SY Ladiala

The best ship is friendship – Begegnungen

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Wenn man auf grosser Reise durch die weite Welt unterwegs ist, sind es vor allem die Begegnungen mit anderen Menschen, welche die Reise so wertvoll machen. Deswegen möchte ich einige von diesen festhalten.

Das grosse Wiedersehen: SY Tropic Bird (siehe letzter Eintrag)

Ein grosses Highlight und vor allem ein Wiedersehen nach 8 Monaten! Tropic Bird (52feet Janneau, 2003) ist das Zuhause von Brooke, Tyler, Caleb (6 Jahre), und Lauren (3 Jahre), eine Familie aus Oregon/USA, welche wir im Mai 2019 in den Bahamas getroffen haben und gemeinsam eine Woche am gleichen Ort in den Exumas bei George Town vor Anker gelegen haben.

Anschliessend haben sie während der Hurricane-Season (= Sommer) ihre TropicBird für 5 Monate in den südlichen Bahamas zurück gelassen um nach Hause zu fliegen, zu arbeiten und um Familie zu treffen. Im November ist Tyler mit 3 Seglern von Bahamas nach Puerto Rico gegen Wind und Wellen gesegelt. Brooke flog mit ihren Kindern nach Puerto Rico, um auf Tyler in einem Airbnb zu warten. Sie segelten als Familie mit Kurs weiter Richtung östliche Karibik = Lesser Antilles. Und so haben wir es geschafft uns in St. Kitts wiederzusehen. Sie sind um das bergige Kap gesegelt und wir haben beim Eindunkeln per VHF ersten Kontakt gehabt. Unbeschreiblich schön der Moment des Wiedersehens für uns alle. Fast einen Monat haben wir gemeinsam St. Kitts & Nevis entdeckt. Gemeinsam Schlechtwetterperiode mit nie aufhörenden Böen und Starkregen vor Anker abgewettert. Die Fall-Böen von den Hügeln gingen in der „geschützten“ Bucht bei Flachem Wasser hoch bis auf 52 Knoten. Einige Dinghies haben hinter den Yachten im Wind fliegend geflattert wie Tücher und sind mit dem Motor-Kopf unter Wasser verkehrt „gelandet“ (Salzwasser im Vergaser oder Brennraum/Kolben). Unser 25Kg Lewmar-Anker ist etwas knapp dimensioniert für den Winddruck, welchem wir als hochbordiger Katamaran ausgesetzt sind. So mussten wir bei diesen heftigen Winden täglich um-ankern, da der Anker langsam zwischen 5 und 30m durch den eher lockeren Sandgrund gepflügt hat. Entsprechend waren die Nächte wegen Windgeräuschen und innerer Unruhe des Wachhabenden (Michele oder Mark) weniger entspannt.

Wir haben mit TropicBird und fast ohne andere Touristen auf Nevis die schönsten Strandparties mit Bar, Band, BBQ und loderndem Feuer gefeiert, gemeinsames Speerfischen und Stingrayschnorcheln an den felsigen Buchten genossen und Croissant et pain au chocolat in St. Barth verschlungen. Die 4 Kinder verbündeten sich immer mehr zu einer wilden Piratenbande und gemeinsam wurden Fische mit den Fingern auseinandergenommen, gruusigi Wörter (auf englisch) geschwatzt und fast ohne Unterbruch dummes Zeug angestellt. TropicBird-Crew wird uns fehlen.

Catherine&Dan (Canada)

Ein junges Paar, welches neben uns in Antigua (Jolly Harbour) ankerte. Ihr Surfboard löste sich vom Segelschiff und Mark hatte es beobachtet und sie darauf aufmerksam gemacht. Wir haben sie auf einen Drink eingeladen. Ihr Schiff White Pearl (1980) 46fuss, hatten sie an der US Westküste gekauft und über Landweg an einen Fluss-See in Kanada transportieren lassen, um es in den letzten 10Jahren zu refitten. Ausser in den ganz kalten Wintermonaten haben sie auf ihrem Schiff gelebt, gespart und gearbeitet als, Designer, Krankenschwester, Übersetzer für Netflix (englisch-französisch) und anderes. Jetzt sind sie da. Überglücklich, dass ihnen die erste grosse Passage von Chesapeake über Bermuda in die Karibik gelungen ist. Zwischendurch wollen sie arbeiten. Catherine wird bald in Turks&Caicos als Krankenschwester für ein paar Monate arbeiten können. Dh sie werden bald dorthin segeln, um danach wieder zurück in die östliche Karibik zu kommen.

Cari&Lala&Abigail&Nia (Antigua)

Das war einer der schönsten karibischen Begegnungen. Bevor unsere LaDiala in Antigua eingetroffen war, wohnten wir in einem Airbnb bei Cari und ihrer Mutter. Schon bald stellte sie uns ihre Freundinnen Abigail (mit Tochter Nia 8 Jahre) und Lala vor. Cari und Abigail sind hier aufgewachsen, Lala aus Haiti nach Antigua ausgewandert. Sie sind zwischen 28-55Jahre alt. Neugierig und interessiert wollten sie alle auf unser Schiff kommen auch als Nichtschwimmer. Den Apero haben sie gleich selber mitgenommen und so hatten wir einen lustigen karibisch-exotischen beinahe Frauenabend. In Socca, dem karibischen Tanz wurden wir eingeführt. Und wir wurden das erste Mal in unserem Leben als exotisch bezeichnet. “Dabei sind doch sie exotisch“….. Irgendwie wollen sie alle einen weissen Mann….sprich nach Europa auswandern.

Ein paar Tage später wurden wir vom Schiffs-Steg abgeholt und zu Lala’s Villa chauffiert. Sie haben uns mit einem lokalen Nachtessen verwöhnt. Die Gastfreundschaft, Neugier und Aufgeschlossenheit haben mich sehr beeindruckt.

Eine New Yorker Familie

Eine ursprünglich asiatische Familie aus New York in Begleitung der Grossmutter haben wir in einem sehr coolen Beach Restaurant mit Lounge Bar in Antigua getroffen. Die Begegnung war kurz aber einfach sehr schön. Der Max (7 Jahre) hatte mit unserem Maxim so gleich eine lustige Zeit. Als würden sie sich schon ewig kennen. Es wurden Sandschlösser und Burgen gebaut, endlos ins flache warme Meer gerannt. in die brechenden Wellen getaucht, unersättlich gelacht, gerammelt und wieder von vorne begonnen.

Wir Eltern kamen eigentlich gar nicht so sehr in Kontakt miteinander aber gemeinsam hatten wir grosse Freude unsere Kinder so glücklich spielen zu sehen.

George Jefferson (Barbuda)

Mit vollem Herzen Fischer und Tour-Guide in der x-ten Generation. Ist mit seiner Insel Barbuda aufs tiefste verbunden und lässt uns daran teilhaben. Der Ausflug mit ihm zu der Sancturary der Fregatt- Vögel bleibt unvergesslich. Sogar so sehr, dass ich nun irgendwie verstehen kann, warum es Ornithologen gibt.

Werner, Schweizer Segler

Werner, ein pensionierter Schweizer Segler kam eines Tages mit seinem Trottinett zu uns an den Steg: „Immer schön das Schweizerdeutsch in der Ferne zu hören. Ich freue mich jeweils sehr eine Schweizer Flagge an Segelschiffen zu sehen.“ Werner ist mit seiner Frau vor einem Jahr über den Atlantik gesegelt. Nun ist er in Antigua seit längerem blockiert, weil sein Autopilot nicht richtig funktioniert. Er wartet auf Ersatzteile.

Die Schwedisch-amerikanischen Berufs-Blogger-Segler mit 4 Monate altem Baby

Auf einer fast 30jährige Amel-Segeljacht mit moderner Satelliten-Station zur Allzeitkommunikation segelnd bloggen und filmen sie ihre Reise seit Jahren und leben angeblich so von diesen für uns unklaren Einkünften. Erstaunlich und bewundernswert für uns aber auch hier wird klar: ohne IT läuft nichts…..

Jonathan & Sarah (England)

Jonathan, Captain der einer privaten 80m Superluxusmotoryacht, hat Feierabend und geniesst den Abend mit seiner Frau Sarah an der Strand-Bar in St. Kitts. Auch wir sind dort und so kommt man über die Kinder ins Gespräch. Die 4 Kids ( TropicBird & LaDiala) haben am Vorabend das Crewfest der Superyacht an der Bar aufgemischt. Sie sind beide sehr sympathisch, herzlich und offen. Eigentlich kommt man nie ins Gespräch mit der Welt der Superyachties, d.h. mit den Besitzern. Die bleiben definitiv unter sich. Aber mit Crew-Members gelegentlich schon. So war es für uns höchst spannend, Alltagsgeschichten einer Luxusyacht vom Captain persönlich zu hören;

Der Besitzer, ein amerikanischer Billionär kündet jeweils max 1 Woche im Voraus sein Kommen mit seinem Privatjet an. Die 22 Angestellten bereiten alles vor. Unter anderem wird das Delikatessen-Essen für Owner und Gäste (2-20 an der Zahl) express aus Frankreich eingeflogen. Das Schiff ist innen, aussen und unten auf Dauerhochglanz. Häufig hat der Besitzer oder seine erwachsenen Kinder den Wunsch auf ein schickes Lokal auf irgendeiner Insel, mit der Bitte zu Fuss am Strand erreichbar, nicht zu steil und nicht zu langer Weg (max 10min Marschzeit). So macht sich die Crew auf diesen unmöglichen Ort zu finden und abzumarschieren…. Die Besitzer kommen immer mit Bodyguard und Leibarzt eingeflogen. Wenn Kinder dabei sind, gibt’s auch einen Kinderarzt an Bord. Der Owner kennt mittlerweile den Namen des Captain, ein persönlicher Austausch ist nie mehr als 5min lang. Alle Anliegen des Captain werden normalerweise über eine zwischengeschaltetes Office angegangen. Mehr als 2-3m Seegang kann ein Problem werden. Weil: das fragile Mobiliar wie Bilder, Gläser, Skulpturen, etc müssen geschont und verschont werden. Das Schiff wird alle 3 Jahre neu gestrichen, sieht schöner und glänzender aus als eine Politur. Erst kürzlich musste das Schiff um 7m nach hinten verlängert werden. Der Indoorpool und das ausklappbare sea level deck mussten rein. Erstaunlicherweise fährt und liegt sie so besser denn je im Wasser. Pro Stunde Marschfahrt werden 630l Diesel verbraucht (unser Dieseltank hat ein totales Füllungsvermögen von 450l). Sarah darf als einzige Angehörige der Crew ihren Mann 1/Jahr für 2 Wochen besuchen und dort Ferien machen. Sprich in seiner Kabine. Salon, Lounge, Pool dürfen selbstverständlich nicht benutzt werden…

….je länger ich Jonathan zuhöre umso absurder wird mir diese Welt. Er lebt ca 6Mte auf dem Schiff und 6 zuhause. Dort, in England, hat er 6 Motorbikes und geht mit seiner Triumph Daytona 675 regelmässig auf den race track.

SY Tortola: Meret, Dan, Marvin (4) und Vincent (6)

Eine tolle Berner Familie, getroffen in Las Palmas auf Gran Canaria, in den Grenadinen, in Guadeloupe, auf Antigua alles 2018 und 2019. Nun nach 10 Monaten haben wir ein tolles Wiedersehen in Bitter End auf den Britisch Virgin Islands gefeiert und lassen uns von ihnen die hidden treasures der BVIs zeigen. Sie segelten und wohnten hier mit Unterbrüchen das ganze 2019. Vincent ging hier zeitweise zur Schule. Für die Kinder ist das ein ganz grosser Ereignis weil sie sich so gut verstehen, alle mit Lego spielen und die Erwachsenen vergessen werden….. Wir Eltern geniessen es auch.

Fairerweise müssen auch die Begegnungen der Kinder mit ihrer eigenen Welt dokumentiert werden. Eine der interessantesten Begegnungen Maxims war sicherlich neben der Kinder-Crew von TropicBird und Tortola diejenige mit den kleinen Eidechsen. Erstaunlicherweise ist er so flink, dass er Eidechsen mit den Händen jagt und fängt. Triumphierend und über sich selbst erstaunt wird das kleine ängstliche Geschöpf in seinen Pranken präsentiert. Wie eine Katze fing er an Ausschau nach Mäusen respektiv Lizard zu halten. Es wurden weitere geschnappt. Auch ohne unsere Aufsicht. Dem zarten Wesen wurden Schwanz und Beine ausgerissen…Warum bloss? Es wurde erklärt und geschimpft und besprochen.

Mara’s zur Zeit wichtigste Begegnung liegt mutmasslich in der Fiktion. Sagen wir Elsa und let it go = Disneyland und „frozen“. Die Phantasie ist Realität und ihr treuer Freund. Manchmal ist es Olaf, Mermaid oder eine kleine Turtle. Wobei letztere durchaus real neben uns lebt. Selbstverständlich teilt sie ihre Welt enthusiastisch mit uns.

Zuletzt hatte ich meine ganz persönliche Begegnung mit LaDiala. Besser gesagt mit meinem Shit und dem Shit der ganzen Familie;

Noch schnell aufs WC um dann freudig ins Meer zum schnorcheln und speerfischen. „Schnell spülen“. Die elektrische WC-Pumpe lief, aber mein Shit spülte sich nicht aus der Schüssel. So ein Shit. Irgendwann musste es ja mal kommen. Natürlich wurde nichts mehr mit meinem Geschnorchel, dafür machte ich mich heldenhaft verantwortlich für diesen Zwischenfall. Es war ja mein Shit…. Auf zur Ursachensuche! Im Prinzip ganz einfach. Alle Teile untersuchen die da involviert sind; WC Schüssel, Häxler, Häxler-Pumpe, 3m Schlauch, Holding Tank (50l), 50cm Schlauch bis zum Auslassventil. Natürlich ist das alles schön versorgt hinter/unter Abdeckungen, Wänden und Böden.

Zuerst aber musste der Shit in der Schüssel mit einer Handpumpe abgepumpt werden. Grusig aber einfach. Step two, Häxlermaschine untersuchen. Eklig, aber einfach aufschraub- und inspizierbar: KEIN Fremdkörper im Häxler. Eigentlich eine schlechte Nachricht. Denn das Problem lag somit weiter hinten. Hinten heisst mühsamer, dreckiger und stinkig. Noch interessiert? Aber jetzt wird’s erst richtig spannend und eindrücklich. Im Hinterkopf habe ich es geahnt. Herzinfarkt! Oder eben Shiturinsedimentinfarkt. Zu, das ganze Schlauchsystem von WC Schüssel bis Holding Tank zu. Kalk-Urin-Ablagerung über 2 Jahre mit unserer Familienkacke. Man stell sich das vor, 3m Schlauch mit einem Innendurchmesser von 4cm kompakt durchgehend zubetoniert.

Der Vorgang der mühsamen Schlauchevakuation und Neuinstallierung wird hier erspart. Der Gewichtsvergleich von neu zu altem Schlauch, mindestens 4kg! Ich hätte nie gedacht, dass mich mein Shit so beeindrucken könnte…..