SY Ladiala

Dezember 2019, Samichlaus Weihnachten und Neujahr in Antigua

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Chlamimaus, so die Kinder, Samichlaus, so die Eltern, ist nicht gekommen. Er hat sich im Wald verletzt und das Bein gebrochen. Aber seine Pelikan-Freunde haben seinen Bericht und 2 Säckli vorbeigebracht und im Dinghi deponiert zur grossen Freunde von Mara und Maxim. Allerdings, in der hiesigen Feuchtigkeit kann man Spanisch-Nüssli nicht geniessen: weich, ohne Biss und geschmacklos, Baumnüsse geht. Madarinen eher nicht. «Schoggi scho», da schnell gegessen.
Mit Grosspapi und Nica haben wir eine schöne 10tägige Tour u.a. mit drei gesegelten Tagesetappen jeweils ca 35sm um Antigua herum mit einem Abstecher nach Barbuda gemacht. In Barbuda haben wir neben der Lagunentour mit Besuch des Fregatte-Vögel-Brutgebietes und Lobsterfang auch noch einen Inlandausflug gemacht. Georg, der Guide und Fischer, bescheidener Gentleman mit feinem Humor, hat uns mit dem flachen Fiberglasboot direkt bei LaDiala abgeholt, dann durch die neue Lücke in der Lagune (durch Hurricane Irma 2017 aufgerissen) direkt in die grosse Lagune geführt. Das war eine gute Wahl, denn am frühen Abend hatte es dermassen Schwell und damit gewaltige Brecher am Ufer, da wären wir nie mit dem Dinghi weggekommen. Wir haben wegen des Schwells auch in tieferes Wasser verlegt abends. George hat uns auf unsere Nachfrage stolz sein wieder-schwimmendes Fischerboot ( ca 17-18 lang) gezeigt, nachdem sein Schiff seit Hurricane Irma 10/2017 bis vor 6 Wochen ca 30m auf Land gestrandet gewesen war, wohin die Sturmfluten es gespült haben. George musst auf Barbuda warten, bis er das Geld zusammen hatte und bis ein genügend grosser Pneukran auf der Insel war, um das Schiff wieder flott zu kriegen eben vor 6 Wochen. Jetzt wartet er auf den Mechaniker um die Maschine zu reparieren. Er meinte, immerhin sei er nun seit 2 Wochen (sic!) nicht mehr im Zelt sondern habe nach Hurricane Irma im Oktober 2017 nun wieder ein kleines festes Dach und bald könne er mit seinem Schiff, welches er vor Jahren selber von Florida nach Barbuda geführt hat, auch wieder fischen gehen, da sei er zuversichtlich.
Green-Island, der östlichste Punkt von Antigua wie «immer» sehr schön (wir waren ja im März 2019 schon 3 Wochen auf Antigua), wenig Segelschiff-Betrieb selbst an Weihnachten aber viele Super- und Maxiyachten in der Bay (2-6 an der Zahl täglich mit Motorbooten, Jets, Foil-Boards etc. zur Vergnügung der Chartergästen und Eigner). Ich bin 1x Kiten gegangen, leider konnten wir das nicht länger/besser planen. Wir haben mit den Grosseltern in fast allen schönen Buchten von Antigua geankert; für die Grosseltern eine Woche zuvor einen Schatz tief!! vergraben, etwas schludrig eine Piratenschatzkarte gemacht und dann 1Woche später den Schatz nicht mehr gefunden, grossflächig im Sand gewühlt und praktisch semi-mechanisch umgegraben bis die Betreiber der Strandbar reklamiert haben.. Der Schatz ist also noch dort die Schatzkarte gibt es auch noch!
Es war recht warm bis heiss weil vom 27.12. bis am 3.1.die Tradewinds (= Passatwinde) ausblieben und wir mit Schwachwinden von Südost bis Nordwest alles hatten ausser eben von Osten/Nordosten, womit bei diesen lauen Lüftchen die Temperatur im Schiff anstieg und auch die Moskitos vom Ufer den Weg auf und ins Schiff fanden. Mara schaute aus als hätte sie die Masern im Frühstadium, danach kams Kratzen und die Krusten..
Wir haben einige Sachen ersetzt und optimiert. Das meiste hat bedeutend länger gedauert als geplant. Sogar banale Sachen wie von der Deck-Dusche den Duschschlauch wechseln hat anstatt 3 Min wie normalerweise zuhause hier 3,5h gedauert. So bescheuert ist das montiert. Gut; ich habe 90min im Internet gebraucht, bis ich rausgefunden habe, dass das
«Quick-connect»-Rohrverbindungssystem «Hep2O» heisst, um danach festzustellen, dass es ein Spezial-Werkzeug braucht um «Quick-Disconnect» zu machen, damit ich den Duschschlauch überhaupt demontieren kann. Dann musste ich dieses Spezial-Teil irgendwie annähernd selber basteln. Nach einigen Modifikationen gings dann mit erheblicher Roh-Kraft, sodass due Deck-Dusche nun wieder dicht ist und nicht mehr den Motorraum mit Frischwasser «füllt». Dann haben wir einen Wasser-Anschluss montiert, welcher das Land-Süsswasser in den Häfen/Marinas direkt mit Druck in unser Bord-Wassersystem bringt, sodass wir nicht mehr unser selbstgemachtes Trinkwasser aus unserem 700l-Tank anzapfen müssen im Hafen für Abwasch, Duschen etc. Das war viel Planung/Bestellung (via die Schweiz im Oktober) wegen der passenden Rohranschlüsse, Fittings, Schläuche (Zoll und metrisch, Gewinde, Aussen- und Innendurchmesse etc.) und ein «neues» viel clevereres
Quick-Connect-Plumbing-System von Whaler, das auch ohne Spezialwerkzeug rasch wieder auseinandergebaut ist ähnlich wie Gardena. Als ich dann stolz in der Marina die 220V-Waschmaschine mit dem «Landwasser» laufen liess, weil wir hier in Antigua 220V/50Hz haben und nicht wie in USA und westlicher Karibik 110V/60Hz, machte diese schlapp: Die Trommel drehte zwar normal aber die Pumpe schien laut ratternd defekt = Dreckwasser bleibt drin und Maschine lässt sich nicht mehr öffnen. Echt krass-übel, was wir für Dreck in den Kleidern mit uns rumtragen, dieses Wasch-«Wasser» hat toxisch-fäkal gerochen, als ich «kurz» den Entstopfungsablauf öffnete und nach ca. 1/2l Stinkwasser frei im Waschmaschinen-Schrank herum fliessend wieder zudrehte. Dann Maschine ausbauen (recht schwer so mit Wasser und Wäsche drin), raustragen auf Pier, Ablauf öffnen, Pumpe reinigen, wieder einbauen, nochmals testen (wegen Spezialanschlüsse und kurzen Schläuchen ging das Testen nur im Schrank drin). Immer noch mechanisch-ratterndes Defektgeräusch und das Wasser blieb in der Trommel liegen. Ausbauen, Wasser ablassen, Pumpe ausbauen, zerlegen, alles sauber und funktionierend, ein
220V-Leitungs-Gebastel und Pumpenkabel in die Steckdose reinhalten: sie läuft???!!! Hab dann nochmals meine Neuronen und Synapsen zu einer Extraleistung angeregt (1x Bier) und dann ist mir die Erinnerung an einen Segelfreund aus der Atlantic-Family-Group mit seinen umfassenden Erklärungen zum Strom zu Hilfe gekommen wegen 220V und 60Herz..! Gibts auch noch!! Dann den Dockmaster gefragt, wieviel Herz (Hz) hier der 220V Anschluss hat, er meinte 60 oder 30. Da wusste ich, dass er Ampère meinte und nicht Herz. Habe dann den DockmasterChef und andere gefragt und das WWW konsultiert und am Schluss war ich sicher, dass das mechanische Geräusch von der Elektromotor-Magnetpumpe kam, welche mit «normalen» 50Hz auch unter Last läuft ( Last = Schmutz-Wasser), aber bei 60Hz unter Last nur noch oszilliert (ohne Last gehts auch – habs ja probiert) und dann eben bei 60Hz rattert als würde sich sie Pumpe in ihre Einzelteile zerlegen. Langer Rede kurzer Sinn: mit unserem kleinen, mobilen 220V/50Hz Benzin-Generator lief die Waschmaschine dann wie immer.
Dann gabs noch einige andere Verzögerungen im normalen
Service-und-Unterhaltsalltag. Wenn wir wieder was erledigt haben, verschwitzt aber zufrieden und die Kids nicht gerade ultimativ fordernd schreien, schauen Michèle und ich uns an, high-five und ein Drink auf der Roof-top-bar von LaDiala dann waren und sind wir sehr glücklich. Neujahr war ruhig, nur wir 4. Die Kids sind um 21h eingeschlafen und nur unter unangenehmen Protest weckbar- weshalb wir da nicht insistiert haben; müde waren sie wohl vom nahen Pool und der Wasserschlacht mit Gleichaltrigen. Da haben wir uns zu, neuen Jahr tief in die Augen geschaut. Wir haben nicht mal mit Alkohol angestossen, nur die vielen Feuerwerke und unser Glück genossen.

Wir fischen immer noch und immer noch erfolglos, was Tuna betrifft. Mittlerweile haben wir regelmässig Barracudas mit ihren groben Zähnen am Haken: catch and release, wie die Sportfischer bei Marlin und Schwertfisch weil: der Barracuda ist als respektabler, torpedoförmiger Riffjäger praktisch am Ende der dortigen Nahrungskette und hat mit einer geringen aber relevanten Wahrscheinlichkeit das hitzestabile Algengift Ciguantera in human-toxischer Dosierung akkumuliert, sodass der Verzehr zu üblen, teils langanhaltenden Beschwerden des Verdauungstraktes und des Nerven-Systems führen kann. Das Fangen ist zwar weiterhin aufregend aber sobald wir die Barracuda-Kopfform im Wasser sehen, sind wir enttäuscht und versuchen ihn möglichst schonend an Bord zu nehmen, den Haken herauszudrehen und den Jäger wieder freizulassen. Wir haben einen speziellen Holz-Blei-Köder (speziell für Tuna empfohlen.!) mittlerweile mit erheblichen und tiefen Rillen und Rissen im Holz von bösen Fisch-Zähnen. Zweimal schon haben wir im Holz Zahnspitzen stecken sehen! Die Leine hat eine Reisskraft von 60kg. Der von uns konsultierte Zahnarzt, Dr.med.dent. Cony «Doc Henry» Henry, Hobby-Fischzahnarzt, meinte, dass dies Haifischzähne seien, aus Knorpel bestehend und nachwachsend, bzw. in mehreren Zahnreihen stehend und jeweils die vorderste Reihe ersetzend. Diese würden bei einem kräftigen Biss ins Holz steckenbleiben und abbrechen. Ehrfürchtig betrachten wir nun jeweils die Narben im Holz und stellen uns die dramatische Situation unter Wasser vor, wenn der Knorpelfisch auf den Holzköder stösst. Maxim hat ja bereits mehrfach vor Anker mit seiner Rute Baby-Haifische in der Grösse um 40 -50 cm gefangen.

Am 3. Januar 2020 haben wir Antigua nach einem 3stündigen
Ausklarierungsmarathon verlassen. Viele Segler mussten warten, anstehen; es ging nicht vorwärts, weil wir von einem Schiff mit 60 Personen an Bord im Büro der «Immigration» blockiert waren. Ein Pass wurde vermisst (im Büro oder auf dem Schiff?). Die haben sich irgendwie ins kleine 1-2 Officers-Büro für die Freizeit-Captains reingeschlichen also nicht alle 60 Personen nur der Agent und der Kapitän. Ich musste also in der vollen Nachmittagssonne 2h in der Reihe vor dem klimatisierten Office warten mit anderen Seglern. Dann wurde noch wie vergangenes Jahr für die Kids die Ausreisetaxe von je 30 US$ kassiert, weil Kinder auf Freizeitschiffe in Antigua als Passagiere gelten und nicht als Crew. Danach war in Antigua alles erledigt. In anderen Ländern, wie hier in St.Kitts, entrichtet der Captain keine Taxe, Kinder unter 12J auch nicht also bei uns zahlt nur die «Queen on board» .

Wir sind bei vielen Regenschauern mit Winden von 12 bis 28kn und einer Vielzahl von Segelwechsel gegen Westen gesegelt (280° Kurs über Grund ), um nach 55sm vor Nevis und St.Kitts unter der gelben Q-Flagge (Quarantäne, keine Landgang erlaubt für Crew und Passagiere) vor Anker zu gehen und um am Folgetag die Einreiseformalitäten zu erledigen.
Anschliessend kann die Q-Flagge eingezogen werden und Landgänge sind für die Mannschaft und die Passagiere erlaubt. Wir treffen in Nevis/St.Kitts eine US-Segler-Familie mit gleichaltrigen Kindern, welche wir auf den Bahamas kennengelernt haben. Sie haben auf den südlichen Bahamas übersommert (= Hurricane-Saison) und dann einen 1000sm-Schlag gegen Wind/Wellen nach Puerto Rico gemacht und kommen nun via Virgin Islands und St.Martin hierher nach Nevis/St.Kitts. Hier hat Sir Admiral Horatio Nelson notabene eine weisse Bewohnerin von Nevis geheiratet hat. Wir sehen auf
http://www.marine-traffic.com, dass unsere Freunde ca. 3h nach uns, vermutlich bereits im Dunkeln am vereinbarten Ankerplatz eintreffen sollten. Gespannt suchen wir mit dem Feldstecher bei Sonnenuntergang den Horizont an der vorgelagerten Landzunge ab, ob wir Masten/ und Segel auftauchen sehen und funken regelmässig auf VHF Channel 16: «Tropic Bird, Tropic Bird from LaDiala, LaDiala, do you read me?» Sie werden wohl erst antworten, wenn sie die Landabdeckung bzw. das Kap gerundet haben. Die Vorfreunde auf das spezielle Widersehen ist bei allen sehr gross. Wir werden wieder berichten