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August-September 2019 Cape May, New York, Newport

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Cape May Atlantic City- Lower Bay New York und dann Statue of Liberty sowie Hudson River und East River. Alles geankert in wunderschönen oder megaspannenden Locations.

Cape May: Coastguard-College und US-Nationalhymne sowie
Trompetenfanfarenstoss jeden Morgen um 0800h 100m von uns entfernt zudem grosser, permanenter Markt mit allem, was das Meer hergibt zum Essen. Im Rücken von uns immer die Ungewissheit, ob Hurricane Dorian nach Nord-Osten ziehend näher oder weiter entfernt von der Küste vorbeirauscht, sodass wir nicht von Wind oder Sturmflut betroffen sein werden. Die Yachten unserer Freunde südlich von Cape Hatteras (North Carolina) und unser Lieblingsort Beaufort mit Cape Lookout lagen genau im Durchzugsgebiet nur wenige Meilen vom Auge des Monsters entfernt. Bekannte in Beaufort haben Ihre Häuser verlassen. Aber niemand vermeldete Schäden auch nicht die befreundeten Yachties von Savannah und Charleston. MonReve lag in Beaufort/Oriental sicher im Trockendock trotz den Sturmfluten, welche auf Bahamas 5-6m gemessen haben, in Beaufort nur 60-100cm betrugen zusätzlich zur normalen Flut. Der Hurricane hatte an Kraft verloren und wurde als Klasse 1 eingestuft mit bis zu 160km/h Windgeschwindigkeit. Die Sturmflut ist der Anstieg des Meeresspiegels durch den Wind- und Wasserdruck – dann kommen noch die zerstörerischen Wellen und die Winde dazu und gelegentlich ein Tornado on top welcher «aber nur lokal» zerstört mit seiner Windkraft. Sorry kann man ja alles nachlesen im Internet etc.
Also, angekommen in NYC bei der Freiheitsstatue in der Upper Bay haben wir im Rücken der Dame ca. 100m entfernt ganz legal geankert und 2x dort übernachtet. Dazwischen waren wir 5d im Hudson River vor Manhattan an der Ankerkette direkt bei der 79.West- Street. Mit dem Dinghi etwas mühsam da 5min Fahrt mit bis 3kn Strom mal flussaufwärts, mal abwärts. Das hat teilweise ordentlich an der Kette gezerrt insbesondere auch weil unser Schiff (Katamarane im Speziellen) durch Wind gelegentlich in ganz andere Richtungen gedreht wird und es dann wegen Wind und Strömung ein erstaunliches Hin- und Herfahren im Bereich des Kettenradius gibt, was nicht gerade vertrauensfördernd ist und die Nachtruhe gelegentlich stört. Zudem ist es tagsüber ein mulmiges Gefühl in Downtown Manhattan zu sein und das Schiff steht im Hudsonriver bei 2-3kn quer in der Strömung. Die Wellen durch Wind oder die Grossen Schleppverbände sind je nach Wind/Strömung erheblich und schlagen von den Uferbefestigungen zurück. Da fragt man sich immer wieder: hält der Anker?
Nach 5d wollten wir etwas Ruhe und Sicherheit, da wir auch nicht wussten, wie stark die lokalen Winde werden beim Vorbeiziehen von Dorian draussen im Atlantik. Also verlegten wir zurück in die Lower Bay/Richmond in einer rundum abgeschlossene Marina (Great Kills..). Hurricane Sandy hat vor einigen Jahren die Marina bzw. NY heimgesucht: das Wasser ist wegen der Sturmflut höher als alle Dämme gestanden (+ 4m) und die Wellen kamen «fadegrad rein». Das heisst dann auch: alle Schwimmdocks sind oben am Ende über die Halt-Pfosten geflutet und abgetrieben worden zusammen mit den restlichen dara festgebundenen Schiffen.
Item: wir xxx sicher festgemacht an diesen Schwimmdocks in Great Kills und haben die Zug-Route verfolgt. Für uns ging es nur noch darum, wie stark Regen und Winde werden. 20-50kn war in diesem Stadium noch möglich. Das ist ok für uns auch wenn wir bei 25+kn nicht mehr im Hudson-River Ankern wollten. Am Schluss gabs 14h teils starker Regen und 20-max 25kn Wind und einen Stromausfall in der ganzen Marina, was aber Zufall war. Die Kinder haben die Zeit in der Marina mit Auslauf sehr genossen: Fischen auf dem Steg, Velofahren, Scooter/Trotinett, Spielplatz, Sandstrand. Dann zurück zur Freiheitsstatue und erneut bei schönstem Sonnenuntergang dort geankert und übernachtet mit Apero, Pizza aus dem Gasofen. Michi und Debbie haben uns begleitet. Beide leben und arbeiten seit kurzem in Brooklyn und Manhattan. Michi hat mit uns die Transat gemacht. Es ist erstaunlich erneut waren wir nur 2 Schiffe an diesem grandiosen Ankerplatz, welcher in der Nacht absolut ruhig und urban idyllisch war. Die ersten Touristen-Boote, Helikopter und Waterjets kommen morgens ca 8h.
Von der Statue gings dann durch den East-River (3kn Gezeiten-Strom in Spitzen bis 7kn) bis in die South-Bronx und dann zu den obergestopften Villen von Long Island in Port Washington/Manhasset-Bay. Unter all den Brücken hindurch, Brooklyn Bridge und alle anderen, vorbei am UNO-Hauptsitz und direkt in der Anflugschneise des LaGuardia-Airports und die tolle Skyline. In der Southbronx am New York Sunny Maritime College war ich als 23jähriger für einen zweiwöchiges Segeltörn bis nach Martas Vineyard und zurück. Das Befahren des East-River: Ein Erlebnis der Extraklasse. Wir haben sowohl im Hudson-River als auch vor der Liberty Statue Seile bzw. Schläuche und Stromkabel mit dem Anker hochgezogen.A ber solange das Zeugs bzw. der Anker noch hochkommt, kann man mit 2-3 Tricks oder zur Not mit vom Dinghi aus den Anker befreien nicht ganz einfach bei uns weil das Ankergeschirr nicht am Bug austritt sondern rückversetzt im Mittschiffs schlecht zugänglich unter dem Trapez-Netz liegt. Bei Strömung bzw. im Fluss eine Herausforderung aber es funktioniert und wir haben auch einem anderen Motorboot bei seiner «Befreiungsaktion» vom Dinghi aus geholfen das sind kleine Überraschungen im Tagesablauf. Eine andere: ich erwache von einem hochfrequenten lauten Geräusch, wie eine Fräse, morgens um 0630h. Noch einmal dieses Geräusch, sehr nahe, ich stehe auf: Maxim ist einen Metallkarabiner in die Toilette gefallen und er hat gespült weil die Schüssel tatsächlich voll war mit «biogenem Feststoff» und dem Karabiner. Nun muss man wissen, dass auf den Schiffen die elektrischen Toiletten einen Mazarator vor dem Pumpenrad montiert haben (Helvetisch = Häcksler). Dieser soll alles zu dünnflüssigem Brei zerkleinern, dann wird es in den Tank oder den Ablauf gepumpt auf dass es dann auch wieder aus dem Tages-Fäkalientank rausfliessen kann aufmerksam «Lesende» erinnern sich noch an die Aktionen, um den Auslass des Fäkalientankes zu entstopfen in der Ära VOR dem Mazerator. Nun ist also passiert, was ich nie tun wollte, aber heimlich immer befürchtete: ich musste die Schüssel mit dem Motor, dem Pumpenrad und dem Mazerator zerlegen. Das Manual war schon im Download-Ordner parat wir haben ja nicht immer WWW. Das geht recht einfach: 4 Schrauben lösen, ruckeln, dann rinnt alles Flüssige raus und der Motor sollte mit Mazerator/Mazeratorgehäuse und Pump-Impeller aus der Schüssel rausgezogen werden können. Können! Denn das Mazeratorgehäuse war so gut im Schüsselboden festgesetzt, dass es nur einen 5-6mm Spalt gab, dann sass Motor mit allem dran fest. Auch die Online-Beratung von Tim vom WC-Hersteller Jabsco war nicht hilfreich: WD40 Spray.. Durch diese 6mm kriegte ich den Karabiner raus und auch noch andere Dinge, welche dort nicht hingehören. Wir haben im Familien-Bord-Rat nochmals besprochen, dass es nur eine Art von Feststoff gibt, welcher im WC zu flüssiger Form verarbeitet werden kann- keine Spielsaschen, keine Haargummi etc.. Nun hätte ich eigentlich den nächsten Garantiefall am Halse: das elektrische WC einschicken? Alles sehr mühsam. Der andere Garantiefall ist der Reserve-Suzuki-Aussenbord-Motor mit verklemmtem Zylinderkopf-Ventil nach 5 Betriebsstunden. Der Motor ist seit 6 Wochen beim US-Händler, weil: ein Europäisches Modell = keine US-Seriennummer, keine Ersatzteile in den USA. Sonderfall; alles muss in Europa bestellt werden inkl. Kostengutsprache. Nun warten wir auf die Europaersatzteile seit knapp 4 Wochen! Der Motor ist noch in Annapolis/Chesapeake Bay bei Washington DC, wir in Newport, 650km entfernt. Nach der Passage des East-River sind wir nochmals nach Brooklyn für 3d in eine AirBnB- Wohnung. Das war wesentlich einfacher als auf dem Hudson River vor Anker. Toll auch wieder mal in einem Haus zu schlafen. Michi und Debbie haben einen Abend auf die Kids aufgepasst und wir haben japanisch diniert. New York war toll aber mit den Kindern auch anstrengend in einer solchen Stadt mit so vielen Menschen, den grossen Distanzen und dermassen viel Verkehr und Gedränge in der U-Bahn. Die Kinder waren meist mit den Scootern unterwegs, so konnten wir problemlos grössere Distanzen zu Fuss zurücklegen. Dann sind wir in die Hamptons gezogen, genauer im Long Island Sound auf der Nordseite von Longisland Richtung Osten (das erste Mal auf unserer Reise nach Osten!) gesegelt bis nach Montauk mit Zwischenstationen u.a. in Port Jefferson, auf Shelter Island und Greenport. Im Lake Montauk lagen wir vor Anker bei der Marina, welche 10Dollar pro Fuss Bootslänge für 1 Nacht verlangt – für uns = 440.-/Nacht und dann noch Strom extra; dafür Pool und Fitness. Wir blieben vor Anker gleich am lokalen Flugfeld, wo am WE ein reger Shuttlebetrieb herrschte für die Boots- und Hausbesitzer und Mieter in East -Long Island. Welche Prominente und Reiche ein Grundstück auf diese Insel besitzen kann man alles nachlesen; auch Max Frischs Roman, Montauk, in welchem der ältere Herr mit jüngerer Geliebten über sein interessantes Leben schwadroniert.
Long Islands Nordküste am Long Island Sound gelegen ist sehr schön, viele Buchten und ruhige Orte mit den erwähnten mondänen Villen mit Seeanstoss, für uns zum Ankern wundervoll. Port Washington, Shelter Island, Greenport, Montauk und Block Island waren Orte, welche wir zu Fuss, mit Uber oder mit Velo und Scooter erkundet haben.
Seit New York ist es merklich kühler geworden nachts und sobald es etwas bewölkt ist. Wir sind froh um die Diesel-Heizung auch um die Feuchtigkeit aus dem Boot raus zu kriegen.
Von Block Island sind wir bei Dunst und Nebel übergesetzt auf das Festland, Newport, Rhode Island. 30 Meter unmittelbar neben dem Schiff ist ein grosser Walfisch aufgetaucht, hat geblasen und langsam ist sein Rücken durch das Wasser geglitten bevor er lautlos wieder im nur 35m tiefen Wasser verschwunden ist. Wir haben das Spektakel noch 3x geniessen können allerdings nicht mehr so nahe am Schiff. Das war überraschend aufregend hätte ich nie gedacht.
Seit September 2018 in der Strasse von Gibraltar haben wir keinen Nebel mehr erlebt. Nun bimmelt und heult hornt es bei der Einfahrt nach Newport von den Seefahrts-Tonnen (Heul und Glockentonnen) und den
Leuchtfeuern/Leuchttürmen (Hornsignale) und es herrscht bei 14-16kn Wind trotz eingeschränkter Sicht ein sehr reger Segelbetrieb mit modernen und vielen älteren Yachten. Zudem gilt die Region hier als Sportfischer-Mekka und so sind auch extrem viele kleine bis sehr grosse Sportfischer-Yachten unterwegs, welche erhebliche Kreuzseen produzieren im engen Fahrwasser. Die Fische, welche hier gefangen werden sind wirklich teilweise unvorstellbar gross und werden dann mit Fotos dokumentiert.
Newport war ab 1930 während 50 Jahren das US-Zentrum des Americas Cup. 1930 wurde hier mit den J-Yachts und später mit den 12-er gesegelt bis Australien die Kanne gewann: 1983 Australia II beendete die 137jährige Dominanz der Amerikaner in Newport. Heute haben wir das Kielwasser von drei 12-er Yachten gekreuzt beim Einlaufen in das Hafenbecken.
Neben Palma de Mallorca, Las Palmas auf Gran Canaria, Le Marin auf Martinique und Annapolis in der Chesapeake Bay finden wir hier ein weiteres gigantisches Motorboot- und Segelzentrum mit vielen teils exklusiven Yachten (Oldtimer und Superyachten) vor Anker, an unzähligen Bojen und in den vielen teuren Marinas welche das grossen natürliche Hafenbecken säumen.