SY Ladiala

Mit dieser Seite wollen wir Familie und Freunden einen Einblick in unsere Reise geben, welche am 2.April 2018 auf der Insel Murter in Kroatien angefangen hat.
Wir sind: Michèle, Mark und die Kinder, Maxim (12/2013) und Mara (9/2015)
La Diala, ein Katamaran Helia 44 von Fontaine-Pajot, Baujahr 2014, haben wir im Frühjahr 2017 erworben.
Auf der Seite „Position und Route“ ist ersichtlich, wo wir gerade sind und wenn ihr von der KARTE auf das Satelitenbild wechselt wird’s noch besser… oder sonst auch via Marine Traffic. Mit der App Marine Traffic- Ship Tracking kann man uns auch nachspüren
Für Nachrichten an uns darfst du gerne das Kontaktformular verwenden. Wir freuen uns über jede Rückmeldung aus der Heimat.

15. Mai 2019

Photos Feb. bis April

8. Mai 2019

April Karibik nord-westlich

St. Barth, St. Martin/Sint Marteen, BVI/USVI, Dominikanische Republik, Turks&Caicos

In 6 verschiedenen Nationen in 4 Wochen. Das waren Frankreich (St.Barth und St. Martin), Holland (Sint Marteen) Britisch Virgin Island (BVI), Amerika (USVI), Dominikanische Republik und Turks&Caicos.

Auch beim Segeln wiederholen sich die Ereignisse und der Alltag. Ich halte diese vielen Eindrücke in Stichworten fest und lasse die Bilder sprechen.

St. Barth; französisch, eurasisch besiedelt, winzige Insel, karg, mondäner Ort der weissen Reichen, Jonny Holiday soll hier begraben sein, Regatta der Superluxussegelyachten, teuer

Wale in ca 100m Distanz von unserem Boot, gewaltig pflügen die Leiber durch die See.

St. Martin; französisch, auch karg, teilt die kleine Insel mit Holland, schwer von Hurrikan Irma&Maria getroffen, trauriger Schiffsfriedhof in Marigot Bay

Sint Marteen; holländisch, die wenigsten sprechen holländisch, auch viele Schiffswracks im grossen, natürlichen Lagunen-Hafen

Britisch Virgin Islands (BVI); wunderschönes Inselarchipel, einsame Buchten, Strände und Inseln leider auch Hurrikan-zerstört, praktisch die ganze Vegetation abgestorben, eine zuvor grüne nun braune Hügellandschaft, welche sich jetzt – 18 Monate später – langsam erholt, wodurch es einige grüne Flecken gibt. Ähnlich schaut es im Riff/Korallenbereich aus. Die Golfanlage ist „immergrün“….., Linksverkehr, sie fahren aber alle mit Autos für Rechtsverkehr (US-Import-Cars)

USVI; Besuch mit der Schnell-Fähre (27Kn) der Insel St. Thomas, auch Hurrikan-Narben, aber alles aufgeräumt, endloses !!! duty free shopping (vor allem Schmuck und Uhren – streng in indisch-stämmiger Hand), 2-4 Kreuzfahrtschiffe mit bis 8000 Personen (incl. Crew)/Boot und das teilweise täglich, McDonalds (nicht wir) und viele Pick-up

Nachtsegeln über 2 Nächte mit dem schönsten Sternenhimmel, nächtlicher Vogelbesuch zum Rasten, der uns erschreckt und das Deck markiert hat.

Dominikanische Republik; paradiesische üppige Palmen- und Waldvegetation, absolut spanisch-karibisch, sehr freundliche Menschen, Aufenthalt in fast leerer, erstaunlich günstiger Luxusmarina in Bahia de Samana mit 2x Infinitiypool ( nun weiss ich auch was das ist (Mark)) , 2x Bar, 2x Restaurant, Gym, Spa, Kids Klub, Reitausflug zu El Limon Wasserfälle, Autoausflug für Besichtigung, Lebensmittel- und Zigarreneinkauf

1x Nachtsegeln mit Vollmond

Turks&Caicos; noch nie von dieser Inselgruppe gehört! Es gibt sie. Ursprünglich britisch, viele US Touristen, viele Villen, Streusiedlung, steuerfrei für Firmen und Privatpersonen. Finanzindustrie, erneutes Kitesurfing in tiefblauemtürkistürkis Wasser, nur bauchnabeltief kilometerweit, Besuch meiner Mutter und ihrem Mann, Geburtstag feiern, erste Nurse-sharks, neuer Tuna-Köder (mit denen – den Tunfischen – haben wir noch eine Rechnung offen)

2x Nachtsegeln mit Destination Bahamas, Ankunft 30.4.2019

Ein Einschub noch zur Bevölkerung der grossen und kleinen Karibik-Inseln: praktisch alle Menschen sind afrikanischen Ursprunges als Folge des gigantischen, quasi-industriellen Sklaventransportes der Portugiesen,Spanier, Engländer, Franzosen und Holländer beginnend im 16. bis anfangs 19.Jahrhundert ausgehend von der Westafrikanischen Küste mit Hilfe der dort ansässigen Händler, welche den Sklavennachschub aus dem Inneren des Kontinentes besorgten. Auf dem Rückweg brachten die Sklaventransporter Ware aus den neuen Länder nach Europa zurück und segelten dann wieder an die Westküste von Afrika um den „Kreis bzw. das Dreieck zu schliessen. Gemäss Sklavenmuseum in Martinique wurden um 11Mio Schwarzafrikaner deportiert alleine auf die Karibikinseln. Man geht davon aus, dass 2Mio die Seereise nicht überlebt haben. Es gibt jedoch vergleichsweise wenig klare Quellen zu den Zahlen… Die ursprüngliche indigenen Einwohner (meines Wissens um 600’000 Menschen) wurden innert 50-80 Jahren fast vollständig versklavt v.a. in der frühen Entdeckerzeit der Spanier und Portugiesen und sind in diesem Zeitraum an eingeschleppten Krankheiten und den „neuen Lebensumständen“ fast zu 100% zugrunde gegangen und „ersetzt worden“ durch die angeblich widerstandsfähigeren Schwarzafrikaner. Heute kann man sich kaum vorstellen. Auch die Inseln und ihre Flora lassen häufig nicht mehr erahnen, dass überall Plantagen, Bergbau (Edelmetalle) und Salzgewinnung im vorindustriellen Stile mit Menschenware betrieben wurde.

22. März 2019

Antigua & Barbuda März 2019

Antigua & Barbuda März 2019

Vier Highlights haben unseren Aufenthalt in Antigua und Barbuda unvergesslich werden lassen; Kitesurfing, Reunion mit unserer crazy ARC family Gruppe (Atlantik-Ueberquerer Familien), Besichtigung der italienischen Superluxusyacht Ohana und das surreale Barbuda.

Nonsuchbay, eine Wunderschönehinterdemriffgeschütztegrossbucht im Osten von Antigua mit der am Riff gelegenen Insel Green Island mit ihren flachen Sandstränden und den türkisfarbenen Buchten. Es ist der Spot zum Kitesurfen. Wir träumten schon lange davon diesen Sport einmal ausprobieren zu dürfen. Es ist perfekt. Die Kiteschule „40knots“ hat uns jeweils direkt von unserem Boot abgeholt. Ausgerüstet mit Schwimmweste, Helm, Kite und Brett sowie Dingi gings los. Zuerst der kleine Uebungsschirm an Land, dann der Grosse und dann ab ins Wasser aber noch ohne Brett. Das war lustig. Je nach Kontrolle oder eben Nicht-Kontrolle zog es einem fast ganz aus dem Wasser. Am zweiten Tag man glaubt s fast nicht, standen Mark und ich schon auf dem Brett und flitzten über s Meer. Ein herrliches Gefühl. Aber wehe man lässt den Schirm auch nur kurz aus den Augen, eine harte Landung kann s dann schnell geben.

Das schöne an dieser Sportart ist wohl die Vereinigung von Wind und Wasser, etwa so wie unser Parasailor auf der Atlantiküberquerung. Es geht vor allem um Balance und Technik. Weder Kraft noch grosse Fitness sind nötig. Und unsere Snowboard-Skills kommen uns sehr gelegen – wir müssen uns nicht um das Ding an unseren Füssen kümmern, das geht von alleine und gleitet meist so übers Wasser wie wir uns das vorstellen. Nicht wie Windsurfen. Da kam ich nie auf einen grünen Zweig, nur auf viele offene Wunden an meinen Händen…

Wir werden nun unsere zukünftige Segelroute ein bisschen den Kitesurfehotspots anpassen und weitere Lektionen nehmen.

Nach unserer Atlantiküberquerung hat sich eine WhatsApp Gruppe gebildet; die „ARC crazy family“. Eine Gruppe von ca 10 Yachten mit Kindern von 3-12Jahren. Über WhatsApp werden jeweils die aktuellsten Tips von Grenada bis Barbuda mitgeteilt. Je nach Boot/Spielsachen/Kids/Route wurde/wird miteinander gesegelt und geankert. Falls auf dem Marine Traffic-App Boote wie MonReve, Marlin, Lallona, Tortola, Gaia immer wieder in unserer Nähe gesichtet werden: es hat sich mit ihnen ein Clan gebildet. Die Tage gemeinsam vor Green Island in der Nonsuch Bay bleiben unvergesslich. Man stell sich seine Traumbucht vor. Unbewohnt, feinster Sand, viele schöne Muscheln, Palmen, grün-blaues Wasser und wir. Unsere Yachten füllten gleich die Bucht aus. Die Kids bastelten mit SUP, Kanu, Luftmatratze, Paddel und Seile Brücken zwischen den Booten. Das Spiel war dann möglichst trocken von einem Boot auf das andere zu kommen… Abends wurde zum Strand geschwommen, geschnorchelt oder gepaddelt. Ein Feuer im Sand, gleich neben dem Meer. Schlangenbrot, Würste, Entrecote, Gemüse, Marshmellow…ein Schlemmeressen.

Wir Erwachsenen und Eltern sehnten uns nach Kino. Die Kinder natürlich auch. So wurde auf einem Katamaran die Verfilmung von Freddie Mercury bei Champagner und Kuchen gezeigt. Auf einem anderen Katamaran die Mignons mit Sirup und Kuchen. Wie gut das tat.

Ein lustiger Event war dann auch das Drohnenfotoshoting. Wir schrieben mit unseren Körpern Antigua an den Strand.

Der gemeinsame Schnorchelausflug zum Riff war obligat- alle mit ihren Dinghies und dann: viele bunte Schnorchelspitzen und einige Kinderschwimmwesten schaukelten im Wasser.

Da fehlte uns nur noch eines; ein Ausflug auf eine Supersegelluxusyacht. Antigua ist in der Seglerszene bekannt für den geschichtsträchtigen English Harbour und für ihre alljährlichen Segelregatten. Es treffen sich die wohl schönsten und teuersten Yachten der Erde an diesem Fleck. Speziell erschien uns, dass gleich neben diesen Yachten der karibische Alltag stattfand. Nicht wie Monaco, St. Tropez oder Tivat, wo rundherum alles mit Schickimickiszene und den Flag-Stores zugepflastert ist.

So war es denn auch vor Green Island Die Crew der wunderschönen italienischen Luxusyacht „Ohana“ gesellte sich abends zu uns (oder wir zu ihnen…) an unsere crazy family beach. Wohlgemerkt der Yacht-Besitzer selbst war noch nicht eingeflogen. Dank unserer italienischen Lallona family wurde die Brücke schnell geschlagen und es konnte ein Besuch auf der Yacht am nächsten Tag eingefädelt werden!

Der Captain/Commandante, unglaublich bescheiden, sympathisch und professionell empfing tatsächlich unsere Dingi Karawane mit 10 Erwachsenen und 8 Kindern auf „seinem“ Schiff. Die Ohana; 50m lang, 10m breit 5,6m Tiefgang, Masthöhe 60m, 350 Tonnen schwer, Motorleistung 1000PS, 800l Frischwasserproduktion/h, 240l Dieselverbrauch/d nur für Generator, Gennaker knapp 1400m2….“Ohana“ was auf Maori Familie heisst, wurde in New Zealand gebaut für rund 30Millionen Euro. Wird verchartert für 180’000USD/Woche, hat piekfeine Suiten für 10 Gäste. Das Interior bestückt nur mit den besten Materialien wie Massivholz, Kristallglastreppe, Marmortisch,…..Sie wirkt einfach schlicht schön. Satte 2 Stunden wurde uns wirklich alles gezeigt und erklärt, jede Frage ausführlich beantwortet.

Das Beste an diesem Besuch war – ich freute mich so sehr wieder auf unsere LaDiala – im Vergleich klein fein mein. Und was ich auch gelernt habe, mit dem elengantesten, grössten Schiff kommst du nicht in die schönsten entlegensten Buchten rein. Der Tiefgang ist schlicht zu gross….

Barbuda, die zu Antigua gehörende, nördlich gelegene Insel ist surreal, die satten Farben des Meeres und des Himmels von einer anderen Welt, einzelne Strandabschnitte wegen des Muschelsandes rosa gefärbt. Das Naturparadies mit seinen riesigen Lagunen, den Fregatten- Vögeln, den feinsten, ins Unendliche reichenden Sandstränden, der Reichtum an Muscheln – man wird süchtig danach. Wir konnten mit den anderen Familien an einer Bootstour durch die flache Lagune, das Dorf und die Brutstätte der Fregatten-Vögeln teilnehmen. Nur schon der Besuch des lokalen «Supermarktes» zeigte die sehr bescheidenen Lebensumstände der Bewohner Barbudas. Bei der Fregatten-Kolonie: Unbeschreiblich das Gewirr in Luft und auf den flachen grösstenteils von 2017-er Hurricane zerstörten Mangroven – welche nun nach 18Mtn langsam nachwachsen. Elegant segelten oder schwebten die Vögel nur wenige Meter über unsere Köpfe und wir konnten uns mit dem Boot und dem kundigen Führer bis auf wenige Meter herantasten, zuletzt staunend inmitten dieser Flugshow – der Geruch war nebensächlich. Diese doch recht grossen, gelenkigen Akrobaten der Lüfte ernähren sich ausschliesslich von fliegenden Fischen, welche sie in der Luft und nicht im Wasser erjagen! Anschliessend gabs direkt in der riesen Lagune vor unseren Augen aus dem Käfig (Reusse) gefangene Lobster – für jedes Schiff 2-3 Stück.. Das war ein rechtes Gezappel und Gezucke auf dem Boden des flachen Fiberglass-Bootes und dennoch ein Höhepunkt v.a. für die Kinder. Wir sind nun (neben selbstgefangenen Fischen) auch routiniert im Zubereiten von Lobster, welche wir NICHT lebend ins kochende Wasser geben.

Der Lebensrhythmus der Insulaner ist ein anderer. Hurricane suchen die Inseln immer wieder heim. Auch wir sehen hier wie schon geschildert in Dominica die bizarren Rückstände eines solchen Wirbelsturmes von 2017. Ein Riesencontainer wurde zig hundert Meter weit durch die Luft gewirbelt und inmitten der Lagune abgesetzt und rostet nun im flache Wasser liegend vor sich hin. Häuser ohne Dächer, Fischerboote meterweit an Land gespült. Erste Hilfe wurde von UNO, Japan und Amerika geleistet, aber die Leute sind immer noch sehr arm, Häuser immer noch ohne Dächer– Antigua ist die wohlhabendere Insel, der Tourismus ist dort. Barbuda will seine Landreserven nicht verkaufen. Das Land gehört der Gemeinschaft. Die 2 Resorts der Luxusklasse sind im Wiederaufbau begriffen. Unser Führer meinte: wir leben hier, der Hurricane kommt immer mal wieder, wir gehen in die Höhlen oder in die grossen Stein/Betonhäuser, der Sturm kommt, manchmal 2x (wenn das Auge über die Insel geht, wie 2017) und dann kommen wir raus, schauen, lächeln (so sagt er es!) und helfen uns gegenseitig bei Aufräumen und beim Wiederaufbau.

Wir verlassen nun Antigua & Barbuda. St. Barth (Frankreich), St. Martin (Frankreich und Holland), Brittish Vergin Islands (BVI) und US-Virgin Islands (USVI) werden die nächsten Destinationen sein.

23. Februar 2019

Von Martinique über Dominica nach Guadeloupe Jan/Feb 2019

Dominica wurde 2017 im September von Maria mit 200 Meilen/h Windgeschwindigkeit und 4-5 h Dauerregenflut heimgesucht. Weit über 50% aller Dächer wurden zerstört und weggefegt. Praktisch alle Brücken des Landes wurden weg- oder unterspült und sind unpassierbar geworden. Sämtliche Häuser in Strandnähe wurden von der Wellenflut getroffen. Der Regenwald, die Palmen-, Kaffee-, Bananen- und Vanilleplantagen wurden ausserordentlich geschädigt. Aktuell ist es für uns fast nicht mehr vor- und auch praktisch nicht feststellbar, was da alles passiert ist. Einzig das dichte Laubdach des Regenwaldes ist nicht mehr erkennbar und alles von Schlingpflanzen und Winden komplett bedeckt, sodass einige Pflanzen und Baumarten zu «ersticken» drohen. Was das für die ohnehin schon eher arme Bevölkerung in diesem vom Massen und Strand-Tourismus «verschonten» Land bedeutet, ist für uns vom Schiff aus und nach den drei Landausflügen nicht abzuschätzen. Vieles schaut zerfallen, unfertig, ungepflegt aus aber in diesem feuchten Regen-, Salzwasser- und Sonnenstrahlen-Klima zerfällt, verfault und verrostet alles wirklich innert kürzester Zeit und wird sofort überwuchert – auch im Wasser und am Strand. Insofern können wir nach 18Mtn das Ausmass der Zerstörung und das Inferno während des Hurricanes v.a. aufgrund der Schilderungen der Guides und der wenigen hier wohnenden Expats (u.a. einer Schweizerin von Ibach, Sz) nachvollziehen.

Ohne Mietauto bzw. Taxis/Bus-Ausflug ins Landesinnere erlebt man die Inseln gar nicht so richtig. Das Leben auf dem Meer und am Strand bzw. in den Marinas ist sehr selektiv und gibt kulturell wenig her. Die Herausforderung besteht für uns, einen sicheren Platz für das Schiff zu finden (sicher wegen Wind, Wellen, Anker-Ausreissen und Einbruch/Diebstahl), um dann irgendwie mit Taxis, Auto, ein wenig vom Festland zu sehen. Um 18‘30h ist es wirklich rabenschwarze Nacht und es ist schon vorgekommen, dass wir mit dem Dinghi herumgekurvt sind und unser Schiff gesucht haben, weil es schwierig ist, in der Dunkelheit die Schiffe voneinander zu unterscheiden, die da alle vor Anker liegen.

Es geht uns sehr gut, wir geniessen alles, v.a. auch, wenn’s mal locker ist weil: es ist eigentlich viel «strenger» als gedacht und das Schlafbedürfnis ist erstaunlich hoch, wenn man den ganzen Tag Wind und Sonne geniessen darf, wohl auch weil des nachts mehr als einmal Teile der Systeme abgecheckt werden (s.u.) Ein Skipper-Kollege, auch mit Familie unterwegs wie wir, Ex-CEO grossen Beratungsfirmen sagte mir vor einigen Wochen: ich habe mehr Stress als noch bei der Arbeit, ich kann mich auf nichts verlassen, muss alles selber machen und aufwändig organisieren und andauernd geht was kaputt. Ok er hat ein neues Schiff und eine Mängel- und Schadenliste, dass es die Kopfhaare einrollt…. Ein Defekt bedeutet gelegentlich 1-3 Tage Fahrt zu einer passenden Werft mit Kran oder Trockendock, dann 2-3 Wochen Reparatur bzw. Wartezeit auf Ersatzteile etc. Kürzlich stellte ich fest: meine To-Do-Liste war noch nie so klein und 1h später hat die Meerwasserentsalzungsanlage ihre Produktion ohne Rücksprache um 50% reduziert. Die Sucherei im Internet und die Mailerei ging wieder los – allerdings erst nachdem ich rund 90min benötigte, um eine verlässliche WIFI-Quelle anzuzapfen und mit Paypal zu bezahlen. Nach Mails und Fotoaustausch mit dem Hersteller stellte sich heraus, dass wegen falscher Legierung der Druckkolben massiv korrodiert war und der Filterdruck von 50bar deswegen nicht mehr aufrechterhalten werden konnte. Zuvor musste ich jedoch die ganze Steuereinheit ausbauen, Hochdruck-Schlauchverbindungen lösen und das Druckregelventil zerlegen, um an den Kolben heranzukommen. Das Problem war zwar bekannt aber der Hersteller wusste nicht, beim wem die falschen Kolbenlegierungen eingebaut wurden. Es dauerte dann 14 Tage bis die Ersatzteile eingetroffen waren und nochmals einen Tag mit telefonieren, koordinieren und abholen in Guadeloupe bis die Teile am Zoll vorbei geschleust waren und auf LaDiala zum Einbau bereit lagen. Nach 1h war alles eingebaut und der Wassermacher sprudelte wieder wie am ersten Tag- besser noch sogar, weil die Kolbenform optimiert wurde und damit der Druckaufbau noch besser gelang.

Ich werde öfters per Mail gefragt wie der Alltag so sei auch mit/wegen den Kindern, Das Geschilderte ist auch ein Teil vom Yachtie-Leben. Es gibt viel ‚in betweens‘ und die einsamen Sandstrände existieren definitiv eher in der abgelegenen Südsee und dann ist es toll, wenn alles funktioniert.

Der Segler ist ein Vollzeit-Beobachter: Meteo, Wellen, Strömung, Wassertiefe, Ankergrund, stabile Ankerposition, alle technischen und elektronischen Systeme, VHF-Funk abhören, Segel, Mast, Schoten, Fallen Schäkel, Taue und Rumpf innen und aussen (wegen Lecks und Algenwachstum bzw Leinen in der Schraube) und ein Allzeit-Reparierer und Organisierer. Crew/Family haben auch noch ihre spontanen und überraschenden Schwankungen, Defekte, Lecks, was alles sehr abwechslungsreich, spannend und gelegentlich – wie sonstwo auch – mühsam macht. Interessant sind beispielsweise die Bodenbretter, unter welchen wir diverse Sachen verstauen können – von Werkzeugen, Ersatzteilen, Lebensmittel bis zu Schuhen und Kleidern. Wenn dann mal was auf den Boden fällt und ausläuft inkl. Kinder, dann fliesst alles der Schwerkraft nach unter diese Bodenbretter, verteilt sich, wie das Flüssigkeiten so an sich haben und sammelt sich am Ende irgendwo in der Bilge oder in Kartonpackungen, Plastikschachteln ohne Deckel und sonstigen saugfähigen Materialen. Zum «Beobachten» einige Beispiele aus Guadeloupe:

Nach einem der seltenen Marina-Aufenthalte mussten wir ein nicht ganz konventionelles Ablegemanöver fahren und dabei auch noch eine Festmach-Boje zwischen den Rümpfen vom Heck zum Bug durchziehen lassen bei 20kn Wind leicht seitlich. Alles schon gemacht, eigentlich Routine aber wir haben NICHT beachtet (beobachtet), dass unten an der Boje ein dickes 3m-Tau frei im Wasser schwebte, welches dann rasch von unserer Schraube aufgewickelt wurde, den Motor abwürgte und wir bei den besagten 20kn Wind an diesem Tau hängten. Wir haben ein wenig versucht daran zu ziehen und es tauchend abzuwickeln aber da war nix zu machen – viel zu viel Winddruck. Schon nach gefühlten 7minuten kam ein Taucharbeitsboot mit 3 Männer, davon einer schon im Vollanzug und springt rein. Kurzer Check, sie nehmen uns an eine Schleppleine, ziehen gegen den Wind um das Bojen-Seil zu entlasten und nach weiteren knapp 10min waren wir frei. «Bonne Route», kostet nichts und ein nettes Winken war alles. Normalerweise legt man dafür 150-300Euro hin und wartet 1-3h. Als wir uns mit 2 Flaschen Wein mitten im Hafen bedankten, habe sie sich sichtlich gefreut. Wir uns auch.

Wir segeln so vor uns hin von Illes des Saints nach Pointe-à-Pitre (Guadeloupe) als uns plötzlich ein initial unkonventioneller aber glasklar verständlicher VHF-PANPAN-Notruf aus den Tag-Träumereien reist. Die Stimme war sehr klar, sodass das Signal im Umkreis von einigen Seemeilen gesendet werden musste. Ein Katamaran Nomen-est-omen: «NoPlan-JustOptions» hat knapp 400m von der Legerwall-Küste (= auflandiger Wind von 18-25kn Stärkte und 1,5-2m Wellen) beide Ruderblätter verloren und bittet die französische Coastguard um Hilfe. Nun ist der Verlust der Ruderblätter beim Katamaran zwar auch nicht grad gut aber mit den beiden Maschinen kann man sich ähnlich einem Raupenfahrzeug ohne Segeln unter Maschinenfahrt recht gut auf Kurs halten, wenn die Motoren nicht überhitzen bzw. schlapp machen und nicht Sturmwinde herrschen. Die Küstenwache wollte nicht so recht helfen (die hatten in 7sm Entfernung in Point-a-Pitre sicher 5 oder 6 Boote am Steg von klein bis recht gross…..) und hat einfach den PANPAN-Notruf mit der leistungsfähigeren Küstenfunktstation ausgelöst und alle Boote in der Nähe um Hilfe angerufen. Wir waren nur 2.4sm entfernt und haben uns dann eingeklinkt, sind hingefahren und haben die Schleppleinen zu allfälligen Übergabe bereitgelegt aber natürlich nicht gebraucht. NoPlan-JustOptions hat auf eigenem Kiel und lediglich mit standby bzw. unserer moralischen Hilfe in den schützenden Hafen gefunden. Interessant aus seefahrtsrechtlicher Sicht wäre die Situation geworden, wenn wir unsere Leine zum Schleppen übergeben hätten. Da wäre grundsätzlich eine fette Entschädigung zur Debatte gestanden. Irgendwie witzig hat sich der Funkverkehr angehört:
NoPlans-JustOptions NoPlans-JustOptions this is LaDialaLaDiala, we are right 1.2nm behind you, catching up with 8kn, do you notice leakage or water in the engine compartment? over

LaDialaLadiala this ist NoPlans-JustOptions NoPlans-JustOptions: we don’t know, our bilge pumps don’t work, over.

Soviel zu NoPlans-Just Options.

Maxim ist ein sehr aufmerksamer Beobachter und findet allerhand am Boden, am Strand, im Sand und auch beim Schnorchel-Tauchen. Kürzlich auf der Toilette hat er auch was entdeckt und schreit was von «Würmli». Um es kurz zu machen: die ganze Familie macht nun eine Wurmkur gegen die Oxyuren, alles wird 60-90Grad gewaschen, was auf dem vor Anker liegenden Schiff v.a. mit der Bettwäsche und Molton ein Unterfangen der logistischen Extraklasse ist (Waschsalon suchen an Land, alles dann böen-sicher aufhängen (hier grad seit 3d 20-30Kn Fallböen) und das über mehrere Tage bis dann wirklich alle Wurmeier erledigt sein sollten. Das Organisieren der Medikamente und der Desinfektionsmittel war in unserem Falle als Ärzte mit CH-Berufsausweis (ohne geht gar nichts!) erstaunlich einfach und konnte nach rund 3h erledigt werden. Kommt also in den Besten Familien vor der Oxyur bzw. die Enterobiasis.

Alltag im Sinne von Routine gibts fast nicht aber dafür alles immer bei Sonne, heftig-kurzen Regenschauer (die auch ins Schiff regnen wenn’s irgendwo einen Spalt geöffnet ist), Wärme, Strand, Strandbar und Reggae, zwischendurch Fisch am Hacken und Schnorchelparadies und immer wunderbare Sonnenuntergänge. Der übliche Kinder- und Haushaltskram gibts auch noch aber der lässt sich unter prächtiger Sonne erledigen – dauert einfach alles fast doppelt so lange. Der Tag hat irgendwie auch hier immer nur 24h.

Die Zeit, die wir mit den Kindern verbringen dürfen ist – wie «zu Hause» auch – nicht immer nur wunderbar aber es ist grandios, ihnen so nahe zu sein, jeden Fortschritt zu begleiten und daran teilzunehmen. Auch wenn der ganze Technik-Schnickschnack am Schiff mühsam sein kann, so ist es doch eine rechte und interessante Herausforderung, alles zu verstehen und wenn’s geht auch selber zur reparieren oder zumindest zu wissen, wie bzw. wer das Problem beheben kann und dabei zuzuschauen und zu lernen.

Nun sind wir also seit knapp 10d auf Guadeloupe, und haben auch hier Landausflüge gemacht mit dem Highlight einer Treckingtour zu einem Wasserfall mit Badebecken. Dabei mussten wir 11x den Fluss (Bach) mithilfe von gespannten Seilen überqueren und alles im Regenwald bei nicht zu knapp Schlamm. Maxim hat die je 40min hin und zurück selber bewältig und Mara immerhin den Hinweg auf ihren kleinen Füssen und den kurzen Beinen. Der Dreck war die Extrazugabe. Der Dinghy-Motor hat seine Kühlung wieder eingestellt und wir haben einen leichten 5PS Motor gekauft, welcher als Reserve dient und v.a. ohne Lift-Konstruktion montiert/demontiert werden kann ( der 15ps Motor ist knapp 50kg schwer). Die Reparatur gestaltet sich auch in Antigua, unserer nächsten Destination, offensichtlich, nicht ganz einfach: es sei ein europäisches Modell, da würde es auf dem US-Mark keine Ersatzteile geben, wir sollten sie selber in Europa bestellen. Wir werden sehen. Noch liegen wir vor Illes des Pigeon, einem Naturreservat an der Westküste von Guadeloupe «welt»berühmt ( so die Franzosen) aus den Tauchfilmen von Cousteau und ein grossartiges Schnorchel- und Tauchparadies: es hat so viele Menschen hier tagsüber, dass die wirklich sehr zahlreichen Fische sich daran gewohnt haben und praktisch in Armlänge an uns vorbeischwimmen. Ich war mit einem anderen CH-Segler auf einem Tauchgang mit dem Dinghy und unserer eigenen Ausrüstung und wir entdeckten mit den Kindern schnorchelnd die Unterwasserwelt.

8. Februar 2019

Photos „best of“ Oktober 2018 bis Februar 2019

St.Vincent/Grenadines
St.Vincent/Grenadines
St.Vincent/Grenadines
St.Vincent/Grenadines
St.Vincent/Grenadines
St.Vincent/Grenadines
St.Vincent/Grenadines
St.Vincent/Grenadines
St.Vincent/Grenadines
St.Vincent/Grenadines
St.Vincent/Grenadines
St.Vincent/Grenadines
St.Vincent/Grenadines
St.Vincent/Grenadines

St.Vincent/Grenadines

St.Vincent/Grenadines

St.Vincent/Grenadines

St.Vincent/Grenadines

St.Vincent/Grenadines
St.Lucia
St.Lucia
St.Lucia Pitons
St.Lucia
St.Lucia
St.Lucia
St.Lucia
St.Lucia
St.Lucia
St.Lucia
Transat-Crew in St Lucia
Ankunft St.Lucia
Land in Sicht
Erste Landboten
Mahemahe
Mahemahe
14Knoten
Sargasso-Gras
Atlantik
Cap Verde
Cap Verde
Cap Verde
Cap Verde
Cap Verde
Cap Verde
Cap Verde
Cap Verde
Cap Verde
Cap Verde
Parasailor
Start in GranCanaria
Sturmvock

30. Januar 2019

Martinique Januar 2019

Unsere LaDiala schaukelt gemütlich vor Fort-de-France, der Hauptstadt von Martinique, Frankreich.

Seit 2 Wochen geniessen wir Baguettes, Croissants und europäische Zivilisation. Eine handvoll Seemeilen liegen zwischen St. Lucia und Martinique, aber der Unterschied könnte grösser nicht sein. Obwohl historisch gesehen vor allem Frankreich und England diese Inseln (kleine Antillen) immer wieder „abtauschten“ und vieles ähnlich ist, gibt es Unterschiede. Beispielsweise: St. Lucia hat Linksverkehr, Martinique Rechtsverkehr. St. Lucia Eastern Caribbean Dollar (oder USD) Martinique Euro. St. Lucia Reagge Martinique irgendeinfranzösischeschansongeheul….ich war schon ein bisschen traurig darüber. Aber dann drangen die Seelen der Einheimischen durch und bekannte Alltagslieder und Popsongs wurden reggaeifiziert. Das tönt lustig. Maritinique ist Frankreich light. Es weht die französische Flagge beim Ministerium und es gibt pompöse Bauten für die Administration. Viele europäische Franzosen sind hier übergesiedelt und geniessen das kreolisch angehauchte Leben. Ich kann das gut verstehen. Hätten wir Suisse-Polynesie oder sowas, ich wäre dort.

St. Anne, ein kleines nettes Dörfli ganz im Süden von Martinique war unser erster Ankerort auf Martinique. Man könnte sagen Ankercity. So ein riesiges Ankerfeld mit zig Yachten drin hab ich noch nie erlebt. Man hätte fast schon Strassen und Nummern verteilen können. Es lebte sich aber sehr gut da. Das Dinghi-Dock war gross und man fühlte sich willkommen in St.Anne. es gab kleine Lebensmittelläden, eine Bäckerei, einen lokalen Markt und ab und zu je nach Fang einen Fischmarkt. Die Kirche mit Holzdachkonstruktion war komplett voll am Sonntag. Es wurde im Seitenschiff sogar draussen Stühle aufgestellt auf beiden Seiten. Der Gottesdienst war dann aber sehr kontinental-französisch geprägt mit einem Priester der vom Dialekt her in Afrika anzusiedeln war – wie in der Schweiz gelegentlich.

Freudig erwarteten wir den Besuch meiner Mutter Brigitta. Sie wollte sich vor Ort überzeugen, ob wir den Atlantik überquert haben….Maxim und Mara wichen nicht mehr von ihrer Seite – die Freude war so gross.

Wir genossen einen zweitägigen Ausflug ins Landesinnere. Der Botanische Garten in Balata war wie auf St. Lucia und St. Vincent ein Highlight. In der Auberge de la Montagne Pelée ( feucht nebliges Klima auf einem windexponierten Sattel, zwischen West und Ost auf ca. 600müM gelegen) fanden wir ein Stück Bergfrieden zum Übernachten. Wir genossen es alle, weit weg vom Meer zu sein, im tiefen Grün zu versinken und den Bergen bzw. den vulkanischen Erhebungen nah zu sein. Der vulkanische Mt.Pelée explodierte vor ca. 150J mit unvorstellbarer Gewalt in einer seitlichen Explosion wobei die ganze Kuppe seitlich weggerissen wurde. Die Druckwelle und die infernale Hitze haben ein ganzes Tal inklusive das Dorf St-Pierre vollständig ausgelöscht und buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht. Auf den Fotos im nahen Museum sah alles aus wie von Walzen planiert. Es gab ein (1!) Überlebender im ganzes Tal: ein Gefangener wurde aus dem tief gelegenen, schwer ummauerten Verliess nach 3 oder 4 Tagen mit ausgedehnten Verbrennungen ausgegraben, hat überlebt und wurde in der Folge dann bis in die USA als Sensation herumgereicht. Eine fair-trade Bananenplantage-Besichtigung und natürlich die Rum-Destillerie Clement durften nicht fehlen.

Auch bei uns wurde die Zeit reif so ein trendiges SUP zu kaufen…wir lieben es. In den Sonnenuntergang zu paddeln hat schon was.

Die Zeit wurde aber auch reif Mark eine Pause von Schiff & Crew zu gönnen. Wir luden ihn kurzerhand für drei Tage in einem Strandhotel ab. Das tat uns allen gut und Mark konnte nebenbei in Ruhe diversen Bürokram zum Jahresende auch für die CH erledigen bei halbwegs stabilen WiFi.

Von St.Anne nach Anse d’Arlet (2 Stunden Fahrt) genossen wir endlich wieder mal unseren Parasailor. Zwischen Roche du Diamant und Festland hindurch zurauschen war toll. Wir verliebten uns alle in die kleine Bucht von Anse d’Arlet. Beim Ankerplatz suchen verwechselte ich eine auftauchende Schildkröte mit einer Fischer-Boje. Pelikane begrüssten uns im Tiefflug und die Unterwasserschnorchelwelt war wie schwimmen und tauchen im Aquarium. Fische aller Art und sogar Squids und Wasserschlangen warteten auf uns. Geschweige denn die vielen Schildkröten. Die grasten in Seelenruhe am Meeresgrund und streckten ab und zu ihr kleines Köpfli über Wasser.

Darauf folgte nach einem weiteren kurzen Schlag die Bucht von Fort-de-France, die Hauptstadt der Insel, wo wir gleich beim Stadtquai und Stadtpark den Anker setzten. Nani verliess uns für den langen Heimflug. Wir haben auch wieder andere Freunde aus der CH bzw. Schweden mit ihren Yachten getroffen, welche wir in Griechenland bzw. auf den Kanaren kennengelernt haben.

Wieder einmal so nahe an einer pulsierenden Stadt zu sein, das gefällt mir. Man könnte meinen dass wir hier gar nicht mehr weg wollen…Wir warten nun auf Ersatz/Neuteile für Wassermacher/Code-0-Furler/automatisches Häcksler-WC (Motor mit «Macerator» gegen das mühsame, regelmässige Verstopfen des Ablaufrohres der Holdingtanks, wir ersparen euch technische und sonstige Details dazu) und fahren heute 28.1.mit Motor gegen Wind, Strom und Wellen zurück in die Bucht von LeMarin und St.Anne zu den Chandleries and Shipsyards. Dort treffen wir wieder Familien, welche wir seit der Atlantiküberquerung kennen und feiern einen weiteren Kindergeburtstag.

Wenn alles rund läuft, dürften wir in einer Woche auf Dominica sein. Eines der Hurrikan Opferinseln von 2017.

14. Januar 2019

Grenadinen

Grenadinen

Wir verbrachten also die Festtage in der Reiseprospekt-Inselwelt der Grenadinen: Strände, Strandbars, einige wenige Resorts und sehr-sehr viele Charter-Segelboote und auch sehr viele Privatyachten – zunehmend ab Neujahr. Zwischen den vor Anker liegenden Yachten kurvten die sogen. Boatboys mit ihren Aussebordmotoren-Dinghis herum und bo(o)ten ihre Dienste an: Fische, Lobster, Gemüse, Früchte, Brot. In der Nähe von den grösseren Ortschaften (Dörfer mit Behörden, Anlegestellen, Tankstellen, Einkaufsmöglichkeiten und Strassen) wurden auch Taxisfahrten zu Wasser und zu Lande, Wäscheservice, Diesel, Wasser, Eis feilgeboten. Auch Tauchcentren und Kite-Surfing gibt’s an allen passenden Spots. So verbringt dann der «Segler» Stunden, Tage, Wochen mit Schnorcheln, Tauchen, Kiten, Rump-Punch/Sundownertrinken, Essen, Lobster. Ribs & Chicken-Beach-BBQ etc. V.a. die vielen Wasserschildkröten zwischen den ankernden Schiffen sind bemerkenswert.

Es gibt in den Ankerbuchten immer wieder mal einen spannenden Zwischenfall zu beobachten: am Strand wird ein Dinghi von den Wellen losgerissen und abgetrieben, mit Wasser gefüllt (von den brechenden Wellen) oder gar umgedreht (mit und ohne Crew drin, meist nachts weil dann alle vom Rum etwas «mutiger» sind), ein Seil oder eine Fischerleine kommt in die Schraube, die Yacht treibt ab weil der Anker nicht hält, die Crew schreit sich an weil auch beim 5- Ankermanöver der Anker nicht am Grund fasst oder der Neuankömmling des Nachbarn Anker-Kette fasst oder in dessen Schiff hineintreibt. Auch den Riss einer neuen Ankerkette habe ich live beobachtet und beim Suchen und Bergen des Ankergeschirr mitgeholfen.
Wir haben sowohl das Dinghi 20cm mit Wasser gefüllt als auch nachts um 23h aufwachend wegen lärmenden Anchor-Watch-Alarm-App bei lediglich 15kn Wind verwirrt festgestellt, dass wir nicht mehr wussten, wo wir sind, bzw. dass unser Schiff weggetrieben ist mit ca 2kn Treibfahrt zwischen 6 anderen eng ankernden Schiffen hindurch ohne Kollision und ohne auf ein nahes Riff zu treiben. Bis der Motor gestartet war und wir uns in absolut schwarzer Nacht orientieren konnten vergingen einige wenige aber unangenehme Minuten. Das Hochfahren des Kartenplotters bzw. von Navionics auf dem I-Pad dauert dann auch immer erstaunlich lange. Nachbemerkung: wir haben dummerweise an der abfallenden Halde auf 3m geankert mit 14-15m Kette und sind mit 1800RPM (2 Motoren) eingedampft und der Anker hat gehalten. Aber nach 6h bei kleinsten 15Kn Lüftchen hat es dann gereicht: der Anker ist an der abfallenden Halde abgeglitten, der Grund war auf 17m und wir sind bei frei-hängendem Anker flott davongetrieben….
Wir haben Fische gekauft, wieder eine 1m grosse Goldmakrele (MahiMahi) gefangen und einen Lobster selber mit der Speargun erjagt, zubereitet und verspeist. Maxim taucht mit Brille/Schnorchel begeistert herum, nun auch an den strandnahem Korallentürmen und kleinen Riffen. Wir waren fast immer mit anderen Familien unterwegs, welche mit in unserer 70-Boot-Gruppe (ARC, Atlantik Rally for Cruisers) die Atlantiküberquerung gemacht haben. Es gibt eine What’s up Gruppe und so kommunizieren die Familien ihre Routen und Aufenthaltsorte. Zudem kriegen wir so immer sehr aktuelle und extrem hilfreiche Tipps zu vielen Belangen des Reisens (Ein-Ausklarieren, Einkaufsmöglichkeiten, Preise, wichtige Telefonnummern und Kontaktpersonen, Landgänge, Ankergrund, Strömung, Wassertiefe, Schnorchelmöglichkeiten, Strandbars, und vieles mehr)

Den defekten Aussenbordmotor haben wir tatsächlich wieder repariert erhalten nachdem wir von den Grenadinen zurückgekehrt waren auf St.Lucia in die Marigot Bay. Beim Plaudern mit dem Mechaniker wurden wir quasi aus erster Hand informiert, dass der Zucker für den mit stolz präsentierten lokalen St-Lucia Rum doch tatsächlich 2x/Jahr in Form von Melasse mittels Tankschiff aus Russland angeliefert werde (sic! auch auf ungläubige Nachfrage). Wenn das stimmt dann wird das kaum Melasse aus Zuckerrohr (Sugar cane) sein sondern eher aus Zuckerrüben……

Die Ueberfahrt von St.Vincent nach St.Lucia war ruppig, geprägt von steifen Winden um 22kn bis 34kn in Regenböen (sogenannte Squalls) bei einem Windeinfallswinkel von 70-90° (True) und 45-60 (App) mit entsprechenden kürzeren Windwellen aufgesetzt auf die längere Atlantikdünung. Wir konnten den Kurs am Wind halten mussten aber immer wieder reffen. Es regnete fast dauerhaft und teilweise extrem heftig. Der Lazybag zerriss an mehreren Stellen wegen Fehler in der Leinenführung der Reffleinen und es zeigte sich definitiv, dass die von Fontaine-Pajot installierten 14mm Taue ALLE zu dick sind und zu wenig gut durch die Rollen/Blöcke und Deckstopper gleiten). Weswegen diese 14mm Leinen nun hier in Martinique gegen Dynema-Leinen von 12mm Durchmesser ausgetauscht werden. Das haben wir auch beim 14mm Grossfall und beim 14mm Gross-Schot schon gemacht (so wie alle anderen Helia-Besitzer, die wir kennen……). Da kommen dann an die 200m Leine zusammen.

Wir sind nun also im Süden von Martinique angekommen: St. Anne und Le Marin, heissen die Ortschaften in der riesigen Bucht, welche gut geschützt ist und wo hunderte, wenn nicht gar tausend Segelyachten vor Anker liegen!!! Unbeschreiblich. Nicht mehr so die ruhige Palmen-Sandstrand-Bucht aber Segelschiffe ohne Ende. Gute Infrastruktur. Creolisches Lebensgefühl aber deutlich frankophil-europäisch. Praktisch alle Fachleute sind «Eurasier», also weiss bzw. «Franzosen». Auch die Baguette und das Croissant bzw. die Brioche gibt’s nun wieder in bekannter Qualität – gleich am Dinghi-Dock in St.Anne. Und in der riesig-grossen Marina von Le Marin findet der Segler alle Fachleute und diverse Shops. Wir werden hier 2-3 Wochen bleiben, die Insel bereisen, Reparaturen und Optimierungen am Schiff durchführen und die Nani (Grossmutter) kommt uns für 2 Wochen zu grosser Freude aller besuchen. Heute Sonntag waren wir in der Messe und mussten gleich noch mitten während des Gottesdienstes in der übervollen Kirche eine kollabierte und bewusstlose alte Dame betreuen bis zum Eintreffen der Pompiers und auf Französisch per Telefon mit der Ärztin parlieren bis dann endlich die Pompiers bzw. die Ambulanz losgeschickt wurde. Englisch ist auch hier nicht extrem angesagt – ähnlich wie im Französischen – es ist sehr frankophon-frankophil, so wie es sich gehört für die Länder der Grande Nation.

Wie geht’s weiter: einige Reparaturen, Einkauf von Lebensmittel und «Haushaltwaren», Einkauf von Schiffsunterhalt-Waren. Entdecken des Insel-Inneren Martinique mit Mietauto zusammen mit Nani. Wir planen ca 3-4 Wochen auf Martinique zu verbringen, meist im Westen an der geschützten Küste und im Landesinneren. Dann segeln wie weiter nach Dominica ( nicht zu verwechseln mit Dom. Rep.) und Guadeloupe.

21. Dezember 2018

Karibik, St. Lucia und St.Vincent Dezember 2018

In Rodney Bay waren Festivitäten ohne Ende, Wiedersehen mit anderen Seglern und deren Kinder; es war wie in einem Bienenhaus und entsprechend auch recht nervös auch weil die Kinder immer irgendwohin (Steganlagen, Pool, andere Schiffe) wollten oder andere Kids bei uns waren und auch wir und die Mitsegler ein individuelle Landprogramm hatten (Ausflüge, Reinigungen, Reparaturen, Einkaufen, Sundowner und sonstiger Gedankenaustausch über die weiteren Pläne). Kurz: zur Ruhe sind wir nicht gekommen. Am 12. Dezember haben uns dann die Crewmitglieder verlassen uns sind in die Schweiz zurückgekehrt

Von Rodne Bay sind wir einige Meilen in den Süden immer noch auf St.Lucia in die Marigot Bay weitergezogen. Eine wunderbare Bucht, von Mangroven eingefasst und am Rand gegen die offene See von einem kleinen Sandstrand begrenzt. Restaurants, Bars und ein Resort mit kleiner Marina rundeten dir ruhige Bucht ab. Der Dinghimotor hat dann den Geist aufgegeben und wir haben über das Resort einen hoffentlich zuverlässigen Mechaniker ausfindig gemacht. Er hat den Motor abgeholt. Telefonnummern ausgetauscht und weg war das Teil. Wir hoffen nun, dass er die Ersatzteile kriegt und dann über die Festtage die Reparatur durchführen kann. Ob der Motor dann auch zurück zu uns «kommt» werden wir sehen in 2 Wochen wenn wir wieder gegen Norden ziehen. Nun sind wir am 19.12. von Marigot Bay 60sm in den Süden gesegelt nach St.Lucia in die BlueLagoon. Wie haben uns dabei von den Wellen durchschütteln lassen bei 4-7Windstärken und stark wechselnden Winden im Insel-Lee auf der Westseite. Die markierte Einfahrt in die Lagune sollte nur bei Tageslicht gemacht werden oder unter kundiger Führung. Wir haben 1.20m Tiefgang – Durchfahrt sei bis 1.8m möglich – Links und rechts brechen sich die Wellen und unsere Anzeige gab 1.1m an. Wir wurden nervös und werden nochmals die unser Echolot eichen bzw. besser einstellen müssen… St.Vincent und Grenadinen sind ein Inselstaat. Grenada wiederum ist weiter im Süden und ein eigener Staat. Mit einer anderen Seglerfamilie aus Bern Region Thunerseemit Kindern im gleichen Alter haben wir uns hier verabredet und dann gemeinsam eine Inseltour mit Taxisbus gemacht: den ältesten botanischen Garten der Karibik besucht und in den Hügeln ein privates Garten-Paradies: The Montreal Gardens cover seven and a half acres of the island. There are 3 different sections of garden to walk through. The Rain Forest Garden, the Colour Garden, and the Formal Garden. One reason for the lush beauty of the Montreal Gardens on St. Vincent is the rich and fertile volcanic soil. The Rain Forest Garden features a trail through the rainforest, alongside a small river. The Colour Garden features many exotic plants and flowers that create a colorful backdrop.
Von hier geht morgen 22.12. weiter in die Inselwelt der Grenadinen und evt die Tobago Cays, flache Sandinseln welche gegen Wind und Wellen jedoch schlechter geschützt sind. Aktuell haben wir immer Passatwind zwischen 15 und 30 Knoten und entsprechende Atlantikdünung, welche für erheblichen Schwell auch im Lee der Inseln verantwortlich sein kann, ja nach Ablenkung der Wellen durch Wind, Meeren-Grund und Küstenverlauf. Dort wollen wir dann Maxims Geburtstag (23.12.), Weihnachten

21. Dezember 2018

Atlantikberquerung

Heute ist der 19.12.2018, Marigot Bay, St. Lucia, Karibik. Am 11.11.2018 verliessen wir Gran Canaria und tauchten ab in eine völlig neue Welt – Blue Planet.

Das Ablegen mit der Atlantik Crew (Floris und Markus (Michael stieg in Mindelo zu uns)), mit der vollgetankten und mit Lebensmittel für einen Monat gefüllten LaDiala und unseren Kids war sehr aufregend.

Es wurde nicht einfach wild drauflosgesegelt, sondern es gab eine richtige Startlinie vor LasPalmas mit Vorstartsignal. Ca 70 unterschiedlichste Boote (zB.Katamaran Sunreef 74, Trimaran Neil 65, Oyster 62, Bavaria 38,….aus verschiedensten Nationen bereiteten sich auf dieses Abenteuer gemeinsam vor. Die Mulitihulls starteten 15min vor den Monohulls.

Alle hissten ihre besten Stücke hoch, hier ein Spinnaker, da ein Gennaker, dort ein Parasailor hier ein Butterfly….. die Auswahl und die Farbenpracht der Segel liessen das Meer wunderbar verfärben.

Das Feld der Multi- und Monohulls vermischte sich sehr schnell und schon bald war GranCanaria weit ab und die Nacht nahm uns alle ein. Die vielen Positionslichter der Boote rund um uns gab ein gutes Gefühl nicht alleine in diesem unendlich grossen Blau zu versinken.

Unsere Crew hat mich am darauffolgenden Tag mit einem riesigen Geburtstags-Schoggikuchen und Champagner im silbernen Kühlkelch verwöhnt. Und das irgendwo auf dem Meer.

Der Wind blies konstant zwischen 10-20kt von NE treu bis nach Mindelo. Allerdings die letzten 2 der 7 Tage mit Motorunterstützung (wir wollten die Willkommensparty nicht verpassen). Gesegelt wurde mit Code 0 alleine oder mit Genua oder Parasailor alleine. Das Gross blieb immer unten. Unser Speed war im Durchschnitt bei ca 6kt plus und die Distanz von knapp 900sm meisterten wir in genau einer Woche. Die „Nähe“ zu Afrika (zu Festland) war für mich ein wichtiger „Anker“, obschon ich da nirgends zwischenstoppen wollte.

Dank dem AIS (Automatic Identification System) zeigte uns der Plotter immer die nahegelegensten Boote an. Das war schön, denn man kannte ja ein Grossteil. Auf der Tracking Seite des World Cruising Clubs ARC konnte man sehr akkurat die Positionen der Schiffe von Zuhause aus verfolgen. Das gab den Anschein, dass alle dicht beieinander und in Sichtweite sind. Das war aber bei weitem nie der Fall. Wir sahen unterwegs maximal 4 Boote. Die meiste Zeit waren wir ganz alleine.

Unsere Diala lief sehr zuverlässig. Und wir entdeckten alle den Parasailor. Eine wunderbare Erfindung. Eine Art Spinnaker mit Loch. Die dort entströmende Luft füllt einen flugschirmartigen Flügel, der sowohl oberhalb als auch unterhalb umströmt wird. Oberhalb des Flügels entsteht ein Unterdruck, der ihn und das Segel selbst nach oben zieht. So entsteht eine Bug-Entlastung, die eine höhere Geschwindigkeit bewirkt. Der Erfinder kombinierte seine zwei Passionen Segeln und Gleitschirmfliegen. Und das fühlt sich auch so an. Das Boot wird mit einer Leichtigkeit über die Wellen getragen – als wäre man ein fliegender Fisch. Anderseits scheint man mit dem Meer zu verschmelzen…. Das tönt vielleicht ein bisschen abgehoben – aber so ist es nun mal.

Das Bordleben pendelte sich gut ein. Wir waren sehr froh Markus und Floris bei uns zu haben. Die 3 Stunden-Schicht hatte sich als die beste gezeigt. So kam jeder zu ausreichend Schlaf.

Das persönliche Wohlbefinden ist das draussen auf dem Blue Planet extrem wichtig. So konnten wir alle täglich ausgiebiges Duschen geniessen (unser Wassermacher macht 220l/h). Und auch ein feines Nachtessen fehlte nie (Thai-Curry, Zürigschnetzletes, Pizza, Couscous, Safranrisotto, Hamburger und eine unglaublich gute Cremeschnitte aus der Packung (Dank sei Floris)).

Am 17.11.2018 entdeckten wir mittags Land. Santo Antao und Sao Vicente – die Kap Verden. Champagner Nr 2 wurde entkorkt. Abends beim Eindunkeln wurde die Ziellinie überquert und das ARC Teams wies uns sicher unseren Liegeplatz in Mindelo zu. Die Freude war riesig. Die Erleichterung auch. Die anderen Boote wiederzusehen einmalig.

Die Kap Verden – das erste grosse exotische Land nach Europa. Unser drittes verstärkendes Crewmitglied Michael stieg wie geplant auf den Kap Verden zu uns.

Leider blieben uns da nur 4 Tage, da die ARC die Weiterfahrt sehr straff organisierte. Dank aber ihrer guten Organisation konnten wir eine sehr ausführliche und eindrückliche Tagestour zur Nachbarinsel Santo Antao unternehmen. Auch die kleine Insel Sao Vicente wurde mit dem Bus erkundet. Die Menschen sind sehr aufgeschlossen, lustig und stolz auf ihr kleines Land.

Die letzten Einkäufe mit frischem Gemüse und Früchten wurden auf dem lokalen Markt getätigt. Am 21.12.2018 mittags gab es erneut eine Startlinie und Vorstartsignale. Irgendwie absurd da zumindest ich ganz und gar kein Gedanke an Rally&Race verspürte. Ging es doch darum das Unmögliche, sprich einen Atlantik zu überqueren, zu bewältigen. Immerhin gute 2000sm!

Die ersten 24h war es windstill. Wir motorten eine Weile, dann überliessen wir das Schiff dem ruhigen Ozean und dem überwältigendem Sternenhimmel.

Blue Planet 2. Eine wunderbare 3 teilige Filmdokumentation über das Reich der Meere begleitete uns wären der ganzen Ueberfahrt. Wie gerne hätte ich während der Reise unser Unterwasser bis zum Meeresboden hin mitgescannt und gefilmt. Was für Fische, Wale, Delphine und Unbekanntes wohl alles da war? Ein Grindwal, mehrere Delphine, tausende Fliegende Fische (einer flog doch tatsächlich durch die offene Luke ins WC! ein anderer Mark um 0300h an den Kopf während der Wache-grosser Schreck) und zwei Mahi Mahi (über 1m lang, gefischt und gegessen) haben wir zu Gesicht bekommen. Der Rest blieb uns verborgen.

Das viele Blau und nur Blau, das unglaublich viele Wasser, diese riesen Menge an Meer rundum einem war irgendwie unheimlich. Abhauen geht da nicht mehr. Sprichwörtlich sitzt man dann im gleichen Boot. Zum Glück haben wir uns alle gut verstanden. War es doch ein soziales Experiment. Später haben wir unterschiedlichste zwischenmenschliche Geschichten von anderen Booten erfahren. Nicht nur wir haben uns Sorge getragen, sondern auch unserer Diala wurde gut geschaut. Wir hatten Winde zwischen 15-25kt, gegen die Karibik hin auch zunehmende Squalls bis 34kn. Tagsüber häufig Parasailor, nachts wurde konsequent reduziert auf Code 0 oder Genua. Damit segelten wir nicht am Limit, dafür zerriss uns auch kein Material. Viele andere Boote zerschleissten die Segel, einer den Grossbaum, und bei einem kam der Mast bis zur Hälfte runter. Einer hatte Walberührung mit Ruderschaden, und ein Boot machte Wasser. Aber alle kamen ohne physischen (…) Personenschaden an.

Jeder Tag war irgendwie ähnlich, nur die Sonne ging immer später unter und der Tagesanbruch kam später. Das Mandat der Zeit riss ich gleich zu Beginn an mich. Ein bisschen Göttin spielen und die Bordzeit bestimmen, das gefiel mir. 3 Stunden Differenz waren es von Kap Verden zu St. Lucia. Ist so gesehen wenig.

Das Leben mit der nackten Natur tat uns allen gut. Es wurden viele Bücher verschlungen, es wurde gechillt, geschlafen, gelacht und ausgetauscht. Einmal den ganzen online Kram hinter sich zu lassen, entschleunigte alle. Mit Markus wurde die Passion der Astronavigation weitergetragen. Wir bestimmten Mond-, Sonne- und Venus-Standlinien sowie Mittagsfix. Der Polaris versteckte sich immer zur Dämmerung. Die Rechnerei mitsamt Plotting sheet verlangte immer eine Stunde oder mehr….Wenn das Resultat dann stimmte (tat es meistens (+/- 1-2nm), dann fühlte sich das sehr sehr gut an.

Endlich! Champagner Nr. 3. Die ersten 1000sm hatten wir geschafft. In 7 Tagen. Das war ein tolles Gefühl. Jetzt waren alle irgendwie erleichtert. Im Logbuch entstanden mehrere neue Rubriken; Tagesetmal, 24h-Durchschnittsgeschwindigkeit (einmal lag sie über 7 kt), Distanz zum Ziel und die von Floris eingeführte Captain Ross Meilen. Das sind die Schwank-bzw. Umwegsmeilen. Captain Ross war eine schillernde, v.a. betrunkene Figur die wir auf den Kap Verden kennenlernten und die ebenfalls das ARC mitsegelte. Als richtiger Captain eines Segelschiffes….

Unsere zwei kleinen Piraten Mara und Maxim freuten sich sehr mit Michael täglich raufen rammeln und augekitzelt zu werden. Die Kleinen waren nicht anders als Zuhause. Lachen, schimpfen streiten, malen, basteln, verstecken…

Irgendwann kam Champagner Nr.4. Der genaue Grund weiss niemand so recht. Aber das Ziel war schon sehr sehr nah. Endlich sahen wir wieder mal ein ARC Boot. Wir funkten und stellten fest dass beide Boote gerade Pizza zum Znacht hatten. Das war lustig.

Eines Nachmittags, ich war am Steuer und vernahm plötzlich ein ppppppffffffffffff. Wal? Endlich ein grosser Wal? Nein. Fehlalarm. Es war die Schwimmweste von Crew xy. Dummerweise war der manuelle Auslösegriff im Trampolin-Netz am Bug hängen geblieben. Halbsoschlimm, nur den DSC-MOB/AIS Alarm ,den wir in alle Schwimmwesten integriert hatten, wurde auch ausgelöst und musste über Funk CH16 gecancelt werden. Zufälligerweise war da ein Frachter der darauf auch gleich reagierte und mich anfunkte um mehr zu erfahren. Die Situation wurde erklärt und man kreuzte sich und die Nacht verschlang den Rest.

Irgendwann ging es nur noch 100sm, Champagner Nr. 5. Wir waren alle ein bisschen traurig. Wussten wir doch alle dass ein ganz spezielles Abenteuer bald zu Ende ging.

Nach 14 Tagen sahen wir morgens Land! Zuerst Martinique, dann St. Lucia. Champagner Nr. 6. Da kamen mir die Tränen. Das war sehr emotional. Immerhin wussten wir wo wir sind und was uns erwartet, nicht so wie Kolumbus…

St. Lucia, Rodney Bay kam immer näher und die Aufregung wurde immer grösser.