SY Ladiala

Newport/Rhode Island/USA – Zurich – Antigua ; Oktober bis Weihnachten 2019

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Wir schreiben Freitag 13. Dezember. Falmouth Harbor – Antigua. Es regnet, praktisch den ganzen Tag. Ich finde es sehr gemütlich. Es passt zu Adventszeit – zumindest fast. Statt Stille Nacht Heilige Nacht wird jetzt durch DJ Michele Feliz Navidad im Reggae Stil gehört, ständg!!! Weihnachtszeit in der Karibik ist etwas skuriles, für mich zumindest: Kein Pulverschnee dafür pulverfeiner Sand. Keine klirrende Kälte dafür angenehme Karibikwärme. Keine besinnlichen Weihnachtslieder, dafür fröhliche Reggae-X-mas Songs in den wenigen Beach Bars. Die Karibik ist christlich geprägt und so machen auch alle mit bei Dekoration, Weihnachtsschmuck und Beleuchtung in Geschäften, Restaurant, an Hausfassaden und im Garten. – etwas kitschig vielleicht, aber mir gefällts.
An Weihnachten essen die Locals hier zumeist Turkey mit allem Drumunddran, laden Familie ein und geniessen das Zusammensein. Je nach Vorliebe geht man in diese oder jene Kirche; anglikanisch, lutheranisch, katholisch, Pfingstmission, Jehovas und andere. Jedes Dorf hat 2-5 Kirchen. Samiclaus am 6.12. gibts hier nicht. Ich glaube da sind wir Schweizer fast einzigartig. Aber uns auf LaDiala hatte er im Radar: er konnte leider nicht persönlich kommeer hatte das Bein gebrochen und lag im Spital.aber seine Pelikanfreunde aus Antigua brachten im Tiefflug für jeden das Samiclaussäckli vorbei und liessen sie lautlos ins Dinghi fallen. Grosses Hallo bei den Kindern. Die Spanischnüssli kannst du aber in der Karibik nicht essen, nach gefühlten 10 min sind sie weich und geschmachlos.

Wir haben Newport und somit auch unser US-Amerika-Abenteuer Ende Oktober verlassen, um für kurze Zeit in die Schweiz zu kommen, um Familie zu besuchen und einige private und berufliche Angelegenheiten zu regeln. Unsere LaDiala alleine zurückzulassen- an einer Boje im Hafenbecken von Newport den Nordatlantik-Herbststürmen trotzend, fiel uns schwer (ein Marina/Hafenplatz hätte dort mit 5000.- US$ zu Buche geschlagen- ja fünftausend für 4 Wochen.). Vor allem war es seltsam mulmig aus der Ferne sicher zu gehen, dass der Transport auf einem grossen Frachtschiff via einer Brokerfirma (ship on ship) nach Antigua/Karibik reibungslos über die Bühne ging. Das war für uns eine anspruchsvolle organisatorische Angelegenheit. Neben der reinen Transportorganisation mit dem Transportbroker (ca 30 Mails und 15 Telefongespräche) galt es mit Agenten die Zollformalitäten in den USA und in Antigua zu organisiere, in Newport einen delivery – Captain aufzutreiben und ihm unser Schiff für der Transport zum Verladeort anzuvertrauen, wobei wir den Captain nie gesehen haben, weil er grad mit einer Überführung beschäftigt war. Zudem musst noch der Reserve-Aussenbordmotor von Annapolis/Maryland 600km zu uns aufs Schiff transportiert und sicher verstaut werden (Ihr erinnert euch vielleicht: DAS Garantiedesaster). Der Motor war 1 Tag vor Verschiffung tatsächlich an Bord. Wir waren damals schon 3 Wochen in der Schweiz. Etc. etc… Umso grösser und emotionaler war dann auch das Wiedersehen im Hafen von St. John/Antigua anfangs Dezember. Letztlich konnten Mark als Skipper die Wasserung vom Frachtschiff mit 12-tägiger Verschiebung vom ursprünglichen Fracht-zeitplan direkt auf dem Frachtschiff miterleben: man musste Leuchtweste, Helm und geschlossene Schuhe tragen, alles voll Staub, Oel, Bitumen vom Schweröl-Verbrennen (Schiffsdiesel genannt) und am Schluss die Leiter an der Bordwand runterklettern auf Diala, welche noch an einem von den beiden Riesen-Schiffs-Ladekranen hing. Insgesamt wurden 15 Schiffen entladen, ein eindrückliches Spektakel. Dann in Wurfdistanz zwischen 4!!!
Kreuzfahrtschiffen hindurch zum Pier manöverieren, wo Michele und die Kids freudig gewartet haben inmitten von den gefühlten 15000 Gästen der 4 Monsterkreuzfahrtschiffe. Gepäck und Proviant haben wir dort verladen, beobachtet von all den Kreuzfahrern. St-John Harbour ist klein, keine Marina, keine Yachtpier, nur 1 commercial dock für Frachtgut und Container, dann das kleine Pier für die Tagestouristenschiffe gleich neben den 2 Fingerdocks für total 4 Cruise-Ships, welch dann auch vor Ort waren. Dort durften wir für 2Std festmachen, nachdem wir uns zu den Verantwortlichen durchgefragt hatten.

Während der 10tätigen Wartezeit in Antigua haben wir in einem AirBnB im Landesinnern gewohnt und mit Mietauto allerlei entdeckt. Die Kids haben während 5 Tagen nachmittags eine Krippe für 4-8Jährige besucht und es sehr genossen wir Eltern auch. Zudem wurden wir von der Landlady/Vermieterin und ihrer 30j Tochter herumgeführt und haben so auch einen kleinen Einblick ins Leben der lokalen Mittel- bis Oberschicht erhalten. Die Vermieterin betrieb neben dem AirBNB eine einfache Autovermietung, arbeitete in der Leitung (board) einer lokalen Bank und lieferte als Fischhändlerin persönlich Fische an diverse Restaurants und Hotels- wobei wir uns jeweils fragten, wie sie mit Eis/Kühlbox im Kombi bei der doch eher warmen Fahrzeuginnentemperatur die Fische auch tatsächlich frisch zu den Bestimmungsorten brachte.

LaDiala ist unser Zuhause. Egal wo sie ist, wir sind auch dort. Das Zuhause in der Schweiz aufzugeben, das war für mich sehr einfach. Alles Loszulassen, den Alltag, die Gewohnheiten, die Sicherheiten, den Luxus, die Bequemlichkeiten. In keinem Vergleich steht der Tausch. Man kann ihn nur annähernd beschreiben mit unglaublicher innerer Bereicherung und Erfüllung. Leben auf dem Segelschiff ist ankommen in der Gegenwart. Was gestern war, wie ich gewohnt hatte, in welch Möbel, Vehikel, Kleider und Beruf ich mich wälzte und definierte, wurde auf einmal egal und belanglos. Zu Beginn unserer Reise war ich besorgt ob unsere Diala denn immer und überall ein Ankerplätzlein finden würde. Aber schon nach wenigen Tagen habe ich beruhigt feststellen können, dass da immer Platz und Raum ist.
Ja die Welt wurde plötzlich zu einem Schauplatz. Man platziert sich mit seinem Schiff inmitten einer Schau und schaut ihr zu. Das chöne daran ist, dass man einfach nur zuschauen kann, keine Rolle oder Aufgabe übernehmen, sich nicht beweisen oder bewähren muss. Man ist einfach da. Der Tag wird kommen wo wir unsere LaDiala wieder umtauschen müssennein, traurig werde ich dann nicht sein (ein bisschen schon, oder wahrscheinlich sehr). Ich werde dankbar sein. Vorerst aber kommen nochmals gute 6 Monate Karibik.

Heute sind wir wieder bei der über-30m-Mast-Flotte angekommen Maxi- und Mega-Yachts, Segel- und Motoryachten von 30m bis ca.100m Länge. English/Falmouth Harbor sind wohl noch mehr dafür bekannt als Newport (Rhode Island). D.h. im Klartext Luxus-yachten jeglicher Art, mit oder ohne Helikopter drauf Eigentlich macht das alles keinen Sinn. Antigua ist bis auf diesen Fleck sehr karibisch-bunt, bescheiden und durchschnittlich. Okay, ein paar nette Resorts und paar Promis haben hier ihr Haus. Wahrscheinlich ist es die Vergangenheit um die Briten mit Admiral Horatio Nelson. Die Engländer haben im 18. Jahrhundert ihren grossen karibischen Marine-Stützpunkt hier in Englisch-Harbour aufgebaut, heute ist es UNESCO Weltkulturerbe und schön renoviert, Admiral Nelson Dockyard genannt und gilt als Nationalpark zusammen mit den umliegenden Hügelzügen und den forts and batteries (befestigte Geschützstellungen), welche die seeseitigen Zufahrten mit ihren Artillerie bestreichen konnten gegen die Überfälle v.a. der Franzosen von Guadeloupe aus dem Süden und St-Barth/St.Martin vom Nordwesten.

In ein paar Tagen kommen mein Vater und Anita zu Besuch. Wir freuen uns sehr, steht doch Maxims Geburtstag und das Christkind vor der Türwir werden gemeinsam erneut Barbuda besuchen und anschliessend an Antiguas Ostküste die traumhaften Strände um Green-Island und Non-such-Bay geniessen. Wir wünschen allen Zuhause eine schöne verschneite Weihnachtszeit und einen fröhlichen Übergang ins 2020.