SY Ladiala

Marina Palmas del Mar, Humacao/Puerto Rico ; ab Ende April 2020

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Feliz Pascua! Espero que te la passes bien. Como estas? Okay, Thema Nr 1 ist Covid-19. Seit 4 Wochen „lock down“ in Puerto Rico. Bis zum 03.05.2020 weiterhin „lock down“. Mittlerweile ist Masken und Handschuhe tragen Pflicht sobald man das Haus verlässt. Die Zahlen steigen hier weiterhin an, mal mehr, mal weniger. Wir sind noch knapp unter 1000 positiv Getesteten und knapp 50 Toten, der Peak wird anfangs Mai erwartet. Inland Flüge (dh nach Amerika) sind weiterhin offen.

Wir halten alle Regeln ein. Wir sind hier Ausländer. Nicht, dass wir es zu spüren bekommen, zum Glück nicht, aber wir wollen hier auf keinen Fall dem Gesundheitswesen und dem Staat zur Last fallen.

Unser Alltag sieht in etwa so aus: jeder Tag ist gleich wie der andere. Die Welt zieht nicht mehr an uns vorbei. Das ist sehr neu. Waren wir doch stetig unterwegs, kein Tag war wie der andere in den letzten 2 Jahren. Es tönt paradox, aber plötzlich wird einem das Familienleben ein wenig zu eng…

Was mich jetzt eigentlich am meisten interessiert; wie geht es unseren Lesern und Leserinnen? Jetzt sitzen wir ja alle irgendwie im selben Boot. Was bewegt Euch? Die Einschränkung von Freiraum? Freunde und Familie? Reisen? Existentielles? Auswärts gehen? Ungewissheit?

Wir haben uns kürzlich den Film Contagion (2011) mit Matt Damon, Kate Winslet, Laurence Fishburne, Gwyneth Paltrow, Jude Law, etc reingezogen. Erschreckend spannend und ähnlich….

In wenigen Monaten ist unsere Heimreise geplant. Auch das wird ein grösseres Abenteuer werden: werden wir LaDiala verkaufen können, wird es einen Flug geben? Wird jemand uns abholen? Werden wir unsere Familie und Freunde in die Arme nehmen dürfen? Werden wir in eine staatliche Zwangsquarantäneeinrichtung gesteckt? Werden wir Euch alle nur noch mit Masken begegnen?

Ab 3.Mai war Joggen und Velofahren nach 2 Wochen Total-Verbot und „heischicke“ wieder erlaubt. Weiterhin Ausgangssperre ab 19h. Es gibt immer wieder lustige Erlebnisse auch in der eher einsamen Marina-Anlage. Wir als Kleinfamilie haben uns immer um 5h zum Apero auf die Terrasse des geschlossenen Restaurants in die herumstehenden Sofas gesetzt und Chips gegessen, etwas getrunken und in das Meer und den Wind geschaut. Zunehmend haben sich 2-3 andere segelnde Ehepaare zu uns gesetzt und der Sundowner wurde zur fixen Institution in diesen sonst eher einsamen Zeiten. Es sind dies segelnde frühpensioniert Festland-Amerikaner, welche Puerto Rico für die US-nahe Infrastruktur, die tiefen Steuern und das karibische Flair schätzen.

Alle erzählen von ihren Segelabenteuer oder von ihrem sonstigen Leben, der Familie und wir lernen viel über die US-republikanische Sicht der Mittel- und Oberschicht.

Was passierte sonst noch in den letzten 6 Wochen Hafenleben:

  • Maxim 1x genäht am Kinn (in Wand hinein gestolpert), und 2xKlammern am Hinterkopf nach Sturz aus der extra tief aufgehängten Hängematte (dafür extra hoch geschaukelt…).
  • Wir machen fast täglich Veloausflüge – auch Mara fährt nun mit.
  • Masken aus der CH sind per Kurier eingetroffen (mit Exportbewilligung vom SECO weil DHL das so wollte, dann Belehrung vom SECO an DHL: keine Exportbewilligung bei Lieferung an Privatpersonen – aber der Aufwand für den Sender blieb erheblich).
  • Wohnungsbesichtigung per WhatsApp/Skype/Facetime; wir haben eine sehr kinder- und elternfreundliche Wohnung in Höngg gefunden. Alles was wichtig ist, ist in Gehdistanz; Küche/Badezimmer von ca. 1982, <Time for style> kommt später, meinte eine Freundin trocken.
  • Netflix Serien geschaut: gefangen am Bildschirm 4x 40min/Tag macht auch 3h+ Screentime und morgendliche Müdigkeit.
  • Die Kids sind weiterhin immer zwischen 6-7h morgens wach
  • Maxim beginnt mit Pfeilbogen und Pfeil zu üben – das gibt viel Erklärungsbedarf und neue Sicherheitsmassnahmen an Bord.
  • Mara will sich selber eincremen – immer, kein Verhandlungsspielraum, erhebliche Beratungsresistenz.
  • WC-Tank über Inspektionslucke gereinigt (not nice!),
  • Tauchen/Schnorcheln im Hafenwasser, um am Schiff Seewasser-Einlässe, Propeller und Ruderblätter zu reinigen, die Hand war wirklich kaum zu sehen vor dem Gesicht und anschliessend war ich von oben bis unten voll von Krill/mini-Shrimps.
  • Manatee im Hafenbecken gesehen (= Seekühe, mostly herbivorous marine mammals)

Wir haben weitere Freunde gefunden: unter anderem ein Weltumsegler-Ehepaar mit Haus, Pool, Hund, 4 Chickens, sehr grossem Herz, wundervoll direkter Sprache und Englischem Humor. Sie haben uns grosszügig ihr Pool zur Verfügung gestellt. Wir waren über 4 Wochen fast täglich dort und die Kids haben neben Spielen im Pool mit diesen Ersatz-Grosseltern auch viel English gesprochen, Hund und Hühner gefüttert, gemalt, gespielt und sich irgendwo spielend im grossen Haus verloren. Gleichzeitig mit dem Verkauf, Umzug/Auszug und Reinigung von LaDiala konnten wir in diesem klimatisierten Haus 8 Tage als House-Sitter leben, während der Abwesenheit des Ehepaares. Sie stellen uns Ihren Golfcar zur Verfügung, wir können bis zu unserer Abreise ihren Zweitwagen benutzen als hätten wir ihn gekauft und dürfen uns dort wirklich zuhause fühlen in 2 Gästezimmern mit separaten Badezimmern. Ein unglaublich herzliche Grosszügigkeit und Gastfreundschaft, welche uns wirklich sehr geholfen und alles erleichtert hat bei der Verabschiedung und Ablieferung von LaDiala.

Der Verkauf von LaDiala an eine in Puerto Rico lebende US-Familie war sehr glückhaft innerhalb 3 Wochen erledigt aber auch sehr aufwändig und nervenaufreibend mit 3x Rückzug der Käufer sogar nach Vertragsunterschrift und 10% Anzahlung (was nicht gerade wenig war). Aber wir blieben immer freundlich, haben die Türen offengelassen, sodass alles doch noch zu aller Zufriedenheit zu einem Abschluss gekommen ist.

Es ist zu früh, Bilanz zu ziehen aber: Wohl nirgends ist die sogenannte Freiheit so einfach und mit wenig Risiken und Restriktionen zu finden wie beim Leben auf dem eigenen Kiel. Und Ja! wir haben in vielen Belangen definitiv Glück gehabt und wirklich sehr viel großartiges erlebt und unsere Freiheit sehr genossen. Es passierten keine relevanten Unfälle ausser Stürze mit Velo, Stich einer Meeresschnecke, 20sec. langes Kneifen mit der Schere einer GROSSEN Hermit-Crab in Maxims Zeigfinger mit ebenso langem Schreien von Maxim, 2x Maxim genäht– auch die restlichen Bobos und Krankheiten waren für uns gut behandelbar. Mein Knie ist zwar deutlich schlechter geworden aber das war absehbar.
Auch LaDiala hat uns keine langfristigen Scherereien verursacht – die Erfahrungen und Geschichten von Freunden mit ihren Schiffen haben uns sehr dankbar und demütig gemacht. Aber auch unsere Segel-Philosophie (less is more, keep it simple, stand-alone, redundancy, defensive sailing) hat sich sehr-sehr gut bewährt und uns vor viel Ärger verschont – da bin ich mir recht sicher. Nur was man nicht hat, geht nicht kaputt! Wir haben wahrscheinlich mit viel Glück für uns als Familie und auch individuell das Optimum aus diesen 27 Monaten „rausholen“ können und dürfen. Corona war zum Ende hin etwas mühsam aber hat uns andere Erfahrungen und Erlebnisse gebracht hier in Puerto Rico und nun werden wir noch einige Tage die hügelige Regenwald-Landschaft im Landesinnern erkunden und dann 2 Wochen an den Stränden der Hauptstadt San Juan unsere Fähigkeiten im Kite-Surfen und e-foilen zu verbessern versuchen während die Kids auf die Surfboards stehen bis dann unser Flug hoffentlich und endlich zurück in die Schweiz geht mit 6-8 Koffern, Handgepäck und Erinnerungen via New York und Amsterdam. Wir werden Ende Juni in Zürich eintreffen und dann am 2. Juli unsere neue Wohnung beziehen und unsere „eingestellten Sachen“ vom Zügelunternehmen übernehmen können. Dann beginnt wieder ein anderes Leben für alle von uns – Schul-, Berufs – und Gesellschaftsleben.

Damit endet unsere Berichterstattung und wir danken den Leserinnen und Lesern und verdanken auch die wohlgesinnten Kommentare – die anderen haben uns nicht erreicht.

Wir werden nun mindestens 2 Bücher herausgeben (Eigenverlag), jedem und jeder ein handsigniertes, kommentiertes Exemplar aufnötigen und bei jeder fehlenden Gelegenheit von all den Gefahren und Höchstleistungen berichten. Wir werden auf Facebook, Twitter und wahrscheinlich Tinder präsent sein und das Land mit einer Welle von Audio-Video-Vorträgen überziehen und für Coaching-Seminare und sonstige Fragen ungefragt zur Verfügung stehen. Wer noch nicht genug hat, kann auf der neuen Webseite (www.wiseildseworld.zeha) mitverfolgen, wie erfolgreich unsere Kinder nun ihr eigenes Leben meistern immer begleitet von unseren tollen und stolzen Kommentaren.