SY Ladiala

Mit dieser Seite wollen wir Familie und Freunden einen Einblick in unsere Reise geben, welche am 2.April 2018 auf der Insel Murter in Kroatien angefangen hat.
Wir sind: Michèle, Mark und die Kinder, Maxim (12/2013) und Mara (9/2015)
La Diala, ein Katamaran Helia 44 von Fontaine-Pajot, Baujahr 2014, haben wir im Frühjahr 2017 erworben.
Auf der Seite „Position und Route“ ist ersichtlich, wo wir gerade sind und wenn ihr von der KARTE auf das Satelitenbild wechselt wird’s noch besser… oder sonst auch via Marine Traffic. Mit der App Marine Traffic- Ship Tracking kann man uns auch nachspüren
Für Nachrichten an uns darfst du gerne das Kontaktformular verwenden. Wir freuen uns über jede Rückmeldung aus der Heimat.

13. September 2018

Die Balearen

Balearen=Baliarides=ballein=schleudern…..offensichtlich waren in der Antike die Steinschleuderer von Mallorca und Menorca gefürchtete Kämpfer. Sie hatten eine enorme Treffsicherheit. Wir haben uns gleich selbst eine Steinschleuder gebastelt, eigentlich für Maxim….

Die Balearen sind eine vielfältige Mischung von Bevölkerung, Kulturen und Sprachen. Menorca hat uns zu allererst empfangen. Wir sind in den zweitgrössten Naturhafen der Welt (nach Pearl Harbor, Hawaii), Port de Maó, gesteuert. Sehr eindrücklich wie die Natur solch unglaublich geschützte Buchten entstehen lässt. 3 Tage haben wir diese imposante Hauptstadt von Menorca genossen.

Bekannt ist Menorca unter den Seglern vor allem für die landschaftlich schönsten Ankerbuchten der ganzen Balearen. Häufig sind diese Cala’s eng, die Einfahrt felsig und enden dann in traumhaft feinsandigem Strand. Sie sind schlicht atemberaubend.

Da die Hauptsaison noch nicht ganz vorbei war, musste man sich dann leider in so eine schöne Cala hineinzwängen und sich ein Plätzchen irgendwie erkämpfen. Neben Yachten sind auch die Ausflugsboote, Motorboote, Pedalos, Kajak, SUP usw unterwegs. Wenn es dann aber Abend wird – dann gehört einem die Bucht fast alleine. Cala Macarella wurde zu meiner Lieblingsbucht. Der Morgen war das beste; die Sonne geht auf, ich erwache durch das Meckern der wilden Ziegen, stehe auf, bestaune den Moment, springe in das warme glasklare Meer und lasse mich an den schönsten Sandstrand treiben. Er gehört mir ganz alleine.

Auch auf Mallorca besuchten wir weitere traumhafte Buchten. Man ist einfach privilegiert, wenn man vom Meer herkommt. Die unzugänglichsten Buchten eröffnen sich einem problemlos.

Ein wenig aufgeregt war ich schon, als ich auf der Überfahrt nach Calo Pellicer, den Tamaya Sextanten (mit Exzentrizitätsfehler=0) auspackte und meine erste Mittagsbreite bestimmte. Es ist zwar die einfachste Bestimmung, aber dennoch, man kann viele Rechen/Messfehler machen. Die Differenz zwischen GPS und meiner Sextanten-Berechnung betrug weniger als eine Seemeile! Da war ich sehr stolz auf mich.

In der Ankerbucht Calo Pellicer, etwas westlich von Palma, ist meine Mutter an Bord gekommen. Eine grosse Freude für alle.

Unser nächstes Ziel war die Marina S’Arenal. Quasi im Ballermann Revier…Seit aber die mallorquinische Regierung das Eimersaufen verboten hat, geht es hier deutlich gesitteter zu und her.

Ohne die Besichtigung der Hauptstadt Palma wollten wir Mallorca aber nicht verlassen. Zudem standen da auch wieder mal Arbeiten an unserem Schiff an (Montage Umlenkrollen, Deckstopper für Parasailor, neues Grossfall und neue Grossfall Masttop-Fixation, Einzug und Montage 2. Genackertopfall, Aussenborderhalterung damit der 48kg 15PS AB während der langen Überfahrten nicht am Dinghi hängt und in die Wellen schlägt mit dem Schaft).In Palma haben wir auch noch Markus, ein Transat-Crewmitglied und ebenfalls Helia44-Besitze getroffen. Lionel, der Götti von Maxim, ist eingetroffen für 5 Tage und hat uns nach Ibiza begleitet.

Am 7.9.18 haben wir Mallorca verlassen und nach gut 10 stündiger Überfahrt Ibiza – die Partyinsel erreicht. Wir segelten der einsamen wenig verbauten Westküste entlang und liessen unseren Anker kurz vor Sant Antoni, in der Cala Salada, nieder. Bevor wir unseren Ankerdrink nehmen konnten, kurvten auch schon kreischend die ersten Partyboote, Superspeedboats, DavidGuettasound und Jetskis umher….

Wir sind dann mit dem Bus noch nach Ibiza-Stadt zur Touristentour und haben neues Schuhwerk für Mara gekauft.

Die Balearen verabschieden wir nun nach gut 3 Wochen. Fazit; einfach schön, schräg, entspannt, freundlich, pacific.

Wir nehmen eine lange Etappe unter den Kiel: Ibiza- Malaga war ursprünglich geplant. Unterwegs beim telefonischen Vorankündigen(Pseudoreservieren am Tag vor der Ankunft mussten wir mangels freien Gästeplätzen in den Marinas umdisponieren auf Ibiza – Marbella was schliesslich etwas mehr als 350sm am Stück bedeutet – zu bewältigen bei 6kn Fahrt in ungefährt 2Tagen und 6h. Unterwegs war wieder Fischen angesagt: ein bis nach 2h schon, 5min einholen bis der Gelbflossentuna (ca 70-90cm) 5m entfernt am Heck war, ein letztes Aufbäumen mit Sprung aus dem Wasser und weg war er…. Dann 1h später ein deutliches Surren: die Bremse der 18kg-Reiskraft-Leine war fast inexistent und die Trommel der Spule raste, die Rute bog sich, die Halterung verbog sich (sic!) ich konnte mangels Coolnes die Bremskraft nicht erhöhen (falsch hantiert) griff noch in die Leine (2x Schnitt in beiden Zeigfingern und nach 60sek -90 Sekunden war die Spule leer und die 300m lange Leine riss mit einem Knall ab. Das war ein Grosser! Irgendwie war ich froh und enttäuscht v.a. weil der kleinere , der gelbe Tuna, wäre von der Grösse perfekt für uns gewesen. Fortsetzung folgt! Zuerst muss ich nun dem Fischergarn nachrennen und die Rolle wieder füllen – diesmal mit zusätzlichen 300m Reserve. Es gibt ja mehrere grosse Fische. Ansonsten wenig Wind, meist Segeln unter Motor = mehr Höhe am Wind und weniger Verbrauch. Marbella liegt noch vor uns. Morgen Freitag 14.9. sollten wir da eintreffen.

Die Strasse von Gibraltar – ein spannender Abschnitt kommt auf uns zu. Nachdem wir auf Sardinien die gefürchteten Laistrygonen-Riesen, die Odysseus Schiffe versenkt hatten, glücklicherweise nicht angetroffen haben, sind wir nun gespannt was das Antike Ende der Welt, das König- oder Totenreich des Hades, oder einfach Gibraltar.

31. August 2018

Sizilien, Ustica, Sardiniens Südosten (Capo Carbonara) und Cagliari, San Pietro mit Carloforte bis Me norca, Espania

Von Cefalu sind wir 55sm nach Ustica gefahren, – meist unter Motor um dann von diesem einsamen Eiland am kommenden Tag die 165sm nach Sardinien Cap Carbonara/Villasimius ganz im Südosten in Angriff zu nehmen. Wir haben mit den Kindern bei wenig Wind unter Segel und leichtem Maschinenantrieb einen wunderschönen Sonnenuntergang erlebt, dann nach schwärzester Eindunkelung um ca. 23h einen leuchtenden Mondaufgang mit orangem Vollmond. Maxim ist morgens um ca 5’45h auf die Steuerbank geklettert ohne von uns geweckt zu werden, weil er den Sonnenaufgang erleben wollte. Wie schön! Und ist dann wieder schlafen gegangen. Natürlich haben wir die Schleppangel ausgeworfen: Grosse Aufregung, die Rute zuckte deutlich lebhaft und wir dachten an einen eher kleineren Fisch so um die 60-70cm. Ganz nervös holten wir die Leine ein, alles lag bereit um den Fang an Bord zu holen etc. Der 5KG-Fisch stellte sich dann als 1m langes Plastik-Tuch dar, dass sich in den 4 Ködern verfangen hatte. Michèles Lachen war ansteckend. Am 2. Tag erreichten wir die wenig geschützten Buchten von Capo Carbonara. Wir konnten uns mit einem Grosseinkauf wieder mit Lebensmittel eindecken. Wenn man vor Anker liegt, also nicht in einer Marina/in einem Hafen mit Steganlage, wird’s logistisch etwas aufwändiger. Wettercheck, mit Dinghi, Velo, Anhänger und zu viert an den Strand. Bei Wellen im hüfthohen Wasser alles trocken an den Strand ausladen – beobachtet von vielen badenden Touristen. Dann geht der eine mit Velo/Anhänger auf die Erkundungstour und sucht einen Supermarket «irgendwo». Das kann bis zu 1h dauern. Dann Einkauf (2h), zurück (30min), Einladen, 2x Fahren mit Dinghi, Kinder und wir evt etwas müde und nicht mehr ganz locker. Velo/Anhänger ausladen (evt bei tanzendem Dinghi wegen der höheren Wellen weil der Wind in der Bucht aufgefrischt hat) und dann ein Bier möglicherweise warm da gerade gekauft. Nun wird alles unter die Polster, Sitz- und Bodenbretter eingeräumt und schon bald wissen wir nicht mehr so genau, wo was ist und was wir noch an Vorräten haben. Dann wird alles wieder ausgeräumt und durchsortiert. Manchmal gehen wir auch einfach so mit den Velos ans Ufer. Das ist auch in etwa ähnlich weil’s dann 4 Velos sind oder 2-3 und der Anhänger. Die Marinas mit Steg, Anlegen und Strom sind schon praktischer aber eben bis zu 210Euro/Nacht wogegen das Ankern umsonst ist und wir direkt vom Boot ins Wasser springen können und am Heck praktisch Duschen ohne das im Boot drin alles feucht ist. Dafür trifft man beim Ankern normalerweise keine anderen Segler (zu weit von Boot zu Boot), jeder ist für sich. In den Marinas kommt man schnell ins Gespräch und trifft immer wieder mal ganz herzliche und sympathische Yachties. Es ist oft auch hilfreich weil wir Tipps kriegen oder was dazulernen über Reviere und Überfahrten (längere Strecken zwischen 2 Inseln oder Destinationen). Es gibt auch die Plauderer, welche allerlei üble Geschichten auf Lager haben und diese sofort an den Mann bringen müssen. Kinder gibt’s fast keine in den Marinas. Da wurden wir vorgewarnt. Erst auf den Kanaren und dann in der Karibik solle es dann öfters Familien geben, die auch so wie wir unterwegs sind.

Also Capo Carbonare: Ein Naturreservat mit Nahrungs- und Brutgebiet von Flamingos. Wir verbrachten je nach Wind/Vorhersage insgesamt 8Tage vor Anker entweder in der West- oder Ost-Bucht oder sind der Ostküste für einen Tagestörn noch gegen Norden entlang navigiert. Wasser klar, azur-bis grünblau, Strände sauber und feinster fast weisser Sand (überall auch auf dem Schiff) Wasser 26-27°, Luft 35°. Der nahe Touristenort Villasimius brachte viele Touristen an den Strand. Besuch von der Schwester von Michèle für 6 Tage. Gotti von Mara, grosse Freude allerseits. Wir sind dann zusammen nach Cagliari gesegelt (4.5h) und haben dort in der Marina del Sole im gigantischen Industriehafenbecken festgemacht. Eine üble Brühe, das Wasser und je nach Wind gibt es am Fest-land ein fürchterlicher Geruch (nicht jedoch bei uns am Kopf des Schwimmsteges). Im Hafenwasser massenhaft Fische, die nachts einen rechten Krach gemacht haben: Herum-Springen aus dem Wasser, mit lautem Platschen wieder «landen» und ans Boot schlagen im Sinne einer «Kollision" wenn diese grossen Schwärme um’s Boot herumschiessen auf der Jagd sind oder selber gejagt werden. Noch besser: Delphinfamilie im Hafen bis ca 10m neben LaDiala auf jagt und das Wasser aufschäumend und die Fischschwärme springend sodass es richtige Wellen gibt. Michele wollte mit dem Hafenwasser nicht mal unsere Toiletten spülen, andere sind baden und tauchen gegangen und hunderte haben da gefischt und auch welche rausgezogen (Orata, Branzino…..). Wegen Mistral zwischen Menorca und Sardinien sind wir letztlich 10 Tage in dieser Marina in Cagliari geblieben. Stadt angeschaut, Strandausflüge, Auto gemietet, 1x auswärts an der wilden Südwestküste übernachtet, eindrückliche Tropfsteinhöhle bestaunt und viel viel Bildschirmpräsenz zum Thema IT/WWW Wetter/Satelliten-Kommunikation/Datendownload als Vorbereitung für Off-shore Weather-Forecast, Weather-Routing und Departure-planing (vieles auch bei uns auf Englisch). Das ist echt eine Überraschung für mich, die Zeit, welche vor dem PC zu verbringen ist wegen Planung, Mailings, Neuanschaffungen, Ersatzteilen, Marina = Liegeplatzreservationen (Mallorca zBsp: 3 Wo im Voraus kriegst du mit Katamaran kein Liegeplatz auf telef. oder schriftliche Anfrage – wir fahren also einfach mal hin….) und Wettervorhersage sowie Karten- und Softwareupdates. Andererseits sind die Informationen aus dem Netzt wirklich einfach sehr genau und immer auf dem neuesten Stand und auch die Wettervorhersagen treffen fast immer zu. Wobei: hier gilt es aus 4-6 verschiedenen Vorhersagen (welche auf 2-4 Wettermodellen basieren) die richtigen Schlüsse zu ziehen. Wir sind beispielsweise auch schon daran, die Aufenthaltsbestimmungen in den diversen Ländern in der Karibik und den USA abzuklären und welche Regelungen für CH-Yachten (Non-EU-Ships) gelten.

Als uns dann die Wetter- Meer- und Windgötter einigermassen gut gestimmt waren, sind wir von Cagliari 60sm gegen Westen um die exponierten Südwestkaps von Sardinien und der vorgelagerten Inseln herum gefahren bis nach Carloforte auf S.Pietro ganz im Südwesten, ein von ligurischen Fischern im 18JH gegründetes Städtchen auf dieser kleinen Insel. Wind von 90Grad aber so schwach, dass wir Segel und Motor benutzt haben. Die letzten 3h waren dann wieder sehr ruppig wegen kurzen, steilen Gewitterwellen genau wieder mal auf den Bug. Alles war voller Gischt, Salzkrusten und seifig an Deck. 1 Tag Zwischenstopp in Carloforte, Ausklarieren Ciao Italia! und dann 21.August um 0410h UTC+2 (=LT 0610h) sind wir los gegen Menorca Kurs 280°, 194sm, Wind von 20-40° (= N-NNW) 4-9kn und abnehmenden Seegang auch ca von 30° vom Mistral 0.6-1m Wellen, Frequenz 4s, abnehmend auf 0.4 gemäss Vorhersage. Anfänglich war’s ein rechtes Geschaukel aber immerhin ohne «Schläge», d.h. der Wellenzyklus war lange genug, dass Diala die Wellen-Kämme und Täler fahren konnte ohne hinein zu krachen wie das zuvor fast immer der Fall war. Mir wurd’s trotzdem ein wenig mulmig als ich in den Koje mich um die Kinder kümmern wollte (Anziehen, WC, Kopf immer nach unten….) und ich hab mich als Skipper (Comandante, wie die Italiener sagen) dann um die Navigation gekümmert: streng 280° gegen Westen mit dem Autopiloten und Ausschau halten. Michèle ist resistenter gegen Seekrankheit aber auch sie musste die kleinen Arbeiten unten in den Rümpfen unterbrechen. Nach 8h wurde es dann ruhiger wie vorhergesagt aber der Wind blieb meist bei 30-40° sodass wir nur zwischendurch die Genua setzten und so unter Maschine noch 1.5Kn zulegen konnten. Reines Segeln war aber auch auf dieser Überfahrt nicht angesagt…. In 2 Tagen ist schon wieder Mistral bis um 45Kn angesagt und dann gibt’s einfach recht hohe Wellen (bei 45kn sind Wellen bis 3.9m prognostiziert gemäss den Modellen). Deswegen nehmen viele Segler für diese Überfahrt zwischen Sardinien und Ballearen auch Flauten in Kauf – so auch wir.

Einfahrt nach Mahon auf Menorca in Sicht, 4G-Empfang, im Internet noch auf See die Telefonnummern der Marina/Liegeplatzanbieter suchen und dann telefonisch abklappern, wo es für ins am gleichen Tag OHEN Reservation noch einen Liegeplatz gibt. . Auf Rückruf warten, Hafenbehörde anrufen, wegen einklarieren etc. und dann einlaufen in die langgezogene fjordartige Bucht von Mahon, ein grossartiges Erlebnis! Auf VHF-Channel 9 die Marina anfunken. Elegantes Anlegemanöver direkt am Stadtquai fast alleine um dann 6h später eingeklemmt zwischen Superjachten uns etwas unwohl zu fühlen weil auch sehr viel Betrieb plötzlich in den Abendstunden da das gaze lange Quai natürlich von Restaurants und Bars gesäumt ist…… Müde von der Ueberfahrt von Sardinien her wird auch diese Nacht eher kurz bzw. unruhig. Immerhin gab’s Helado y dos Mojitos zum Einschlafen und das gleicht vor dem Schiff am Quai

30. Juli 2018

30.7.2018 Griechenland Italien Sizilien

Griechenland – Italien: Strasse von Otranto, Apulien, Kalabrien, Sizilien direkt am Fusse des Aetna und zwischen Skylla und Charybdis bei Vollmond -konstellation mit starken Gezeitenstrom und Jahrhundert-Mondfinsternis durch die Strasse von Messina an Siziliens Nordküste

So liessen sich die letzten 3 Wochen gut zusammenfassen. Ergänzend: Wind null oder bei den langen Tagesstrecken (55-70sm) fast immer von vorne und dann gleich auch noch 15-27kn mit entsprechenden Wellen (Griechenland bis Sizilien von westsüdwest, durch die Strasse von Messina nordnordwest 20-25 konstant und in den Böen bis 27kn, Strom bis 5kn wegen Vollmond mit den Wellen, was das Wellenbild jedoch beruhigt hat; dem Strom konnten wir zeitlich gut ausweichen mithilfe akkurater Internet-Vorhersagen. Wir wurden auf diesen Etappen mehr als einmal durchgeschüttelt und Mara auf dem Weg nach Riposto vorne im Bug liegend bei Gang ins Wellental regelrecht in die Luft geworfen, sodass wir sie in die Achterkabine evakuieren mussten. Sie wurde davon dann auch etwas seekrank und hat die nächste Umgebung verunreinigt.

Aber der Reihe nach. Nach Korfu erreichten wir mitten im Nirgends zwischen Albanien, Griechenland und Italien die griech. Grenzinsel Orthoni/Orthonoi, sehr verschlafen, sehr bescheiden, der Charme des Verlassenen mit Aussenposten der Coastguard (die waren nett aber auch dort ca 1h aufgewendet ohne Fussmarsch um das Land zu verlassen). Irgendein Fussball-WM Halbfinal geschaut, am Strand zusammen gespielt und ca 2x2dl Metaxa serviert erhalten (nicht alles getrunken). Nach einer Nacht im Hafen weiter bei Windstille über den südlich-breiteren Teil der Strasse von Otranto nach S.Maria die Leuca. Gefischt: dabei hat sich beim Einziehen der Holz-Haspel diese in ihre Einzelteile zerlegt bei ca 7kn fahrt und mir ist alles aus den Händen geflogen und in der See versunken. Immer noch ohne Fang (seit dem ersten und letzten Mal Mitte Mai).
In Leuca eine extreme Hitze bei Windstille. Wir blieben dort 8 Tage weil wir noch Michèles Vater mit seiner Gattin zu Besuch erwarteten und langjährige, ursprünglich italienisch/spanische Bekannte aus Weiningen in S.Maria al Bagno nördlich von Gallipoli besuchen wollten. Wir haben noch etwas Schiff- und Familien-Unterhalt eingeschaltet, Strandleben direkt am Lungo Mare (aber es war wirklich extrem heiss), eine richtige Hochseefischerrute mit Hochseetrommel, Schleppleine, Relinghalterung am Heck und neue Köder gekauft inkl. Instruktion (alles auf Italienisch – ich mache Fortschritte mit den Händen und so). Das schaut jetzt richtig cool aus hinten am Heck so aufgesteckt…… Eine neue Runde ist eingeleitet (fast wie Hemingway, ich will aber einfach irgendeinen Fisch, nicht DEN Fisch). Habe sicher 1h im WWW nachgeschaut, wie man als Unkundiger ein 5 KG-Exemplar (es gäbe auch grössere) an Bord bringt (mit einem schlimmen Hacken, habe ich auch) und dann die richtigen Schnitte am Richtigen Ort vornimmt (eine unschön-blutige Sache) oder einfach draufschlägt (Kinderbaseball-Schläger haben wir nun auch….). Evt ist es ja sowieso besser und einfacher, wenn keiner anbeisst!?

Nach einem ausgiebigen, lustigen und kühlenden Badenachmittag im «Waterland» haben wir dann mit Mietauto unsere Freunde aus Weiningen in Santa Maria al Bagno besucht, welche ursprünglich aus Apulien bzw Spanien kommen und nun nach 45 Arbeitsjahren in der Schweiz den Sommer im Süden verbringen. Kinder und Enkel waren auch da und alle zusammen haben wir hervorragend gegessen, einen Abendspaziergang mit Gelato, Trampolino und Rockkonzert am Strand erlebt. Erst nachts um 0130h waren wir wieder auf dem Schiff.

Am nächsten Tag sind die Grosseltern angekommen mit, Nachschub, Ersatz und sonstiges Material sowie Überraschungen aus der Schweiz. Die Kinder und auch Michèle und ich, wir haben uns extrem auf die nun folgende Woche mit Grosspapi und Nica gefreut.

Von Leuca sind wir nach Gallipoli gegen den Wind mit Motor gefahren (15-20Kn, steile kurze Wellen, recht ruppig). Anschliessend haben wir die historisch wirklich interessante Burganlage und Altstadt besichtigt und ausgiebig in der Bar am Festungsrand dem Sonnenuntergang, dem Leben und uns selber zugeprostet. Am nächsten Morgen haben wir die 70sm nach Crotone in Angriff genommen und sind bei aufgehender Sonne gesegelt. Bei 60-100° Windwinkel und 12-16Kn Wind haben wir gute 6.5-8.5kn Fahrt gemacht und es sehr sehr genossen. Auch in Crotone etwas Sightseeing nach 70sm aber eher «angestrengt» für uns alle, deswegen bald schon Frutti di Mare am Lungo Mare und früh ins Bett weil nun seit Gallipoli immer Abfahrt zwischen 5h und 530h morgens.

Nach Crotone entlang der Stiefel-Sohle von Italien gegen Südwesten über Rocella ionica (1 Nacht) an die südlichste Destination, Riposto, nördlich von Catania auf Sizilien. Unterwegs haben uns wieder Delphine begleitet und sind immer wieder elegant aus dem Wasser gesprungen. Wir haben fliegende Fische gesehen und bei Gewitterböen auch fliegendes Wasser unmittelbar hinter uns mit Winddreher von 90° und plötzlicher Hitze in der Luft, ohne dass uns die ganz starken Böen erreicht hätten. Riposto liegt wirklich unmittelbar am Fusse des Aetna und jeden Morgen haben wir die Spitze bzw. den Gipfel oder die Wolken (oder den Rauch?) gesehen. Die Marina wird unübersehbar seit Jahren zu 1/3 nicht benutzt: schön abgetrennt liegen die zerfallenden Schwimmstege da oder ragen bizarr aus dem Wasser – ich fühlte mich an Albanien erinnert. Sonst sehr aufmerksam und professionell geführt, kompetente und hilfreiche Ormeggiatori (Anlege-Helfer, Hafenpersonal, Hafenmeister) zu einem Preis von 200Euro/Nacht. Wir wollten eigentlich ankern gehen aber die Wettervorhersagen am Aetna und in der Gegend südlich der Strasse von Messina sind schwierig und wir hatten 4 verschiedene Prognosen von wenig Wind bis zu max. 50kn ( ca Windstärke 10) angesagt ab morgens um 5h. Deswegen eben klaglos 200E/Nacht. Es ging dann auch los um 5h mit 7-8 Windstärken von uns gemessen direkt runter vom Aetna an dessen Fuss in guter Sichtdistanz Riposto liegt. Wir lagen ganz innen im Hafen, weiter draussen hat sich auch das eine oder andere Bimini verabschiedet. Nach 3h war der Spuk vorbei und das ganze Schiff bedeckt mit schwarzem Staub/Sand, vom Aetna’s Lava und Asche natürlich so unsere Vorstellung. Schiffputzen war angesagt. Gleichentags am Nachmittag dann Winddreher auf Nord und dann gings richtig los bis 50kn in den Böen. Die eleganten, wirklich grossen Segel und Motoryachten lagen längsseits am Megapier quer zum Wind und haben sich eindrücklich auf die Seite gelegt, sodass einzelne Crews die Matratzen der Kojen opfern mussten um die Bordwand zu schützen, welche durch die Krängung nicht mehr von den luftgefüllten , nach unten gedrückten Fender abgefedert wurde. Das ging so bis in den späten Abend. Wir lagen weiterhin optimal mit dem Bug in Windrichtung längsseits und haben uns mit allerlei Festmachern und Ruckdämpfern komfortabel festgezurrt (wir haben gelernt und unsere Lektion bzw. das neue Material mitgenommen aus Griechenland…..). Wir waren sehr froh, in dieser teuren Marina zu sein!

Tag 2 in Riposto: Michele, die Kids und die Grosseltern haben mit dem Mietauto und zu Fuss einen Ausflug nach Taormina, die Arena bzw. das Amphitheater von Taormina, die kühle Schlucht mit dem malerischen Flüsschen und zum letzten Parkplatz oben am Aetna gemacht. Ich habe mich um kleinere aber unangenehme Defekte bzw. deren Reparatur gekümmert und wollte einige Dinge am Schiff kontrollieren: u.a. Sicherung am Motoren-Hauptrelais und dabei gleich festgestellt, dass es steuerbord überhitzt und beim Wackeln an der Sicherung dann auch noch Rauch und Verbrennungsgestank bemerkt mit anschliessendem Kurzschlussalarm und Defekt des ganzen Relais: 1 Tag auf Techniker gewartet (vorher wollten sie kein neues Relais bestellen), dann Relais bestellt, 2 Tage auf Relais warten, 30min zum auswechseln = Tag 6 in Riposto, sodass wir erst am 28.Juli dann die 10-11h-Etappe von Riposto am ionischen Meer her in Angriff nehmen konnten quasi immer noch auf den Fährten Odysseus’ durch die Strömungen von Skylla und Charybdis an der Strasse zu Messina und gegen den Wind nach Milazzo im Tyrrhenischen Meer (s.o.).

Man könnte diesen Tag durch die Strasse von Messina in einem Satz abhaken oder aber ein ganzes Buch darüber schreiben. Die Jahrhundert-Mondfinsternis verzauberte uns am Vorabend und ich genoss das ganze Spektakel quasi vom Bett aus.

Morgens ging es bei Sonnenschein und 2-3 Beaufort Richtung Norden. Das Ganze wurde wie erwartet etwas ruppig, zuerst die Wellen die nicht hoch aber mühsam waren und gegen uns. Danach kam immer mehr Wind bis Beaufort 6. Unsere Diala störte das nicht gross, sie ist eine sehr Tapfere und stampfte sich mühelos hindurch. Wie berechnet und auch entsprechend unsere ETA in Messina geplant, hatten wir initial Strom bis 2-3knt gegen uns. Wir erreichten Messina genau so, dass wir mit wenig Strom gegen Norden durch diese berüchtigte Skylla-Charybdis Meeresenge hindurchschlüpfen konnten. Wir meldeten uns brav bei VTS (Vessel Traffic Service) Messina über Funk an, da es sich um eine Traffic Separation Zone handelte.

Skylla haben wir definitiv nicht angetroffen (waren dafür wohl auf der falschen Seite). Aber was wir sahen waren kleine Baby-Charybdis-Strudeli. Wirklich nichts Grosses dafür aber sehr spannend. Trifft doch irgendwo dort das Ionische auf das Tyrrhenische Meer. Und Meer ist nicht gleich Meer. Das eine hat einen höheren Salzgehalt, das andere ist wärmer und hat zu einer anderen Zeit Spring und Nipzeit. Und irgendwo um Messina findet diese Vermischung in allen Tiefenlagen statt.

Der Schiffsverkehr, vor allem durch die vielen Fähren von Kalabrien nach Sizilien bedingt, hielt uns auf Trab. Wir glaubten inmitten dieses Bootsgewusel doch einige mollige Segelschiffe mit hohen, breiten Masten ohne Segel ausmachen zu können. Sie entpuppten sich aber, und das habe ich zuvor noch nie gesehen, als Schwertfisch-Jagd-Boote. Eigentlich ein kleines feines Fischerboot, ergänzt mit einem hohen breiten Gitter- Masten, von wo der Captain oben sitzend im Ausguck steuert und nach den an der Wasseroberfläche schlafenden Schwertfischen Ausschau hält. Sie sitzen da oben auf dem Top bis zu dritt. Am Bug, und das sieht sehr sehr skurril aus, ist eine unendlich lange Brücke/Gangway wie ein Ausleger befestigt. Dort sitzt an der Spitze vorne über den Wasser der Harpunist und erjagt dann den Schwertfisch. Wir haben es aus nächster Nähe erlebt.

Am Capo Peloro, Siziliens Nordspitze, spülte esnuns kurz darauf aus Meerenge und wir fanden uns in einem neuen «Land» wieder. Das Tyrrhenische Meer. Flach, Flaute, Sonnenschein und eine grosse Genugtuung.

Weiter nach Westen reisend erreichten wir an diesem spannenden Tag endlich Milazzo für einen Nachtankerstopp um am darauffolgenden Tag nach weiteren 65nm erneut vor Anker liegend in Cefalu mit dem Dinghy anzulegen und mit Sicht in den Sonnenuntergang Frutti die Mare, Vino Bianco und Gelati zu geniessen.