vereinigten Staaten naht. Wir sind gespannt, dieses Ereignis in St. Augustine miterleben zu dürfen. Für das Feuerwerk ist uns der Logenplatz an der Boje direkt vor der Brücke, der alten Festung und vor dem Städtchen gewiss.

Noch einige kleinkarierte „erwachsene“ Anmerkungen zum pädagogisch wertvollen Disneyland und den Erlebnisparks. Kinder würden das erlebte anders erzählen. Das Konzept ist bemerkenswert offensichtlich auf’s Geldverdienen ausgerichtet bei subjektiv gesehenem, relativ geringem Gegenwert. Tickets gibt’s rasch, per WWW oder am Schalter ohne Anzustehen, oft auch schon im Hotel, dafür sind sie dann etwas teurer, was dir niemand sagt, sodass alleine der Tagespass für unsere Familie deutlich über 500 USD lag – dafür war nichts inclusive. Sobald das bezahlt war gings dann nicht mehr so schnell; anstehen schon beim Parking (25USD/Day), dann 500m Zugfahrt um dann auf weiter Ebene ca 1km in der Sonne weiterzulaufen. Warten auf den Zug bzw. das Schiff bis zum Eingang. Dann warten am Eingang und zur Toilette ohne Wartezeit (bei den Jungs). Ab dann war alles mit Anstehen verbunden immer mindestens 20min selbst für den Starbuckscapuccino 25min. Jeder Rollercoaster 20-90min, Meet-and-Greet mit Foto (Donald Duck, Daisy, Cinderella, Pluto etc.) je mindestens 20-30min. Und die Leute machen das alle motiviert mit ohne Nümmerli etc. wie bei uns bei der Post und so. Alles super und alle zufrieden – having fun, good time etc. Meistens steht man in der Sonne oder es ist ca 60-70dB laut. Das Essen: eine Herausforderung – ich war froh, als ich ein Salatblatt erkannt habe. Im Legoland war’s besser. Weniger Menschen, ab und zu etwas zum Selbermachen (Rutschbahn oder Legosteine zusammenstecken) und deutlich weniger Wartezeiten. Coole Wasserski-Wakeboard-Motorboot-Show. Die hatten sogar bei jeder Bahn und jedem Ereignis eine Tafel, wo drauf stand was jetzt gerade pädagogisch abgeht beim Kind (welche Fähigkeiten gefördert werden)! Wir sind dann in einen 4d Film gegangen mit Brille und so (4d = 3d mit Wasser von der Decke) und da wurde von den Legofiguren in 3d geschrien, geschlagen, geschossen und herumgefuchtelt in einer nicht SUVA-konformen Lautstärke und evt. nicht ganz passend für alle Kinder. Mara hat dann von sich aus entschieden, die Brille abzulegen und sich eng an die Mami zu klammern. Wir haben uns Vorwürfe gemacht, dass wir das «kindergerechte Hinweisschild» nicht gefunden bzw. beachtet haben. Anschliessend bemerkten wir, dass diese Hinweisschilder eher marketing- denn kinder-pädagogisch-gerecht aufgestellt wurden.

Das Kennedy Space Center war dann wirklich gut. Alle übertriebenen Erwartungen erfüllt und Helden sowie alles andere auch zum Anfassen – anything goes, yes we can, American dream in Reinkultur und wirklich beeindruckend. Ausser vielleicht das Super-Size-French-Croissant: klein aber fein, frisch von gestern, gekühlt, schön weich in der Plastikbox. Aber gut – man kann’s auch provozieren. Also: Space Center war ein Erlebnis der Extraklasse zusammen mit dem Rocket-Launch!