SY Ladiala

Mitte Juli bis anfangs August 2019, Nordcarolina

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Nach St.Augustine sind wir nach South Carolina nördlich von Savannah, genauer nach Hilton Head/Skull Creek in eine mitten in der Natur gelegenen Marina gesegelt. Unterwegs haben wir ein heftiges Ausweichmanöver fahren müssen da wir beinahe ein Manatee, eine Seekuh, gerammt hätten. Diese kommen hier überall vor von Bahamas bis Georgia. Das Küstengewässer ist 2-10sm weit raus recht flach (5-30m Tiefe) sodass es bei auflandigen Wellen an der Küste rasch gefährlich wird. Hinzu kommt der mit 2-4kn nach Norden drückende Golfstrom und die teils kräftigen Gezeitenströme an den Landeinschnitten. Die ganze Küstenlinie ist durchzogen von innenliegenden Seen, Fluss- und Meeresarmen. Es ist eine gigantische, über 7 Staaten reichende, unendliche Wasserlandschaft mit 3-4 berüchtigten Landvorsprüngen, an welchen sich Wind, Wellen, Golfstrom, Gezeiten und Sandbänke um die Vorherrschaft streiten. Dort wird es schon bei 15Knoten Wind unangenehm und bei 20Kn gefährlich (Cape Canaveral, Cape Fear!!, Cape Look out, Cape Hatteras). Die Landschaft ist ein einziges Naturparadies, unterbrochen von Siedlungen und Industrie. Hier hat man den Eindruck: die Amerikaner sind ein Volk von ambitionierten Hobbyfischern (catch and release ist wichtiger als essen – man staune…..).

Das Wasser ist sehr trüb mit vielen Schwebstoffen. Sodass unsere neuen Filter der Entsalzungsanlage nach 1 Woche bereits wieder ausgetauscht werden mussten.

Wir haben alte Freunde aus der Karibik getroffen: 2 Familien auch mit 2 Katamarans unterwegs. Die Wiedersehensfreude war sehr gross. Das eine Schiff (Marlin) haben wir auf Bahamas noch getroffen, Gaia, aus Genf, haben wir jedoch seit St.Barth vor über 3 Monaten nicht mehr gesehen. Gemeinsam haben wir Charleston und Savannah, typische Südstaaten-Städte, besucht und uns mit der US-Geschichte des 19JH (Sklaverei, Unabhängigkeit, Sezession) und des 20JH (Flugzeugträger Yorktown) auseinandergesetzt. Michele und ich versuchen dann immer auch entsprechendes Filmmaterial (Spielfilm oder Dokus) herunterzuladen und so ein Thema auch von dieser Seite zu beleuchten. Dann wird uns jeweils bewusst, wie schlecht unsere Englischkenntnisse eigentlich sind.

Immer wieder kommt es zu «schmerzlichen» Abschieden – nach Lallona aus Roma, MonRève aus Luzern nun von der Marlin-Crew – ihre Reise geht zu Ende und sie werden anfangs September wieder nach Deutschland zurückkehren. Wir haben Marlin «erst» im November 2018 auf Gran Canaria kennengelernt, obschon Marlin auch von der Kroatischen Insel Murter nur 4 Wochen nach uns losgesegelt ist. Ab der Karibik/St.Lucia haben wir unzählige Tage zusammen mit anderen Schiffen (u.a. Gaia) verbracht und tolle Erlebnisse geteilt.

Von Skull-Creek sind wir weitere 2 Tage und Nächte zusammen mit Gaia vorbei am Cape Fear (kurzer Gewittersturm mit Böen bis 42kn) nach Beaufort, North Carolina, gesegelt um von da bei günstigen Verhältnissen in weiteren 2 Tagen das Cape Hatteras zu runden und nach Norfolk, Virginia bzw. in die Chesapeake Bay einzulaufen.

Mit Gaia aus Genève werden wir vermutlich gemeinsam bis nach New York weiterreisen. Die Kids auf Gaia sind gleich alt wie Mara und Maxim und sprechen fliessend Englisch/Französisch. Seit wir nun wieder zusammen reisen haben sich die Englisch-Kenntnisse von Mara und Maxim explosionsartig entwickelt. Wir sind „hier“ im idyllischen, ruhigen Beaufort und haben uns auch wegen Materialproblemen auf Gaia entschieden, 3-4 Wochen am Anker vor Ort zu bleiben und unter anderem einen Workshop zu besuchen: build your own Surf-Paddle-Board. Im Maritime Museum ist eine Bootswerft alter Schule angeschlossen, wo Anfänger wie wir in 6-8 Tagen aus Cedar-and- Mahagony mit Epoxy-Fiberglas-Verstärkung unter Anleitung ein Board bauen können. Etwas besseres gibt’s nicht! Michele und ich sind abwechslungsweise (zusammen mit Laurent von Gaia) im Workshop oder bei den Kindern.

Wir haben immer wieder freundlichen Kontakt zur lokalen Bevölkerung, werden eingeladen und herumgeführt, bzw. auf viele Dinge aufmerksam gemacht, die wir als Kurzlieger sonst nicht sehen würden. So haben wir ein Rodeo besucht, erleben die Zusammenkünfte der Yachtclubs (BBQ, bring your own meat/drink and something to share) und besuchen lokale Märkte. Vieles ist recht klar bis radikal «republican» und Trump-Homeland. Die Politik ist wie eine Religion, man spricht nur unter sich und die anderen werden nicht gemocht, runtergemacht und teilweise sogar gehasst in aller Öffentlichkeit. Eigentlich recht bedenklich und wenn ich das alles sehe, höre, diskutiere und mir meine Gedanken dazu mache, dann kann die Hoffnung auf mehr Dialog eigentlich nur bei der aktuellen Highschool-Generation liegen….

Wir haben auch «eine Demokraten»-Familie kennengelernt, klassisch, d.h. Akademiker aus dem Norden, welche hier als selbständiger Arzt/Forscherin an der Uni arbeiten. Auch diese Familie sehr herzlich, sofort Einladung, Kinder bei ihnen oder auf unseren Booten. Kürzlich waren 7 Kids von 4-12j auf Diala, haben mit 6 Ruten gefischt, sind herumgerannt und haben Chips verstreut. Dann haben sie Hurricane, Versinken und Retten gespielt. Dabei lernen unsere Segelkids viel von den «Locals», auch am Strand, Krebse-Fangen, Fischen, Sanddünen-Surfen, Muschelsuchen und natürlich die Sprache.

Fischen mit Rute & Netz ist bei Maxim ganz gross im Kurs. Er hat schon einen kleinen Haifisch und einen Rochen gefangen. Maxim hat seine beiden «ersten Milchzähne weg» und Mara ist nun endlich Velofahrerin und immer noch sehr begeistert von den weiblichen Disney- Figuren (Cinderella, Snow-White, Elsa, Mermaid, Princess).

Einkaufen bei Piggy Wiggly mit Velo und Anhänger in der Vollhitze mit hoher Luftfeuchtigkeit ist recht ungewöhnlich für mich und auch für die Locals – ich war immerhin 3x dort. Kleine Läden in der Ortschaft selber gibt’s hier nicht. Der umfangreiche Piggy Wiggly Market liegt deutlich ausserhalb und wird als «kleiner Supermarkt» bezeichnet. Walmart (= unendliche Auswahl) liegt dann schon 20 Autominuten entfernt. Die Distanzen und die Hitze sind eigentlich zu gross für Velos im Alltag.

Hier kommen wir zur Ruhe auch wenn die Tage mit all den Aktivitäten, Besuchen, Kinderwünschen, dem Workshop und dem üblichen Alltagskram auf einem Wohnsegelschiff

sehr ausgefüllt sind. Wir geniessen das ruhige Ankern im wechselnden Gezeitenstrom mit Blick auf das kleine Städtchen oder die Dünen-Auen-Deltalandschaft (beides nur 50m von uns entfernt) mit einer Population von frei lebenden «wilden» Pferden, welche auf diesen sandigen Inseln leben und im Sand nach Süsswasser graben und morgens sowie abends im Wasser der schlammigen Uferpartie stehen und die Spitzen der Gräser abweiden.

Wir werden hier in Beaufort den 1- August feiern, unsere Paddle-Boards fertigstellen, auf gutes Wetter mit wenig Südwind warten und uns dann im Golfstrom ans Cape Hatteras spülen lassen, um von dort nach Nordwesten in Chesapeake Bay zu gelangen.

Dann gibt’s noch einige Anekdoten: New Berne liegt nur wenige Miles entfernt von Beaufort. Als Swiss Guys werden wir im Boat House angesprochen von Wunderly, Honegger im breitesten Südstaaten-Akzent. Bis ich verstanden habe, wie die heissen und dass sie «eigentlich» aus der Schweiz kommen aber keine Ahnung haben wie « es dort so ist». Auch Deutsche haben die Diaspora in New Berne mit begründet und so stossen wir hier immer mal wieder auf Deutsch-Immigranten der 3. Generation (ü70…..).

Ein Motorboot kommt längsseits: Hi, I’m Willy, from the Boat House, aahh genau, der hat da auch herum gewerkelt. Nächsten Tag kommt Willy wieder längsseits mit seiner Frau und lädt uns alle von den beiden Katamaranen ein zum Abendessen (North Carolina Seafood and BBQ and Pool). Let’s talk about the details tomorrow at the boat house.

Boat House, workshop hours: die Musik ist US-Rock aus den 70ern evt 80ern.Damit habe ich mich als 16-22j beschäftigt und bin mit selbstgemixten Tapes als 21-Jähriger alleine mit meinem ersten Auto während 4 Monaten durch die USA gefahren (CCR, Santana, Jim Croce, Lynyrd Skynyrd, JJCale, RStones, Supertramp, Fleetwood Mac. J.Cash, Al Steward, Alan Parsons, etc. etc.). Ich bin nicht nur in die Holzarbeit sondern auch in den Sound und in die Erinnerungen abgedrifted. Metaphysische Momente zwischen manueller Arbeit, Musik und Erinnerungen bzw. Adolescentenfantasien.

Es gibt ein Grüppchen von älteren Herren, die rudern alle 2.3 Tage zu sechst mit Steuermann auf einem der neu hergestellten, museumwürdigen Ruderbooten auf dem Meeres-Flussarm herum direkt vor uns bzw. dem Städtchen. Sie machen oft Pause weil es in Wind und Strömung streng ist und lasse sich dann treiben. Der Clubname: Drinking Club with a Rowing Problem

Gaia und LaDiala wollten wissen, ob alles klar ist mit unseren Anker-Geschirren nach 2 Wochen an der Kette. Also haben wir unser Anker neu setzen wollen. Wir: mit einem fremden, ca. 40KG Anker in der Kette und als wir den losgeworden sind mussten wir mit der Trennscheibe die dazugehörende, muschelbesetze Ankerkette durchtrennen, welche sich 5x (!!!) um unsere Kette gewickelt hat oder umgekehrt. Weil: in den Gezeitenströmungen und mit Wind wechseln die Schiffe teils sehr stark die Positionen. Der Strom kommt von vorne, der Wind von hinten und die Kette geht zwischen den Rümpfen hindurch nach hinten. Und alles ändert sich sobald Gezeiten bzw. Wind sich verändern. Gaia: musste sich von einem Riesen-Anker befreien. Der war so schwer, dass die Anker-Winsch, die Kette mit dem Zusatz-Anker nicht mehr hochziehen konnte. Laurent, der Skipper, musste tauchen (30cm Sicht wegen «Sedimenten») und mit seiner Frau koordinieren, damit sie mit den Motoren die Kette im Gezeitenstrom und Wind entlasten konnte, derweil ihr Skipper/Mann tauchend bei nur 3m Tiefe im Dunkeln/in den Sedimenten fingernd, erfolgreich seine Ankerkette von diesem Riesen-Anker losgelöst hat. Bravo – das ist echt schwierig!!! Wir erinnern uns: Bahamas oder ganze Karibik = glasklares Wasser bzw. hier: neue Wasserfilter bereits nach 7d verstopft, vorher 6 Monate ok.

Oder: Dianne die 76j, quirlige Port Officer des Ocean Cruising Club hat wieder die Strippen gezogen: Babysitter, meet me at my condo (wir mit den beiden Dinghis hingerast) , dort Ashley, 15j und ihre Mutter (driving ‘cause Ashley is to young to drive= noch nicht 16j), Ashley passt auf unsere 4 Kids auf mithilfe von selbstgemacht Popcorns und DVDs und et cetera bzw. wollen wir gar nicht wissen. Und die Eltern gehen mit Dianne (= unsere Mutter-Alter) locker in ein angesagtes Steak-House und verkosten dann ah Drinks und 2 Flaschen Malbec noch verschiedene Bourbons um anschliessend mit den fast oder ganz schlafenden Kids durch die Nacht zu rasen zurück zu unseren Schiffen. Alle sind trocken ins Bett gekommen (nicht immer einfach mit dem Schlauchboot bei Wellen) und ebenfalls trocken um 7h von den trockenen (nun fast immer) Kindern wieder geweckt worden