SY Ladiala

Corona-2; 31.März in Puerto Rico, Marina Palmas del Mar

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Vorneweg: es geht uns gut. Alle gesund und guter Dinge, auch wenn die mentale Belastung sich verändert hat. Weg vom Wetter/Klima, Route, Navigation, Untiefen, Ankerwache hin zur aktuellen Situation kurz und mittelfristig hier in Puerto Rico und die Planung der weiteren Reise und unserer Rückkehr in die CH.

Die aktuelle Situation hier: weiterhin seit 15.März der totale lock down mit nun verschärfter Ausgangssperre 19-05h, massiv eingeschränktem Individualverkehr (grade/ungrade Nummern und Sonntag autofrei). Alles nicht Notwendige geschlossen. Autovermietung geschlossen. Häfen und Marinas und teilweise auch Flugverkehr total unterbunden. Niemand darf mehr per Schiff einreisen. Notfälle dürfen 3 Häfen anlaufen, dass Land aber wieder verlassen – sagt man. 3 Fälle sind uns schon bekannt, wo das durchgezogen wurde. Wir sind weiterhin sicher in der abgeschiedenen und bewachten Marina mitten in einer parkähnlichen Riesensiedlung und einer grosszügigen Golfanlage. Viele Teiche und Seen mit artenreicher Vielfalt an Wassertieren und Vögeln. Es gibt einen fast einzigartigen Sumpf-Urwald mit einem verschlungenen Hochweg durch diese feucht-wabbernde Pflanzenwelt. Die Strände sind menschenleer, voller stinkender Algen aber wunderschön mit einer erstaunlichen Palmenvielfalt, rauh (Ostseite ist Wetterseite), von Felsen durchsetzt und ursprünglich. Ein kleiner Shop mit dem Nötigsten (Milch, Eier, Wasser, Reis, Hygiene aber keine Früchte) ist in 15min Gehdistanz. Wir erreichen fast alles per Velo – 3 hatten wir dabei und Maxim hat ein neues für 130.- vom Walmart erhalten noch am Tag vor der Ausgangssperre/Lock-down, weil wir das ja erwartet haben.

Stand 31.3. 200 Fälle auf 3Mio Einwohner bei bis anhin sehr tiefer Test-Rate was sich nun ändern soll, weil die Schnelltest erhältlich seien. Zuvor wurden die Tests angeblich nach Florida geflogen zur Auswertung und es dauerte 6d bis zum Resultat.

Wir haben ein Visum bis 1.8. welches noch verlängert werden könnte und unsere Cruising-Permit für LaDiala ist gültig bis Ende 2/2021. An eine Weiterreise ist nicht mehr zu denken. Alle Länder haben die Grenzen geschlossen und es hat sich exakt bewahrheitet was wir vermutet haben in unserem letzten Beitrag: Planung unmöglich, Cruiser sind nirgends willkommen. Unsere Reise wird hier enden. Wir haben soeben das Schiff auf 2 Portalen zum Verkauf ausgeschrieben und die Planung für Versicherung (Hurricane-Einschluss), Broker, Hurricane-sicherer Trockenplatz, Verkaufs-Gutachten, Bootsräumung und allenfalls „Waren-Umzug“ sind am Laufen oder schon in die Wege geleitet bzw. erledigt. Ebenso die letztmals erwähnten Unterhaltsarbeiten. Die vergangenen 2 Wochen waren deswegen recht streng und auch emotional etwas belastend, da wir diese Grundsatzentscheide treffen mussten. Eine Rückkehr in die CH ist unter den gegebenen Umständen nicht sinnvoll. Wir sind hier Virus-sicherer und haben mehr Bewegungsfreiheit. In der CH könnten wir nicht wie gewohnt arbeiten (Kurzarbeit in der Praxis und Michele ist ohne Anstellung) oder nur reduziert, haben kein Zuhause, kein Auto bzw. keine Mobilität. Die Vorstellung sich unter diesen Umständen „neu einzurichten inkl. Wohnungssuche/Besichtigung und Zügeln ohne festes Zuhause bzw. in der Ferienwohnung der Eltern in Savognin“ macht es einfacher, in Puerto Rico zu bleiben und uns von der unerschütterlichen Lebens- und Entdeckungsfreunde der Kinder anstecken zu lassen. Wir leben auch nach 2 Jahren immer noch gerne so nahe zusammen – auch wenn es zwischendrin eine Herausforderung ist. Da dachte ich zynisch dran, dass nun viele Familien „im gleichen Boot“ sitzen, 24h auf wenigen Quadratmeter und sich aushalten lernen – hoffentlich. In diesem Zusammenhang müssen wir einmal mehr feststellen, dass wir Glück haben. Bei uns hat sich grundsätzlich wenig geändert. Dieses Leben kennen wir seit 2 Jahren, es ist selber gewählt, wir haben darauf hingearbeitet und es bedroht uns nicht finanziell-existenziell. Wir sind an einem schönen, warmen Ort und können noch 3-4 Monate durchhalten solange wir gesund bleiben. Die grossen Unsicherheiten mit bedrohlichem Aspekt sind die rasch wechselnden, politischen Entscheidungen, welche uns betreffen können und die medizinisch-gesundheitliche Situation hier, welche aber ehrlicherweise seit 2 Jahren immer schon vorhanden war, auch wenn nun der Pandemie-Aspekt hinzukommt und das Risiko für 50+j bereits deutlich höher ist.

Der Plan: hier ausharren und positiv bzw. negativ bleiben. Verkauf durchziehen oder Schiff ab Juli an einen Broker übergeben, es auf den hurricane-sicheren (???) Trockenplatz stellen und in die CH zurückkehren und uns um Wohnung, Beruf und Einschulung (Kindergarten und 1.Klasse) kümmern. Im bestem Falle haben wir im Juni wieder offene Häfen innerhalb US-Territorium und wir können nochmals die Umliegenden Inseln im US-Gewässer anlaufen und das Schiff evt auch steuerfrei auf den Brit-Virgin Islands verkaufen (2-3 kürzere Tagesetappen von hier gegen Wind/Wellen nach Osten). Wenn sich die Situation in der CH beruhigt und der Alltag einkehrt, dann ist eine früher Rückkehr auch möglich als Option. Notfallszenarien mal ausgelassen.

Die Fotos für den Schiffsverkauf waren eine Geschichte für sich: alles Ausräumen, putzen, Fotos machen. Teilweise Entsorgen vom ausgeräumten Grümpel unter Kinderprotest, einräumen, Fotos aufbereiten und hochladen. Dann realisierten wir mit Hilfe des Webmasters, dass diese Fotos teilweise unbrauchbar waren und neue, bessere hermüssen. 3d später alles nochmals, weniger Entsorgen, weniger Wehklagen dafür von meiner Seite her deutlich weniger entspannt weil nun die Fotos aufwändiger wurden weil Sonnenstrahlen abgedeckt werden mussten, damit die Raumhelligkeit einigermassen homogen blieb, bearbeiten am PC etc. Wir haben Zeit aber auch hier und zu diesen Zeiten fehlt die Lust für solche Wiederholungen. Alles an der Sonne bei wenig Wind und Regen zwar aber es wurde sehr arg heiss – nicht nur der frisch geölte Teakdeckboden.

Noch ein kleines Abenteuer zum Abschluss. Wir haben seit Dezember neu einen Frischwasser-Landanschluss, der es uns erlaubt, das Trinkwasser vom Wassermacher im Tank nicht für Dusche, Abwasch und Waschmaschine aufzubrauchen wenn wir ich einer Marina mit Wasseranschluss sind. Sehr praktisch aber es bedeutet auch unklarer Dauerdruck im System und wenn was undicht wird, dann läuft nicht nur max 700l aus dem Tank aus sondern wie zuhause einfach so lange bis man es merkt. Nun gibt es auf einem Schiff echt IMMMER ein Gebastel (Elektroninik Niederspannung/Gleichstrom und Wechselstrom 220V oder 110V aber auch Druckwasser-System) mit diversen Schläuchen von unterschiedlichem Material, Qualität, professionelle und unprofessionell Montage, vielen vielen Schlauchbriden und überall geht es um Winkel und Krümmungen. Dabei ist beim Landanschluss nie so ganz klar, was für Wasser (Umkehrosmose oder Chloriert) in der Karibik oder der USA ins Schiff kommt und wie der Druck im System auf dem Boot ist durch den Druck des Landwassers. Wir stellen den Anschluss nachts und wenn wir nicht auf dem Schiff sind recht konsequent ab in ängstlicher Voraussicht.

Nachdem ich abgewaschen hatte, bemerkte Michèle ca 30min später, dass kein Wasserdruck mehr vorhanden ist. Pumpe an Bord war ausgeschaltet und Landanschluss offen. Kurz: ein Schlauch, altersschwach nach 23Monaten geplatzt und der linke Rumpf mit Wasser drin. Wir waren schnell! Landanschluss abgedreht, Tank-Hauptventil zu, mit Elektropumpe ausgepumpt und getrocknet.. Keine Schäden an Holzeinbau und Elektronik. provisorisch quer durch Rumpf über Bodenbretter Schlauch verlegt, sodass wir wieder Druck im System haben. Neuer, passender Schlauch kommt evt. noch per Kurier oder nicht. Das wissen wir nicht so recht.

Und letzter Nachtrag von Michèle soeben 31.3.1. 11h vom Joggen zurückgekehrt: FBI* mit Autot hat sie gestoppt, Scheibe runter: go home please, no more jogging, walking, biking. Stay at home! Bis auf weiteres alles verboten….?! Das macht’s jetzt nicht einfacher. Nix mehr mit ornithologischen Erkenntnissen am Teich und Velo-Kinderprogramm?

Wir gehen dem nach und berichten gelegentlich wieder.

*das war ein Scherzchen von Michèle (hihihi, Mark hats mir echt abgenommen) – es war irgendwer, und es ist unklar, ob das jetzt stimmt oder nicht.